Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder das Parkinson-Syndrom, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Nervensystem betrifft. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit. Obwohl die Krankheit Männer und Frauen betrifft, gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass sie sich bei Frauen anders manifestieren kann. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Diagnose und Behandlung der Parkinson-Krankheit bei Frauen und geht dabei auf geschlechtsspezifische Aspekte ein.
Was ist die Parkinson-Krankheit?
Parkinson ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff, der für die Bewegungssteuerung zuständig ist. Die Folge sind Bewegungsstörungen wie verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), Muskelsteifheit (Rigor) und unkontrollierbares Zittern (Tremor).
Man unterscheidet drei Parkinson-Syndrome:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Dies ist die häufigste Form, bei der die Ursache unbekannt ist.
- Sekundäres Parkinson-Syndrom: Diese Form kann durch bestimmte Erkrankungen, Vergiftungen oder Medikamente ausgelöst werden.
- Atypisches Parkinson-Syndrom: Dieses Syndrom tritt als Folge anderer neurodegenerativer Erkrankungen auf.
Wie viele Menschen sind betroffen?
In Deutschland sind schätzungsweise bis zu 400.000 Menschen von Parkinson betroffen. Das Lebenszeitrisiko, an Morbus Parkinson zu erkranken, liegt für Männer bei zwei und für Frauen bei 1,3 Prozent. Die Krankheit wird in der Regel zwischen dem 55. und dem 60. Lebensjahr diagnostiziert, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein.
Symptome der Parkinson-Krankheit bei Frauen
Die Parkinson-Krankheit entwickelt sich schleichend, und erste Anzeichen können Jahre vor den typischen Parkinson-Symptomen auftreten. Viele Symptome treten zunächst nur auf einer Körperseite auf. Zu den frühen Anzeichen gehören:
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- Schlafstörungen
- Sehstörungen
- Riechstörungen
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Beschwerden im Nacken- oder Lendenwirbelbereich
- Störung der Feinmotorik (z. B. veränderte Handschrift)
- Veränderung beim Mitschwingen der Arme beim Gehen
- Abgeschlagenheit
- Müdigkeit
- Unsicherheit und Unruhe
- Zittern
- Depressive Verstimmung
Klassische Parkinson-Symptome sind:
- Zittern
- Bewegungsstörungen (z. B. Steifheit der Muskeln)
- Verlangsamte Bewegungen (z. B. Einschränkungen der Mimik, Störungen der Armbewegung beim Gehen)
- Gleichgewichtsstörungen
- Gang- und Haltungsstörungen
Weitere mögliche Symptome sind:
- „Einfrieren“ von Bewegungen (Freezing)
- Sprachschwierigkeiten
- Schluckbeschwerden
- Störungen der vegetativen Funktionen (z. B. Blutdruck und Verdauung)
- Schlafstörungen
- Depressionen
- Geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Symptomen
Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen und Männer unterschiedliche Symptome und Krankheitsverläufe aufweisen können. Einige Studien deuten darauf hin, dass Frauen häufiger unter bestimmten nicht-motorischen Symptomen wie Depressionen, Angstzuständen und Schmerzen leiden. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Frauen möglicherweise später im Leben diagnostiziert werden als Männer und dass die Krankheit bei ihnen möglicherweise schneller fortschreitet.
Hormonelle Einflüsse auf Parkinson-Symptome bei Frauen
Ein wichtiger Aspekt, der bei Frauen mit Parkinson berücksichtigt werden muss, sind die hormonellen Schwankungen im Laufe ihres Lebens. Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass der Menstruationszyklus, Schwangerschaft und Menopause die Parkinson-Symptome beeinflussen können.
Eine junge Frau und Gynäkologin, die selbst an Parkinson erkrankt ist, hat festgestellt, dass es ein zyklisches Muster der Parkinson-Symptome bei Frauen gibt. Sie vermutet, dass der Östrogenabfall vor der Menstruation für eine Verschlechterung der Symptome verantwortlich sein könnte. Östrogen hat möglicherweise eine schützende Wirkung auf das Gehirn, und ein Mangel könnte die Symptome verstärken.
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Eine Umfrage unter Frauen mit Parkinson in den Niederlanden hat gezeigt, dass viele Frauen unter einem hormonellen Einfluss auf ihre Parkinson-Symptome leiden. Die Daten bestätigen auch das zyklische Muster und die enormen Auswirkungen, die es auf das Leben der Frauen hat.
Auch die Schwangerschaft kann sich auf die Parkinson-Symptome auswirken. Einige Frauen berichten von einer Verschlechterung ihrer Symptome während der Schwangerschaft, während andere keine Veränderung feststellen. Es gibt jedoch nur wenige Studien, die die Auswirkungen der Schwangerschaft auf den langfristigen Verlauf der Parkinson-Krankheit untersucht haben.
Diagnose der Parkinson-Krankheit
Sobald Symptome bemerkt werden, sollte eine Neurologin bzw. ein Neurologe aufgesucht werden. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser können Therapiemaßnahmen greifen.
Die Diagnose basiert in der Regel auf einer neurologischen Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Der Arzt oder die Ärztin wird nach Art und Dauer der Beschwerden fragen und die Hauptsymptome der Erkrankung untersuchen:
- Muskelzittern (Tremor)
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese)
- Versteifung der Muskulatur (Rigor)
- Gang- oder Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität)
Um andere Erkrankungen auszuschließen, können weitere Tests durchgeführt werden, z. B.:
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- Riechtests
- L-Dopa-Test (Überprüfung des Ansprechens auf das Medikament Levodopa)
- MRT oder CT des Gehirns
Es gibt keinen speziellen Parkinson-Test, mit dem eine schnelle und sichere Diagnose gestellt werden kann. Eine erfahrene Neurologin oder ein erfahrener Neurologe ist jedoch in der Lage, die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen wie ein Puzzle zusammenzusetzen und so zur richtigen Diagnose zu gelangen.
Behandlung der Parkinson-Krankheit
Auch wenn die Forschung sich intensiv mit der Krankheit beschäftigt, ist Parkinson bisher nicht heilbar. Dank der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden, können die Symptome heute aber teilweise gelindert werden. Die Lebenserwartung wird so durch Parkinson normalerweise nicht mehr beeinträchtigt.
Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Sie umfasst in der Regel eine Kombination aus Medikamenten, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.
Medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Behandlung von Parkinson zielt darauf ab, die Botenstoffe im Gehirn wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen und damit die motorischen Defizite abzumildern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die den Dopaminmangel wieder ausgleichen, wie zum Beispiel Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer). Es gibt Medikamente, die Dopamin enthalten und so den Dopaminmangel ausgleichen, und solche, die den Abbau vorhandenen Dopamins verhindern. Ein Spezialist oder eine Spezialistin für neurologische Bewegungsstörungen erstellt dafür einen individuell angepassten Medikamentenplan.
Zu den wichtigsten Medikamenten gehören:
- Levodopa: Wird im Körper in Dopamin umgewandelt und gleicht den Dopaminmangel aus.
- Dopamin-Agonisten: Wirken ähnlich wie Dopamin und stimulieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn.
- MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn.
- COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Levodopa.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
In einigen Fällen kann ein Eingriff am Gehirn sinnvoll sein. Bei der tiefen Hirnstimulation (THS) werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt. Durch elektrische Impulse können so bestimmte Hirnregionen positiv beeinflusst werden. In Studien hat sich gezeigt, dass auf eine früh durchgeführte THS vor allem jüngere Betroffene gut ansprechen.
Nicht-medikamentöse Therapien
Die medikamentöse Behandlung wird bei Parkinson um verschiedene Therapien ergänzt. Leben mit Parkinson kann auch heißen: je nach Erfordernis regelmäßig Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Damit können gute Erfolge in Sachen Erhalt der Lebensqualität erzielt werden.
- Physiotherapie: Hilft, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Unterstützt bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten.
- Logopädie: Verbessert die Sprach- und Schluckfunktion.
Umgang mit der Parkinson-Krankheit im Alltag
Ein angemessener Umgang mit Parkinson, z. B. Aktiv bleiben. Auch geistig aktiv bleiben. Die geistige Leistungsfähigkeit kann sich im Laufe der Erkrankung verändern. Patienten sollten versuchen, sich geistig fit zu halten, z.B. Auch mit fortschreitender Krankheit Alltagsaufgaben wahrnehmen, z.B. Bei einer fortschreitenden Krankheit wie Parkinson bleiben seelische und körperliche Befindenseinbrüche nicht aus. Angehörige sollten aber darauf achten, dass sie ihr eigenes Leben weiterpflegen. Das Verhalten im Alltag hat durchaus einen therapeutischen Einfluss auf die Erkrankung. Deswegen ist es für Angehörige wichtig, sich so gut wie möglich über Parkinson zu informieren. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen ist zudem sinnvoll. Über Behandlungsmöglichkeiten, Krankheitsbewältigungsstrategien und Tipps für den Alltag kann kaum jemand besser informieren als Menschen, die an derselben Krankheit leiden.
Die Rolle der Angehörigen
Parkinson verändert das Leben der betroffenen Person und damit auch das der Familie und Freunde. Oft ziehen sich Patienten zurück und geben lange gepflegte Kontakte auf. Angehörige und Freunde sollten den Patienten bei Verdacht auf Depressionen behutsam darauf ansprechen, aber nicht unter Druck setzen. Es ist wichtig, Probleme und Ängste offen zu thematisieren, ggf. auch mit dem behandelnden Arzt. Bei sexuellen Schwierigkeiten können Pro Familia Beratungsstellen Unterstützung bieten.
Forschung und Hoffnung
Die Forschung zur Parkinson-Krankheit ist intensiv, und es gibt erste vielversprechende Erfolge mit neuen molekularen und genetischen Methoden, die Anlass zur Hoffnung geben, dass in den nächsten Jahrzehnten möglicherweise Therapien zum Einsatz kommen könnten, die die Parkinson-Krankheit verzögern oder gar heilen könnten.
Ein internationales Schwangerschafts- und Parkinson-Register (www.pregspark.com) wurde ins Leben gerufen, an dem alle Frauen mit Parkinson auf der Welt teilnehmen können. Über Fragebögen teilen sie wichtige Informationen über den Verlauf der Schwangerschaft in Kombination mit Parkinson mit, und viele teilen sowohl Schwangerschaftsdaten als auch alle signifikanten Veränderungen der Parkinson-Symptome und der Medikamenteneinnahme mit. Auch nach der Geburt werden Informationen zum Gesundheitszustand von Mutter und Kind erhoben.