Parkinson-Syndrome gehören zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen im Alter und stellen eine erhebliche Herausforderung für das deutsche Gesundheitssystem dar. Diese Erkrankungen, von denen das primäre Parkinson-Syndrom etwa zwei Drittel aller Betroffenen ausmacht, sind durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen gekennzeichnet, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Einführung in das Parkinson-Syndrom
Das Parkinson-Syndrom, oft auch als Morbus Parkinson bezeichnet, manifestiert sich hauptsächlich durch die Kardinalsymptome Akinese (Bewegungsarmut), Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifheit) und posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen). Im Laufe der Erkrankung treten häufig nicht-motorische Symptome sowie kognitive oder psychiatrische Beeinträchtigungen hinzu. Diese Kombination von Symptomen kennzeichnet den Bedarf an einer langfristigen stationären Versorgung in Pflegeeinrichtungen, insbesondere im späteren Verlauf der Erkrankung.
Prävalenz und Inzidenz von Parkinson in Deutschland
Derzeit wird die Anzahl der Menschen mit Morbus Parkinson in Deutschland auf etwa 420.000 geschätzt. Morbus Parkinson ist nach Demenzen das höchste Risiko für Personen über 65 Jahre, pflegebedürftig zu werden. Eine im Jahr 2023 veröffentlichte Statistik zeigt, dass deutschlandweit 0,63 % der Bevölkerung ab dem 40. Lebensjahr an Morbus Parkinson erkrankt waren. Diese Zahl bezieht sich auf die 1-Jahres-Prävalenz, d.h. die Krankheit wurde im zurückliegenden Jahr dokumentiert.
Eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat jedoch einen Rückgang neu aufgetretener Parkinson-Diagnosen um bis zu 30 Prozent innerhalb weniger Jahre festgestellt. Laut dieser Studie ist die Inzidenz der Parkinson-Diagnosen in Deutschland von 2013 bis 2019 gesunken. Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) hat diese Datenlage bewertet und äußert Zweifel an einer schnellen Trendwende. Es bedarf weiterer Daten, um diesen angeblichen Rückgang der Inzidenz zu klären und einzuordnen.
Parkinson in Langzeitpflegeeinrichtungen
Die Prävalenz von Bewohnerinnen mit einem Parkinson-Syndrom in Langzeitpflegeeinrichtungen variiert je nach Region und Einschlusskriterien zwischen 1,8 und 7,7 %. Diese Bewohnerinnen leiden oft unter motorischen Fluktuationen mit teils langen Phasen ausgeprägter Unbeweglichkeit, sogenannten Off-Phasen. Zudem gelten etwa drei Viertel der Bewohner*innen mit einem Parkinson-Syndrom als kognitiv beeinträchtigt.
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Eine Studie aus dem Jahr 2020 ergab eine Prävalenzrate von 13,9 % für Bewohner*innen mit Parkinson-Syndrom in stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Diese Zahl liegt signifikant höher als in internationalen Vergleichserhebungen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Zahl möglicherweise durch die Art der Stichprobenauswahl beeinflusst wurde.
Herausforderungen in der Versorgung von Parkinson-Patienten in Pflegeeinrichtungen
Die internationale Studienlage deutet darauf hin, dass Bewohner*innen mit einem Parkinson-Syndrom in Langzeitpflegeeinrichtungen teils unterberücksichtigt sind. Diagnosen passen oft nicht zum klinischen Erscheinungsbild, und es sind zu wenige Experten in die Versorgung eingebunden. Spezialisierte Pflegefachpersonen haben einen deutlichen Einfluss auf die Versorgungsqualität von Menschen mit einem Parkinson-Syndrom in Langzeitpflegeeinrichtungen, etwa hinsichtlich Lebensqualität, Stimmung, Reduktion unerwünschter Ereignisse wie Stürze und Erhalt der Mobilität.
In Deutschland gibt es jedoch keine spezialisierten Pflegefachpersonen innerhalb der Pflegeteams, da die angebotene Fortbildung zur „Parkinson Nurse“ eine Tätigkeit im Akutsetting voraussetzt. International übernehmen Parkinson Nurses zentrale Funktionen in der Bildung des Personals und der Betreuung der Bewohner*innen.
Studienergebnisse zur Versorgungssituation in Deutschland
Eine explorative Querschnittserhebung aus dem Jahr 2020 untersuchte die Versorgungssituation von Bewohnerinnen mit einem Parkinson-Syndrom in der stationären Altenhilfe und den Bedarf an pflegerischer Expertise und multiprofessioneller Zusammenarbeit. Die Befragung von 5 % der stationären Einrichtungen bundesweit ergab, dass in 71 von 85 Wohnbereichen Bewohnerinnen mit einem Parkinson-Syndrom versorgt werden.
Die häufigsten Gründe für Krankenhausaufenthalte bei Bewohnerinnen mit einem Parkinson-Syndrom sind Behandlungen infolge von Sturzereignissen (26,1 %), aufgrund eines schlechten Allgemeinzustandes (20,3 %) oder einer Verschlechterung der Parkinson-Symptome (14,5 %). In nahezu 80 % der Wohnbereiche erhalten die Bewohnerinnen mindestens einmal pro Woche eine Physiotherapie. Ergotherapie oder Logopädie wird in weniger als der Hälfte angeboten.
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Die Studie zeigte auch, dass Pflegefachpersonen und Hausärztinnen nahezu immer zum therapeutischen Team gehören, während Neurologinnen und Wohnbereichsleitungen in 80 % der Fälle beteiligt sind. Die Koordination der therapeutischen Teams wird jedoch sehr unterschiedlich bis gar nicht wahrgenommen. Keine der Einrichtungen verfügt über Pflegefachpersonen mit einer Weiterqualifizierung zur Parkinson Nurse.
Bedeutung von spezialisierten Pflegefachpersonen
Die Präsenz einer spezialisierten Pflegefachperson wird von 65 % der Wohnbereichsleitungen für wichtig bis sehr wichtig eingeschätzt. Der Schulungsbedarf zur Pflege von Bewohner*innen mit einem Parkinson-Syndrom wird von etwa der Hälfte der Wohnbereichsleitungen als hoch bis sehr hoch eingeschätzt (51,2 %).
Da die Bewohner*innen eher schwerer betroffen sind und komplexe Krankheitsbilder aufzeigen, ist davon auszugehen, dass eine Expertise innerhalb des Pflegeteams zur Optimierung der Versorgung dieser Gruppe beitragen kann. International nimmt die Parkinson Nurse eine entscheidende und konstante Rolle in einem multiprofessionellen Team ein.
Folgerungen und Ausblick
Die vorliegenden Daten zeigen, dass das Parkinson-Syndrom eine erhebliche Belastung für das deutsche Gesundheitssystem darstellt, insbesondere im Bereich der Langzeitpflege. Die hohe Prävalenz von Parkinson-Patienten in Pflegeeinrichtungen und die komplexen Bedürfnisse dieser Patientengruppe erfordern eine verbesserte Versorgung und eine stärkere Einbindung von spezialisierten Fachkräften.
Es besteht ein dringender Bedarf an einer Fachweiterbildung von Pflegefachpersonen zur Parkinson Nurse, um eine qualifizierte, sektorenübergreifende flächendeckende Unterstützung von Parkinson-Patienten zu ermöglichen. Zudem ist eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen erforderlich, um eine optimale Versorgung der Betroffenen zu gewährleisten.
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Aktuelle Forschung und Behandlungsansätze
Die Parkinson-Erkrankung ist Gegenstand intensiver Forschung, die darauf abzielt, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Ein vielversprechender Ansatz ist die tiefe Hirnstimulation (THS), bei der Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden, um die Symptome der Erkrankung zu lindern.
Auch im Bereich der medikamentösen Therapie gibt es Fortschritte. So wurden in den letzten Jahren neue Medikamente entwickelt, die den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen oder die Wirkung von Dopamin verstärken. Ein Beispiel hierfür ist die subkutane Infusion von Foslevodopa/Foscarbidopa, die eine stabile Levodopa-Versorgung ermöglicht und die On-Zeit verlängern kann.
Lebenserwartung und Krankheitsverlauf
Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Dank moderner Medikamente und Therapien können die Symptome der Erkrankung oft gut kontrolliert werden, so dass Betroffene heute eine fast normale Lebenserwartung haben.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Krankheitsverlauf bei jedem Betroffenen unterschiedlich ist. Einige Menschen entwickeln im Laufe der Erkrankung eine Demenz, während andere von schweren motorischen Beeinträchtigungen betroffen sind. Eine individuelle Anpassung der Therapie ist daher entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
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