Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn. Die Behandlung von Epilepsie umfasst in der Regel die Einnahme von Medikamenten, sogenannter Antiepileptika, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren oder die Anfälle ganz zu verhindern.
Was ist Epilepsie?
Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen; in Deutschland sind rund 600.000 Menschen betroffen. Dabei sprechen Mediziner erst dann von einer Epilepsie-Erkrankung, wenn Anfälle mehrfach auftreten. Bei einer fokalen Epilepsie beginnen die Anfälle immer in einer bestimmten Hirnregion, dem Focus. Epileptische Anfälle treten auch als Zeichen von Entzündungen im Gehirn auf, beispielsweise bei akuten Infektionen mit Viren oder Bakterien (Meningitis, Enzephalitis) oder bei seltenen Autoimmunkrankheiten des Gehirns.
Bedeutung der Adhärenz bei der Einnahme von Antiepileptika
Unter Adhärenz versteht man prinzipiell das Einhalten einer Therapie. Die Adhärenz beschreibt letztlich, wie gut man in der Lage ist, diese therapeutischen Maßnahmen einzuhalten oder den gemeinsamen Plan, den man mit den Medizinern und Medizinerinnen gefasst hat, in die Realität umzusetzen und auch durchzuhalten über die Zeit. Im Kontext der Epilepsie-Therapie ist es für Sie wichtig als Betroffene, dass Sie versuchen, die Therapie einzuhalten. Die Pharmakotherapie bei Epilepsie ist letztlich darauf ausgelegt, eine Dauertherapie zu sein im Sinne von einer täglich zu fixen Intervallen und Zeiten eingenommenen Therapie. Sie spricht nicht sehr gut darauf an, wenn man jetzt sehr große Schwankungen in der Einnahmezeit hat. Das heißt: Jedes Medikament hat aufgrund der Art, wie es zubereitet ist, eine gewisse Wirkdauer. Und wenn man jetzt die Wirkdauer überschreitet, das heißt zu lange wartet, bis man die nächste Gabe einnimmt, kann es sein, dass man dazwischen dann einen Abfall der Wirkstärke hat und dass dann wieder Anfälle auftreten. Aus dem Grund ist es wichtig, dass man versucht, die Therapie und die Medikamente so einzunehmen in dem Schema, wie man es auch vereinbart hat mit den betreuenden Kollegen und Kolleginnen. Schwankungen im Blutspiegel bedeuten ein erhöhtes Risiko, dass wieder Anfälle auftreten. Und das kann ja zu jeder Tageszeit oder auch jeder Nachtzeit sein. Dies kann dann wieder die Lebensqualität deutlich beeinflussen im negativen Sinne. Und das Ziel ist ja letztlich, unter medikamentöser Therapie bei Epilepsie anfallsfrei zu sein und möglichst auch nebenwirkungsfrei zu sein, so dass die Lebensqualität so gut ist, wie sie nur sein kann bei dieser Erkrankung.
Risiken der Nichteinnahme von Medikamenten bei Epilepsie
Mögliche Risiken, wenn man die Medikamente nicht einnimmt, so wie es verordnet wurde oder wie sie auch gedacht sind vom Hersteller im Sinne der Wirkdauer, wäre das Hauptrisiko, dass wieder Anfälle auftreten. Oder man ist unbeobachtet während des Anfalls. Es kann natürlich schon sein, dass auch, selbst wenn nichts passiert, Anfälle auch tagsüber während der Arbeit oder Schulzeit auftreten. Das kann natürlich bedeuten, dass man seinen Alltag so nicht leben kann, wie man es eigentlich geplant hätte für diesen Tag und dass dann irgendwo die Lebensqualität leidet und auch vielleicht ein bisschen die Konzentration und die Aufmerksamkeit. Und es gibt auch seltene Komplikationen bei Epilepsie, die man auch nicht verschweigen soll, wie zum Beispiel, dass man aufgrund von Anfällen oder der Nichteinnahme der Therapie, die dann zu Anfällen führt, auch versterben kann.
Therapiepausen und Beendigung der Behandlung
Die Therapie zu pausieren ist möglich, aber das sollte nicht einfach so geschehen. Also es ist auch das Ziel der Ärztinnen und Ärzte, die Therapie irgendwann zu pausieren oder eigentlich besser ausgedrückt auszuschleichen oder zu beenden. Aber das geht nur unter gewissen Voraussetzungen. Und wenn man jetzt sagt: Was ist eine gewisse Zeit, keine Anfälle zu haben? Und einfach so abzusetzen ist nie eine gute Idee, und vor allem nicht ohne Rücksprache mit den betreuenden Ärztinnen und Ärzten. Aber das ist eine komplexe Entscheidung. Die sollte gemeinsam getroffen werden, und die sollte immer schrittweise und vorsichtig sein, damit man da kein unnötiges Risiko eingeht.
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Gemeinsame Entscheidungsfindung und Lebensgestaltung
Zusammenfassend kann man sagen, dass alles, was man in der Therapie der Epilepsie macht, eine gemeinsame Entscheidung sein sollte zwischen betreuenden Ärztinnen und Ärzten und dem Patienten. Das betrifft sehr viele verschiedene Bereiche. Ich glaube, der Hauptpunkt und der wichtigste Punkt ist eben die Adhärenz. Dann hat man natürlich schon Möglichkeiten, sein eigenes Leben so zu leben und zu gestalten, wie man das auch braucht, damit man sich glücklich fühlen und auch sagt, das Leben hat die Qualität, die man haben will. Da gibt es keine Zauberformeln, aber man kann zumindest sagen, dass regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig ist. Der Wunsch wäre auch, dass man natürlich schaut, dass die Ernährung halbwegs ausgeglichen und gesund ist. Es gibt spezielle Epilepsie-Ernährungsformen, die sind aber auch wieder was Spezielles. Das muss man auch speziell mit den jeweiligen Expertinnen besprechen. Aber so allgemein wäre eine gesunde Ernährung wichtig, weil man einfach dann einen gesunden Knochen-Stoffwechsel hat. Dazu gehört auch, zu versuchen, auch die Leber nicht irgendwie zu schädigen, zusätzlich zu dem, was vielleicht schon Nebenwirkungen verschiedener Pharmakotherapien sind. Und auch der Knochenstoffwechsel kann unter manchen Medikamenten leiden. Sport und Bewegung ist auch so eine Grundlage eines gesunden Lebens und eines selbstbestimmten Lebens. Die Epilepsie selbst ist jetzt meist nicht abhängig von körperlicher Anstrengung. Es ist nicht so, dass jetzt extreme Anstrengung sofort zu Anfällen führt. Aber es gibt Situationen. Und wenn man das weiß und für sich herausgefunden hat, wäre es natürlich gut, das zu vermeiden. Gleichzeitig soll man sich nicht zurückziehen und ein Leben quasi in gepolsterten Räumen verbringen, dass einem ja nichts passieren kann. Denn das bringt natürlich auch sekundäre Probleme mit sich, wie Stimmungsprobleme, Depression, Trauer und die Isolation, die dadurch einhergeht. Und sportliche Betätigung ist ja auch immer oder oft eine Gruppendynamik, wo man mit anderen Menschen Zeit verbringt.
Tipps zur Erinnerung an die Medikamenteneinnahme
Wie man es schafft, die Medikamenteneinnahme im Alltag nicht zu vergessen, da gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Und ich glaube, es muss auch jeder bisschen für sich rausfinden, was da wirklich funktioniert. Einen Zugang, der für alle gleich gut funktioniert, den gibt es eigentlich nicht. Aber typischerweise oder das Üblichste wäre, dass man versucht, die Einnahme der Medikamente mit einem täglichen Ritual zu verknüpfen. Zum Beispiel wenn jetzt die Therapie einmal in der Früh und einmal am Abend genommen werden soll, könnte man es zum Beispiel mit dem Zähneputzen verknüpfen. Dass man sagt, man gibt auch die Medikamente gut sichtbar dorthin, wo man auch die Zahnbürste suchen würde. Oder man macht es mit bestimmten Mahlzeiten, wo man dann natürlich immer rücksprechen muss. Gewisse Medikamente können nicht einfach mit jeder Nahrung eingenommen werden. Das zweite ist: Man versucht sich zu erinnern, sei es durch irgendwelche elektronischen Methoden wie Apps oder Notifications am Handy. Oder man versucht, sich so normale Erinnerungen in einen Kalender einzutragen. Und wenn man das dann immer abhaken kann, hat man vielleicht sogar so das Gefühl, man hat was erledigt. Dann wäre da natürlich auch die Möglichkeit, dass man Angehörige einbindet, die wissen, man muss diese Therapie nehmen, und denen vielleicht auffällt, wenn man mal einen Tag hat, wo man vielleicht gestresst ist oder verschlafen hat und dann total in Eile ist, und die dann merken: Oh, da ist was übrig geblieben von der Morgendosis, und dann vielleicht dafür sorgen, dass man das noch nachnehmen kann oder so.
Reisen mit Epilepsie
Wenn man verreisen will und eine Dauertherapie einnimmt, dann hängt es ein bisschen davon ab, wohin man verreist. Aber bei größeren Reisen, wo vielleicht sogar Zeitverschiebungen sind, muss man das natürlich ein bisschen im Blick haben. Die Einnahmedauer um Acht in der Früh ist dann nicht gleich Acht in der Früh an dem Ort, wo man mit sechs Stunden Zeitverschiebung angekommen ist. Das zweite ist, ob man Vorrat an Medikamenten braucht. Das hängt ein bisschen davon ab, wo man hinfährt. Nicht in jedem Land ist jede Art von Antiepileptikum zugelassen. Was auch noch eine gute Idee ist, wenn man auch Mitreisende informiert, wenn es jetzt nicht gerade die eigene Familie ist, die das eh wissen wird. Das muss man aber immer für sich selbst entscheiden, weil es auch ja natürlich ein bisschen die Privatsphäre betrifft ist. Aber wenn man es für sich selbst für möglich hält und sich das auch zutraut und auch der Umgebung zutraut, wäre es sicher gut, wenn man Mitreisende informiert, dass man unter einer Epilepsie leidet, eine Dauertherapie einnehmen muss, und falls etwas passiert, dass die das auch zuordnen können. In einem fremden Land, wo die Sprache auch eine andere ist, ist vielleicht nicht einfach klar, was da passiert ist. Und es beginnt dann ein sehr mühsamer Prozess unter Umständen, wo viel Abklärung erfolgt, die gar nicht notwendig wäre, weil die Epilepsie zum Beispiel bekannt ist. Wenn die Chance sehr hoch ist, dass es zu Anfällen kommt, sollte man sich auch überlegen, ob man nicht auch versucht, Arztbriefe mitzunehmen. Vielleicht können Sie sogar die betreuenden Ärztinnen und Ärzte bitten, ein kurzes Statement auch auf Englisch zu verfassen über die Erkrankung, unter der man leidet und welche Therapie notwendig ist. Damit ist es dann auch irgendwo klar an Flughäfen oder in Krankenhäusern oder bei medizinischen Konsultationen im Ausland, was eigentlich Sache ist und worum es geht und wie Ihnen am besten geholfen werden kann. Das verhindert, dass dann Fehlentscheidungen getroffen werden auf Basis mangelnder Information oder einer Sprachbarriere oder, wenn man gar nicht in der Lage ist, es zu erklären, weil wirklich ein Notfall passiert ist. Oder dass dann Dinge gegeben werden, von denen man weiß, man verträgt es nicht, oder die haben in der Vergangenheit zu Problemen geführt.
Bedeutung der Dokumentation und Kommunikation mit Ärzten
Was man natürlich auch als Betroffener oder Betroffene beitragen kann, ist zu versuchen, eine möglichst gute Dokumentation der Epilepsie und ihrer klinischen Symptome, der Anfälle zu führen. Wenn man dann zur Visite kommt oder in die Ambulanz oder in die Ordination, kann man diese Dinge besprechen. Was waren zusätzliche Faktoren, wie zum Beispiel wenn man weiß, dass man die Therapie vergessen hat. Für Frauen wäre es gut, wenn man auch den Menstruationszyklus ein bisschen erfasst in diesem Tagebuch, weil es Epilepsie-Formen gibt, die sehr sensibel auf den Menstruationszyklus reagieren und wo man dann auch spezielle Therapieformen anbieten kann oder die Therapie so ändern kann, dass man das abfedern kann. Und dafür muss man es halt mal erkennen. Was man den Ärztinnen und Ärzten während der Behandlung, also den Behandelnden, wirklich mitteilen sollte, ist das, was einen wirklich beschäftigt, wo die Sorgen wirklich sind. Es gibt kein Muss oder keine Pflicht, irgendwelche Dinge zu sagen. Wichtig wäre, dass man das sagt, was einen jeden Tag beschäftigt. Und wenn man eine Erkrankung hat, so wie die Epilepsie, die meist chronisch ist und die einen lange Zeit beschäftigt, gibt es immer neue Fragen, die auftauchen und Dinge, die vielleicht schon immer Fragen waren, die man aber nie so wirklich stellen wollte oder wo man sich schwer getan hat. Und es ist sicher wichtig, dass man offen sagt, was einem am Herzen liegt, wo die Probleme sind. Es ist auch so: Therapie hat Nebenwirkungen und Therapie kann Probleme machen oder man tut sich einfach schwer, sie einzuhalten. Und das offen zu sagen ist sicher ein wichtiger Punkt. Man sollte nicht aus Scham oder vielleicht Schuldgefühlen den Ärztinnen und Ärzten gegenüber Dinge verschweigen oder beschönigen. Das ist nicht notwendig. Es soll offene Kommunikation sein. Wichtig ist sicher, so zu kommunizieren, dass es für die Behandelnden verständlich wird, wie die Belastung ist, wie groß auch die Bedrohung ist für die Betroffenen durch die Erkrankung. Viele haben vielleicht so Ideen, dass sie da vielleicht auch Schuld haben durch irgendwas. Und das sollte man auch anzusprechen, denn die Chancen sind extrem groß, dass man gar nichts dafür kann. Also die sind fast garantiert. Man sollte fragen, was das Ziel der Therapie ist, was das Konzept ist, das dahintersteht. Also wenn man jetzt eine Therapie einnimmt und dann wird gesprochen über eine zweite, über Dosisveränderungen: Was steckt eigentlich dahinter? Was ist das Ziel? Was hat die Ärztin oder der Arzt für Konzept davon, was passieren soll und wo das hingeht, diese gemeinsame Reise? Was sind die möglichen Ergebnisse der Therapie? Und wie kann man die optimal erreichen? Auch sollte man fragen, was man selbst dazu beitragen kann, dass diese Ergebnisse auch erreichbar sind. Und das Hauptziel ist immer Anfallsfreiheit. Und wenn klar wird, auch wenn man verschiedene Therapien eingenommen hat und auch für sich weiß, man hat versucht, die wirklich konsequent einzunehmen und Ärztinnen und Ärzte wissen, dass sie auch in der richtigen Dosis eingenommen wurden. Dann sollte man auch fragen: Was kann man noch tun, therapeutisch, wenn jetzt mit Pharmakotherapie alleine die Anfallsfreiheit nicht erreichbar ist? Gibt es vielleicht chirurgische Methoden? Und die gibt es. Und ich glaube, das Wichtigste ist, selbst ein Konzept der Erkrankung zu haben, eine realistische Einschätzung der möglichen Ergebnisse einer Therapie. Denn nicht jede Epilepsie kann man zur Anfallsfreiheit führen. Also ob es jetzt mit Pharmakotherapie oder mit chirurgischen Verfahren ist. Und es ist sicher wichtig, auch realistisch zu wissen, wo die Optionen und die Chancen liegen. Aber natürlich auch immer wieder darauf zu pochen, durch die Fragen, die man hat, auch zu schauen, dass man das Optimum erreicht für sich und die eigene Erkrankung. Und was auch wichtig ist und was man ansprechen sollte, ist, wenn man Ideen hat oder was gehört hat oder gelesen hat über Zusatztherapien, andere Verfahren, die gar nicht in dem Standardschema sind. Das ist nichts, was man verstecken sollte oder wo man geheim recherchieren soll, sondern am besten das offen ansprechen, denn sonst hat man immer im Hinterkopf die Idee, dass man irgendwas verpasst oder nicht macht oder eine gewisse Chance vorbeiziehen lassen hat, die sich ergeben hat. Wenn man etwas nicht verstanden hat in einem Gespräch mit Medizinern, Medizinerinnen, dann ist es gut, das aktiv und direkt anzusprechen. Für uns, die im Gesundheitssystem vielleicht schon länger arbeiten und das schon studiert haben und sich viel damit beschäftigt haben, ist es natürlich normal, gewisse Worte zu benutzen, weil das der Alltag der Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen ist. Aber natürlich passiert es uns immer wieder, dass man auch im Gespräch mit Betroffenen und mit Patientinnen und Patienten natürlich Worte benutzt, die vielleicht nicht verstanden werden von allen und die nicht dazu führen, dass man wirklich weiß, was da jetzt dahintersteckt und was es bedeutet. Und da ist es sicher das Beste und das Wichtigste, das direkt anzusprechen, auch vielleicht, wenn da Vorschläge gemacht wurden, mit denen man sich auf den ersten Blick gar nicht wohlfühlt oder man sich das für sich selbst irgendwie gar nicht vorstellen kann. Manchmal braucht es einfach mehr Informationen, um das dann gemeinsam so zu klären, dass klar wird, wo für beide Seiten der sichtbare Benefit ist und warum gewisse Dinge vorgeschlagen werden…
Valproinsäure: Ein Überblick
Valproinsäure ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Antiepileptika (Antikonvulsiva), der zur Behandlung verschiedener Anfallsformen bei Epilepsie sowie zur Behandlung manischer Episoden bei bipolaren Störungen eingesetzt wird.
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Anwendungsgebiete
Der antikonvulsive Wirkstoff Valproinsäure ist indiziert zur Behandlung von:
- Generalisierten Anfällen in Form von Absencen, myoklonischen Anfällen und tonisch-klonischen Anfällen
- Fokalen und sekundär generalisierten Anfällen
- Anderen Anfallsformen wie fokalen Anfällen mit einfacher und komplexer Symptomatologie sowie fokalen Anfällen mit sekundärer Generalisation, wenn diese Anfallsformen auf die übliche antiepileptische Behandlung nicht ansprechen (als Kombinationsbehandlung)
- Manischen Episoden bei einer bipolaren Störung, wenn Lithium kontraindiziert ist oder nicht vertragen wird (die weiterführende Behandlung nach einer manischen Episode kann bei Patienten in Erwägung gezogen werden, die auf Valproinsäure bei der Behandlung der akuten Manie angesprochen haben)
Bei Kleinkindern ist Valproinsäure lediglich in Ausnahmefällen Mittel der ersten Wahl und sollte nur unter besonderer Vorsicht nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und möglichst als Monotherapie angewendet werden.
Zusätzlich kann Valproinsäure off-label zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
Anwendungsart
Valproinsäure ist in verschiedenen Formulierungen erhältlich, unter anderem als:
- Magensaftresistente Filmtabletten, Kapseln, und Dragees
- Lösung und Tropfen zum Einnehmen
- Retardtabletten und Hartkapseln retardiert
- Injektionslösung und Pulver für Injektionslösungen
Die magensaftresistenten und retardierten Formulierungen sollten möglichst eine Stunde vor den Mahlzeiten (morgens nüchtern) unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit (z.B. einem Glas Wasser, jedoch kein kohlensäurehaltiges Mineralwasser) eingenommen werden.
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Die Lösung zum Einnehmen sollte im Vergleich dazu möglichst zu den Mahlzeiten eingenommen werden.
Bei Umstellung von bisherigen (nicht retardierten) Darreichungsformen auf Retardformulierungen ist auf ausreichende Serumspiegel von Valproinsäure zuachten.
Die Dauer der Anwendung ist patientenindividuell und wird vom behandelnden Arzt festgelegt. Im Allgemeinen ist eine antikonvulsive Therapie eine Langzeittherapie. Über die Behandlungsdauer und das Absetzen von Valproinsäure sollte im Einzelfall ein Facharzt entscheiden.
Generell ist eine Dosisreduktion und ein Absetzen der Medikation frühestens nach zwei- bis dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen.
Das Absetzen muss dabei in schrittweiser Dosisreduktion über ein bis zwei Jahre erfolgen, wobei sich der EEG-Befund nicht verschlechtern sollte.
Bei Kindern kann bei der Dosisreduktion das Entwachsen der Dosis pro kg Körpergewicht berücksichtigt werden.
Wirkmechanismus
Die Wirkung von Valproinsäure (insbesondere als Antikonvulsivum) wird über multiple pharmakologische Mechanismen vermittelt, die zum breiten Wirkspektrum bei verschiedenen Anfallsformen beitragen. Die Mechanismen umfassen:
- Verstärkung der GABAergen Neurotransmission durch Erhöhung der GABA-Konzentration (unter anderem aufgrund inhibierender Effekte auf GABA-abbauende Enzyme wie die GABA-Transaminase)
- Hemmung spannungsabhängiger Ionenkanäle (Natrium- und Calciumkanäle)
- Zusätzlich inhibiert Valproinsäure Histondeacetylasen (HDACs).
Primäres Ziel einer antikonvulsiven Therapie ist die Reduktion bzw. Unterdrückung epileptischer Anfälle. Folglich muss entweder das hochfrequente synchronisierte „Feuern“ von Nervenzellen oder die Erregungsweiterleitung unterbunden werden. Für Depolarisationen sowie deren Frequenz sind vor allem spannungsaktivierte Ionenkanäle verantwortlich. Die Erregungsausbreitung wird durch inhibitorische GABAerge Nervenzellen eingedämmt. Valproinsäure inhibiert spannungsabhängige Ionenkanäle und verstärkt die GABAerge Neurotransmission, weshalb der Wirkstoff bei vielen verschiedenen Anfallsformen wirksam ist.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Gabe werden Valproinsäure und ihr Natriumsalz im Gastrointestinaltrakt schnell und nahezu vollständig resorbiert.
- Verteilung: Der mittlere therapeutische Bereich der Serumkonzentration wird mit 50-100 μg/mL angegeben.
- Metabolismus: Die Biotransformation erfolgt über Glukuronidierung sowie β-(Beta-), ω-(Omega-) und ω-1-(Omega-1-)Oxidation.
- Elimination: Die Plasmahalbwertszeit von Valproinsäure liegt bei gesunden Probanden bei 17,26 ± 1,72 Stunden.
Dosierung
Die Dosierung ist individuell vom (Fach-)Arzt zu bestimmen und zu kontrollieren, wobei grundsätzlich eine Anfallsfreiheit bei minimaler Dosierung angestrebt werden sollte.
Da keine enge Korrelation zwischen der täglichen Dosis, der Serumkonzentration und der therapeutischen Wirkung nachgewiesen wurde, sollte die optimale Dosierung im Wesentlichen anhand des klinischen Ansprechens festgelegt werden.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen, die (sehr) häufig unter einer Therapie mit Valproinsäure auftreten, umfassen:
- Anämie
- Thrombozytopenie
- Leukopenie
- Hyperammonämie
- Gewichtszunahme oder -abnahme
- Erhöhter Appetit oder auch Appetitlosigkeit
- Hyponatriämie
- Verwirrtheitszustände
- Halluzinationen
- Aggression
- Agitiertheit
- Aufmerksamkeitsstörungen
- Tremor
Darüber hinaus können dosisunabhängig schwerwiegende (bis tödlich verlaufende) Leberschädigungen auftreten.
Wechselwirkungen
Enzyminduzierende Antiepileptika wie Phenobarbital, Primidon, Phenytoin und Carbamazepin können die Metabolisierung von Valproinsäure beeinflussen.
Levetiracetam: Ein weiteres Antiepileptikum
Levetiracetam gehört zu den wichtigsten Mitteln gegen Krampfleiden. Es senkt die Gefahr eines epileptischen Anfalls. Der Wirkstoff gilt allgemein als gut verträglich und kann auch mit anderen Medikamenten kombiniert werden. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit und Kopfschmerzen.
Wirkungsweise
Levetiracetam ist ein Arzneistoff aus der Klasse der Antiepileptika (Medikamente gegen Epilepsie, auch Antikonvulsiva genannt). Seine Wirkung vermittelt es hauptsächlich, indem es die Menge gewisser Botenstoffe des Nervensystems (Neurotransmitter) verringert.
Levetiracetam senkt die Übererregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn durch Bindung an ein spezielles Protein (synaptisches Vesikelprotein 2A). Durch dieses Andocken wird die freigesetzte Menge eines erregenden Botenstoffes reduziert. Außerdem beeinflusst Levetiracetam den Calciumspiegel in den Nervenzellen verschiedener Hirnareale. In Summe sinkt so die neuronale Erregung.
Anwendungsgebiete
Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von Levetiracetam gehören verschiedene Formen von Krampfleiden, namentlich:
- fokale Anfälle (auf eine Gehirnregion begrenzt) mit oder ohne sekundärer Generalisierung (= Übergreifen auf beide Gehirnhälften)
- myoklonische Anfälle (Anfälle mit plötzlichen einschießenden Zuckungen der Muskulatur)
- tonisch-klonische Anfälle (beginnen mit einer plötzlichen Steifheit des Körpers, gefolgt von krampfartigen Zuckungen)
Nebenwirkungen
Sehr häufig, das heißt bei mehr als zehn Prozent der Behandelten, ruft Levetiracetam Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Schläfrigkeit hervor.
Häufig, also bei einem bis zehn Prozent der Behandelten, kommt es durch die Einnahme des Arzneimittels zu Angststörungen, depressiven Verstimmungen, Gewichtsabnahme und Magen-Darm-Beschwerden.
Absetzen von Antiepileptika
Ob und wann bei anfallsfreien Patientinnen mit Epilepsie die regelmäßige Einnahme von anfallssuppressiven Medikamenten (ASM) beendet werden kann, ist eine komplexe und vielschichtige Frage. Das Risiko eines Anfallsrezidivs ist nach dem Absetzen von ASM etwa doppelt so hoch wie unter der Fortführung der Therapie und beträgt nach 5 Jahren etwa 40-50 %. Die Wahrscheinlichkeit von Anfallsfreiheit nach dem Absetzen von ASM hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Nach den Empfehlungen der aktuellen Leitlinie Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenalter der Deutschen Gesellschaft für Neurologie kann bei mindestens zweijähriger Anfallsfreiheit in einer gemeinsamen Entscheidungsfindung von Ärztin und Patient*in (im Sinne des „shared decision-making“) ein Absetzen des ASM desto eher erwogen werden, je günstiger die Konstellation bezüglich der genannten Prädiktoren für weitere Anfallsfreiheit ist.