Das Sulcus Ulnaris Syndrom, auch bekannt als Kubitaltunnelsyndrom, ist eine Nervenkompressionserkrankung, die den Nervus ulnaris im Bereich des Ellenbogens betrifft. Druck oder Reibung am Nerv kann zu einer Beeinträchtigung der Nervenleitung führen, was sich in Symptomen wie Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen äußert. In fortgeschrittenen Stadien, wie Grad 3 oder 4, erfordert das Syndrom eine umfassende Behandlungsstrategie, um die Beschwerden zu lindern und dieFunktion wiederherzustellen.
Einführung
Das Kubitaltunnelsyndrom (Sulcus ulnaris Syndrom, Ellenrinnensyndrom, Ulnarisrinnensyndrom) wird durch eine Einengung des Ellennerven (Nervus ulnaris) im Ellenbogenkanal (Kubitaltunnel) verursacht und ist nach dem Karpaltunnelsyndrom das zweithäufigste periphere Nervenkompressionssyndrom. Die Neuerkrankungsrate liegt bei etwa 25 auf 100.000 Patienten.
Ursachen und Risikofaktoren
Beim Sulcus-ulnaris-Syndrom handelt es sich um eine Einengung des Ellennervs (Nervus ulnaris) am Innenbereich des Ellenbogens. Es entsteht durch eine Einengung des Ellennervs (Nervus ulnaris) am Innenbereich des Ellenbogens. Mechanische Ursachen, wie Druck- oder Zugeinwirkung auf den Nerven, können zur Reizung führen. Dies kann beispielsweise infolge eines Bruches im Bereich des Ellenbogens entstehen, bei dem die Ulnarisrinne mitbetroffen ist und der Nerv dadurch eingeengt wird.
Risikofaktoren für das Sulcus-ulnaris-Syndrom umfassen Diabetes mellitus, Übergewicht, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und vorausgegangene Verletzungen. Des Weiteren kann eine degenerative Veränderung des Gelenkes für die Druckerhöhung verantwortlich sein. Als weitere pathogenetische Faktoren sind wiederkehrende oder andere äußere Druckeinwirkungen, begünstigt durch eine flache Ulnarisrinne am Ellenbogen, sowie eine bei Unterarmbeugung eintretende (Sub-) Luxation des N. ulnaris zu nennen.
Symptome
Die Symptome können je nach Schweregrad der Erkrankung variieren. Typische Symptome sind:
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- Sensibilitätsstörungen oder Taubheitsgefühle im Bereich des kleinen Fingers, der Seite des Ringfingers zum kleinen Finger hin und der Handseite neben dem kleinen Finger.
- Kribbeln und Taubheitsgefühle: Vor allem im kleinen Finger und Ringfinger.
- Schwäche oder Lähmung der Handmuskulatur, insbesondere der Muskeln, die vom Ellenbogennerv versorgt werden.
- Beeinträchtigung der Feinmotorik, die sich durch eine hakenartige Verkrümmung der kleinen und Ringfinger äußern kann, auch bekannt als "Krallenhand".
- Muskelschwund in der Hand, was dazu führen kann, dass die Hand im Vergleich zur gesunden Hand etwas knochiger wirkt.
Typisches Symptom des Kubitaltunnelsyndroms sind bei der Untersuchung des Patienten durch den Arzt Missempfindungen oder Taubheit am Kleinfinger, kleinfingerseitigen Ringfinger und an der kleinfingerseitigen Handkante, insbesondere bei Beugung des Ellenbogengelenks. Bei länger anhaltender Einklemmung kommt es zur Kraftminderung (Paresen) in der Hand, z. B. beim Schreiben und bei der Fingerspreizung. Schließlich tritt ein Muskelschwund (Atrophie) an der Mittelhand auf, der am besten zwischen Daumen und Zeigefinger erkennbar ist.
Diagnose
Bei Verdacht auf ein Kubitaltunnelsyndrom können einfache Selbsttests erste Hinweise liefern.
- Ellenbogen-Beugetest: Beugen Sie den Arm vollständig und halten Sie die Position für 30-60 Sekunden.
- Tinel-Test: Klopfen Sie vorsichtig auf die Innenseite des Ellenbogens (über den Kubitaltunnel).
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch verschiedene Untersuchungsmethoden:
- Elektrophysiologische Untersuchung: Um die Diagnose zu sichern, führt ein Neurologe eine elektrophysiologische Untersuchung durch, bei der getestet wird, wie gut der Nerv die elektrischen Impulse noch leitet. Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Dieser Test misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale entlang des Nervus ulnaris geleitet werden.
- Bildgebende Verfahren: Bei Verdacht auf degenerative Veränderungen des Gelenks, die für die Druckerhöhung verantwortlich sein könnten, kann eine Röntgenaufnahme oder ein Ultraschall durchgeführt werden.
- Nervenultraschall: Der Nervenultraschall erlaubt das Screening des Nervs über seinen gesamten Verlauf und erkennt die krankhaften Veränderungen zuverlässig. Zudem lassen sich zystische Veränderungen in Gelenknähe (z. B. Ganglien) gut darstellen.
- Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist im Frühstadium der Erkrankung ebenso aussagekräftig. Die MR-Neurografie kann zusätzliche Informationen über das Ausmaß der Nervenschädigung liefern. Auf eine konventionelle Röntgenuntersuchung, insbesondere nach vorausgegangenen Unfällen im Ellenbogenbereich, sollte zur Detektion von Verkalkungen und arthrotischen Veränderungen nicht verzichtet werden.
Die genaue Position und das Ausmaß der Einengung können durch diese Untersuchungen ermittelt werden, was für die Behandlung des Syndroms entscheidend ist.
Therapie
Es gibt verschiedene Therapieformen, die je nach Schweregrad und individuellen Umständen angewendet werden können. In den meisten Fällen wird das Kubitaltunnelsyndrom vor einem operativen Eingriff zunächst mit konservativen Maßnahmen behandelt, um die Beschwerden zu lindern und die Funktion des Nervus ulnaris zu verbessern.
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Konservative Therapie
- Nachtschienen: Halten den Ellenbogen in einer leicht gestreckten Position, um den Druck auf den Nerv zu verringern.
- Das Aufbringen von speziellen Tapes unterstützt die Entlastung des Nervus ulnaris und fördert die Durchblutung.
- Weitere Maßnahmen: Bei leichten Einschränkungen kann es ausreichen, den Nerv vom Druck zu entlasten. Dies kann beispielsweise durch die Vermeidung wiederkehrenden Drucks oder durch unterstützende Manschetten im Bereich des Ellenbogengelenks erfolgen.
- Konservative Therapie: Eine konservative Therapie kann entzündungshemmende Behandlungen, die Anwendung einer Lagerungsschiene und Schonung umfassen. Auch antiphlogistische Medikation (z. B. Ibuprofen, Diclofenac, Cox2-Hemmer etc.) und unterstützende Krankengymnastik können hilfreich sein. Diese Maßnahmen können zur Beschwerdelinderung beitragen.
Diese konservativen Maßnahmen sowie kleine Verhaltensänderungen, beispielsweise Reduktion wiederholter Belastungen und direktem Druck auf den Ellenbogen im Alltag, sind oft ausreichend, um die Beschwerden zu lindern - insbesondere in den frühen Stadien des Syndroms. Maßnahmen wie kurzfristige Immobilisation und Polsterung in einer Schiene können manchmal zu einer Linderung der Beschwerden führen.
Operative Behandlung
Im Falle einer fortgeschrittenen Erkrankung oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Operation notwendig sein. Falls konservative Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind, kann eine operative Befreiung des Nervs (Neurolyse) empfohlen werden. Mit der Operation wird die Einengung des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel am Ellenbogengelenk beseitigt. Es gibt verschiedene Methoden der operativen Entlastung des Nervs, und in manchen Fällen muss der Nervus ulnaris verlagert und neu eingebettet werden.
Die OP dauert etwa 30-90 Minuten und wird meist ambulant durchgeführt. Hierbei muss der Ulnarisnerv am Ellenbogen von allen möglichen Einengungen befreit (dekomprimiert) werden. Durch die rechtzeitige operative Behandlung kommt es zu einer dauerhaften Besserung (Heilung), allerdings ist ein bestehender Muskelschwund (Atrophie) nicht oder nur unzureichend rückbildungsfähig. Bei der nach wie vor am häufigsten durchgeführten einfachen Dekompression des N. ulnaris wird der Nerv über einen 4-6 cm langen Schnitt am Ellenbogen nach Durchtrennung der ihn einengenden anatomischen Strukturen freigelegt. Eine Verlagerung des Nerven ist nur in seltenen Fällen erforderlich, z. B. bei Luxationen des N. ulnaris aus der Ulnarisrinne bei der intraoperativen Beugung. Die Technik der endoskopischen Operation erfordert lediglich einen sehr kleinen Schnitt (ca. 20 mm), erlaubt aber dennoch eine ausgedehnte Dekompression des Nerven (20 bis 30 cm).
Viele Patient*innen berichten von einer deutlichen Symptomlinderung wenige Wochen nach der OP, insbesondere bei frühzeitigem Eingriff. Sofern die konservative Behandlung des Sulcus ulnaris Syndroms zu keiner Besserung der Beschwerden und Schmerzen geführt hat, ist die chirurgische Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms sinnvoll. Dies sollte in Abhängigkeit vom in den Untersuchungen festgestellten Schweregrad der Nervenschädigung spätestens nach 6 Wochen erfolgen.
Nachsorge
Bei einem Sulcus-ulnaris-Syndrom ist die Nachsorge entscheidend, um die Genesung zu unterstützen und weitere Komplikationen zu vermeiden.
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- Regelmäßige ärztliche Kontrolle: Nach einer konservativen Therapie oder einer operativen Behandlung ist es wichtig, regelmäßige ärztliche Kontrollen zu haben, um den Heilungsverlauf zu überwachen und eventuelle Rückfälle frühzeitig zu erkennen.
- Physiotherapie: In vielen Fällen kann Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil der Nachsorge sein. Postoperativ erhält der Patient einen Watteverband für eine Woche und kann frühzeitig mit Physiotherapie beginnen. Durch gezielte Übungen und Maßnahmen kann die Beweglichkeit des Ellenbogengelenks und der Hand wiederhergestellt sowie die Muskulatur gestärkt werden.
- Ergonomische Anpassungen: Es kann hilfreich sein, ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz oder im Alltag vorzunehmen, um wiederkehrende Belastungen des Ellenbogengelenks zu vermeiden und die Heilung zu unterstützen.
- Vermeidung von Druck auf den Nerv: Um weitere Schädigungen des Nervs zu vermeiden, ist es wichtig, Druck auf den Nerv zu vermeiden. Dies kann durch die Verwendung von speziellen Polstern oder Schienen erfolgen, um den Nerv zu entlasten. Die Schlafposition spielt eine wichtige Rolle bei der Linderung von Beschwerden durch das Kubitaltunnelsyndrom. Ellenbogenbeugung vermeiden: Halten Sie den Arm möglichst gestreckt.
- Frühzeitige Reaktion bei Symptomen: Es ist wichtig, auf mögliche Symptome wie Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Kraftverlust in der Hand zu achten und bei deren Auftreten frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Die Entfernung des Nahtmaterials erfolgt nach 12 bis 14 Tagen. Eine Schienenbehandlung mit zweiwöchiger Ruhigstellung ist nur erforderlich, sofern der Nerv operativ verlagert werden musste.
Prävention
Das Sulcus-Ulnaris-Syndrom kann durch ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz, regelmäßige Pausen bei wiederholten Bewegungen und die Vermeidung von übermäßigem Druck auf den Ellenbogen präventiv behandelt werden. Eine gute Körperhaltung und die Vermeidung von übermäßigem Beugen des Ellenbogens können ebenfalls dazu beitragen, das Risiko einer Nervenkompression zu verringern.
Mögliche Komplikationen
Unbehandelt kann das es zu dauerhaften Nervenschäden und Muskelschwund in der Hand führen. Daher ist es wichtig, frühzeitig eine angemessene Behandlung zu suchen, um Langzeitfolgen zu vermeiden. Ja, in einigen Fällen kann es nach einer Behandlung wieder auftreten, insbesondere wenn die zugrunde liegenden Ursachen nicht behoben wurden oder wenn es zu wiederholten Belastungen des Ellenbogens kommt.