Ein Schlaganfall kann das Leben eines Menschen von Grund auf verändern. Neben körperlichen Einschränkungen sind oft auch psychische und emotionale Veränderungen die Folge. In dieser Situation suchen viele Betroffene nach Wegen, um ihre Lebensqualität zu verbessern und neue Perspektiven zu finden. Stricken erweist sich dabei als eine überraschend wirkungsvolle Therapieform, die sowohl körperliche als auch geistige Vorteile bietet.
Die heilende Kraft der Handarbeit
Handwerkliche Tätigkeiten wie Stricken, Häkeln und Knüpfen fördern die Plastizität des Gehirns und können so vor kognitivem Verfall schützen. Stricken stimuliert das Gehirn und trainiert das Gedächtnis, insbesondere beim Stricken von Mustern. Dies wurde sogar wissenschaftlich nachgewiesen.
Nach einem Schlaganfall kann Stricken eine gute Therapie sein. Es ist kreativ, entspannend und kann sogar antidepressiv wirken. Viele Menschen finden Trost und Ablenkung in der rhythmischen Bewegung der Nadeln und der Entstehung eines neuen Projekts.
Individuelle Lösungen für individuelle Bedürfnisse
Nicht jeder Schlaganfall ist gleich, und so muss auch die Therapie individuell angepasst werden. Menschen mit Halbseitenlähmung oder anderen Einschränkungen können dennoch stricken, wenn sie ihren eigenen Stil finden und Hilfsmittel nutzen.
Kitty-Barbie zeigt auf ihrer Homepage, wie es funktioniert, einhändig zu häkeln und zu stricken. Sie nutzt Strickringe, die sie zwischen die Beine klemmt. Eine andere Patientin fixiert den Ring auf dem Tisch und nutzt Wäscheklammern, um die Fäden zu sichern.
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Es gibt verschiedene Strickstile, wie den "Thrower"-Stil, der von vielen englischen und amerikanischen Stricker:innen verwendet wird, im Gegensatz zum "Continental Style", der in Europa üblicher ist. Es ist wichtig, den Stil zu finden, der am besten zu den eigenen Fähigkeiten passt.
KnitaGAIN: Eine Plattform für Stricker:innen mit Handicap
Britta Kremke hat die Idee zu KnitaGAIN entwickelt, einer Plattform für Stricker:innen, denen es nicht mehr so leicht von der Hand geht. Hier sollen Tipps, Werkzeuge und Kontakte zu anderen Betroffenen gefunden werden können.
KnitaGAIN soll eine Anlaufstelle für alle sein, die aufgrund eines Handicaps nicht mehr oder nur eingeschränkt stricken können. Geplant sind Videos mit unterschiedlichen Stricktechniken, ein Forum für den Austausch und die Vorstellung von Hilfsmitteln. Auch Anleitungen speziell für Menschen mit Konzentrationsschwierigkeiten, z.B. nach Long-Covid oder während einer Chemotherapie, sollen angeboten werden.
Britta Kremke wünscht sich rege Beteiligung von Betroffenen, die ihre Erfahrungen teilen, Prototypen testen oder Videos drehen. Ziel ist es, ein ansprechendes Portal zu schaffen, das von der Kommunikation lebt und auf dem sich viele informieren und austauschen können.
Stricken im Alltag integrieren
Erfolgreiche Handmotorik-Übungen lassen sich mühelos in den Alltag integrieren. Regelmäßigkeit ist dabei wichtiger als Intensität. Schon zehn Minuten täglich können große Veränderungen bewirken.
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Ein Tennisball, den man regelmäßig zusammendrückt, trainiert die Greifkraft. Therapeutische Knete bietet vielseitige Trainingsmöglichkeiten. Beweglichkeitsübungen sollten sanft und kontrolliert durchgeführt werden. Koordinationsübungen fordern das Gehirn heraus und verbessern die Zusammenarbeit beider Hände.
Die Bedeutung der Akzeptanz und Geduld
Nach einem Schlaganfall ist es wichtig, die eigenen Veränderungen zu akzeptieren und sich nicht von den Erwartungen anderer unter Druck setzen zu lassen. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo und seine eigenen Bedürfnisse.
Es braucht Geduld, um neue Fähigkeiten zu erlernen und sich an die veränderte Situation anzupassen. Stricken kann dabei helfen, die Geduld zu trainieren und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu entwickeln.
Die Rolle des Umfelds
Das Umfeld spielt eine wichtige Rolle bei der Genesung nach einem Schlaganfall. Es ist wichtig, dass Familie und Freunde Verständnis zeigen und die Betroffenen unterstützen.
Manchmal kann es jedoch schwierig sein, mit den Veränderungen umzugehen. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, z.B. durch Gespräche mit einem Psychologen oder Therapeuten.
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