Sulcus Sign in der Radiologie: Ein umfassender Überblick

Das Sulcus-Zeichen ist ein radiologisches Zeichen, das in verschiedenen Körperregionen auftreten kann und unterschiedliche Ursachen haben kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das Sulcus-Zeichen, seine verschiedenen Erscheinungsformen und seine klinische Bedeutung.

Das Schultergelenk und seine Instabilität

Das Schultergelenk ist ein Kugelgelenk, das aus dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne des Schulterblatts besteht. Im Gegensatz zur Hüftgelenkspfanne ist die Schultergelenkspfanne sehr flach ausgebildet. Die Stabilisierung des Gelenks erfolgt hauptsächlich durch die umliegenden Weichteile.

Eine Schulterluxation (Verrenkung) tritt auf, wenn der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne rutscht. Dies kann anlagebedingt (habituell) oder verletzungsbedingt sein. Verletzungsbedingte Luxationen können zu einer Ablösung des Labrums von der Gelenkpfanne und zu einer Überdehnung der Kapsel führen. In manchen Fällen kann auch ein Teil der Gelenkpfanne abbrechen. Diese Verletzungen können zu einer Instabilität des Schultergelenks führen, die wiederum zu wiederholten Luxationen führen kann (posttraumatische Instabilität).

Bei der klinischen Untersuchung von Patienten mit instabilem Schultergelenk fällt eine vermehrte Beweglichkeit des Kopfes in der Gelenkpfanne auf. Funktionstests zur Beurteilung der Instabilität (vorderer oder hinterer Schubladentest, Aprehensiontest, Relocationtest) sind bei Patienten mit verbleibender unidirektionaler Instabilität des Schultergelenks auffällig.

Die Röntgenuntersuchung zeigt bei akuter Luxation eindeutig den herausgetretenen Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne. Die Luxation wird in der Regel durch eine umgehende Reposition des Kopfes unter Kurznarkose behandelt.

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Die weitere Behandlung hängt vom Patientenalter und den Verletzungsfolgen ab. Bei Patienten über 40 Jahren ist eine konservative Behandlung nach einer Erstluxation sinnvoll, sofern keine erhöhten sportlichen oder beruflichen körperlichen Ansprüche bestehen. Bei Patienten unter 40 Jahren sollte die Indikation zur primären operativen Versorgung einer Erstluxation enger gestellt werden, da das Risiko einer verbleibenden Instabilität mit mehreren Folgeverrenkungen in dieser Patientengruppe deutlich erhöht ist.

Bei der Operation wird eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt, um den Schaden des Gelenks genau zu beurteilen. Das weitere Vorgehen ist abhängig von den Verletzungen, die bei der Arthroskopie zu erkennen sind.

Arthroskopische Stabilisierung: Prinzip der Operationen ist es, das abgerissene Labrum wieder am Rand der Gelenkpfanne zu fixieren und die überdehnte Kapsel wieder zu raffen. Dabei werden selbstauflösende Fadenanker in den vorderen (bei vorderen Verrenkungen) oder hinteren (bei hinteren Verrenkungen) Pfannenrand eingebohrt und das abgelöste Labrum wieder an den Pfannenrand angeheftet.

Latarjet-Operation: Bei einem großen knöchernen Substanzverlust der Gelenkpfanne (>20% des Querdurchmessers) aufgrund einer Vielzahl von Luxationen ist eine offene Stabilisierungsoperation angezeigt. In diesen Fällen wird die Latarjet-Operation durchgeführt. Dabei wird über einen ca. 5 cm langen Hautschnitt am vorderen Rand des Schulterblattes der Rabenschnabelfortsatz (Coracoid) abgetrennt und zusammen mit den Muskelansätzen (Musculus coracobrachialis und kurzer Bizepsmuskel) an den vorderen Pfannenrand verlagert.

Die Operationen sind kurzstationär (Aufenthalt 2-3 Tage), die arthroskopischen Operationen sind aber auch ambulant durchführbar. Die offene Operation wird in der Regel nicht ambulant durchgeführt.

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Sulcus-Zeichen am Schultergelenk

Das Sulcus-Zeichen am Schultergelenk ist ein klinischer Befund, der auf eine inferiore Subluxation des Humeruskopfes hindeutet. Es wird durch Zug am herunterhängenden Arm ausgelöst und manifestiert sich als Einziehung (Sulcus) zwischen dem lateralen Acromion und dem Humeruskopf. Es ist wichtig zu beachten, dass dieses Zeichen sehr unspezifisch ist und oft beidseitig vorhanden sein kann.

Laxizitätsprüfung:

  • Sulcus-Zeichen (Neer): Inferiore Subluxation durch Zug am herunterhängenden Arm: Einziehung (Sulcus) zwischen lateralem Acromion und Humeruskopf (Sehr unspezifisch und oft beidseitig vorhanden).
  • Translationsbeurteilung nach Hawkins: Im Sitzen mit herunterhängendem Arm wird der Oberarmkopf mit einer Hand gefasst und nach vorn und hinten geschoben: es wird das Ausmaß der Translation bestimmt:
    • Einteilung der Translation (Hawkins): Ausmaß der Subluxation im Load & Shift Test.

Deep Sulcus Sign beim Pneumothorax

Das "Deep Sulcus Sign" ist ein radiologisches Zeichen, das auf einem Röntgen-Thorax im Liegen bei Vorliegen eines Pneumothorax zu sehen ist. Es beschreibt eine tiefe und ungewöhnlich transparente Darstellung des lateralen Costodiaphragmalen Rezessus.

Pathophysiologie:

Normalerweise ist der Recessus costodiaphragmaticus, der Raum zwischen der seitlichen Brustwand und dem Zwerchfell, auf einem Röntgen-Thorax im Liegen nicht so deutlich sichtbar. Bei einem Pneumothorax, insbesondere im Liegen, steigt die freie Luft in der Pleurahöhle nach ventral auf. Da der Patient liegt, sammelt sich die Luft nicht wie im Stehen apikal, sondern im vorderen und seitlichen Bereich des Thorax. Dies führt zu einer vermehrten Aufhellung und einer scheinbaren Vertiefung des lateralen Recessus costodiaphragmaticus, was als "Deep Sulcus Sign" bezeichnet wird.

Klinische Bedeutung:

Das Deep Sulcus Sign ist besonders hilfreich bei der Diagnose eines Pneumothorax bei Intensivpatienten, die häufig im Liegen geröntgt werden. Es kann auch bei Patienten mit Adipositas oder anderen Zuständen, die die Beurteilung eines Pneumothorax erschweren, von Nutzen sein.

Differenzialdiagnose:

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Hypertransparenz des Hemithorax auch andere Ursachen haben kann, wie z.B. Lungenemphysem oder einseitige Überblähung. Daher sollte das Deep Sulcus Sign immer im Zusammenhang mit anderen klinischen und radiologischen Befunden interpretiert werden.

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Beispiele aus dem zur Verfügung gestellten Text:

  • Pneumothorax in der Intensivlunge (Röntgen Thorax im Liegen a.p.) auf der linken Seite (rechte Bildseite): man erkennt die Lungengrenze, deutlicher ist jedoch die Betonung des lateralen Rezessus: Deep sulcus sign.
  • Deep sulcus sign in der Aufnahme im Liegen bei Pneumothorax links nach diagnostischer Pleurapunktion. In diesem Fall ist auch die Lungengrenze basal gut abgrenzbar.
  • Pneumothorax in der Intensivlunge (Röntgen Thorax im Liegen a.p.) auf der linken Seite (rechte Bildseite): man erkennt deutlich die Betonung des lateralen Rezessus: Deep sulcus sign. Auf beiden Seiten liegen schon Thoraxdrainagen.

Zusätzliche radiologische Zeichen beim Pneumothorax im Liegen:

Neben dem Deep Sulcus Sign können beim Pneumothorax im Liegen auch folgende Zeichen auftreten:

  • Hypertransparenz der Zwerchfellkuppe auf der betroffenen Seite.
  • Sichtbarkeit der losgelösten Pleura (insbesondere apikal).
  • Faltenbildung mit Verdichtungen in der Lunge.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zeichen beim Thorax im Liegen vollständig fehlen können, da sich die freie Luft in der Pleurahöhle ventral und nicht apikal sammelt.

Sulcus marginalis im Gehirn

Der Sulcus marginalis ist eine Hirnfurche (Sulcus) des Parietallappens (Lobus parietalis). Er stellt das Ende des Gyrus cinguli dar und wird daher auch als Ramus marginalis bezeichnet.

Anatomie:

Der Sulcus marginalis ist die Fortsetzung des Sulcus cinguli, der sich entlang des Gyrus cinguli erstreckt. Er biegt nach oben und hinten und markiert die Grenze zwischen dem Parietallappen und dem Frontallappen.

Radiologische Bedeutung:

In der axialen MRT-Bildgebung kann der Sulcus marginalis als Hilfsmittel zur Identifikation des Sulcus centralis verwendet werden. Der Sulcus centralis ist der am nächsten anterior gelegene Sulcus zum Sulcus marginalis. Das "Bracket Sign" im axialen T1-gewichteten MRT zeigt die Ausläufer des Sulcus cinguli, welcher als Ramus bzw. Sulcus marginalis bezeichnet wird.

Klinische Relevanz:

Die Identifizierung des Sulcus marginalis und des Sulcus centralis ist wichtig für die neuroradiologische Diagnostik, da sie bei der Lokalisation von Hirnläsionen und der Planung neurochirurgischer Eingriffe helfen kann.

Sulcus-Winkel bei Trochleadysplasie

Der Sulcus-Winkel ist ein radiologisches Maß, das zur Beurteilung der Form der Trochlea femoris im Kniegelenk verwendet wird. Er wird in der MRT auf axialen Schichten gemessen und dient zur Diagnose einer Trochleadysplasie.

Definition und Messung:

Der Sulcus-Winkel wird auf der kranialsten Schicht der MRT gemessen, in der der Knorpelbesatz der Trochlea in seiner gesamten Breite erfasst ist. Er ergibt sich aus den beiden Geraden, welche den höchsten Punkt der medialen und lateralen Femurkondyle mit dem tiefsten Punkt der Trochlea verbinden.

Normwerte und pathologische Befunde:

Ein Sulcus-Winkel von > 145° gilt als pathologisch und deutet auf eine Abflachung der Trochlea hin, was ein Zeichen für eine Trochleadysplasie ist.

Trochleadysplasie nach Dejour:

Die Trochleadysplasie wird am häufigsten nach Dejour klassifiziert. Diese Klassifikation kann sowohl im lateralen Strahlengang der Röntgenaufnahme als auch in axialen Schichten in der MRT erfolgen. Die Klassifikation unterscheidet 4 Grade (A-D) der Trochleadysplasie, welche allesamt als pathologisch eingestuft werden. Die Grade B-D gelten dabei als schwerwiegendere Formen der Trochleadysplasie.

  • Grad A: Positives „Crossing-Sign“ in der lateralen Röntgenaufnahme sowie einen erhöhten Sulcus-Winkel (> 145°) in der MRT.
  • Grad B: Positives „Crossing-Sign“ und ein supratrochlerer Sporn in der lateralen Röntgenaufnahme. In der MRT eine flache oder gar leicht konvexe Form der Trochlea.
  • Grad C: Deutliche Asymmetrie der beiden Trochleafacetten, bei Hypoplasie der medialen Facette und Hyperkonvexität der lateralen Facette in der MRT. In der lateralen Röntgenaufnahme zeigt sich neben dem „Crossing Sign“ eine Doppelkontur.
  • Grad D: Kombination aus den Charakteristiken der Grade B und C in der lateralen Röntgenaufnahme, nämlich dem supratrochlearen Sporn und der Doppelkontur. In der MRT zeigt sich neben einer Asymmetrie der Trochleafacetten zusätzlich eine klippenartige Vertiefung am Übergang von medialer zu lateraler Facette.

Klinische Bedeutung:

Die Trochleadysplasie ist eine wichtige Ursache für Patellaluxationen und femuropatellare Instabilität. Die Diagnose und Klassifikation der Trochleadysplasie ist entscheidend für die Planung der Behandlung, die konservativ oder operativ erfolgen kann.

Weitere radiologische Zeichen und Messungen im Zusammenhang mit dem Kniegelenk

Neben dem Sulcus-Winkel gibt es weitere radiologische Zeichen und Messungen, die im Zusammenhang mit dem Kniegelenk von Bedeutung sind:

  • Crossing-Sign: Ein radiologisches Zeichen, das in der streng lateralen Röntgenaufnahme beurteilt wird und auf eine Trochleadysplasie hindeutet.
  • TT-TG-Abstand: Der TT-TG-Abstand gibt das Maß der Lateralisation der Tuberositas tibiae im Vergleich zur Trochlea an. Ein TT-TG-Abstand größer als 20 mm ist als pathologisch einzustufen.

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