Sven Böttcher und Multiple Sklerose: Ein Weg der Selbstbestimmung

Sven Böttcher, ein bekannter Autor und Fernsehproduzent, erhielt im Alter von etwa 40 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose (MS), eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Seine Erfahrungen mit der Krankheit und sein unkonventioneller Umgang damit haben ihn zu einer inspirierenden Figur für viele MS-Patienten gemacht. Dieser Artikel beleuchtet Böttchers Krankheitsverlauf, seine Entscheidungen gegen die Schulmedizin und seinen Weg zu einem schubfreien Leben.

Die Diagnose und der Wendepunkt

Nachdem Böttcher zunächst wegen kalter Füße einen Arzt aufsuchte, wurde bei ihm im Jahr 2006 Multiple Sklerose diagnostiziert. Die Krankheit schritt schnell voran, und Ende 2007 war er fast vollständig gelähmt. Ärzte empfahlen ihm eine Eskalationstherapie mit hochdosiertem Cortison als letzte Hoffnung. Doch Böttcher entschied sich gegen diese Therapie, da sie seinen Zustand nicht verbesserte und er die Nebenwirkungen fürchtete.

An diesem Punkt traf Böttcher eine entscheidende Wahl: Er beschloss, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Er begann, intensiv zu recherchieren, alternative Behandlungsansätze zu erkunden und seinen Körper als Partner im Heilungsprozess zu betrachten.

Böttchers alternative Therapieansätze

Böttchers Ansatz zur Behandlung seiner MS umfasste mehrere Elemente:

  • Ernährungsumstellung: Böttcher stellte seine Ernährung radikal um. Er verzichtete auf Fleisch, Alkohol und Milchprodukte und setzte stattdessen auf Leinöl und Haferflocken. Später wurde er fast vegan.
  • Naturheilkunde und alternative Therapien: Er suchte Hilfe bei Naturheilkundlern und probierte alternative Therapien wie Feldenkrais aus.
  • Ursachenforschung: Böttcher versuchte, die Ursachen seiner MS zu ergründen. Er ließ sich Zähne ziehen und trank Kräutersud aus China.
  • Selbstbeobachtung und Protokollierung: Er protokollierte seine Gedanken, seine Ernährung und seine Handlungen, um mögliche Zusammenhänge zu erkennen.
  • Genanalyse und Umweltfaktoren: Eine Genanalyse ergab, dass Böttcher Probleme hatte, Holzschutzmittel abzubauen, das er bei der Renovierung seines Hauses verwendet hatte. Daraufhin entsorgte er fast seinen gesamten Besitz, um Umweltgifte zu eliminieren.

Der Weg zur Besserung

Trotz anfänglicher Rückschläge und der Verschlimmerung seines Zustands gab Böttcher nicht auf. Er setzte seine Recherchen fort, probierte verschiedene Ansätze aus und passte seine Strategien immer wieder an. Schließlich gelang es ihm, seinen Zustand deutlich zu verbessern. Seit 2008 ist er schubfrei. Zwar sind die Taubheit und Kälte in seinen Händen und Füßen sowie die Schmerzen geblieben, aber er führt ein aktives und erfülltes Leben. Er arbeitet wieder erfolgreich als Autor und genießt jede Stunde.

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"MS für Anfänger" und der Umgang mit der Schulmedizin

Böttchers Erfahrungen und Erkenntnisse hat er in seinem Buch "MS für Anfänger" zusammengefasst. Darin plädiert er für einen souveränen Umgang mit der Schulmedizin und betont die Bedeutung von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung bei der Behandlung von MS. Er ermutigt Patienten, sich aktiv an ihrem Heilungsprozess zu beteiligen und alternative Therapieansätze in Betracht zu ziehen.

Böttcher kritisiert das Schubladendenken in den medizinischen Leitlinien und fordert eine individualisierte, ganzheitliche und patientenspezifische Vorgehensweise, die den Menschen als komplexes biologisches System betrachtet. Er sieht den Arzt als Berater und Begleiter des Patienten, der diesen auf seinem persönlichen Heilungsweg unterstützt.

Kontroverse und Kritik

Böttchers Ansatz ist nicht unumstritten. Einige Kritiker werfen ihm vor, er reduziere MS auf einen Ernährungsansatz und vernachlässige die Bedeutung der Schulmedizin. Andere bemängeln, dass er unheilbare Erkrankungen durch alternative Methoden heilen zu können suggeriere.

Böttcher selbst betont jedoch, dass er nicht die Schulmedizin ablehnt, sondern lediglich für einen offeneren und ganzheitlicheren Ansatz plädiert. Er ermutigt Patienten, verschiedene Optionen auszuprobieren und ihren eigenen Weg zu finden.

Die Quintessenzen des Lebens

In einer besonders schwierigen Phase seiner Erkrankung schrieb Böttcher einen 150-seitigen Abschiedsbrief an seine Töchter, in dem er seine wichtigsten Erkenntnisse und Ratschläge für ihr Leben festhielt. Diese "Quintessenzen" sind Sätze wie: "Liebe kennt kein Ego - Verliebtheit kennt nichts anderes" oder "Mach lieber Fehler, als gar nichts richtig." Sie zeugen von Böttchers tiefer Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod und seinem Wunsch, seinen Töchtern etwas Wertvolles mit auf ihren Weg zu geben.

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