Müde, schwere und schmerzende Beine sind unangenehm und Venenerkrankungen wie Krampfadern oder Lymphödeme stellen eine zusätzliche Belastung dar. Beinbeschwerden und Venenerkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet. Kompressionsstrümpfe werden häufig zur Behandlung dieser Beschwerden eingesetzt. Der Arzt verschreibt die passende Kompressionsklasse je nach Ausprägung des Krankheitsbildes. Umgangssprachlich werden Kompressionsstrümpfe auch als Thrombosestrümpfe oder Stützstrümpfe bezeichnet. Es gibt vier Druckklassen, die sich durch die Festigkeit des Materials unterscheiden. Der Druck wird in kPa (Kilopascal) oder mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben. Die Wahl der Kompressionsklasse für die Therapie wird vom Arzt nach der Diagnose festgelegt.
Frauen sind bis zu dreimal häufiger von Venenerkrankungen wie Krampfadern betroffen als Männer, wobei meist die Beine betroffen sind. Krampfadern können aber auch in anderen Körperbereichen wie dem Bauch auftreten. Eine weitere Erkrankung, bei der Kompressionsstrümpfe ratsam sind, ist die oberflächliche Venenentzündung (Phlebitis), die durch Blutstau in den Gefäßen entsteht. Die Gefäßwände werden dadurch strapaziert und können sich entzünden.
Was sind Kompressionsstrümpfe?
Kompressionsstrümpfe sind medizinische Hilfsmittel, die Druck auf die Beine ausüben. Dieser Druck unterstützt die Venenfunktion und fördert den Blutfluss zurück zum Herzen. Sie werden in verschiedenen Kompressionsklassen angeboten, die sich durch den Anpressdruck im Fesselbereich unterscheiden. Die Wahl der richtigen Kompressionsklasse hängt von der Ausprägung der Symptome und dem Therapieziel ab.
Wirkungsweise und Ziele der Kompressionstherapie
Ziel der Kompressionstherapie ist es, den venösen Rückfluss bzw. den Lymphabfluss zu verbessern und Ödeme abzubauen bzw. ihnen vorzubeugen. Die Kompressionsmaterialien üben von außen auf das Gewebe und die darin gelegenen venösen Gefäße und Lymphbahnen aus. Zum einen wird durch den erhöhten Druck im Gewebe überschüssige Flüssigkeit in die Gefäße verschoben, zum anderen sorgt der Druck für einen besseren Flüssigkeitstransport in den Venen- und Lymphgefäßen. Durch die Entstauung wird die Durchblutung und die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen gesteigert. So werden Schmerzen und Missempfindungen in den Beinen gelindert und das Risiko zur Entstehung von Hautveränderungen und Ulzerationen minimiert.
Ruhedruck und Arbeitsdruck
Um das Wirkprinzip eines Kompressionsverbandes bzw. -strumpfes zu verstehen, sind die Begriffe Ruhedruck und Arbeitsdruck wichtig. Unter Ruhedruck ist der Druck zu verstehen, den das Kompressionsmaterial auf das Gewebe ausübt, wenn die Muskulatur nicht bewegt wird. Je elastischer ein Kompressionsmaterial ist, desto höher ist der Ruhedruck, da das hochelastische Material sich bei Entlastung im Ruhezustand zusammenzieht. Mit Arbeitsdruck wird der Widerstand bezeichnet, den das Kompressionsmaterial der Muskulatur bei Bewegung entgegensetzen kann. Je unnachgiebiger das Kompressionsmaterial ist, desto höher ist der Arbeitsdruck. Elastische Materialien wie Langzugbinden sorgen für einen niedrigen Arbeitsdruck und einen hohen Ruhedruck.
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Kompressionsstrümpfe bei Neuropathie
Polyneuropathie ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen der Nervenfasern, die sich durch schmerzhaftes Kribbeln und Missempfindungen an Handflächen und Fußsohlen bemerkbar machen. Eine Polyneuropathie kann beispielsweise als Folge einer Chemotherapie oder bei Diabetes mellitus auftreten.
Bei Patienten mit Polyneuropathie ist die Kompressionstherapie mit Vorsicht anzuwenden. Da die Sensibilität in den Füßen und Beinen beeinträchtigt sein kann, werden Druckstellen oder Einschnürungen durch den Strumpf möglicherweise nicht rechtzeitig bemerkt. Dies kann zu Hautschäden und weiteren Komplikationen führen.
Besondere Vorsichtsmaßnahmen bei Polyneuropathie
Bei Patienten mit Polyneuropathie sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden:
- Sorgfältige Auswahl des Strumpfes: Es sollte ein Kompressionsstrumpf mit geringer Kompressionsklasse (KKL 1) gewählt werden.
- Passform überprüfen: Der Strumpf muss exakt passen und darf keine Falten werfen. Gegebenenfalls müssen knöcherne Strukturen abgepolstert werden.
- Engmaschige Kontrollen: Die Füße und Beine sollten regelmäßig auf Druckstellen und Hautveränderungen untersucht werden.
- Regelmäßige Hautpflege: Die Haut sollte regelmäßig mit feuchtigkeitsspendenden Cremes gepflegt werden, um Trockenheit und Risse zu vermeiden.
Kontraindikationen
In folgenden Fällen dürfen medizinische Stützstrümpfe nicht getragen werden:
- Fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Ausgeprägte nässende Dermatosen
- Unverträglichkeit auf Kompressionsmaterial
- Schwere Sensibilitätsstörungen der Extremität
- Fortgeschrittene periphere Neuropathie
Bei relativen Kontraindikationen müssen Nutzen und Risiko besonders abgewogen werden.
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Alternativen bei Kontraindikationen
Wenn Kompressionsstrümpfe aufgrund von Kontraindikationen nicht geeignet sind, können alternative Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden, wie z.B.:
- Manuelle Lymphdrainage: Eine spezielle Massagetechnik, die den Lymphfluss anregt.
- Intermittierende pneumatische Kompression: Eine apparative Therapie, bei der Manschetten um die Beine gelegt werden, die sich in bestimmten Intervallen aufblasen und wieder entleeren.
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente zur Entwässerung oder zur Verbesserung der Durchblutung eingesetzt werden.
Kompressionsstrümpfe richtig anziehen
Das Anziehen von Kompressionsstrümpfen kann insbesondere bei älteren oder bewegungseingeschränkten Menschen schwierig sein. Es gibt jedoch einige Hilfsmittel, die das Anziehen erleichtern können:
- Gummihandschuhe: Sie verbessern den Halt und verhindern, dass der Strumpf beschädigt wird.
- Anziehhilfen: Es gibt spezielle Anziehhilfen, die den Strumpf über den Fuß gleiten lassen.
- Doff N' Donner: Eine revolutionäre An- und Ausziehhilfe für alle medizinischen Kompressionsstrümpfe.
Tipps für die Verwendung
- Ziehen Sie das Kompressionskleidungsstück für das geschwollene Bein an, sobald Sie morgens aufstehen.
- Setzen Sie sich, bevor Sie Ihre Kompressionskleidung an- und ausziehen, um Stürze oder Verletzungen zu vermeiden.
- Zehennägel, Schwielen oder ein kaputter Schuh kann Schäden verursachen.
- Um den Tragekomfort Ihrer Kompressionskleidung zu verbessern, können Sie das Silikonband (falls vorhanden) während der Tragezeit mehrmals nach oben schieben.
Hautpflege bei Kompressionstherapie
Unter einer Kompressionstherapie kommt es häufig zu Hauttrockenheit und Juckreiz. Eine gute Hautpflege ist essenziell, um Juckreiz zu lindern und Hautschäden zu vermeiden. Bei Kompressionsverbänden sollte die Hautpflege nach Ablegen des Verbandes und dem Waschen der Beine erfolgen. Bei Verwendung von medizinischen Kompressionsstrümpfen ist die Haut regelmäßig 1-2 Mal täglich zu pflegen. Warten Sie mit dem Anziehen der Strümpfe, bis das Hautpflegemittel vollständig eingezogen ist.
Kompressionsstrümpfe: Waschen und Pflege
Beachten Sie die Pflegehinweise auf dem aufgedruckten oder eingenähten Textiletikett. Die Verbindungselemente (falls vorhanden) müssen vor dem Waschen geschlossen werden! Wir empfehlen Ihnen, Ihre Kompressionsstrümpfe vor dem Waschen auf links zu drehen. Waschen Sie die Kompressionsstrümpfe beim ersten Mal separat (Farbe kann abfärben). Waschen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe nach Möglichkeit täglich im Schonwaschgang (40 °C). Verwenden Sie keinen Weichspüler! Bei Handwäsche gut ausspülen und nicht auswringen. Sie können die Trocknungszeit verkürzen, indem Sie die Kompressionsstrümpfe nach dem Waschen auf ein dickes Badetuch legen, es aufrollen und fest andrücken. Hängen Sie das Kompressionskleidungsstück dann ohne Wäscheklammern locker auf. Nicht auf einem Handtuch liegen lassen oder in der Sonne trocknen. Verwenden Sie beim Trocknen im Wäschetrockner das Programm für empfindliche Textilien (für das Trocknen im Wäschetrockner geeignet: siehe Textiletikett oder die aufgedruckten Informationen).
Optik und Komfort
Machen Sie sich Sorgen um die Optik? Das müssen Sie nicht, im Sanitätshaus gibt es richtig schicke Modelle jenseits von Einheitsgrau. Kompressionsstrümpfe sind in Waden-, Halbschenkel- und Oberschenkel-Länge sowie als Strumpfhose für beide Geschlechter erhältlich. Farblich gibt es die Kompressionsstrümpfe inzwischen in allen Variationen.
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Venen trainieren
Wussten Sie, dass nur 15 Minuten am Tag reichen, um Ihre Venen auf Trab zu bringen?
- In den Kniestand gehen, im Wechsel die Beine nach hinten ausstrecken. Rücken bleibt gerade, Bein ist waagerecht.
- In die Bauchlage begeben, den Kopf leicht heben (keine Nackenlage!), Arme und Beine wechselseitig (über Kreuz) auf- und abbewegen, immer ganz kurz halten.
- In die Seitenlage legen, mit dem Ellbogen abstützen. Becken anheben, um mit dem Körper eine Gerade zu bilden.
- Gerade hinstellen und mit den nackten Zehen einen Gegenstand wie Taschentuch oder Igelball vom Boden greifen, Bein leicht anheben.
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