Sturm und Migräne: Ein komplexer Zusammenhang

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die die Lebensqualität vieler Menschen erheblich beeinträchtigt. Es gibt viele Berichte über eine Zunahme oder Verschärfung von Migräneanfällen bei extremen Wetterbedingungen wie Unwettern, die durch starke Temperaturschwankungen, hohe Luftfeuchtigkeit oder plötzliche Sturmböen gekennzeichnet sind. Aber gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen Sturm und Migräne? Und wenn ja, was steckt dahinter?

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Sie ist eine der häufigsten und bedeutendsten Kopfschmerzerkrankungen in der Bevölkerung. Die Schmerzen können pulsierend oder pochend sein und sich über Stunden bis Tage erstrecken.

Symptome der Migräne

Die Symptome von Migräne sind sehr charakteristisch. Bei vielen Erkrankten treten Kopfschmerzen einseitig auf, wobei die Seite wechseln kann. Der Schmerz wird meist als Hämmern oder Pochen beschrieben und wird unter Bewegung und Lichteinfluss stärker. Betroffene können auch eine verstärkte Empfindlichkeit gegenüber alltäglichen Reizen erleben und sich erschöpft oder reizbar fühlen.

Aura bei Migräne

Eine Aura ist ein neurologisches Phänomen, das bei einigen Migränepatienten vor oder während der Migräneattacke auftritt. Sie äußert sich durch vorübergehende, oft visuelle oder sensorische Störungen, die typischerweise einige Minuten bis eine Stunde andauern. Visuelle Aura-Symptome können Flimmern, Lichtblitze, Zickzacklinien oder temporäre Sehschwierigkeiten umfassen. Seltener können auch psychische Symptome bis hin zu Psychosen, Sprachstörungen oder Schwierigkeiten beim Gehen (Ataxie) auftreten.

Wer ist von Migräne betroffen?

Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräne-Anfälle. Besonders stark betroffen sind Menschen, die bereits Vorerkrankungen haben, z.B. Menschen, die regelmäßig Migräne haben oder an Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden oder auch Patienten mit Atemwegsbeschwerden. Manche Migränepatientinnen und -patienten bezeichnen sich als „wandelndes Barometer“.

Lesen Sie auch: Alfons Sonnbichler: Ein Leben voller Wendungen

Wetterfühligkeit und Migräne

Tatsächlich gab es in einigen Studien Hinweise darauf, dass etwa jede zweite von Migräne betroffene Person auch von Wetterfühligkeit - also etwa wetterabhängigen Migräneattacken - betroffen ist. Dies bezieht sich auf Erkrankte mit und ohne Aura sowie der allgemeinen Prävalenz von Migräne entsprechenden Geschlechts- und Altersverteilungen.

Was bedeutet „wetterfühlig“?

Wetterfühligkeit bezeichnet die Empfindlichkeit gegenüber Änderungen im Wetter, die bei manchen Menschen zu körperlichen oder emotionalen Beschwerden führen kann. Zu den typischen Symptomen gehören Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Verschlechterung bestehender gesundheitlicher Beschwerden. Wetterfühligkeit wird oft mit chronischen Erkrankungen wie Migräne oder rheumatischen Beschwerden in Verbindung gebracht und kann die Lebensqualität beeinträchtigen, insbesondere wenn die betroffene Person auf plötzliche oder extreme Wetterveränderungen reagiert.

Symptome der Wetterfühligkeit

Wetterfühligkeit kann sich durch Symptome wie Kopfschmerzen, Gelenk- oder Muskelschmerzen verstärken, besonders bei Wetterveränderungen. Betroffene erleben häufig auch Müdigkeit und emotionale Schwankungen, die mit plötzlichen Temperatur- oder Luftdruckänderungen einhergehen. Neben Migräne können bei Wetterfühligkeit auch eine Vielzahl anderer Beschwerden auftreten. Menschen, die wetterempfindlich sind, berichten oft von verstärkten Gelenkschmerzen oder Muskelverspannungen, insbesondere bei Änderungen der Luftfeuchtigkeit oder Temperatur. Auch rheumatische Erkrankungen, wie Arthritis, können sich durch Wetterumschwünge verschlechtern, was zu erhöhten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann. Einige Personen erleben auch eine Verschlechterung von Atemwegserkrankungen oder Allergien, da sich die Luftqualität und der Luftdruck ändern.

Welche Menschen sind besonders wetterfühlig?

Besonders wetterfühlig sind häufig Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Migräne, Arthritis oder rheumatischen Beschwerden, da ihre Symptome bei Wetterveränderungen stärker ausgeprägt werden können. Auch Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder Atemwegserkrankungen reagieren oft empfindlicher auf Wetterumschwünge. Darüber hinaus können Menschen, die ohnehin anfällig für emotionale oder physische Stressfaktoren sind, eine erhöhte Wetterempfindlichkeit aufweisen.

Der Zusammenhang zwischen Wetter und Migräne

Die Forschenden untersuchten eine größere Gruppe von Probanden (1.052 Frauen vs. 563 Männer), die im Verlauf von zwei Jahren in einer Notaufnahme vorstellig wurden. Dabei führten sie Wetteraufzeichnungen und Patientendaten zusammen und untersuchten die entstandenen Muster. Tatsächlich ergab sich ein Zusammenhang zwischen Wetterbedingungen und einer erhöhten Häufigkeit von Migräneanfällen. Allerdings standen diese vor allem im Zusammenhang mit starken Veränderungen der Wetterlage, also beispielsweise extremen Temperaturschwankungen, Luftdruckänderungen aber auch besonders hoher Luftfeuchtigkeit.

Lesen Sie auch: Die Lebensherausforderungen bei "Sturm der Liebe"

Wetterfaktoren als Migräneauslöser

Die Natur hat viele Gesichter und manche davon sind für Migränepatientinnen und -patienten besonders belastend. Zu den häufigsten Auslösern zählen:

  • Plötzliche Temperaturwechsel: Ein Anstieg oder Abfall um mehr als fünf Grad kann ein Migräneauslöser sein. Eine Studie belegt, dass ein Temperaturanstieg um sechs Grad bereits einen Anstieg der Migräneattacken um 36 Prozent nach sich zieht.
  • Luftdruckschwankungen: Besonders bei Gewitter, Föhnwetter oder vor Wetterfronten reagiert der Körper empfindlich.
  • Hohe Luftfeuchtigkeit: Diese begünstigt Spannungszustände und Kreislaufprobleme. Auch ein Anstieg der Luftfeuchtigkeit um 20 Prozent erhöht demnach die Anzahl der Kopfschmerzattacken um rund 22 Prozent.
  • Starke Sonneneinstrahlung: Sie kann in Verbindung mit anderen Faktoren Migräne verstärken.

Die sogenannte Migräne durch Wetterumschwung ist also ein Zusammenspiel aus mehreren Reizen, auf die besonders sensible Menschen reagieren.

WetterfaktorMögliche Auswirkung auf MigräneBeispielhafte Situation
Plötzlicher TemperaturwechselVerengung/Erweiterung der Blutgefäße, SerotoninschwankungTemperaturanstieg um 6 Grad an einem Tag
LuftdruckschwankungAuslösung neurologischer Reize, Trigger für MigräneGewitterfront oder Föhnlage
Hohe LuftfeuchtigkeitErhöhte Spannung, KreislaufproblemeSchwüles Wetter vor einem Sommergewitter
Starke SonneneinstrahlungLichtempfindlichkeit, Überreizung des NervensystemsKlarer Himmel nach Regentagen

Wie reagiert der Körper auf Wetterumschwünge?

Wetterumschwünge beeinflussen mehr als nur unsere Laune. Sie wirken sich direkt auf Blutgefäße, Nervensystem und Hormonhaushalt aus. Besonders stark beeinflussen sie unseren Serotoninspiegel, einen wichtigen Botenstoff im Gehirn, der Stimmung und Schmerzempfinden reguliert. Bei Wetterwechseln sinkt der Serotoninspiegel oft rapide ab. Gleichzeitig verengen oder erweitern sich die Blutgefäße, was das typische Hämmern im Kopf verursachen kann. Hinzu kommt eine erhöhte Reizempfindlichkeit des Nervensystems. Kurzum: Der Körper befindet sich im Ausnahmezustand.

Prof. Andreas Matzarakis erklärt: Um optimale Organfunktionen zu gewährleisten, muss z. B. der Körperkern konstant auf einer Temperatur von 37 °C gehalten werden. Wenn es zu raschen Änderungen kommt, z.B. bei einer Gewitterfront, und sich die Temperatur schlagartig von warm auf kalt ändert, dann kann der Mensch sich nicht so schnell anpassen. Das sind Stressfaktoren für den Körper. Diese Anpassungsschwierigkeiten in der Thermoregulation des Körpers führen dann zu verschiedenen Symptomen. Außerdem geht mit einem Gewitter häufig schwüles Wetter einher: Das bedeutet eine hohe Luftfeuchtigkeit. Wenn der Körper dann schwitzt, kann der Schweiß nicht verdunsten und der Körper wird nicht effektiv gekühlt.

Anzeichen einer wetterbedingten Migräne

Wetterbedingte Migräne entwickelt sich nicht aus dem Nichts. Oft kündigt sie sich mit bestimmten Vorboten an. Diese sogenannten Prodromalsymptome können Stunden oder sogar Tage vor dem eigentlichen Anfall auftreten:

Lesen Sie auch: "Gehirn Sturm": Eine neurowissenschaftliche Perspektive

  • Müdigkeit oder Erschöpfung
  • Reizbarkeit
  • Sehstörungen oder Lichtempfindlichkeit
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Nackenschmerzen oder Muskelverspannungen

Diese Anzeichen sollte man ernst nehmen, denn je früher man eine Migräneattacke erkennt, desto besser lässt sie sich oft noch abmildern.

Zweifel am Einfluss des Wetters auf Migräne

Gegen einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Migräne spricht, dass sich in verschiedenen Klimazonen sowohl der Anteil von Betroffenen als auch die Häufigkeit der Schmerzattacken nicht signifikant unterscheiden. Zudem konnten Studien, die die Aufzeichnungen von Patienten in Migränekalendern mit den Daten aus Wetterstationen verglichen, keinen Zusammenhang entdecken. Experten vermuten, dass Betroffene mit der Erwartung „bei Gewitter bekomme ich Migräne“ eher dazu tendieren, das Wetter aufmerksamer zu beobachten; sich unter Umständen also selbst so stark beeinflussen, dass es tatsächlich zu einer Attacke kommt. Bei Migräne spielen also oft mehrere auslösende Faktoren zusammen. So haben beispielsweise viele Menschen bei schönem Wetter bessere Stimmung und sind dadurch weniger gestresst. Schlechte Witterung kann hingegen auf die Laune drücken und das Risiko einer Migräne erhöhen. Da es oft subjektiv wahrgenommen wird, steht das Wetter als möglicher Einfluss auf der Liste der Migräne-Trigger.

Die Rolle des Migräne-Tagebuchs

Um ihre Trigger zu erkennen, werden Patientinnen und Patienten oft angehalten, ein Migräne-Tagebuch zu führen. In diesem Tagebuch notieren die Betroffenen einerseits Uhrzeit, Dauer und Intensität ihrer Anfälle. Andererseits werden auch äußere Einflüsse wie Wetterbedingungen, Stresslevel, Ernährung und Schlafverhalten dokumentiert. Auf diese Weise kann man herausfinden, welche Bedingungen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen - und man kann den Kopfschmerz gewissermaßen besser vorhersagen.

Was tun bei Migräne durch Wetter?

Wenn der Schmerz einmal da ist, zählt jede Minute. Diese Maßnahmen können helfen, die Beschwerden zu lindern:

  • Schmerzmittel frühzeitig einnehmen: Am besten bei den ersten Symptomen, nicht erst, wenn der Schmerz voll ausgebrochen ist.
  • Rückzugsort aufsuchen: Ein dunkler, ruhiger und kühler Raum ist oft besser geeignet als ein hell beleuchtetes Büro.
  • Licht und Lärm meiden: Das Gehirn ist in dieser Phase überreizt.
  • Kühlende Kompressen auf Stirn oder Nacken: Lindern Entzündungsprozesse und entspannen.
  • Körperliche Anstrengung vermeiden: Sie kann die Symptome verstärken.

Tipp: Halte eine „Migräne-Notfallbox“ bereit, in der du Schmerzmittel, Schlafmaske, Ohrstöpsel und Kühlpads griffbereit hast.

Medikamente bei wetterbedingten Kopfschmerzen

Wenn natürliche Mittel nicht ausreichen, können medikamentöse Behandlungen gezielt dabei helfen, Migräneattacken bei Wetterwechsel zu lindern oder zu verhindern. Wichtig ist dabei, frühzeitig zu handeln, idealerweise schon bei den ersten Vorboten.

  • Schmerzmittel (Analgetika): Wirkstoffe wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) können leichte bis mittelstarke Migräneattacken abschwächen, vor allem, wenn sie frühzeitig eingenommen werden. Wichtig: Tageshöchstmengen laut Beipackzettel beachten!
  • Triptane: Bei mittelstarken bis starken Attacken greifen viele Betroffene zu Triptanen. Diese speziellen Migränemittel wirken auf die erweiterten Blutgefäße im Gehirn und helfen auch bei Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Es gibt sie in Tablettenform, als Nasenspray und Injektion.
  • Antiemetika: Wenn Übelkeit im Vordergrund steht, können Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon ergänzend eingenommen werden, um die Wirkung anderer Mittel zu verbessern.
  • Prophylaxe bei häufigen Anfällen: Treten Migräneanfälle regelmäßig auf, etwa mehr als dreimal im Monat, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Dazu zählen Betablocker, Antikonvulsiva, bestimmte Antidepressiva oder auch neuere monoklonale Antikörper gegen CGRP (ein Botenstoff, der bei Migräne eine Rolle spielt).

Wichtig: Sprich vor der Einnahme von Migränemedikamenten immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Nur so lässt sich die richtige Therapieform finden, abgestimmt auf deine Beschwerden und mögliche Vorerkrankungen.

MaßnahmeFür Akutphase geeignetZur Vorbeugung geeignetHinweis
Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen)✅ ja❌ neinFrühzeitig einnehmen, nicht dauerhaft nutzen
Rückzugsort (dunkel, ruhig, kühl)✅ ja❌ neinReizabschirmung bei Attacke
Entspannungstechniken (Yoga, Atmung)❌ nein✅ jaRegelmäßig in Alltag integrieren
Migräne-Tagebuch führen❌ nein✅ jaMuster erkennen und Wetterwechsel besser deuten
Pfefferminzöl / Lavendel✅ ja✅ jaKann in beiden Phasen unterstützend wirken
Regelmäßiger Schlaf & Ernährung❌ nein✅ jaStabilisiert das Nervensystem langfristig

Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?

Gelegentliche Migräneattacken lassen sich oft gut selbst behandeln. Doch es gibt Situationen, in denen ärztliche Unterstützung wichtig ist:

  • wenn du mehr als drei Migräneanfälle pro Monat hast
  • wenn die Schmerzen besonders intensiv oder langanhaltend sind
  • wenn neue Symptome wie Sprachstörungen oder Lähmungen auftreten
  • wenn du das Gefühl hast, dass deine Lebensqualität leidet

Eine Neurologin oder ein Neurologe kann gemeinsam mit dir klären, ob eine spezielle Therapie oder medikamentöse Prophylaxe sinnvoll ist, zum Beispiel mit Triptanen oder Betablockern.

Vorbeugende Maßnahmen im Alltag

Wetter kannst du nicht ändern, aber du kannst lernen, besser damit umzugehen. Wer mit Wetterfühligkeit und beispielsweise Beschwerden wie Migräne bei Unwetter oder Wetterumschwung zu kämpfen hat, sollte möglichst vorbeugend handeln, um den Schmerzen zu entgehen. Treten meteorologische Veränderungen dann auf, sollte man sich hingegen nicht überlasten und dem Körper - sowie dem Kopf - eine Auszeit gönnen, damit sich dieser auf die Anpassung der Wetterphänomene konzentrieren kann. Dazu gehört neben moderater körperlicher Tätigkeiten und Stressreduktion außerdem auch der Verzicht auf schwere Kost. Auch andere Aktivitäten die den Körper potenziell belasten, können die Wetterfühligkeit verstärken und sollten lieber vermieden werden.

  • Bewegung im Freien: Wer bei Wind und Wetter spazieren geht, Fahrrad fährt, walkt oder joggt, hält den Kreislauf in Schwung, verbessert seine Anpassungsfähigkeit und schützt sich so vor Kopfschmerzen.
  • Den Körper stärken: Beschwerden wie wetterbedingte Kopfschmerzen können durch eine gesunde Lebensweise verbessert werden. Verzichte möglichst auf Nikotin und schlafe ausreichend (7,5 Std.).
  • Temperaturwechsel-Training: Saunagänge oder Wechselduschen trainieren die Gefäße, das Immunsystem und lindern so Kopfschmerzen durch Wetterfühligkeit. Ideal dafür: ein Kneipp-Schenkelguss am Morgen. Dafür mit kaltem Wasser (bis 18 Grad) die Außenseite eines Beines von Fuß bis Hüfte abduschen.
  • Ausreichend trinken: Wenn der Körper austrocknet, kann das den Kopfschmerz ebenfalls triggern.

tags: #sturm #und #migrane