Morbus Gaucher Typ 2: Eine umfassende Betrachtung der akuten infantilen neuronopathischen Form

Die Gaucher-Krankheit ist eine seltene, genetisch bedingte lysosomale Speicherkrankheit, die autosomal-rezessiv vererbt wird. Sie wird durch eine Mutation im GBA-Gen verursacht, das für das Enzym Glukozerebrosidase codiert. Dieses Enzym ist für den Abbau von Glucosylceramid zuständig, einer Fettsubstanz, die sich bei einem Mangel an Glukozerebrosidase in verschiedenen Organen und Geweben ansammelt. Die Krankheit wurde nach dem französischen Arzt Philippe Gaucher benannt, der die Symptome erstmals im Jahr 1882 beschrieb. Es gibt verschiedene Typen von Morbus Gaucher, die sich hinsichtlich des Alters des Krankheitsbeginns, der Schwere der Symptome und des Vorhandenseins neurologischer Beteiligung unterscheiden.

Einleitung

Morbus Gaucher Typ 2, auch bekannt als die akute infantile neuronopathische Form, ist die schwerste und seltenste Form der Gaucher-Krankheit. Sie manifestiert sich im Säuglingsalter und ist durch eine rasch fortschreitende neurologische Verschlechterung gekennzeichnet. Aufgrund der Schwere der Symptome und des frühen Beginns führt Morbus Gaucher Typ 2 in der Regel innerhalb der ersten zwei Lebensjahre zum Tod.

Ursachen von Morbus Gaucher Typ 2

Wie alle Formen der Gaucher-Krankheit wird auch Morbus Gaucher Typ 2 durch Mutationen im GBA-Gen verursacht. Dieses Gen enthält die Anweisungen zur Herstellung des Enzyms Glukozerebrosidase. Mutationen im GBA-Gen führen zu einem Mangel oder einer verminderten Aktivität dieses Enzyms. Infolgedessen kann Glucosylceramid nicht abgebaut werden und reichert sich in den Zellen, insbesondere in den Makrophagen (Fresszellen) von Leber, Milz, Knochenmark und Gehirn, an. Diese Anreicherung führt zu einer Vergrößerung der Organe und zu einer Schädigung des Nervensystems.

Morbus Gaucher wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass eine Person zwei Kopien des mutierten Gens (je eine von jedem Elternteil) haben muss, um die Krankheit zu entwickeln. Eltern, die nur eine Kopie des mutierten Gens tragen, sind selbst nicht betroffen, aber sie sind Träger und können das mutierte Gen an ihre Kinder weitergeben. Wenn beide Eltern Träger sind, besteht für jedes Kind ein Risiko von 25 %, die Krankheit zu erben, ein Risiko von 50 %, Träger zu sein, und ein Risiko von 25 %, keine Kopie des mutierten Gens zu erben und somit weder betroffen noch Träger zu sein.

Symptome von Morbus Gaucher Typ 2

Morbus Gaucher Typ 2 ist durch eine Kombination aus viszeralen und neurologischen Symptomen gekennzeichnet, die sich in der Regel innerhalb der ersten Lebensmonate manifestieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Neurologische Symptome:
    • Schielen (Strabismus)
    • Krampfanfälle
    • Progressive psychomotorische Verschlechterung
    • Hirnstammdysfunktion (führt zu einem geschwächten Saug- und Schluckreflex)
    • Muskeltonusstörungen (Hypotonie oder Hypertonie)
  • Viszerale Symptome:
    • Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie)
    • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen, führt zu erhöhter Blutungsneigung)
    • Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen, führt zu Müdigkeit und Schwäche)
  • Weitere Symptome:
    • Gesichtsdysmorphie
    • Generalisierte Schwellungen
    • Geringe motorische Aktivität
    • Wachstumsstörungen
    • In schweren Fällen kann Morbus Gaucher Typ 2 bereits im fetalen Stadium tödlich sein.

Die neurologischen Symptome sind bei Morbus Gaucher Typ 2 besonders ausgeprägt und führen zu einer raschen Verschlechterung des Zustands der betroffenen Kinder. Die Hirnstammdysfunktion beeinträchtigt lebenswichtige Funktionen wie Atmung und Schlucken, was zu schweren Komplikationen führen kann.

Diagnose von Morbus Gaucher Typ 2

Die Diagnose von Morbus Gaucher Typ 2 kann aufgrund der unspezifischen Symptome und der Seltenheit der Erkrankung eine Herausforderung darstellen. In der Regel erfolgt die Diagnose durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Labortests und bildgebenden Verfahren.

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt wird die Symptome des Kindes erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen, um Anzeichen von Hepatosplenomegalie, neurologischen Auffälligkeiten und anderen Symptomen zu beurteilen.
  • Labortests:
    • Bestimmung der Glukozerebrosidase-Aktivität: Ein Bluttest kann die Aktivität des Enzyms Glukozerebrosidase in den weißen Blutkörperchen messen. Eine stark reduzierte oder fehlende Aktivität deutet auf Morbus Gaucher hin.
    • Genetische Tests: Eine DNA-Analyse kann Mutationen im GBA-Gen identifizieren und die Diagnose bestätigen.
    • Weitere Blutuntersuchungen: Diese können typische Blutbildveränderungen wie Thrombozytopenie und Anämie aufzeigen.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschalluntersuchungen können eine Vergrößerung von Leber und Milz darstellen. Röntgenaufnahmen oder MRT-Untersuchungen können Knochenveränderungen aufzeigen.

Behandlung von Morbus Gaucher Typ 2

Leider gibt es derzeit keine Heilung für Morbus Gaucher Typ 2. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Unterstützung der Betroffenen. Die Enzymersatztherapie (ERT) und die Substratreduktionstherapie (SRT), die bei anderen Formen der Gaucher-Krankheit eingesetzt werden, sind bei Morbus Gaucher Typ 2 nicht wirksam, da sie die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und somit nicht ins Gehirn gelangen können, um die neurologischen Symptome zu behandeln.

Die Behandlung von Morbus Gaucher Typ 2 umfasst in der Regel:

  • Unterstützende Maßnahmen:
    • Ernährungstherapie zur Unterstützung des Wachstums und der Entwicklung
    • Physiotherapie zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten
    • Behandlung von Krampfanfällen mit Medikamenten
    • Atemunterstützung bei Hirnstammdysfunktion
  • Palliativmedizin: Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung von Schmerzen und Leiden und die Verbesserung der Lebensqualität.

Aufgrund der Schwere der Erkrankung und des raschen Fortschreitens ist die Prognose für Kinder mit Morbus Gaucher Typ 2 sehr schlecht. Die meisten Kinder sterben innerhalb der ersten zwei Lebensjahre an den Komplikationen der Erkrankung.

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Vorkommen von Morbus Gaucher

Morbus Gaucher ist panethnisch, das heißt, er tritt in allen ethnischen Gruppen auf. Die geschätzte Prävalenz liegt bei 1 von 50.000 bis 200.000 Menschen. Morbus Gaucher Typ 2 ist die seltenste Form der Erkrankung, mit einer geschätzten Inzidenz von 1 von 100.000 Geburten.

Morbus Gaucher in Deutschland

In Deutschland liegt die Prävalenz von Morbus Gaucher laut Studien bei etwa 30 Fällen pro eine Million Einwohner. Bei einer Bevölkerung von rund 83 Millionen kann geschätzt werden, dass etwa 2.490 Menschen im Land mit der Diagnose Morbus Gaucher leben. Es gibt keine spezifischen Daten zur Prävalenz von Morbus Gaucher Typ 2 in Deutschland, aber aufgrund der Seltenheit der Erkrankung ist die Anzahl der betroffenen Kinder sehr gering.

Forschung und Ausblick

Die Forschung im Bereich der Gaucher-Krankheit schreitet stetig voran. Es werden neue Therapien entwickelt, die möglicherweise in der Zukunft auch für Morbus Gaucher Typ 2 wirksam sein könnten. Dazu gehören Gentherapien, die darauf abzielen, das defekte GBA-Gen zu korrigieren, und neue Medikamente, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können.

Leben mit Morbus Gaucher

Morbus Gaucher Typ 2 ist eine verheerende Erkrankung, die das Leben der betroffenen Kinder und ihrer Familien stark beeinträchtigt. Die Diagnose einer solchen Erkrankung ist ein großer Schock und stellt die Familien vor enorme Herausforderungen. Es ist wichtig, dass betroffene Familien Zugang zu umfassender Unterstützung und Beratung haben, um mit den emotionalen, psychischen und finanziellen Belastungen umgehen zu können.

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