Der tägliche Verlust von Gehirnzellen: Ursachen und Mechanismen

Einführung

Das Gehirn ist ein komplexes Organ, das eine Vielzahl von Funktionen steuert, von grundlegenden Lebensfunktionen bis hin zu komplexen Denkprozessen. Im Laufe des Lebens ist das Gehirn einem ständigen Wandel unterworfen, und ein gewisser Verlust von Gehirnzellen ist ein normaler Bestandteil des Alterungsprozesses. Allerdings können verschiedene Faktoren diesen Prozess beschleunigen und zu einem übermäßigen Verlust von Gehirnzellen führen, was schwerwiegende Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Mechanismen des täglichen Gehirnzellverlusts und geht dabei auf neurodegenerative Erkrankungen, vaskuläre Schäden und andere beeinflussende Faktoren ein.

Neurodegenerative Erkrankungen als Hauptursache

Neurodegenerative Erkrankungen sind durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet. Diese Erkrankungen können verschiedene Bereiche des Gehirns betreffen und unterschiedliche Symptome verursachen, je nachdem, welche Nervenzellen betroffen sind. Zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen gehören:

Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen in Deutschland. Bei Alzheimer-Patienten sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem fortschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten führt. Typische Symptome sind Gedächtnisprobleme, Orientierungsschwierigkeiten und Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung.

Ursachen und Mechanismen: Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise darauf, dass die Ablagerung von Amyloid-beta-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn eine wichtige Rolle spielt. Amyloid-beta ist ein Protein, das sich zwischen den Gehirnzellen ansammelt und giftige Klumpen bildet. Tau-Protein ist ein weiteres Protein, das im Inneren der Gehirnzellen für die Stabilität und Nährstoffversorgung sorgt. Bei Alzheimer-Patienten ist das Tau-Protein chemisch verändert, so dass es seine Funktion nicht mehr erfüllen kann.

Forschung und Therapie: Weltweit arbeiten Forscher daran, die Ursachen der Alzheimer-Krankheit zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln. Derzeit gibt es keine Heilung für Alzheimer, aber es gibt Medikamente, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome lindern können.

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Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist eine weitere häufige neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einer bestimmten Region im Gehirn, gekennzeichnet ist. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist. Der Mangel an Dopamin führt zu den typischen Symptomen der Parkinson-Krankheit, wie z.B. Muskelzittern, Steifheit und verlangsamte Bewegungen.

Ursachen und Mechanismen: Die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit sind noch nicht bekannt, aber es gibt Hinweise darauf, dass genetische Faktoren, Umweltfaktoren und Alterungsprozesse eine Rolle spielen können. Bei Parkinson-Patienten kommt es zu einer Zusammenlagerung von Eiweißstoffen in den Nervenzellen des Gehirns, die die Funktion der Zellen beeinträchtigen und schließlich zu ihrem Tod führen.

Forschung und Therapie: Es gibt derzeit keine Heilung für die Parkinson-Krankheit, aber es gibt Medikamente, die den Dopaminmangel ausgleichen und die Symptome lindern können. Darüber hinaus gibt es operative Verfahren, wie z.B. die tiefe Hirnstimulation, die bei einigen Patienten die Symptome verbessern können.

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene neurodegenerative Erkrankung, die die motorischen Nervenzellen (Motoneurone) im Gehirn und Rückenmark betrifft. Die Motoneurone steuern die Muskeln, und ihr Verlust führt zu fortschreitenden Muskellähmungen. ALS-Patienten können im späteren Verlauf der Erkrankung Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken und Atmen haben.

Ursachen und Mechanismen: Bei etwa fünf Prozent der ALS-Patienten wird die Krankheit vererbt. Durch eine Genveränderung ist der Zellstoffwechsel der Betroffenen in Mitleidenschaft gezogen, was letztlich zur Schädigung der Nervenzellen führt.

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Forschung und Therapie: Eine Behandlung, die das Fortschreiten der ALS aufhalten oder die Krankheit heilen könnte, gibt es bislang nicht. Die Erkrankung verläuft stets tödlich. Die Therapie zielt daher vorrangig darauf ab, Beschwerden zu lindern und mit geeigneten Hilfsmitteln den Alltag zu erleichtern.

Huntington-Krankheit

Die Huntington-Krankheit ist eine erbliche neurodegenerative Erkrankung, die durch unkontrollierte Bewegungen, kognitive Beeinträchtigungen und psychische Störungen gekennzeichnet ist. Die Erkrankung wird durch eine Mutation in einem bestimmten Gen verursacht, die zu einer übermäßigen Produktion des Proteins Huntingtin führt. Das Huntingtin-Protein lagert sich in den Nervenzellen des Gehirns ab und schädigt diese.

Ursachen und Mechanismen: Bei Menschen mit Huntington-Erkrankung tritt eine ganz bestimmte genetische Sequenz im Erbgut sehr viel häufiger auf als bei gesunden Menschen.

Forschung und Therapie: Es gibt derzeit keine Heilung für die Huntington-Krankheit, aber es gibt Medikamente, die die Symptome lindern können. Darüber hinaus gibt es genetische Tests, die es ermöglichen, das Risiko einer Erkrankung zu bestimmen.

Vaskuläre Demenz

Vaskuläre Demenz ist die zweithäufigste Form der Demenz nach der Alzheimer-Krankheit. Sie entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu Schädigungen oder Absterben von Hirnzellen führen können.

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Ursachen und Mechanismen: Ursachen für Durchblutungsstörungen können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen sein. Risikofaktoren für vaskuläre Demenz sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen.

Symptome und Diagnose: Zu Beginn können vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtem Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu können Gangstörungen oder Kontrollverluste der Blase sowie Probleme mit der Sprache kommen. Um festzustellen, ob überhaupt eine Demenz vorliegt, werden zunächst die Symptome und deren Verlauf erfasst. Dies gibt möglicherweise schon Hinweise, ob es sich um eine vaskuläre Demenz handelt. Um diese festzustellen werden zunächst das Herz-Kreislauf-System sowie neurologische Funktionen, zum Beispiel der Gleichgewichtssinn, untersucht. Blutuntersuchungen können Hinweise auf Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen geben.

Behandlung: Durchblutungsstörungen im Gehirn können mit Medikamenten behandelt werden, ebenso einige Risikofaktoren, wie zum Beispiel Bluthochdruck.

Weitere Faktoren, die den Gehirnzellverlust beeinflussen

Neben neurodegenerativen Erkrankungen und vaskulären Schäden gibt es noch weitere Faktoren, die den Verlust von Gehirnzellen beeinflussen können:

  • Alterung: Im Alter kommt es zu einem natürlichen Verlust von Nervenzellen und Zellfunktionen im Gehirn. Die Isolierschicht um Nervenzellen im Gehirn, auch als Myelin bezeichnet, degeneriert im Alter. Defektes Myelin kann krankheitsbedingte Veränderungen bei Alzheimer aktiv fördern.
  • Entzündungen: Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass auch das Immunsystem Auswirkungen auf die Entstehung und den Verlauf neurodegenerativer Erkrankungen haben kann. Immunzellen, die den Körper eigentlich schützen sollen, könnten im Gehirn Schäden anrichten und so beispielsweise die Alzheimer-Krankheit antreiben.
  • Umweltfaktoren: Belastungen durch Pestizide oder Schädigungen der Körperzellen durch körpereigene Stoffwechselprodukte ("freie Radikale") können eine Parkinson-Erkrankung begünstigen.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen können mit einem Verlust von Nervenzellen im Gehirn verbunden sein. Im Gehirn der Betroffenen herrscht ein relativer Mangel an Serotonin, einem Neurotransmitter, der auf Grund seiner Wirkung auf die Stimmungslage oft auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird.
  • Seltene Erkrankungen: Es gibt eine Vielzahl seltener Erkrankungen, die mit einem Verlust von Gehirnzellen einhergehen können. Beispiele hierfür sind das Roberts-Syndrom, die Tay-Sachs-Krankheit und das Treacher-Collins-Syndrom.

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) erforscht die Ursachen von Störungen des Nervensystems und entwickelt Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege bei Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Dabei kooperiert es eng mit Universitäten, deren Kliniken und außeruniversitären Einrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene. Das DZNE ist eines von sechs Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten eingerichtet wurden.

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