Tabletten zur Behandlung von Muskelverspannungen und Nervenentzündungen

Muskelverspannungen und Nervenentzündungen können erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsansätze, um diese Schmerzen zu lindern und die zugrunde liegenden Ursachen zu bekämpfen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Tabletten und Therapien, die zur Behandlung von Muskelverspannungen und Nervenentzündungen eingesetzt werden können.

Muskelrelaxanzien: Entspannung für die Muskulatur

Muskelrelaxanzien sind Wirkstoffe, die zur Entspannung der Muskulatur führen. Sie werden in zwei Hauptgruppen unterteilt: zentral wirkende und peripher wirkende Muskelrelaxanzien.

Zentral wirkende Muskelrelaxanzien

Zentral wirkende Muskelrelaxanzien wirken im zentralen Nervensystem, insbesondere im Rückenmark und in subkortikalen Zentren. Sie hemmen die polysynaptische Reflexleitung, wodurch die schmerzhaft verkrampften Muskeln und Muskelgruppen erschlaffen, Verspannungen gemindert und Krämpfe gelöst werden. Dabei werden der normale Muskeltonus und die normale Beweglichkeit in der Regel nicht beeinflusst.

Anwendungsgebiete:

  • Spasmen und Verspannungen der quergestreiften Muskulatur
  • Epilepsie (einige Arzneimittel)
  • Schmerzhafte Muskelkrämpfe
  • Multiple Sklerose

Wirkmechanismus:

Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bei allen Wirkstoffen im Detail geklärt. Vermutlich entfaltet sich die Wirkung über eine Hemmung der polysynaptischen Reflexleitung im Rückenmark und in subkortikalen Zentren.

Pharmakokinetik:

Die meisten zentral wirkenden Muskelrelaxanzien werden nach oraler Gabe nahezu vollständig resorbiert und weitestgehend über Leber und/oder Niere ausgeschieden. Die Bioverfügbarkeit beträgt in der Regel 80 bis 100 %, die Eliminationshalbwertszeit variiert stark.

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Nebenwirkungen:

Es kann insbesondere zu Schwindel, Müdigkeit und Benommenheit sowie gastrointestinalen Beschwerden kommen. Weitere spezifische Nebenwirkungen sind:

  • Methocarbamol: Konjunktivitis, Kopfschmerzen, metallischer Geschmack, Hypotonie, Angioödem, Ausschlag, Pruritus
  • Orphenadrin: Sehstörungen
  • Tizanidin: Bradykardie, Tachykardie, Hypotonie
  • Tolperison: Anorexie, Muskelschwäche, Myalgie

Wechselwirkungen:

Bei gleichzeitiger Anwendung mit zentral wirksamen Arzneimitteln wie Barbituraten, Opioiden und Appetitzüglern kann es zu wechselseitiger Wirkungsverstärkung kommen. Die Einnahme zusammen mit Alkohol kann die Wirkung des Arzneimittels verstärken. Die Wirkung von Anticholinergika und einigen psychotropen Arzneimitteln kann verstärkt werden.

Kontraindikationen:

Muskelrelaxanzien dürfen bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff nicht angewendet werden. Methocarbamol und Orphenadrin dürfen nicht bei Myasthenia gravis eingesetzt werden. Orphenadrin ist bei Kindern unter 16 Jahren kontraindiziert. Methocarbamol und Baclofen dürfen nicht bei Epilepsie gegeben werden. Zudem ist Baclofen bei terminaler Niereninsuffizienz und Spastizität bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises kontraindiziert. Phenobarbital darf nicht gegeben werden bei akuter Alkohol-, Schlafmittel- und Schmerzmittelvergiftung sowie bei Vergiftung durch Anregungsmittel oder dämpfende Psychopharmaka. Tizanidin ist kontraindiziert bei eingeschränkter Leberfunktion sowie gleichzeitiger Gabe von starken CYP1A2-Hemmern.

Peripher wirkende Muskelrelaxanzien

Peripher wirkende Muskelrelaxanzien blockieren die Impulsübertragung an der motorischen Endplatte und lähmen dadurch die quergestreifte Muskulatur. Es werden depolarisierende von nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien unterschieden. Nur die nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien können antagonisiert werden.

Anwendungsgebiete:

  • Erleichterung der endotrachealen Intubation
  • Verbesserung der Operationsbedingungen
  • Verminderung des Anästhetikabedarfs

Wirkmechanismus:

Peripher wirkende Muskelrelaxanzien blockieren die Erregungsübertragung an der motorischen Endplatte, wodurch eine reversible schlaffe Lähmung der Skelettmuskulatur entsteht, die je nach Substanz unterschiedlich lange anhält.

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Einteilung nach Wirkdauer:

  • Am kürzesten wirkendes Muskelrelaxans: Succinylcholin mit einer Wirkdauer von ca. 5 bis 8 min
  • Kurz wirkende nicht-depolarisierende Relaxanzien (DUR25 < 20 min): Mivacurium
  • Mittellang wirkende nicht-depolarisierende Relaxanzien (DUR25 20-50 min): Vecuronium, Rocuronium, Atracurium, Cisatracurium
  • Lang wirkende nicht-depolarisierende Relaxanzien: (DUR25 > 50 min): Pancuronium

Pharmakokinetik:

  • Cisatracurium, Atracurium: Der Abbau erfolgt unabhängig von der Leber- und Nierenfunktion chemisch durch spontanen Zerfall (=Hofmann-Elimination) und durch Esterspaltung. Cisatracurium ist 5-fach stärker wirksam als Atracurium.
  • Mivacurium wird durch das Enzym Plasmacholinesterase hydrolysiert. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 3 bis 6 min.
  • Vecuronium wird vor allem über die Galle ausgeschieden.
  • Succinylcholin wird rasch durch die Pseudocholinesterase gespalten.

Nebenwirkungen:

Die Nebenwirkungen entstehen durch eine Histaminfreisetzung, induziert vor allem durch Benzylisochinoline wie Atracurium und Mivacurium. Dies führt zu Hypotonie, Tachykardie und Bronchokonstriktion, zu Erythemen und einem Anstieg von Kalium und Katecholaminen im Blut. Durch eine langsame Injektion kann die Histaminfreisetzung vermindert werden. Succinylcholin kann aufgrund der stimulierenden Aktivität im autonomen Nervensystem Herzrhythmusstörungen sowie ventrikuläre Arrhythmien auslösen.

Wechselwirkungen:

Bestimmte Pharmaka können die Wirkung der Relaxanzien verstärken und verlängern, dazu gehören: InahaltionsanästhetikaAntibiotika

Nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien:

Durch kompetitive Hemmung der postsynaptischen cholinergen Rezeptoren kann das aus den Nervenendigungen freigesetzte Acetylcholin nicht am Rezeptor binden und dadurch nicht wirksam werden. Die Relaxanzien besetzen die Rezeptoren ohne ein Aktionspotenzial auszulösen, dadurch wird die Impulsübertragung an der motorischen Endplatte verhindert und es resultiert eine fehlende Muskelkontraktion. Nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien können mit Cholinesterase-Inhibitoren wie Neostigmin, Pyridostigmin oder Edrophonium antagonisiert werden. Rocuronium und Vecuronium können zudem mittels Sugammadex antagonisiert werden.

Depolarisierende Muskelrelaxanzien (Succinylcholin):

Das einzig verwendete depolarisierende Muskelrelaxans ist Succinylcholin. Je nach Konzentration kann ein Phase-I oder Phase-II-Block entstehen.

  • Phase-I-Block: Zunächst reagiert Succinylcholin - wie Acetylcholin - mit dem postsynaptischen Rezeptor und depolarisiert die postsynaptische Membran. Die Erregung breitet sich aus und ist als Faszikulation erkennbar. Nach der Depolarisation besteht für einige Zeit ein Depolarisationsblock, die Membran ist für diesen Zeitraum unerregbar, da sich das Relaxans noch am Rezeptor befindet.
  • Phase-II-Block: Dieser Block entsteht bei hohen Einzeldosen, wiederholten Nachinjektionen oder kontinuierlicher Infusion von Succinylcholin. Die Membran muss immer weniger depolarisiert werden, um eine ausgeprägte und langanhaltende Blockierung der motorischen Endplatte zu erreichen.

Nervenschmerzen: Ursachen und Behandlung

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen oder Fehlfunktionen im Nervensystem. Sie können sich in Form von Brennen, Kribbeln, Stechen oder elektrischen Schocks äußern. Die Behandlung von Nervenschmerzen ist oft komplex und erfordert einen individuellen Therapieansatz.

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Ursachen von Nervenschmerzen

Die Ursachen für Nervenschmerzen sind vielfältig:

  • Nervenschäden durch Verletzungen, Unfälle oder Operationen
  • Diabetes-bedingte Neuropathie
  • Virusinfektionen wie Herpes Zoster (Gürtelrose)
  • Multiple Sklerose und andere Autoimmunerkrankungen
  • Nervenkompression durch Bandscheibenvorfälle oder Tumore
  • Alkoholmissbrauch
  • Chemotherapie oder Strahlentherapie
  • Vitaminmangel, insbesondere Vitamin B12
  • Genetische Veranlagung
  • Chronischer Alkohol- oder Drogenmissbrauch
  • HIV-Infektion und AIDS-bezogene Neuropathie
  • Rheumatoide Arthritis
  • Toxische Einflüsse durch bestimmte Medikamente
  • Nervenentzündungen (Neuritis)

Medikamentöse Behandlung von Nervenschmerzen

Zur Behandlung von Nervenschmerzen werden verschiedene Medikamente eingesetzt, die in unterschiedliche Wirkstoffgruppen eingeteilt werden können:

  • Antikonvulsiva: Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, können auch bei Nervenschmerzen wirksam sein. Beispiele sind Gabapentin und Pregabalin. Sie beeinflussen die Aktivität der Nervenzellen und der schmerzleitenden Nervenbahnen und normalisieren die für neuropathische Schmerzen typischen Veränderungen und Störungen der Nervenfunktion.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin oder Duloxetin, werden ebenfalls zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt. Sie wirken beruhigend auf die Nervenzellen und hemmen die Schmerzweiterleitung im Rückenmark.
  • Opioide: Mittelstark oder stark wirksame Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide können bei starken Nervenschmerzen eingesetzt werden, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirken.
  • Lokale Betäubungsmittel: Lidocain, ein örtliches Betäubungsmittel, kann in Form eines Pflasters oder einer Creme auf die Haut aufgetragen werden, um bestimmte Bestandteile der Nervenzelloberfläche zu beeinflussen und die Schmerzentstehung oder -weiterleitung zu verhindern.
  • Capsaicin: Der Wirkstoff Capsaicin, der aus der Chilischote gewonnen wird, kann ebenfalls in Form eines Pflasters auf die Haut aufgebracht werden. Er führt dazu, dass sich geschädigte Nervenfasern aus der betroffenen Haut zurückziehen und damit die Nervenschmerzen in diesem Bereich für einige Monate verschwinden.

Rezeptfreie Medikamente und alternative Behandlungsmethoden

Neben den verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es auch rezeptfreie Optionen und alternative Behandlungsmethoden, die bei Nervenschmerzen Linderung verschaffen können:

  • Kombinationspräparate: Besonders bewährt hat sich hier die Kombination aus Lavendel, Eisenhut und Kampfer.
  • Homöopathische Medikamente: Als hilfreich bei Nervenschmerzen hat sich die pflanzliche Kombination aus Koloquinte (Citrullus colocynthis), Spigelie (Spigelia anthelmia) und Eichenblättrigem Giftsumach (Toxicodendron quercifolium) erwiesen.
  • Alpha-Liponsäure: Ein Antioxidans, das bei diabetischer Neuropathie helfen kann.
  • B-Vitamine: Insbesondere Vitamin B12 und B6 könnten Nervenschäden lindern oder verhindern.
  • Omega-3-Fettsäuren: Sie entfalten eine entzündungshemmende Wirkung, die bei neuropathischen Schmerzen helfen kann.
  • Capsaicin: Aus Chilischoten gewonnen, kann die Verbindung als Creme auf die Haut aufgetragen werden und dort eine vorübergehende Schmerzlinderung bewirken.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen und Therapieansätze können helfen, die Beweglichkeit zu erhalten, Muskelverspannungen zu lösen und die Durchblutung zu verbessern.
  • Akupunktur: Diese traditionelle chinesische Methode kann bei einigen Menschen zur Schmerzlinderung beitragen, indem sie die Energieflüsse im Körper beeinflusst.
  • Entspannungstechniken: Meditation, Atemübungen und progressive Muskelentspannung können dazu beitragen, Stress abzubauen und Nervenschmerzen besser zu bewältigen.
  • TENS-Therapie: Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) nutzt schwache elektrische Impulse, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
  • Ernährung und Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf schädigende Substanzen wie Alkohol und Nikotin können zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Psychologische Unterstützung: Da Nervenschmerzen oft auch psychische Belastungen mit sich bringen, kann eine psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein, um den Umgang mit den Schmerzen zu erleichtern.

Wichtiger Hinweis

Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung von Muskelverspannungen und Nervenentzündungen immer individuell auf den Patienten abgestimmt sein sollte. Eine gründliche Untersuchung durch einen Arzt ist unerlässlich, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln und die geeignete Therapie festzulegen. Selbstmedikation kann gefährlich sein und sollte vermieden werden.

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