Zeitumstellung und ihre Auswirkungen auf Parkinson-Patienten

Die alljährliche Zeitumstellung, die im Frühjahr und Herbst stattfindet, kann für viele Menschen eine Belastung darstellen. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Parkinson. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen der Zeitumstellung auf Parkinson-Patienten und gibt Empfehlungen, wie sie mit den Veränderungen umgehen können.

Schlafstörungen im Alter und ihre Ursachen

Schlafprobleme sind ein weit verbreitetes Phänomen, insbesondere bei älteren Menschen. Guter Schlaf ist jedoch essenziell für Gesundheit und Lebensqualität. Schlafstörungen können in Einschlafstörungen, bei denen das Einschlafen länger als eine halbe Stunde dauert, und Durchschlafstörungen, bei denen man nach nächtlichem Aufwachen länger als eine halbe Stunde zum Wiedereinschlafen benötigt, unterteilt werden. Beide werden unter dem Begriff Insomnie zusammengefasst. Starke Tagesschläfrigkeit oder Schlafsucht (Hypersomnie) bezeichnet ungewolltes Einschlafen tagsüber.

Der Schlaf-Wach-Rhythmus kann durch verschiedene Faktoren gestört werden, wie Jetlag oder die Zeitumstellung. Mit zunehmendem Alter verändern sich viele Körperfunktionen, was auch das Schlafverhalten beeinflussen kann. Es ist oft schwer, alterstypische Veränderungen von krankhaften Veränderungen abzugrenzen.

Weitere Ursachen für Schlafstörungen können Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson, Gehirntumore oder ein Schlaganfall sein. Auch nächtliche Atmungsstörungen, die bei 2-5% der Bevölkerung auftreten, können den Schlaf beeinträchtigen. Atempausen, die zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten dauern können, führen zu einer Senkung des Sauerstoffgehalts im Blut und Weckreaktionen.

Bei der Bewertung des Schlafverhaltens älterer Menschen müssen auch Medikamente und andere Erkrankungen berücksichtigt werden. Häufiges nächtliches Wasserlassen, Magenbeschwerden, Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus sowie chronische Schmerzen können den Schlaf stören. Die Annahme, dass ältere Menschen weniger Schlaf benötigen, ist falsch. Sie gehen oft früh zu Bett und wachen dann gegen 3:00 oder 4:00 Uhr auf.

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Künstliches Licht, insbesondere blaues Licht von LED- und Xenon-Leuchtmitteln in Lampen, Bildschirmen, Fernsehern, Computern, Tablets und Smartphones, kann den Hell-Dunkel-Rhythmus durcheinanderbringen und zu Müdigkeit, Erschöpfung, Ein- und Durchschlafproblemen, Konzentrationsstörungen, verminderter Leistungsfähigkeit, Gereiztheit und depressiven Verstimmungen führen.

Zeitumstellung: Eine Belastung für viele

Eine Forsa-Umfrage für die DAK-Gesundheit in Hamburg zeigte, dass ein Viertel der Deutschen bereits gesundheitliche Beschwerden nach der Zeitumstellung hatte. Bei fast der Hälfte der Befragten dauerten die Probleme bis zu einer Woche an, bei jedem Vierten sogar bis zu einem Monat. Müdigkeit und Abgeschlagenheit (85 Prozent) wurden als häufigste Beschwerden genannt, gefolgt von Schlafstörungen (63 Prozent), Konzentrationsschwierigkeiten (36 Prozent) und Gereiztheit (32 Prozent). Fast jeder Fünfte (19 Prozent) kam aufgrund der Zeitumstellung morgens schon einmal zu spät zur Arbeit, und 16 Prozent berichteten von einer depressiven Verstimmung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Mehr als drei Viertel (76 Prozent) der Befragten sind der Meinung, die Zeitumstellung sei überflüssig und sollte abgeschafft werden.

Die innere Uhr und die Zeitumstellung

Die Zeitumstellung bringt die innere Uhr aus dem Rhythmus. Die innere Uhr ist ein komplexes System im Gehirn, das den biologischen oder zirkadianen Rhythmus des Menschen bestimmt. Sie reguliert die Ausschüttung von Hormonen, die Körpertemperatur und die Abfolge von Schlaf- und Wachphasen. Licht ist der wichtigste Taktgeber für die innere Uhr. Eine Stunde Zeitumstellung kann den biologischen Rhythmus durcheinanderbringen, insbesondere bei Kleinkindern, Senioren und Schichtarbeitern.

Auswirkungen auf Parkinson-Patienten

Für Parkinson-Patienten ist die Zeitumstellung besonders problematisch. Ein Mangel an Dopamin ist verantwortlich für den Verlust der Muskelkontrolle und die typischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wie Zittern, Bewegungsverlangsamung oder Muskelsteife. Die meisten Parkinson-Patienten erhalten Levodopa (L-Dopa) oder Dopamin-Agonisten, um den Dopaminmangel auszugleichen. Für diese Patientengruppe ist die pünktliche und korrekte Einnahme der Medikamente enorm wichtig, um Wirkungsschwankungen oder einen Wirkungsverlust zu vermeiden.

"Bei manchen Parkinson-Patienten können schon kurze Verschiebungen bei der Medikamenten-Einnahme lange Phasen von Unbeweglichkeit verursachen. Wirkungsschwankungen durch unregelmäßige Tabletteneinnahme sollten daher möglichst vermieden werden", rät Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN). Betroffene sollten sich über die genauen Einnahmezeitpunkte mit ihrem behandelnden Arzt oder Apotheker besprechen und gegebenenfalls Einnahmehilfen nutzen.

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L-Dopa kann mit Eiweißbestandteilen aus der Nahrung um die Aufnahme konkurrieren. Daher sollte es mindestens eine halbe Stunde vor oder 90 Minuten nach dem Essen eingenommen werden. Dopamin-Agonisten sollten hingegen stets mit einer Mahlzeit oder einem kleinen Imbiss eingenommen werden.

Tipps für Parkinson-Patienten zur Bewältigung der Zeitumstellung

  • Medikamenteneinnahme anpassen: Passen Sie die Einnahme Ihrer Medikamente an den neuen Tagesrhythmus an. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
  • Erinnerungshilfen nutzen: Verwenden Sie Tablettenboxen mit digitaler Erinnerungstechnik oder Apps, um sich an die Medikamenteneinnahme erinnern zu lassen.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Strukturieren Sie Ihren Tagesablauf und halten Sie regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten ein.
  • Lichttherapie: Nutzen Sie Tageslichtlampen, um den Körper bei der Anpassung an den neuen Hell-Dunkel-Rhythmus zu unterstützen.
  • Bewegung im Freien: Betätigen Sie sich körperlich im Freien, um die innere Uhr zu regulieren.
  • Schlafhygiene: Achten Sie auf eine ruhige Schlafumgebung ohne Ablenkung. Vermeiden Sie blaues Licht vor dem Schlafengehen.
  • Entspannungstechniken: Praktizieren Sie Entspannungstechniken wie Meditation oder Atemübungen, um Stress abzubauen und den Schlaf zu fördern.
  • Unterstützung suchen: Wenden Sie sich an Selbsthilfegruppen, Ihren Arzt oder Therapeuten, um Unterstützung und Beratung zu erhalten.

Dopamin und Parkinson

Dopamin spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der geistigen und körperlichen Beweglichkeit. Ein Mangel an Dopamin kann zu Antriebslosigkeit, Traurigkeit und Hemmungen führen und das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung erhöhen. Therapeutische Maßnahmen bei einem Dopaminungleichgewicht umfassen die Darreichung von Medikamenten mit Aminosäuren, aus denen der Körper den Neurotransmitter selbst herstellen kann. Bei Dopamin ist die Aminosäure Tyrosin wichtig, um Defizite im Dopaminspiegel zu beheben.

Schlaf und Gesundheit

Ausreichend guter Schlaf ist neben gesunder Ernährung, Bewegung und dem Verzicht aufs Rauchen eine wesentliche Voraussetzung für Wohlbefinden und körperliche Gesundheit. Schlafmangel kann das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen, während zu viel Schlaf ebenfalls ungünstig sein kann. Es wird für Erwachsene eine Schlafdauer von durchschnittlich sieben Stunden pro Nacht empfohlen.

Allgemeine Tipps für einen besseren Schlaf

  • Feste Schlaf- und Aufstehzeiten: Gehen Sie abends möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett, und stehen Sie morgens immer zur gleichen Zeit wieder auf.
  • Abendessen nicht zu spät einnehmen: Nehmen Sie das Abendessen immer zu einem bestimmten Zeitpunkt ein.
  • Auf schwere Mahlzeiten verzichten: Ein abendliches Essen, das reich an Kohlenhydraten und Fetten ist, fördert die Darmaktivität - und stört den Schlaf.
  • Auf späten Kaffee besser verzichten: Kaffee sollten Sie vier bis acht Stunden vor dem Zubettgehen nicht mehr trinken: Koffein wirkt stimulierend. Nach 19 Uhr ist es besser, nicht mehr zu rauchen. Nikotin stört den Schlaf.
  • Powernapping vor 15 Uhr: Das „Nickerchen“ am Nachmittag sollte vor 15 Uhr stattfinden, auf zwanzig Minuten beschränkt und mit dem Wecker kontrolliert werden - sonst wird der Nachtschlaf davon beeinträchtigt.
  • Kein Sport in den Abendstunden: Sport ist grundsätzlich gut - nach 18 Uhr sollte körperliche Anstrengung jedoch eher vermieden werden, denn sie aktiviert das sympathische Nervensystem.
  • Regelmäßige Schlafrituale schaffen: Hilfreich können regelmäßige Schlafrituale sein, etwa ein Abendgebet, Meditation oder Atemübungen.
  • Einschlaf-Tabletten vermeiden: Schlafmittel sollten Sie nur in Absprache mit Ihrem Arzt einnehmen; pflanzliche Mittel, etwa Baldrian- oder Hopfenpräparate, sind dabei zu bevorzugen.
  • Entdecken Sie die dunkle Seite der Nacht: Wenn Sie nachts wach werden: Vermeiden Sie helles Licht und essen sie nichts - beides fördert das Wachwerden und verstellt die innere Uhr. Blicken Sie nicht unentwegt auf den Wecker, um die Uhrzeit zu kontrollieren.
  • Wohltuende Schlafumgebung schaffen: Sorgen Sie für eine angenehme Schlafumgebung. Das Schlafzimmer sollte abgedunkelt und ruhig gelegen sein sowie eine angenehme Raumtemperatur haben (18° C).
  • Abhilfe in heißen Nächten: Wenn es im Sommer unangenehm warm bis in die Nacht hinein wird: Sorgen Sie dafür, dass schon früh die Jalousien herunter gelassen werden. Feuchte Tücher im Raum und eine kühle Dusche vor dem Schlafengehen (alternativ kühle Fußbäder) sowie ein leiser/sanfter Ventilator im Schlafzimmer sorgen für Erfrischung.

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