Ein Bandscheibenvorfall ist eine häufige Ursache für Rückenschmerzen und kann zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen. Dabei tritt der weiche Kern der Bandscheibe durch einen Riss im äußeren Faserring und kann auf Nerven drücken, was Schmerzen und andere Symptome verursacht. Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der konservativen Behandlung von Bandscheibenvorfällen. Viele Patienten sehen sich jedoch mit der Sorge konfrontiert, dass sich ihre Schmerzen nach einer Physiotherapie verschlimmern könnten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für starke Nervenschmerzen nach physiotherapeutischen Behandlungen, gibt Ratschläge zum Umgang mit diesen Schmerzen und zeigt Behandlungsoptionen auf.
Einführung
Die Physiotherapie ist eine unverzichtbare Behandlungsmaßnahme, um Personen mit gesundheitlichen Beschwerden dabei zu helfen, ihre körperliche Gesundheit zu verbessern. Ihr Hauptziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskulatur zu stärken, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und eine Operation zu vermeiden. Doch auch wenn die therapeutischen Konzepte die Aufrechterhaltung und Förderung von mehr Mobilität, Stabilität oder Schmerzreduktion des Bewegungsapparats zum Ziel haben, können sich durch die Anwendungen verschiedene Reaktionen zeigen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten nach einer physiotherapeutischen Behandlung eine vorübergehende Zunahme der Schmerzen erleben. Diese Reaktion kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter Muskelkater, der durch ungewohnte Bewegungen entsteht, oder eine kurzfristige Reizung des Gewebes. Solche Reaktionen sind oft normal und ein Zeichen dafür, dass der Körper auf die Therapie reagiert.
Ursachen für verstärkte Schmerzen nach Physiotherapie
Es gibt verschiedene Gründe, warum nach einer Physiotherapie starke Nervenschmerzen auftreten können.
Erstverschlimmerung
Die Erstverschlimmerung ist ein klassischer Bestandteil aller medizinischen, alternativen, therapeutischen und präventiven Maßnahmen. Hierbei handelt es sich um eine ganz natürliche Reaktion des Körpers, der beginnt, sich mit den auf ihn einwirkenden Techniken auseinanderzusetzen. Dadurch kann es vorkommen, dass sich der Patient unmittelbar nach der Physiotherapie schlechter fühlt als vorher, vorhandene Schmerzen schlimmer werden, Bewegungseinschränkungen zunehmen oder sich sogar Symptome zeigen, die zuvor noch nicht da gewesen sind. Diese Problematik wird auch oft als Heilschmerz betitelt, weil sie zwar unangenehm ist, eigentlich aber die Regeneration des Körpers beeinflusst.
Muskelkater und Gewebereizung
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten nach einer physiotherapeutischen Behandlung eine vorübergehende Zunahme der Schmerzen erleben. Diese Reaktion kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter Muskelkater, der durch ungewohnte Bewegungen entsteht, oder eine kurzfristige Reizung des Gewebes.
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Überlastung und fehlerhafte Techniken
Falls sich im Anschluss an eine Physiotherapie Beeinträchtigungen mit der Mobilität zeigen, ist dies ein Zeichen für eine zu starke Beanspruchung oder fehlerhafte Techniken. Immerhin dürfen die Reaktionen nach der Behandlung nicht über leichte Muskelschmerzen, ein Gefühl von Schwere in der Muskulatur, ein Ziehen oder eine Erschöpfung hinausgehen.
Vorerkrankungen und Kontraindikationen
Auch ein fehlerhaftes Verhalten kann zu negativen Reaktionen führen. Hier kommen mehrere Ursachen infrage, zum Beispiel eine nicht vorhandene Kommunikation zwischen dem Therapeuten und dem Patienten, wodurch sonst Themen wie ein zu hohes Schmerzempfinden, Vorerkrankungen oder Ähnliches abgeklärt werden können. Außerdem wäre es denkbar, dass vorhandene Kontraindikationen versehentlich oder absichtlich nicht erwähnt wurden, vielleicht aber auch durch den Therapeuten unbeachtet blieben.
Nervenschädigung
Werden Nerven nur vorübergehend eingeklemmt oder gereizt, tritt der Schmerz blitzartig auf und hält nur wenige Sekunden an. Man spricht in diesen Fällen von einer Neuralgie. Ursache kann eine Fehlstellung der Wirbelkörper sein. Ferner können die Bandscheiben auf die Nervenstränge drücken. Aber auch Verspannungen oder altersbedingte Abnutzungen können für Nervenschmerzen verantwortlich sein.
Innerhalb der Wirbelsäule verläuft der Rückenmarkskanal mit einer Vielzahl von Nervensträngen, die Signale an das Gehirn senden bzw. von diesem empfangen. Weiterhin stellen Nervenstränge, die zwischen den Wirbelkörpern austreten, eine Verbindung zwischen dem Rückenmark und den verschiedenen Körperregionen her. Nervenschmerzen können im Bereich dieser Ein- und Austrittsstellen der Nervenstränge auftreten und in das von ihnen versorgte Körperareal ausstrahlen.
Bei neuropathischen Schmerzen sind die Nerven selbst oder die sie versorgenden Blutgefäße erkrankt. Häufige Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose sowie Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Infektionen oder Verletzungen.
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Postoperative Neuropathie
Rund 20 % aller operierten Patienten entwickeln Nervenschmerzen, sogenannte postoperative neuropathische Schmerzen oder postoperative Neuropathie. Zu den Operationen, die häufig Nervenschmerzen nach sich ziehen, gehören unter anderem:
- Brust- oder Brustkorb-Operationen (zum Beispiel aufgrund von Herzerkrankungen oder Brustkrebs)
- Leistenbruch-Operationen
- Lungen-Operationen
- Amputationen
Die Ursachen postoperativer Nervenschmerzen sind verschieden: So kann es während des operativen Eingriffs zu Schädigungen des Nervensystems kommen, etwa aufgrund von Kompressionen, Dehnungen, Traumen oder der Patientenlagerung. Davon abgesehen können Entzündungsprozesse nach einer Operation dazu führen, dass die peripheren Nerven erkranken.
Wann ist ärztlicher Rat notwendig?
Allerdings gibt es auch Warnzeichen, die auf eine ernsthafte Verschlechterung hindeuten können. Dazu gehören dauerhafte Schmerzen, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen oder ein Kontrollverlust über Blase oder Darm. Die S2k-Leitlinie empfiehlt, dass Patienten ihre Symptome genau beobachten und dokumentieren. Eine offene Kommunikation mit dem Physiotherapeuten und dem behandelnden Arzt ist entscheidend, um die Therapie bei Bedarf anzupassen und Komplikationen zu vermeiden.
Es ist ratsam, ärztlichen Rat einzuholen, wenn die Schmerzen dauerhaft und intensiv sind oder wenn Warnzeichen wie Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen oder Kontrollverlust über Blase oder Darm auftreten.
Sollten sich die Reaktionen auf die Physiotherapie in einem Maß zeigen, dass über eine Erstverschlimmerung hinausgeht und ernsthafte Symptome mit sich bringt, empfiehlt es sich, schnellstens einen Arzt aufzusuchen. Gerade wenn es sich vielleicht um eine fehlerhafte Anwendung handelt oder der Patient Kontraindikationen hat, von denen er eventuell nichts wusste, ist Handlungsbedarf erforderlich, damit sich die Beschwerden nicht weiter verschlechtern oder zusätzliche gesundheitliche Risiken nach sich ziehen.
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Tipps zur Linderung von Beschwerden nach Physiotherapie
Wenn sich die Schmerzen nach der Physiotherapie verschlimmern, ist es wichtig, die Symptome genau zu beobachten und zu dokumentieren. Dies hilft nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Physiotherapeuten und Arzt, die Therapie bei Bedarf anzupassen.
Einige praktische Tipps zur Selbsthilfe umfassen die Anwendung von Wärme- oder Kältepackungen, um Schmerzen zu lindern. Wärme kann helfen, verspannte Muskeln zu entspannen, während Kälte Schwellungen reduzieren kann.
Selbsthilfe Maßnahmen
Damit es nur zu positiven Reaktionen kommt, die mit einer Physiotherapie verbunden sind, solltest Du dich vor und nach der Anwendung auch passend verhalten. Wir möchten Dir hierzu ein paar nützliche Tipps geben, mit welchen Du die Effekte der Therapie unterstützt sowie die negativen Reaktionen minimierst:
- Ruhe und Entspannung suchen: Die Physiotherapie ist für den Körper sehr belastend. Insbesondere bei Personen, die schon länger mit Beschwerden zu kämpfen haben, können die ungewohnten Techniken für Erschöpfung und Überbeanspruchung sorgen. Darum ist es wichtig, einen passiven Ausgleich zu schaffen, der die gestressten Muskeln, Gelenke und Knochen wieder entspannt. Ausreichend Schlaf, der Verzicht auf schweißtreibende Sporteinheiten und die Reduktion von Stress sind daher nach einer Anwendung äußerst vorteilhaft.
- Ausreichend Flüssigkeit: Es ist entscheidend, dass der Patient vor und nach der Behandlung genügend trinkt. Dadurch werden die Schadstoffe leichter abtransportiert und der Regenerationsprozess wird gefördert. Das wiederum kann negative Reaktionen vermeiden.
- Wärme: Um die Muskulatur nach der Physiotherapie zu entspannen, kann die Zufuhr von Wärme entspannend sein. Sie gelingt wahlweise über ein Körnerkissen, die Wärmflasche, ein Wärmepad oder auch ein wohltuendes heißes Bad.
- Leichte Stretching Übungen: Damit die Muskeln gelockert werden, darfst Du gerne ein leichtes Stretching absolvieren. Hier ist wichtig, dass es lediglich behutsame Dehnübungen sind und kein anstrengendes Work-out.
- Belastungen vermeiden: Wenn es Faktoren gibt, die den Patienten bei seiner Regeneration beeinträchtigen, sollten diese aufgehoben werden. Liegt die Problematik zum Beispiel im Bereich des Rückens, könnten auch eine ergonomische Sitzhaltung und das Vermeiden von Übergewicht sinnvoll sein.
- Klare Kommunikation: Transparenz ist wichtig, damit eine Physiotherapie nicht zu einem negativen Erlebnis wird. Sprich daher sofort an, wenn Dir etwas unangenehm ist, Du das Gefühl hast, es geht Dir schlechter oder der Profi wendet eine Technik an, die Dir Unbehagen bereitet. Nur dadurch gelingt es, die Behandlung schnellstens auf Deine Bedürfnisse abzustimmen und Risiken zu vermeiden.
Medikamentöse Therapie bei neuropathischen Schmerzen
Typischerweise gegen neuropathische Schmerzen eingesetzte Medikamente sind unter anderem Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide. Eine lokale Therapie erfolgt zum Beispiel mittels Lidocain-Pflastern. Meistens ist es sinnvoll, mehrere Medikamente miteinander zu kombinieren.
Zu beachten ist, dass sowohl Wirksamkeit als auch Nebenwirkungen eines Medikaments je nach Patient sehr verschieden sein können: Arzt und Patient sollten also genug Geduld aufbringen, um gemeinsam die individuell optimale Schmerztherapie zu finden. Hierbei ist auch wichtig, die Therapieziele zu besprechen: Eine völlige Schmerzfreiheit kann im Grunde fast nie erreicht werden. Realistisch ist eine Schmerzreduktion um 30 bis 50 Prozent, sodass Schlaf- und Lebensqualität des Patienten sich verbessern können. Dies muss dem Patienten bewusst gemacht werden, damit zu hohe Erwartungen und damit Enttäuschungen vermieden werden.
Nicht-medikamentöse Therapie bei neuropathischen Schmerzen
Die nicht-medikamentöse Behandlung neuropathischer Schmerzen erstreckt sich unter anderem auf warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation, Akupunktur, milde Infrarotstrahlung, Applikation von Kälte, Physio- und Ergotherapie und Psychotherapie (Verbesserung der Schmerzakzeptanz).
Invasive Therapie bei neuropathischen Schmerzen
Manchmal ist es sinnvoll beziehungsweise erforderlich, neuropathische Schmerzen zusätzlich invasiv zu behandeln. Dies erfolgt unter anderem durch selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren.
Prävention berufsbedingter Beschwerden
Berufsbedingte Beschwerden betreffen Menschen in allen Arbeitsbereichen. Die Ursachen variieren zwar, jedoch sind die körperlichen Konsequenzen häufig ähnlich. Viele Arbeitsplätze sind nicht optimal ergonomisch gestaltet. Ein schlecht eingestellter Schreibtisch, stundenlanges Sitzen oder einseitige Bewegungsabläufe über Jahre hinweg führen zu Fehlhaltungen und können sogar zu muskulären Dysbalancen führen. Zusätzlich können Stress und hohe Arbeitsbelastung ebenfalls zur Muskelverspannung und damit zu körperlichen Beschwerden beitragen.
Die meisten berufsbedingten Beschwerden lassen sich mit der richtigen Vorsorge vermeiden. Die Praxis in Bochum-Innenstadt bietet umfassende Beratung zur Prävention und schult Patienten gezielt, wie sie ihren Arbeitsplatz ergonomisch gestalten können. Immer mehr Unternehmen legen Wert darauf, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern. In Zusammenarbeit mit Firmen bietet Michael Sachs Ergonomie-Schulungen und -Workshops an, bei denen Mitarbeiter lernen, wie sie ihre Arbeitsumgebung gesünder gestalten können. Stress ist eine der Hauptursachen für Muskelverspannungen und Schmerzen. Hier setzen Entspannungstechniken wie Massagen oder progressive Muskelentspannung an. In der Praxis für Physio- & Schmerztherapie in Bochum lernen Patienten Übungen zur Entspannung, die sie in ihren Alltag integrieren können.
Vermeidung von Fehlern bei der Physiotherapie
Viele glauben, dass Physiotherapie bedeutet, sich einfach massieren oder mobilisieren zu lassen.
- Besser machen: Setze die Übungen, die Dir Deine Physiotherapeutin oder Dein Physiotherapeut zeigt, konsequent auch zu Hause um.
- Häufigster Fehler: Nach der Sitzung kehrt man wieder in alte Muster zurück.
- Besser machen: Baue die Übungen in Deinen Alltag ein - z. B. nach dem Zähneputzen oder in der Mittagspause. Viele erwarten schnelle Ergebnisse. Doch der Körper braucht Zeit zur Anpassung.
- Besser machen: Finde eine Balance. Ein gewisses Maß an Schmerz oder Muskelkater kann normal sein, aber starke Schmerzen sind ein Warnsignal. Viele hören auf, sobald die Schmerzen nachlassen, aber bevor die Ursachen wirklich behoben sind.
- Besser machen: Bewegung ist heilsam! Physiotherapie kann Dir enorm helfen - aber nur, wenn Du sie aktiv und konsequent nutzt.
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