Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem in Deutschland, von dem etwa ein Viertel der Bevölkerung regelmäßig betroffen ist. Während die Schmerzen oft kommen und gehen, können anhaltende Beschwerden auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten. Ein Bandscheibenvorfall kann in verschiedenen Bereichen der Wirbelsäule auftreten und unterschiedliche Symptome verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Bandscheibenvorfällen, insbesondere im Bereich der Brust- (BWS) und Lendenwirbelsäule (LWS), die mit starkem Druck und Taubheitsgefühlen einhergehen.
Was ist ein Bandscheibenvorfall?
Der Mensch besitzt 23 Bandscheiben, die sich entlang der gesamten Wirbelsäule erstrecken, einschließlich Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Im Inneren jeder Bandscheibe befindet sich der Gallertkern. Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn das Gewebe des Faserrings reißt und der Gallertkern aus dem Faserring austritt. Dieser verrutschte Gallertkern kann dann auf Nervenwurzeln oder das Rückenmark drücken. Es ist wichtig zu wissen, dass ein Bandscheibenvorfall nicht immer mit Symptomen oder Schmerzen verbunden ist. Asymptomatische Bandscheibenvorfälle werden oft zufällig bei anderen Untersuchungen entdeckt.
Ursachen und Risikofaktoren
Bandscheibenvorfälle sind meist alters- oder bewegungsbedingt. Die Hülle der Bandscheibe reißt bei großer Belastung ein. Bandscheibenvorfälle treten am häufigsten bei Menschen mittleren Alters auf. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko. Neben chronischer Belastung und Alter spielen oft auch Übergewicht und häufig damit einhergehender Bewegungsmangel eine wichtige Rolle. Wer übergewichtig ist und nicht regelmäßig Sport treibt hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine schwache Rumpfmuskulatur. Eine starke Rumpfmuskulatur entlastet die Wirbelsäule. Auch wenn dies äußerst selten der Fall ist, können Verletzungen oder Fehlbildungen bei der Geburt Bandscheibenvorfälle verursachen.
Mehrere Faktoren können das Risiko eines Bandscheibenvorfalls erhöhen:
Alterungsprozesse: Bereits ab dem 20. Lebensjahr beginnen Bandscheiben - je nach Belastung und Veranlagung - allmählich zu verschleißen. Sie verlieren nach und nach Elastizität und Wassergehalt, werden flacher und anfälliger für Risse im äußeren Faserring.
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Überlastung: Plötzliche oder wiederholte hohe Belastungen - etwa beim schweren Heben, bei ruckartigen Drehbewegungen oder beim Arbeiten über Kopf - können den Faserring der Bandscheibe überdehnen. Besonders riskant sind Bewegungen, bei denen das Becken gleichzeitig verdreht und der Rücken gebeugt ist.
Unfälle: Stürze, Sportunfälle oder Verkehrsunfälle können die Wirbelsäule abrupt belasten. Der Faserring kann dabei einreißen, besonders wenn bereits ein Vorschaden besteht.
Chronische Erkrankungen: Erkrankungen wie Osteoporose, Arthrose oder entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen schwächen die knöchernen Strukturen und die Bandscheiben.
Übergewicht: Zusätzliches Körpergewicht erhöht den Druck auf die Bandscheiben, besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Bandscheiben nutzen schneller ab und sind anfälliger für Risse im Faserring.
Bewegungsmangel: Fehlen regelmäßige körperliche Aktivitäten, schwächt das die Rumpf- und Tiefenmuskulatur. Diese Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule und entlasten die Bandscheiben.
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Fehlhaltungen: Langes Sitzen, monotone Bewegungsmuster oder ungünstige Körperhaltungen im Alltag führen zu einer einseitigen Belastung der Bandscheiben.
Genetische Veranlagung: Bei manchen Menschen besteht eine angeborene Bindegewebsschwäche. Der Faserring ist dann weniger stabil, und Bandscheiben verschleißen schneller.
Rauchen & Alkohol: Rauchen verengt die Blutgefäße und verschlechtert die Durchblutung der Bandscheiben. Da diese kaum eigene Blutgefäße besitzen und auf Nährstoffdiffusion angewiesen sind, degenerieren sie schneller. Übermäßiger Alkoholkonsum schwächt zusätzlich die Muskulatur und beeinträchtigt die Knochengesundheit - und damit auch die Stabilität der Wirbelsäule.
Symptome eines Bandscheibenvorfalls
Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls können je nach Lage, Größe und betroffener Nervenwurzel sehr unterschiedlich sein. Manche Symptome entwickeln sich plötzlich, andere entstehen eher schleichend. Meist spürt der Patient Schmerzen oder Kribbeln, das in die Arme oder Beine ausstrahlt. Auch Lähmungen oder Taubheitsgefühle können hierdurch auftreten.
Halswirbelsäule (HWS): Ein Bandscheibenvorfall am Nacken betrifft meist die Bandscheiben zwischen den Halswirbeln 5 und 6 (HWK 5/6) oder 6 und 7 (HWK 6/7). Eingeschränkte Kopfbeweglichkeit kann ebenfalls auftreten.
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Brustwirbelsäule (BWS): Ein Bandscheibenvorfall an der Brustwirbelsäule tritt sehr selten auf. Weil Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall BWS im Brust- oder Herzbereich empfunden werden können, denken viele Betroffene zunächst an Herz-, Lungen- oder Magenprobleme. Die Brustwirbelsäule ist weniger beweglich, weil sie über die Rippen mit dem Brustkorb verbunden ist. Symptome können sein:
- Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule, die sich häufig den Rippenbogen entlang ausbreiten. Die Schmerzen können sowohl dumpf, drückend als auch plötzlich einschießend sein. Schmerzen zwischen den Schulterblättern sind sogar besonders typisch für ein BWS-Syndrom.
- Die Schmerzen können dumpf, drückend oder stechend sein und sind häufig bewegungs- oder atemabhängig.
- Die Beweglichkeit des Oberkörpers kann eingeschränkt sein. So fällt z. B. das Vorbeugen oder Drehen schwer.
- Die Schmerzen können gürtelförmig in den Brustkorb oder in Arme und Kopf ausstrahlen.
- Neurologische Ausfallerscheinungen (Schwäche- und Lähmungserscheinungen der Muskulatur in den Armen und Beinen)
- Magenschmerzen und -beschwerden
Lendenwirbelsäule (LWS): Ein Bandscheibenvorfall tritt am häufigsten an der Lendenwirbelsäule auf. Dies liegt daran, dass auf die Bandscheiben der Lendenwirbel besonders viel Druck ausübt wird. Bandscheibenvorfälle am unteren Rücken können genauso wie Vorfälle an der BWS oder HWS Schmerzen, Kribbeln und Lähmungsempfindungen verursachen. Der große Unterschied ist, dass diese Symptome an der LWS weitaus gravierender auftreten und meist stark ausstrahlen. Dies liegt daran, dass die verrutschten Bandscheiben im LWS-Bereich besonders viel Druck auf Nervenwurzeln auslösen, was u. a. Auch der Ischiasnerv kann vom LWS Bandscheibenvorfall eingeklemmt werden. Da dies der größte Nerv des Körpers ist, ist das besonders schmerzhaft und führt in der Regel zu „elektrisierenden“ Schmerzen.
Druck auf das Rückenmark: Das Rückenmark verläuft i. d. R. vom ersten Lendenwirbel bis zum Hirnstamm. Daher können Bandscheibenvorfälle im HWS-, LWS- und BWS-Bereich auf das Rückenmark drücken. Dies kann zu intensiven Schmerzen und Schwächegefühlen in Armen und Beinen führen.
Cauda-equina-Syndrom: Wenn ein Bandscheibenvorfall auf den Pferdeschweif drückt, kann dies zu Störungen bei der Miktion oder beim Stuhlgang führen. Auch Taubheitsgefühle im Genitalbereich und an der Innenseite der Oberschenkel können sich bemerkbar machen. In besonders gravierenden Fällen können sogar beide Beine gelähmt sein. Das Cauda-equina-Syndrom ist ein schwerwiegender medizinischer Notfall. Es entsteht, wenn die Nervenfasern am unteren Ende des Rückenmarks - die sogenannte Cauda equina - plötzlich und massiv komprimiert werden. Ursache ist häufig ein großer Bandscheibenvorfall, der tief in den Wirbelkanal rutscht und dort mehrere Nerven gleichzeitig abdrückt. Die einzige wirksame Therapie ist eine sofortige operative Druckentlastung (Dekompression), idealerweise innerhalb weniger Stunden.
Diagnose
Wer unter Rückenschmerzen leidet, sollte zunächst den Hausarzt aufsuchen. Bei Rückenschmerzen besteht in der Regel immer Abklärungsbedarf. Nach der Befragung des Patienten folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt führt Tast- und Druckuntersuchungen durch um Schmerzpunkte des Patienten zu lokalisieren.
Bildgebende Verfahren: Ein Magnetresonanztomograf (MRT) und ein Computertomograph (CT) können Bandscheibenvorfälle bildgebend darstellen. Der Arzt kann dank der genauen dreidimensionalen Scans genau das Ausmaß und die Richtung des vorliegenden Bandscheibenvorfalls bestimmen. Sobald es nach Beurteilung des Arztes im Rahmen eines Gesprächs oder körperlicher Untersuchung Anzeichen gibt, die auf einen klinisch relevanten Bandscheibenvorfall hindeuten, sollte man sich einer CT oder MRT unterziehen. Wenn die Rückenschmerzen von Symptomen begleitet werden, die für einen Tumor typisch wären, ist ebenfalls ein bildgebendes Verfahren dringend notwendig. Eine normale Röntgenuntersuchung ist bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall nicht hilfreich, da diese Untersuchung nur Knochen darstellt.
EMG/ENG: Falls in den Extremitäten Lähmungen, Taubheitserscheinungen oder Kribbeln auftreten, kann man eventuell mithilfe einer EMG (Elektromyographie) oder ENG (Elektroneurographie) die Ursache dieser Beschwerden identifizieren. Beim EMG misst man mithilfe einer speziellen Nadel die elektrische Aktivität des untersuchten Muskels. Durch eine ENG kann man herausfinden, auf welche Nervenwurzeln der Bandscheibenvorfall drückt.
Blutuntersuchung/Hirn-Rückenmark-Probe: Auch wenn dies eher selten der Fall ist, könnte sich auch herausstellen, dass die typischen Symptome eines Bandscheibenvorfalls tatsächlich von Infektionskrankheiten verursacht werden. Falls auf bildgebenden Verfahren kein Vorfall sichtbar ist, kann der Arzt eine Blutprobe und eine Hirn-Rückenmark-Probe veranlassen. Die Blutprobe kann auch auf bestimmte Entzündungswerte, wie zum Beispiel die Leukozyten-Anzahl und CRP untersucht werden.
Behandlungsmöglichkeiten
Wie behandelbar ein Bandscheibenvorfall liegt, hängt in erster Linie von den Symptomen und der betroffenen Stelle ab. Generell ist die Prognose für Bandscheibenvorfall jedoch sehr positiv. Bei akuten Bandscheibenvorfällen lassen die verursachten Beschwerden mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den ersten sechs Wochen nach. Diese rasche Heilung ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass das Gewebe der verrutschten Bandscheibe vom Körper beseitigt ist. Falls die Beschwerden des Bandscheibenvorfalls nicht von alleine verschwinden, ist eine Behandlung notwendig. In den meisten Fällen reicht hier die non-operative Behandlung aus. Die Behandlungsdauer und deren Erfolgschancen hängen davon ab, wie fortgeschritten der Bandscheibenvorfall bereits ist.
Konservative Behandlung
In den allermeisten Fällen ist eine konservative Therapie ausreichend, eine Operation ist nicht sofort notwendig. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Nervenstrukturen zu entlasten - ohne unnötige Operation.
Schmerzmittel und Entzündungshemmer: Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente können akute Beschwerden deutlich lindern, Schonhaltungen vermeiden und den Einstieg in die Physiotherapie erleichtern. Häufig kommen NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz. Bei starken muskulären Verspannungen können Muskelrelaxanzien sinnvoll sein, insbesondere wenn ein Schutzmuskelkrampf („Hartspann“) die Beschwerden zusätzlich verstärkt.
Wärme und Kälte: Zusätzlich hilft Wärme, da sie die Durchblutung verbessert und verkrampfte Muskulatur entspannt. Kühlende Pads, Kompressen und Schmerzgele verringern die Durchblutung und zeigen dadurch eine abschwellende, schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung. Wenn chronische Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule auf Muskelverspannungen hindeuten, eignen sich Wärmeanwendungen wie Wärmepflaster, Sauna oder eine Bestrahlung mit Infrarotlicht. Wärme fördert die Durchblutung und Regeneration des betroffenen Gewebes und kann in vielen Fällen schmerzlindernd wirken.
Entlastung: Entlastungspositionen wie die Stufenlagerung (Beine im 90°-Winkel) reduzieren kurzfristig den Druck auf die Lendenwirbelsäule. Kurzfristige Entlastung kann sinnvoll sein, vor allem in der akuten Schmerzphase, wenn jede Bewegung Beschwerden verursacht.
Physiotherapie: Viele Patienten verschreibt der Arzt auch ambulante oder stationäre Physiotherapie. Regelmäßige Bewegung fördert die Ernährung der Bandscheiben und fördert auch die Entwicklung einer kräftigen Rumpfmuskulatur, die dabei hilft die Bandscheiben zu entlasten. Bauch- und Rückenmuskelübungen, die aber zugleich die Bandscheiben schonen, sind daher für die Entwicklung der Rumpfmuskulatur besonders empfehlenswert. Individuell angepasste Übungen stärken die Rücken- und Bauchmuskulatur, verbessern die Beweglichkeit und fördern eine stabile Körperhaltung. Physiotherapeutische Behandlung vermittelt zusätzlich rückenschonende Bewegungsmuster im Alltag, z. B. beim Bücken, Tragen oder Sitzen.
Injektionen: Bei ausgeprägten Schmerzen können bildgesteuerte Injektionen mit Lokalanästhetika und/oder Kortison in die Nähe der betroffenen Nervenwurzel die Entzündung reduzieren und Schmerzen rasch lindern. Infiltrationen werden unter Bildwandlerkontrolle (Durchleuchtung) durchgeführt. Dadurch lässt sich die Nadel millimetergenau positionieren, was Sicherheit und Wirksamkeit entscheidend erhöht.
Die konservative Behandlung wird üblicherweise über 6-12 Wochen durchgeführt. In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden in diesem Zeitraum deutlich oder verschwinden vollständig.
Minimalinvasive Verfahren
Wenn konservative Maßnahmen bei einem Bandscheibenvorfall nicht ausreichend wirken oder die Beschwerden wiederkehren, können minimalinvasive Verfahren eine schonende Alternative zur offenen Operation darstellen.
Wirbelsäulenkathetertechnik: Die Wirbelsäulenkathetertechnik ist ein bewährtes minimalinvasives Verfahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls, insbesondere wenn starke Entzündungen oder Verklebungen im Epiduralraum vorliegen. Über einen kleinen Hautzugang wird ein dünner, flexibler Katheter in den Wirbelkanal eingeführt.
Mikrolasertherapie: Die Mikrolasertherapie ist ein ebenfalls minimalinvasives Verfahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls, das ohne Hautschnitt auskommt. Dabei wird über eine feine Kanüle ein Laserstrahl in die Bandscheibe geleitet. Sie eignet sich besonders bei kleinen oder mittelgroßen Vorfällen an der LWS und HWS. Die Behandlung selbst dauert rund 30 Minuten, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich.
Operation
Ein Bandscheibenvorfall lässt sich in den allermeisten Fällen konservativ oder minimalinvasiv behandeln. Operationen sind heute deutlich seltener notwendig als früher. Ob operiert werden muss, hängt immer von der Schwere der Beschwerden, der Nervenbeteiligung und dem Verlauf der bisherigen Behandlung ab. Wenn trotz Schmerztherapie, Physiotherapie und ggf. Injektionen keine Besserung eintritt, oder wenn neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Blasen-Mastdarm-Störungen auftreten, kann eine Operation erforderlich sein.
Mikrochirurgische Diskektomie: Dies ist die am häufigsten eingesetzte Operationsmethode zur operativen Behandlung eines Bandscheibenvorfalls. Hier wird mithilfe von speziellen Instrumenten die gesamte betroffene Bandscheibe entfernt. Diese Technik ist besonders beliebt, da sie minimal-invasiv ist. Das bedeutet, es werden nur kleine Hautschnitte gemacht. Egal ob es sich um einen Vorfall an der HWS, LWS oder BWS handelt, unabhängig davon wohin die Bandscheibe verrutscht ist; mit der mikrochirurgischen Diskektomie lassen sich alle Vorfälle entfernen.
Offene Diskektomie: Bei der offenen Diskektomie wird, genauso wie bei der mikrochirurgischen Diskektomie, die gesamte vom Vorfall betroffene Bandscheibe entfernt. Bei dieser Operation werden jedoch größere Schnitte getätigt. Aufgrund des damit einhergehenden erhöhten Komplikationsrisikos wird die offene Diskektomie heutzutage nur noch sehr selten durchgeführt.
Endoskopische Diskektomie: Diese Methode der Bandscheibenentfernung ist, ebenso wie der mikrochirurgische Eingriff, nur minimal-invasiv. Hier wird die Bandscheibe mithilfe von Kameras, Endoskopen und sehr feinen Instrumenten entfernt. Hier ist in vielen Fällen keine Vollnarkose nötig.
Nukleoplastie: Bei manchen nur leichtfortgeschrittenen Bandscheibenvorfällen ist der Faserring noch komplett intakt, d. h. die Bandscheibe muss nicht zwingend entfernt werden. Hier reicht es in der Regel aus, die betroffene Bandscheibe zu verkleinern. Nur ein kleiner Teil der von Bandscheibenvorfall betroffenen Patienten kommt für diese OP in Frage.
Bandscheibenprothese: Wenn mithilfe der oben erwähnten Verfahren die Bandscheibe komplett entfernt wird, kann dies in manchen Fällen die Beweglichkeit der Wirbelsäule beeinflussen. Um dies zu vermeiden, kann die Bandscheibe durch eine Prothese ersetzt werden.
Gallertkern-Implantat: Ist der Bandscheibenvorfall noch im frühen Stadium, reicht es ggf. aus nur den Gallertkern der Bandscheibe zu ersetzen. Das mit Hydrogel gefüllte Gallertken-Implantat dient als Platzhalter zwischen den Wirbeln.
Wirbelsäulentherapie an der ALTA-Klinik
Die Wirbelsäulentherapie an der ALTA-Klinik kommt bei Bandscheibenvorfällen und degenerativen Veränderungen zum Einsatz. Die Therapie ist CT-gesteuert und der Bandscheibenvorfall wird mittels einer Cortisonspritze präzise behandelt. Diese Behandlungsmethode wirkt in der Regel langfristig und ermöglicht es dem Patienten ohne Operation, schmerzfrei in den Alltag zurückzukehren. Bei dieser Wirbelsäulentherapie injiziert der behandelnde Arzt Cortison genau in den betroffenen Schmerzpunkt. Egal, ob sich der Bandscheibenvorfall an der HWS, BWS oder LWS befindet, mithilfe des CT-Geräts kann der Arzt die Medikamente hochpräzise spritzen. Der Eingriff ist minimal-invasiv und non-operativ. Eine Behandlung dauert ca. 15 Minuten. Da die Medikamente an Ort und Stelle wirken ist nur eine geringe Dosis erforderlich. Oft ist bereits nach einer einzigen Behandlung eine Linderung der Beschwerden bemerkbar, jedoch muss die Behandlung gegebenenfalls im Abstand von 4 bis 6 Wochen wiederholt werden.
Vorbeugung
Ein Patient, dessen Bandscheibenvorfall schon einmal erfolgreich behandelt wurde, kann an der gleichen oder an einer anderen Bandscheibe einen neuen Vorfall bekommen. Ein Bandscheibenvorfall ist nur selten genetisch bedingt oder wurde spontan durch einen Unfall verursacht. In den meisten Fällen kann man Maßnahmen treffen, um einem Bandscheibenvorfall effektiv vorzubeugen.
Regelmäßig Sport treiben: Regelmäßige Bewegung fördert die Ernährung der Bandscheiben und stärkt die Rumpfmuskulatur. „Bandscheiben-freundliche“ Sportarten sollte man ebenfalls ausführen. Sportarten, wie zum Beispiel Tennis, Fußball, Golf oder Paddeln, die die Bandscheiben belasten, sollte man vermeiden.
Ergonomie am Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung beim Sitzen und Stehen. Vermeiden Sie langes Sitzen in vornübergebeugter Haltung.
Richtiges Heben: Beim Heben mit gebeugtem Rücken wirken enorme Kräfte auf die Lendenwirbelsäule. Wird die Last hingegen aus den Knien heraus gehoben - mit geradem Rücken und angespannter Rumpfmuskulatur - verteilt sich die Kraft gleichmäßiger auf Bandscheiben, Muskulatur und Gelenke.
Gewichtsmanagement: Übergewicht erhöht den Druck auf die Bandscheiben. Eine Reduktion des Körpergewichts kann die Wirbelsäule entlasten.
Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, z. B. mit viel frischem Obst und Gemüse, unterstützt die Gesundheit der Bandscheiben und des gesamten Bewegungsapparates.
Stressmanagement: Die Psyche spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung des BWS-Syndroms und kann das BWS-Syndrom verschlimmern. Es ist wichtig, auch psychologische Aspekte zu berücksichtigen. Wer oft gestresst ist, darf sich ab und zu eine Auszeit gönnen, um keine Verspannungen aufkommen zu lassen.
BWS-Syndrom
Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule bezeichnet man auch als BWS-Syndrom. Man spricht in diesem Fall auch von einer Dorsalgie.
Ursachen: Blockaden aufgrund von degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule (z. B. Arthrose) oder angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Wirbelsäule (z. B. Skoliose) sind häufige Ursachen. Diese sind in vielen Fällen auf unsere zumeist sitzende Tätigkeit und den Bewegungsmangel zurückzuführen. Auch Muskelverhärtungen sind typisch für ein BWS-Syndrom.