Fortschritte in der Parkinson-Therapie: Von der Transkraniellen Pulsstimulation bis zur Genetik

Morbus Parkinson, eine neurodegenerative Erkrankung, von der in Deutschland etwa 250.000 Menschen betroffen sind, ist durch den Abbau dopaminerger Nervenzellen gekennzeichnet. Die Symptome reichen von zitternden Händen und einem schleichenden Gang bis hin zu einem maskenartigen Gesichtsausdruck. Die Forschung konzentriert sich auf verschiedene Therapieansätze, um die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und idealerweise die Ursachen zu bekämpfen. In den letzten Jahren haben sich vielversprechende Entwicklungen ergeben, die neue Hoffnung für Parkinson-Patienten wecken.

Transkranielle Pulsstimulation (TPS): Ein nicht-invasiver Ansatz

Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) ist ein fortschrittliches, nicht-invasives Verfahren zur Hirnstimulation, das in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Ursprünglich für ihre Erfolge in der Alzheimer-Therapie bekannt, rückt die Anwendung der TPS auch bei Parkinson immer stärker in den Fokus der Forschung. Klinische Beobachtungen über die letzten zwölf Jahre haben gezeigt, dass diese Technologie vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit liefern kann.

Studie der Medizinischen Universität Wien

Eine Studie der Medizinischen Universität Wien hat kürzlich bestätigt, dass die TPS als zusätzliche Therapieoption für Parkinson-Patienten signifikante Verbesserungen der motorischen Funktion bewirken kann. Die Studie untersuchte die Sicherheit und Praktikabilität der TPS für eine breite Palette von Parkinson-Patienten, wie sie in der alltäglichen klinischen Praxis auftreten.

Studiendesign und Patientenkollektiv

In der Studie wurden 20 Patienten (15 Männer und 5 Frauen, Durchschnittsalter: 67,6 Jahre, bisherige Krankheitsdauer: 3 bis 148 Monate) untersucht, die von externen Fachärzten für Neurologie diagnostiziert worden waren. Diese Patientengruppe, die eine breite Vielfalt an Parkinson-Subtypen und Begleiterkrankungen repräsentierte, unterzog sich einem Therapieversuch mit zehn TPS-Sitzungen über einen Zeitraum von zwei Wochen.

Vorbereitung und Durchführung der TPS-Behandlung

Vor Beginn der TPS-Behandlung wurden hochauflösende MRT-Bilder zur diagnostischen Klärung, Beurteilung der Gehirnstruktur und zur Planung der TPS-Navigation angefertigt. Die Zielbereiche für die TPS-Stimulation wurden individuell anhand der MRT-Aufnahmen bestimmt und umfassten primär den sensomotorischen Cortex sowie andere relevante motorische Regionen.

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Überwachung und Nebenwirkungen

Im Verlauf der zweiwöchigen Behandlung mit Transkranieller Pulsstimulation wurden die Patienten sorgfältig auf unerwünschte Ereignisse hin überwacht. Nach jeder Therapiesitzung gaben sie Rückmeldung über eventuelle Beschwerden, wobei sie Druckgefühle und Schmerzen mithilfe von visuellen Analogskalen (VAS; von 0 für ‚kein‘ bis 10 für ’sehr starker‘ Druck/Schmerz) bewerteten. 13 Personen berichteten über sehr leichte Nebenwirkungen wie kurze Müdigkeit und Kopfschmerzen, die jedoch innerhalb eines Tages von selbst nachließen.

Bewertung der motorischen Fähigkeiten

Die klinische Beurteilung der Patienten erfolgte sowohl vier Wochen vor als auch nach den TPS-Sitzungen, durchschnittlich 14 Tage vor Beginn und 13 Tage nach Abschluss der Therapie. Diese Bewertungen wurden von unabhängigen Neurologen im „ON“-Zustand der Patienten durchgeführt, wobei der Fokus auf Veränderungen der motorischen Fähigkeiten mittels der Unified Parkinson’s Disease Rating Scale Teil III (UPDRS-III) lag.

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse der Studie zeigen eine signifikante Verbesserung der motorischen Funktionen bei den Teilnehmern, wie durch die Unified Parkinson’s Disease Rating Scale Teil III (UPDRS-III) dokumentiert. Vor der Behandlung lag der Durchschnittswert bei 16,70 (± 8,85), der nach der TPS-Therapie auf 12,95 (± 8,55) fiel, was statistisch hochsignifikant ist (p < 0,001).

Diskussion der Ergebnisse

Die signifikanten Ergebnisse der TPS-Behandlung wurden zwar nicht gegen eine Kontrollgruppe mit Scheinbehandlung abgeglichen, was die Frage nach möglichen Placeboeffekten aufwirft. Doch obwohl nicht-pharmakologische Interventionen generell zu stärkeren Placebo-Antworten neigen, zeigt die Konsistenz und Häufigkeit der motorischen Verbesserungen (bei 19 von 20 Patienten) im Falle der TPS klar, dass ein reiner Placeboeffekt unwahrscheinlich ist. Frühere Studien zur TPS, die Scheinkontrollen und unabhängige neurophysiologische Daten (wie EEG und fMRT) einschlossen, liefern ebenfalls eindeutige Belege für die modulierende Wirkung der TPS auf neurophysiologische Prozesse und langfristige neuroplastische sowie kognitive Verbesserungen, auch in anderen Bereichen wie Alzheimer-Demenz und Depression.

Zukünftige Forschung

Um ein tieferes Verständnis der Langzeitwirkungen und der Gesamteffektivität der TPS zu erlangen, sind natürlich weitere prospektive Studien mit Scheinkontrollen mit einer größeren Anzahl an Teilnehmern erforderlich.

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Genetik und Biomarker: Auf dem Weg zu personalisierten Therapien

Die Parkinson-Erkrankung ist durch das Absterben dopaminerger Nervenzellen gekennzeichnet. Als Ursache steht neben Umwelt- und Altersfaktoren die Genetik im Fokus der Forschung, insbesondere Mutationen in den Genen SNCA, LRRK2, Parkin, PINK1 und GBA1. Die Identifikation genetischer Risikofaktoren ermöglicht die Entwicklung von Biomarkern zur Früherkennung und ebnet den Weg für innovative gentherapeutische Ansätze.

Mitochondrien im Fokus

Einer der Ansatzpunkte der aktuellen Forschung sind die Mitochondrien. Sie sind als "Kraftwerke der Zelle“ nicht nur für die Energieversorgung, sondern auch für den Zellstoffwechsel und die Steuerung des Zelltods verantwortlich. Studien zeigen, dass Störungen der mitochondrialen Funktion maßgeblich zum Untergang dopaminerger Nervenzellen beitragen und somit eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Parkinson spielen könnten. Als Ursache gelten Defekte in den beiden Parkinson-assoziierten Genen PINK und Parkin, die gemeinsam die Entsorgung geschädigter Mitochondrien (Mitophagie) und damit „Säuberung“ der Zelle steuern. Forschungsprojekte untersuchen gezielt, wie mitochondriale Fehlfunktionen zur Parkinson-Pathologie beitragen. Ziel ist es, mitochondriale Endophänotypen zu identifizieren, Biomarker für die Frühdiagnose zu entwickeln und neue therapeutische Angriffspunkte zu finden. Untersucht werden auch klinische Ansätze zur Stabilisierung der Mitochondrienfunktion, wie die Einnahme von Vitamin K2 oder Coenzym Q10. Zudem gilt die Anzahl mitochondrialer DNA-Kopien im Blut als vielversprechender Biomarker für Diagnose und Prognose bei Parkinson.

Nachweis von fehlgefaltetem α-Synuklein

Ein Meilenstein der Biomarkerforschung als Basis für die Entwicklung gentherapeutischer Ansätze waren schon 2018 und im Mai 2023 die Ergebnisse einer Studie, in der Forschende mithilfe eines neuen Seed Amplification Assay (SAA) erstmals fehlgefaltetes α-Synuklein im Liquor (Hirnwasser) von Parkinson-Patienten nachweisen konnten. Der SAA-Test ermöglicht eine frühe wissenschaftliche Diagnose und erreicht eine Genauigkeit von 97 Prozent. Zudem lassen sich je nach genetischer Ursache unterschiedliche SAA Profile im Hirnwasser identifizieren. Mittlerweile gelingt der Nachweis per SAA teils auch weniger invasiv in Blut, Haut oder Schleimhaut.

Bluttest mit künstlicher Intelligenz

Einen weiteren Durchbruch markiert ein neuer Bluttest, der mithilfe künstlicher Intelligenz acht Proteine identifiziert, die mit Entzündungsprozessen und dem Abbau defekter Proteine assoziiert sind. In ihrer spezifischen Zusammensetzung im Blut können sie eine Parkinson-Erkrankung bei acht von zehn Risikopatienten mehrere Jahre im Voraus vorhersagen. Zusätzlich sind die Markerproteine mögliche Ziele für neue Therapien. Ziel ist es nun, diese Biomarker-basierten Tests in die klinische Routine zu überführen und bevölkerungsbasierte Daten zu erheben.

Genetische und externe Faktoren

Die Entstehung von Parkinson wird durch ein Zusammenspiel genetischer und externer Faktoren beeinflusst. Während bei den seltenen erblichen Formen der Erkrankung Mutationen in Genen wie SNCA, LRRK2, Parkin und PINK1 die Krankheitsentstehung maßgeblich beeinflussen, stehen bei der häufigen sporadischen Form neben genetischen Veränderungen auch Umweltfaktoren, das Mikrobiom und Lebensstil im Fokus. Besonders relevant ist dabei das GBA1-Gen: Zehn Prozent der deutschen Parkinson-Patienten tragen hier genetische Veränderungen, wobei das Erkrankungsrisiko je nach Variante variiert und meist weitere auslösende Faktoren notwendig sind.

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Personalisierte Therapieansätze

Die Entwicklung von Biomarkern ermöglicht, zwischen den jeweils beteiligten Stoffwechselwegen und den zugrundeliegenden Pathologien zu unterscheiden und gezielt zu bestimmen, welche Menschen höchstwahrscheinlich von einem bestimmten Therapieansatz profitieren. Aus den Profilen der genetischen Formen gewinnen wir Erkenntnisse für die vielen Menschen, die an sporadischem Parkinson erkrankt sind. Denn die Stoffwechselwege sind im Prinzip dieselben.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine weitere etablierte Therapieoption für Parkinson-Patienten, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Regionen des Gehirns implantiert und mit einem Stimulator verbunden, der ähnlich wie ein Herzschrittmacher in der Schlüsselbeingruppe liegt. Die Elektrodenspitze stimuliert das Gebiet mit sehr schwachen Strompulsen, was zu einer Inaktivierung des stimulierten Gebietes führt.

Erfolge und Langzeitstudien

Die THS kann bei einigen Patienten bemerkenswerte Erfolge erzielen, indem sie motorische Fähigkeiten verbessert und die Lebensqualität steigert. Langzeitstudien zeigen, dass die THS auch über einen Zeitraum von fünf Jahren eine relativ stabile Antwort erzielen kann. Dennoch schreitet der Parkinson fort, aber der entscheidende Vorzug durch diese Therapie liegt darin, dass dieses Fortschreiten auf einem völlig neuen Niveau erfolgt.

Neue Neurostimulatoren

In der Neurochirurgischen Klinik des LMU Klinikums München wurde im Januar der erste Parkinson-Patient weltweit mit einem neuen Neurostimulator versorgt, der eine bessere, personalisierte Versorgung von Patienten ermöglicht. Damit könnte eine Behandlung möglich werden, bei der die Stimulation gezielt den Anforderungen an die jeweilige Situation (z.B. Gehen, Sprechen, Schlafen) angepasst und optimiert wird. Auch „komplexere“ Alltagssituationen wie gleichzeitig Reden und Gehen sollten auf diese Weise für die Patienten besser zu bewältigen sein.

Chronische Unterversorgung

Trotz der potenziellen Vorteile der THS werden immer noch viel zu wenige Patienten mit einem solchen Hirnschrittmacher versorgt, obwohl sie davon profitieren könnten. Es wird von einer "chronischen Unterversorgung" gesprochen, da die "Hemmschwelle", ein spezialisiertes Zentrum aufzusuchen, für die Patienten sehr hoch sei.

Weitere Therapieansätze und Forschung

Neben den genannten Therapien gibt es weitere Ansätze, die in der Behandlung von Parkinson eine Rolle spielen:

  • Medikamentöse Therapie: Die Behandlung besteht darin, das fehlende Dopamin durch Medikamente zu ersetzen und den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Im Spätstadium aber verlieren die Pillen die Wirkung.
  • Logopädie: Bei Morbus Parkinson verändert sich das Sprechen bei nahezu 90% der Patienten. Diese Veränderungen treten häufig schon früh im Krankheitsverlauf auf. Die Lebensqualität wird durch eine leise Stimme, verwaschene Sprache, eine monotone Sprechweise oder auch eine heisere Stimmgebung beeinträchtigt. Eine Therapie bei Parkinson ist folglich schon frühzeitig anzufangen.
  • LSVT® Therapie: Das LSVT® ist eine intensive Therapie, die über mehrere Wochen mit häuslichen Übungen hierarchisch aufgebaut ist. Objektive Messverfahren dienen zum genauen Festhalten der Therapieerfolge.
  • Transkranielle Magnetstimulation (TMS): Die Behandlung mit Magnetwellen kann bestimmte Regionen des Gehirns reizen und so die Symptome der Schüttellähmung bei Morbus Parkinson spürbar bessern. Die TMS ist eine nicht-invasive Behandlung mit Aussicht auf gute Therapieerfolge, die bei neurologischen und psychischen Störungen eingesetzt werden kann.

Die Forschung konzentriert sich weiterhin auf die Entwicklung neuer Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder sogar aufhalten können. Besonders viel verspricht man sich von Substanzen, die die für die Parkinson-Erkrankung typischen Verklumpungen von Proteinen im Gehirn auflösen können.

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