Neurodegenerative Erkrankungen stellen aufgrund des steigenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung eine wachsende medizinische Herausforderung dar. In Deutschland sind bereits heute schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Neben Demenz und der Parkinson-Erkrankung existiert eine Vielzahl weiterer neurodegenerativer Erkrankungen. Was genau zur Neurodegeneration, dem Absterben von Nervenzellen, führt, ist je nach Krankheit unterschiedlich und oft nur teilweise bekannt. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) erforscht die Ursachen von Nervensystemstörungen und entwickelt Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege.
Neurodegenerative Erkrankungen: Ein Überblick
Neurodegenerative Erkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass meist spezifische Bereiche oder Zelltypen im Gehirn betroffen sind. Bei der Parkinson-Erkrankung sind beispielsweise ausschließlich Nervenzellen betroffen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Die Huntington-Krankheit betrifft ebenfalls Nervenzellen, die an der Steuerung von Bewegungsabläufen beteiligt sind. Im Falle der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) gehen selektiv sogenannte Motoneurone zugrunde.
Huntington-Krankheit: Der "Tanz" des Nervensystems
Bei der Huntington-Krankheit sterben Nervenzellen ab, die den Botenstoff Glutamat produzieren. Dies führt zu unwillkürlichen, ausladenden Bewegungen, die wie ein Tanz wirken können. Daher rührt die umgangssprachliche Bezeichnung "Huntington-Chorea", wobei Chorea vom griechischen Wort für Tanz abgeleitet ist.
Neuroblastom: Eine Krebserkrankung des Nervensystems im Kindesalter
Das Neuroblastom ist eine bösartige Erkrankung des sympathischen Nervensystems, die vor allem im frühen Kindesalter auftritt. Es entsteht durch die Entartung von unreifen Zellen des sympathischen Nervensystems. Neuroblastome können überall dort entstehen, wo sich sympathisches Nervengewebe befindet, am häufigsten im Nebennierenmark und im Bereich der Nervengeflechte beidseits der Wirbelsäule. Die Ursachen für die Entstehung eines Neuroblastoms sind noch weitgehend ungeklärt.
Symptome und Diagnose des Neuroblastoms
Viele Patienten mit Neuroblastom haben keine oder nur unspezifische Symptome. Symptome können je nach Lage des Tumors oder der Metastasen variieren. Findet der (Kinder-)Arzt durch Anamnese und körperliche Untersuchung Hinweise auf ein Neuroblastom, wird der Patient in ein spezialisiertes Krankenhaus überwiesen. Zur Diagnosestellung sind Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren notwendig. Die endgültige Sicherung der Diagnose ist nur durch eine feingewebliche Untersuchung von Tumorgewebe möglich.
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Therapie des Neuroblastoms
Die Therapie eines Neuroblastom-Patienten richtet sich nach seiner individuellen Krankheitssituation und der Wahrscheinlichkeit eines Krankheitsrückfalles. Zu den eingesetzten Behandlungsmethoden gehören Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie. Bei Patienten mit einem besonders hohen Rückfallrisiko werden darüber hinaus eine Hochdosis-Chemotherapie mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation sowie eine Immuntherapie mit Antikörpern durchgeführt.
Das Nervensystem im Alltag: Stress und Entspannung
Das Nervensystem ist ein komplexes Kommunikationsnetzwerk, das Informationen aus der Umwelt aufnimmt und Reaktionen steuert. Das vegetative Nervensystem reguliert dabei Körperfunktionen, die ohne unser willentliches Zutun ablaufen müssen. Der Sympathikus aktiviert den Körper für Leistungen, während der Parasympathikus für Erholung sorgt. Der Vagusnerv, ein Teil des parasympathischen Nervensystems, spielt eine wichtige Rolle bei der Entspannung.
Stressreaktionen und ihre Folgen
In Gefahrensituationen wird vom Sympathikus eine Kaskade neurologischer und hormoneller Reaktionen ausgelöst. Chronischer Stress kann jedoch zu einer dauerhaften sympathischen Dominanz führen. In unserer modernen Zeit sind die Stressfaktoren oft anders als in der Steinzeit, und dauernde Anspannung kann dazu führen, dass wir nicht richtig in die Parasympathikus-Reaktion kommen.
Strategien zur Beruhigung des Nervensystems
Es gibt verschiedene Strategien, um das Nervensystem zu beruhigen. Dazu gehören Atemtechniken wie die 4-7-8-Atemtechnik, körperliche Aktivität, Vagusnerv-Stimulation, Meditation und Achtsamkeitsübungen, ausreichend Schlaf und das Zulassen von Emotionen. Welche Strategie am besten geeignet ist, ist individuell verschieden.
Multiple Sklerose: Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des ZNS
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS), die das Gehirn und das Rückenmark umfasst. Die Ursache für Multiple Sklerose ist bis heute nicht vollständig geklärt. Typische MS-Symptome sind neben Taubheitsgefühlen in den Beinen oder Armen Gleichgewichtsprobleme, starke Müdigkeit und geringe Belastbarkeit sowie Sehstörungen auf einem Auge.
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Diagnose und Therapie von Multipler Sklerose
Eine gesicherte MS-Diagnose erfolgt beim Neurologen. MRT-Bilder sind wichtig für eine gesicherte MS-Diagnose. Bei Multipler Sklerose kommen verschiedene Therapieformen zum Einsatz, darunter Schubtherapien, Maßnahmen zur Symptom-Linderung und verlaufsmodifizierende Therapien. Für den Start mit MS-Medikamenten gilt: je früher, desto besser.
Physiotherapie bei Multipler Sklerose
Physiotherapie umfasst die physiotherapeutischen Verfahren der Bewegungstherapie sowie die physikalische Therapie. Sie nutzt sowohl die aktive selbständig ausgeführte, die assistive, therapeutisch unterstützte, als auch die passive Bewegung des Menschen. Für bestimmte Maßnahmen der Physiotherapie bedarf es spezieller Qualifikationen.
Bewegungsstörungen: Ein Überblick
Als Bewegungsstörungen werden in der Neurologie Syndrome bezeichnet, die mit einer Störung in der Initiation und Durchführung von willkürlicher und unwillkürlicher Motorik einhergehen. Traditionell werden die Bewegungsstörungen zu den Basalganglienerkrankungen gezählt. Die Diagnose von Bewegungsstörungen stützt sich weitgehend auf Anamnese und neurologische Untersuchung.
Hypokinesen und Hyperkinesen
Zu den Hypokinesen gehören die Parkinson- oder akinetisch-rigiden Syndrome. Die Hyperkinesen umfassen eine Reihe von Bewegungsstörungen wie Tremor, Dystonie, Athetose, Tics, Myoklonus, Dyskinesien und Ballismus. Eine gewisse Sonderstellung nehmen die Ataxien oder die zerebellären Bewegungsstörungen ein.
Akathisie, Athetose, Chorea und Dyskinesie
Akathisie ist die Unfähigkeit, ruhig zu sitzen. Athetose sind wurmförmige, langsame Bewegungen, vorwiegend distal an den Extremitäten. Chorea sind schnelle, unregelmäßig auftretende ruckartige Bewegungen. Dyskinesie ist ein Überbegriff für durch Medikamente induzierte Überschussbewegungen.
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Sport und Bewegung im Alter
Bewegung hat positive Auswirkungen auf Stimmung, Stresslevel und Kognition. Bei Bewegungsangeboten für ältere Erwachsene gibt es noch viel Luft nach oben. Es braucht funktionelle Trainingsformate, die einen Mix aus Dehnen, Spielen, Kraft- und Ausdauer beinhalten. Wichtig ist, den Teilnehmern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und den Schwierigkeits- und Belastungsgrad der Übungen dem Klientel anzupassen.