Die Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Energien ist ein fortlaufender Prozess der Selbst- und Lebensforschung. Dabei stellt sich die Frage, wie wir unsere Gesundheit fördern, erhalten und wiederherstellen können und wie wir uns in unserer Vielfältigkeit auf natürliche Weise verbinden können. Eine mögliche Antwort bietet TaKeTiNa, eine Methode, die Rhythmus und Bewegung nutzt, um auf unser Nervensystem und unser Wohlbefinden einzuwirken.
Einführung in TaKeTiNa
TaKeTiNa ist ein rhythmuspädagogischer Ansatz, der von Reinhard Flatischler entwickelt wurde. Er basiert auf der Erfahrung, dass Rhythmen und Zyklen uns Orientierung geben und uns helfen können, unsere eigene Kraft zu entfalten. Die Methode arbeitet mit mehrschichtigen Rhythmen, die über Schritte, Klatschen und Stimme erfahren werden. Ziel ist es, einen Zustand innerer Ruhe und Sicherheit zu finden, der uns auch in schwierigen Lebenssituationen trägt.
TaKeTiNa im klinischen Bereich: Ein Erfahrungsbericht
Eine Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin, die auch als Advanced TaKeTiNa Rhythmuspädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet, integriert TaKeTiNa in den klinischen Bereich, um chronische Schmerzpatienten im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzepts zu unterstützen. Die Eröffnung einer Tagesklinik für Schmerztherapie wurde im Juli 2019 zu einer Herzensangelegenheit, um die Arbeit mit Rhythmen und Zyklen in der Natur und in uns selbst zu entdecken. Dies gibt uns Orientierung, um unsere eigene Kraft zu entfalten und in schwierigen Lebenssituationen im Ur-Vertrauen zu bleiben.
Die Verbindung von Rhythmus und Nervensystem
Der Evolutionsforscher Jean-Baptiste de Lamarck vermutete bereits vor etwa 250 Jahren, dass in der Natur eine implizite Intelligenz „wohnt“ und dass Chaos eine Übergangsform in eine höherentwickelte Ordnung darstellt. Lamarck erkannte, dass Evolution mit der Entwicklung des Nervensystems verbunden ist. TaKeTiNa wirkt auf unser sensomotorisches System und kann ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Durch die körperliche Bewegung in einem vielschichtigen Rhythmus können wir innere Ruhe erleben.
TaKeTiNa und die Förderung von Resilienz und Intuition
Die Intelligenz, die einem rhythmischen Kollektiv innewohnt, benötigt einen Leiter oder eine Leiterin, um sich selbst regulierend und balancierend auf unseren Körper sowie unser Nerven- und feinstoffliches Energiesystem auszuwirken. Dadurch können Resilienz und Intuition weiterentwickelt werden. TaKeTiNa-Prozesse können ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, dass unter allem, was passiert, ein Boden ist, der trägt.
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Weitere Erfahrungen und Anwendungsbereiche
- Spastik: Eine Erfahrung zeigt, dass Koordinationsübungen mit Sticks einer jungen Dame mit Spastik geholfen haben, ihre spastischen Anfälle zu steuern oder sogar zu unterdrücken.
- Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS): Eine Sprachheilschule entwickelte ein rhythmisches Konzept, das Kindern mit LRS half, da LRS oft mit motorischen Defiziten einhergeht. Durch das Trainieren der Motorik entstehen Verknüpfungen im Gehirn, die dem LRS zugute kommen.
- Lernbehinderung und geistige Behinderung: Kinder mit Lernbehinderung und geistiger Behinderung wurden durch einen ausschließlich verbalen Zugang zu Rhythmen an das Spielen in Orchestern herangeführt.
TaKeTiNa & Meer: Ein Retreat auf Lesbos
Ein Beispiel für die Anwendung von TaKeTiNa ist das Retreat "Taketina & Meer" auf der griechischen Insel Lesbos. Hier werden dynamische Rhythmus-Meditation, Sound Journey, Medicine Walk, Cacao, Singkreis und Küstenwanderungen angeboten. Das Retreat bietet die Möglichkeit, in die Stille hinein zu horchen und achtsam zu werden für das, was sich melden will.
Weitere Angebote und Kurse
Es gibt verschiedene Kursangebote, die TaKeTiNa, Qigong, Feldenkrais und andere Methoden kombinieren, um die Körperwahrnehmung zu sensibilisieren und das Bewusstsein zu erweitern. Dazu gehören:
- Achtsame Bewegungen im Wechsel mit Meditationen: Ein Tageskurs, um in die Stille hinein zu horchen und achtsam zu werden für das, was sich melden will.
- Qigong: Mittagspause für mehr Beweglichkeit: Ein zehnwöchiger Kurs, um auf sanfte Art beweglicher zu werden oder die eigene Beweglichkeit zu erhalten.
- Leichter gehen, stehen, laufen mit Feldenkrais: Ein Kurs, um durch langsame, oft ungewohnte Feldenkraisbewegungen wieder beweglicher zu werden.
- Power of Life Dance - Workshop: Eine freie Tanzform, ohne vorgegebene Schrittfolge, um sich zu begegnen.
- Schritte, Klatschen, Singen: Eine Reihe von Terminen, um Rhythmus mit dem ganzen Körper zu erfahren.
Myofasziale Triggerpunkte und Schmerzen
Myofasziale Triggerpunkte (mTrP) sind häufig für lokale bzw. regionale Schmerzen verantwortlich. Durch mTrP werden zumeist ausstrahlende Schmerzen („referred pain“) ausgelöst. Die Muster der Schmerzübertragung sind wiederholt reproduzierbar, doch decken sie sich weder mit dem Innervationsgebiet peripherer Nerven noch entsprechen sie segmentalen Innervationszonen. Die Schmerzqualität wird von den Patienten vielfältig beschrieben: ziehend, stechend, bohrend, brennend, hell oder dumpf, deutlich begrenzt oder diffus, an der Oberfläche oder „tief im Gelenk“ usw.
Die Ursache für die Entstehung der mTrP liegt in der Muskulatur selbst. Die myofaszialen Schmerzen sind Folge einer anderen Störung, die arthrogen, neurogen, viszerogen oder psychogen sein kann. Wenn immer möglich, ist die primäre Ursache zu behandeln. Falls eine kausale Behandlung nicht möglich bzw. nicht indiziert ist, kann eine symptomatische Therapie der myofaszialen Strukturen helfen.
Therapie von Myofaszialen Schmerzen
Die Therapie myofaszialer Schmerzen umfasst verschiedene Techniken, die darauf abzielen, die Triggerpunkte zu deaktivieren und die Bindegewebsveränderungen zu behandeln. Dazu gehören:
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- Reflektorische Beeinflussung von mTrP: Techniken wie „spray and stretch“ oder Muskel-Release-Techniken.
- Dry Needling: Die Behandlung von mTrP mit Akupunkturnadeln.
- Infiltrationen: Mit einem Lokalanästhetikum wie Procain.
- Extrakorporale Stoßwellentherapie: Zur Deaktivierung von myofaszialen TrP.
- Manuelle Triggerpunkt-Therapie IMTT: Eine Therapie, die gleichwertig den Rigorkomplex und die Bindegewebsveränderungen gezielt angeht.
TaKeTiNa als ergänzende Methode bei Nervenschmerzen
Obwohl TaKeTiNa nicht direkt als Therapie für Nervenschmerzen angepriesen wird, deuten die Erfahrungen und die Verbindung von Rhythmus und Nervensystem darauf hin, dass es als ergänzende Methode zur Schmerzlinderung und Verbesserung des Wohlbefindens eingesetzt werden kann. Die rhythmischen Bewegungen und Klänge können helfen, das Nervensystem zu regulieren, Stress abzubauen und die Körperwahrnehmung zu verbessern.
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