Meningitis, eine Entzündung der Hirnhäute und benachbarter Strukturen, ist eine ernste Erkrankung, die sich rasch entwickeln und Menschen jeden Alters betreffen kann. Verschiedene Erreger, darunter Bakterien und Viren, können eine Meningitis verursachen. In schweren Fällen kann eine Meningitis bleibende Schäden wie Hörschäden bis hin zur Taubheit verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen von Taubheit nach Meningitis.
Was ist Meningitis?
Bei einer Meningitis entzünden sich die Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Meist wird diese Entzündung durch Viren oder Bakterien verursacht. Typische Symptome der Hirnhautentzündung sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen, mitunter auch Bewusstseinsstörungen. Eine Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.
Das Gehirn und das Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem. Hier werden etwa Sinneswahrnehmungen weitergeleitet und verarbeitet, Bewegungen koordiniert und wichtige Funktionen wie die Atmung und der Herzschlag gesteuert. Gehirn und Rückenmark sind von schützenden Häuten umgeben, den Meningen. Bei einer Meningitis entzünden sich diese Hirn- und Rückenmarkshäute. Greift die Entzündung zusätzlich auf das Gehirn über, spricht man von einer Meningoenzephalitis. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, vom Säugling bis zum älteren Erwachsenen.
Dank Impfungen ist die Zahl der Erkrankungen durch bestimmte Bakterien wie Haemophilus influenzae und Meningokokken in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.
Ursachen von Meningitis
Die Auslöser der Meningitis sind vielfältig, meist verursachen Bakterien oder Viren die Entzündung. Erreger können über die Schleimhäute der Atemwege, aber auch von einem angrenzenden Entzündungsherd (z.B. bei einer Mittelohrentzündung) oder einer Verletzungsstelle (z. B. offener Schädelbruch) aus einwandern. Im Frühjahr und Sommer besteht die Gefahr, dass durch einen Zeckenbiss die von Viren verursachte, so genannte Frühsommer-Meningo-Enzephalitis oder eine bakterielle Meningitis durch Borrelien übertragen werden. In verschiedenen Altersgruppen können bestimmte Erreger/Auslöser überwiegen.
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Bakterielle Meningitis
Mögliche Erreger einer bakteriellen Meningitis sind zum Beispiel:
- Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Vorausgehen kann eine Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung.
- Meningokokken (Neisseria meningitidis): Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Menschen mit einer Meningokokken-Meningitis müssen deshalb schnell isoliert werden.
- Streptokokken der Gruppe B, mit Escherichia coli oder mit Listerien (im Säuglingsalter).
- Hämophilus, Meningokokken und Pneumokokken (im Säuglings- und Kleinkindalter).
- Borrelien (durch Zeckenbiss).
Virale Meningitis
Mögliche Erreger einer viralen Meningitis sind zum Beispiel:
- Enteroviren: Sie sind die häufigste Ursache für virale Hirnhautentzündungen.
- Herpesviren: Insbesondere das Herpes-simplex-Virus (HSV) und das Varizella-Zoster-Virus (der Erreger von Windpocken und Gürtelrose) können eine schwere Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns) verursachen.
- FSME-Virus: Das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen.
- Masern-, Mumps- oder Echovirus (im Kleinkindalter).
- Herpes-Viren (im Neugeborenenalter).
Seltener kann eine Hirnhautentzündung auch durch Pilzinfektionen verursacht werden, vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem. Nicht selten ist eine Meningitis auch die Folge einer Mumps-Infektion.
Symptome von Meningitis
Die Anzeichen einer Meningitis können sich schnell entwickeln. Anzeichen einer Meningitis sind zum Beispiel:
- Starke Kopfschmerzen
- Hohes Fieber
- Nackensteifigkeit (Meningismus): Das Kind setzt der Bewegung seines Kopfes einen Widerstand entgegen, so dass es kaum oder gar nicht möglich ist, den Kopf zum angewinkelten Knie des Kindes zu bringen.
- Bewusstseinsstörungen (von leichter Verwirrtheit bis zum Koma)
Allerdings treten nicht immer alle vier Symptome gemeinsam auf. Weitere häufige Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Lichtscheu) sowie epileptische Anfälle. Falls das Gehirn mit entzündet ist, kann es zu Benommenheit bis hin zum Koma kommen.
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Bei einer durch Meningokokken verursachten Meningitis ist ein Warnsignal ein typischer Hautausschlag, der als kleine, rote oder violette Flecken (Petechien) beginnt. Sie können sich zu größeren Einblutungen entwickeln (Purpura fulminans) und deuten darauf hin, dass die Blutgerinnung durch die Infektion gestört ist. Das kann Zeichen einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) sein.
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft untypisch. Achten Sie auf diese Warnzeichen:
- Bauchschmerzen
- Berührungsempfindlichkeit
- Nahrungsverweigerung
- Krampfanfälle
- Vorgewölbte Fontanelle
Bei Verdacht auf eine Meningitis sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Achten Sie auf diese Warnzeichen:
- Plötzliche starke Kopfschmerzen,
- Fieber
- Nackensteifigkeit, das bedeutet Sie können den Kopf nicht mehr nach vorne zur Brust beugen.
Diagnose von Meningitis
Um eine Meningitis schnell und sicher festzustellen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Neben der körperlichen Untersuchung wird Blut abgenommen und unter anderem auf Entzündungswerte und mögliche Erreger untersucht. Außerdem wird Nervenwasser aus dem Lumbalbereich, dem Bereich der unteren Lendenwirbelsäule, entnommen (Lumbalpunktion). So kann der Arzt oder die Ärztin feststellen, ob Bakterien oder Viren die Meningitis verursacht haben - was entscheidend für die weitere Behandlung ist. In manchen Fällen kann auch ein CT oder MRT erforderlich sein, um einen erhöhten Druck im Gehirn auszuschließen. Wenn der Verdacht besteht, wird der Arzt den Wirbelkanal punktieren (Lumbalpunktion) und daraus Nervenflüssigkeit (Liquor) entnehmen und sie untersuchen.
Behandlung von Meningitis
Die Therapie hängt entscheidend vom Erreger ab. Meningitis erfordert häufig eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus.
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Behandlung der bakteriellen Meningitis
Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis werden sofort im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation, aufgenommen. Sie erhalten Antibiotika über die Vene und zusätzlich wird oft ein Kortisonpräparat gegeben. Es kann bei Pneumokokken-Meningitis die Sterblichkeit und bei einer Meningokokken-Meningitis das Risiko für Folgeschäden wie einen Hörverlust senken. Wenn Bakterien die Verursacher sind, erhält das Kind Infusionen mit Antibiotika.
Behandlung der viralen Meningitis
Die meisten viralen Hirnhautentzündungen werden symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt. Eine wichtige Ausnahme ist die durch Herpesviren (Herpes-simplex-Virus, Varizella-Zoster-Virus) verursachte Enzephalitis. Hier ist eine sofortige intravenöse Therapie mit dem antiviralen Medikament Aciclovir lebensrettend und muss bereits bei Verdacht begonnen werden.
Komplikationen und Langzeitfolgen von Meningitis
Meningitis ist eine schwere Erkrankung, die sowohl akute Komplikationen als auch bleibende Schäden verursachen kann. In schweren Fällen kann eine Meningitis bleibende Schäden, wie Bewegungsstörungen, Hörschäden bis hin zur Taubheit oder Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung, nach sich ziehen oder sogar zum Tode führen.
Akute Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel:
- Hirnödem: Eine Schwellung des Gehirns, die zu einem lebensbedrohlichen Anstieg des Hirndrucks führen kann.
- Epileptische Anfälle
- Schlaganfälle durch Entzündungen der Blutgefäße im Gehirn.
- Systemische Komplikationen: zum Beispiel eine Blutvergiftung oder Gerinnungsstörungen.
Langzeitfolgen
Auch nach überstandener Krankheit können dauerhafte Beeinträchtigungen zurückbleiben.
- Hörschäden: Hörverlust bis hin zur Taubheit ist eine der häufigsten Folgen, besonders nach einer Pneumokokken-Meningitis. Eine frühzeitige audiologische Untersuchung nach der Erkrankung ist daher sehr wichtig.
- Neurologische Defizite: Dazu zählen Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen (Ataxie) und epileptische Anfälle.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Viele Betroffene klagen über Probleme mit der Konzentration und der Merkfähigkeit.
Zusammenhang zwischen Meningitis und Taubheit
Meningitis kann das empfindliche Gewebe im Innenohr angreifen und Schäden an der Cochlea (Hörschnecke) und dem Vestibularsystem (Gleichgewichtsorgan) verursachen, was nicht nur das Hören, sondern auch das Gleichgewicht beeinflusst. Eine der häufigsten Folgen einer Meningitis ist Taubheit. Man rechnet damit, dass Taubheit bei Kindern unter 3 Jahren in circa 20 % der Fälle auf einen durch Hirnhautentzündung verursachten Hörverlust zurückzuführen ist. Der oft vollständige Verlust des Gehörs wird durch eine Schädigung des Hörnervs oder der Hörschnecke verursacht. Wahrscheinlich geht die Schädigung auf eine Labyrinthitis infolge der direkten Verbreitung einer Infektion vom Subarachnoidalraum über den Aquaeductus cochleae zurück. Das bewirkt eine Zerstörung der Sinnesstrukturen und führt zur völligen Taubheit. Weitere mögliche Mechanismen können direkte Schädigungen der Nervenfasern und sekundäre ischämische Schäden sein. Es gilt inzwischen die allgemeine Annahme, dass Schäden am Gehör immer schon zu Beginn der Infektion entstehen.
Der völlige Hörverlust beeinträchtigt die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeiten, vor allem bei Kindern (< 3 Jahren), deren Sprachaneignung noch nicht vollständig entwickelt oder abgeschlossen ist. Diese Folgen rechtfertigen die Bemühungen einer frühzeitigen Erkennung der Taubheit zum Zwecke der sofortigen Einleitung einer geeigneten Rehabilitationstherapie. Auch ein Teilverlust des Hörvermögens oder eine einseitige Taubheit müssen frühzeitig erkannt werden, weil diese Kinder oft asymptomatisch sind und Verhaltenskompensationen aufweisen, die ihr Defizit verbergen. Die akustischen Sinnesreize können bei diesen Kindern fehlen oder reduziert sein; daher spielen die Eltern und Lehrer eine wesentliche Rolle.
Alle Kinder sollten bei ihrer Genesung von einer bakteriellen Meningitis daher vor der Entlassung aus dem Krankenhaus in einem Fachzentrum audiologisch untersucht werden. Ein weiterer Grund, aus dem die audiologische Diagnose und somit die Erkennung und Evaluierung von Hörschäden nicht verzögert werden sollte, ist die Verknöcherung der Cochlea, die nach einer Meningitis innerhalb weniger Monate eintreten kann.
Weitere Ohrprobleme nach Meningitis
Neben Hörverlust kann Meningitis auch zu einer Reihe anderer Ohrprobleme führen:
- Tinnitus: Ein ständiges oder intermittierendes Ohrgeräusch, das für Betroffene sehr belastend sein kann. Die Entzündung kann das Innenohr schädigen und Störungen in der Signalübertragung an das Gehirn verursachen. Tinnitus kann als Pfeifen, Rauschen oder Summen beschrieben werden.
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Die Entzündung stört die Funktion des Vestibularsystems, das für die Balance und räumliche Orientierung verantwortlich ist. Dies kann zu Unsicherheiten beim Gehen, plötzlichen Schwindelanfällen oder einem ständigen Gefühl von Instabilität führen.
- Druckgefühle im Ohr: Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr oder Schädigungen im Innenohr, die auf die Entzündungsprozesse zurückzuführen sind, können ein Gefühl von Verstopfung verursachen, das das Hören beeinträchtigen kann.
Diagnose von Hörverlust und anderen Ohrproblemen
Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) ist der richtige Ansprechpartner, um Taubheit zu diagnostizieren. Im Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) wird der Arzt vor allem nach dem Grund für den Verdacht auf Taubheit, nach Risikofaktoren für Hörstörungen und bisherigen Auffälligkeiten fragen.
Laut der amerikanischen Fachgesellschaft ASHA (American Speech Language Hearing Association) sind folgende Auffälligkeiten bei Kindern ernst zu nehmen, weil sie auf eine Hörstörung oder Taubheit hinweisen können:
- Das Kind reagiert oft nicht auf Ansprache oder auf Rufen.
- Anweisungen werden nicht korrekt befolgt.
- Oft wird mit “Wie?” oder “Was?” nachgefragt.
- Die Sprachentwicklung ist nicht altersgemäß.
- Die Verständlichkeit der Sprache ist durch eine schlechte Artikulation erschwert.
- Beim Fernsehen oder Musik hören stellt das Kind besonders hohe Lautstärken ein.
Diese Hinweise lassen sich auch auf betroffene Erwachsene übertragen, wobei allerdings die Artikulation bei Erwachsenen, die nicht seit der Kindheit taub sind, relativ normal ist.
Nach der Anamnese folgen verschiedene Untersuchungen und Tests, um den Verdacht auf Taubheit abzuklären. Die verschiedenen Hör-Tests erlauben aber zumeist nur in Kombination eine Aussage über das Hörvermögen. Die genaue Untersuchung des Hörvermögens und Sprach-Verständnisses dient auch dazu, den Grad der Hör-Behinderung oder bei Erwachsenen der Minderung der Erwerbsfähigkeit festzustellen.
Untersuchungsmethoden
- Ohrspiegelung (Otoskopie): Zunächst wird der Arzt das Ohr des Betroffenen mit einer Lupe mit integrierter Lichtquelle, einem sogenannten Otoskop, untersuchen. Dabei sieht er, ob das Trommelfell intakt ist und ob sich dahinter gegebenenfalls ein Erguss im Mittelohr befindet. Diese Untersuchung liefert allerdings nur Aussagen über die Anatomie, nicht über die Hörleistung.
- Weber- und Rinne-Test: Der Weber- und der Rinne-Test geben wichtige Hinweise auf die Art und den Ort der Hör-Schädigung. Der Arzt bringt dazu eine Stimmgabel zum Schwingen und hält das Ende der Stimmgabel an verschiedene Stellen im Bereich des Kopfes.
- Beim Test nach Weber setzt der Arzt dem Patienten die Stimmgabel auf die Mitte des Kopfes und fragt, ob der Patient den Ton auf einem Ohr besser hört als auf dem anderen. Normalerweise ist das Hörvermögen auf beiden Ohren gleich. Hört aber der Patient auf einer Seite den Ton lauter (Lateralisation), weist dies entweder auf eine Schall-Leitungs- oder Schall-Empfindungsstörung hin.
- Ergänzend zum Weber-Test wird der Rinne-Test durchgeführt. Bei diesem Test wird die Stimmgabel auf den Knochen hinter dem Ohr aufgesetzt, und zwar so lange, bis der Ton nicht mehr hörbar ist. Dann wird die meist noch schwingende Stimmgabel vor das Ohr gehalten. Bei normalem Hörvermögen wird der Ton wieder wahrgenommen, da die Luft-Leitung besser als die Knochen-Leitung ist.
- Hör-Tests: Subjektive Methoden: Subjektive Methoden eines Hör-Tests erfordern die Mitarbeit des Patienten. So lässt sich der gesamte Weg des Hör-Prozesses überprüfen.
- Tonschwellen-Audiometrie: Bei der Tonschwellen-Audiometrie wird die Hörbarkeit von Tönen über Kopfhörer oder Knochenleitungs-Kopfhörer zur Bestimmung der frequenzabhängigen Hörschwelle genutzt. Die Hörschwelle wird in Dezibel angegeben. Sie markiert die untere Grenze der Lautstärke, von der an Patienten den Ton gerade noch wahrnehmen.
- Sprach-Audiometrie: Eine Ergänzung zur Tonschwellen-Audiometrie ist die Sprach-Audiometrie. Statt Tönen werden den Patienten Wörter oder Laute vorgespielt, die sie erkennen und nachsprechen müssen. Auf diese Weise wird auch das Verständnis von Sprache getestet. Dies hat für den Alltag einen besonders großen Stellenwert und hilft beispielsweise auch, Hörgeräte richtig einzustellen.
- Die Ergebnisse der Tonschwellen-Audiometrie werden in einem sogenannten Audiogramm bildlich dargestellt. Auf diesem sieht der Arzt, bei welchen Frequenzen der Patient Einbußen seiner Hörleistung hat. Dies liefert ihm Hinweise auf mögliche Ursachen der Hörschädigung.
- Weitere Untersuchungen: Insbesondere bei Kindern werden neben der Audiometrie auch andere Hör-Tests genutzt, um das Hörvermögen zu überprüfen. Wenn das Tragen von Kopfhörern abgelehnt oder nicht möglich ist, werden Lautsprecher genutzt. Dieses Verfahren erlaubt zwar keine seitengetrennte Untersuchung der Ohren, liefert aber dennoch Hinweise auf die Hörfähigkeit. Weitere spezielle Verfahren für diese Fälle sind Verhaltens-Audiometrie, Reflex-Audiometrie, visuelle Konditionierung und konditionierte Spiel-Audiometrie.
- Hör-Tests: Objektive Methoden: Die objektiven Hör-Test-Verfahren erfordern nur eine sehr geringe Mitarbeit des Patienten. Durch Untersuchung von Teilabschnitten der Hörbahn helfen sie, Art und Ausmaß der Hörstörung festzustellen. Zumeist sind sie auch verwendbar, wenn subjektive Verfahren bei einem Patienten nicht möglich sind.
- Tympanometrie: Die Tympanometrie (Impendanz-Audiometrie) ist eine sehr wichtige Untersuchung, die bei jedem Kind mit Verdacht auf eine Hörstörung zum Einsatz kommt: Schallwellen, die in das Ohr eintreten, erreichen durch den äußeren Gehörgang das Trommelfell (Tympanon). Das Tympanon ist eine dünne Haut, die durch die Schallwellen bewegt wird. Diese Bewegung löst eine Bewegung der nachgeschalteten Gehör-Knöchelchen aus und setzt so die Kaskade der Schall-Wahrnehmung in Gang.
- Messung des Stapedius-Reflexes: Der Stapedius-Reflex ist eine Reaktion auf lauten Schall. Der sogenannte Stapedius ist ein Muskel, der den dritten Gehör-Knöchel durch Zusammenziehen so verkantet, dass der Schall vom Trommelfell weniger stark ins Innenohr weitergeleitet wird. Dieser Muskel schützt das Innenohr somit vor hoher Lautstärke. Bei der Messung des Stapedius-Reflexes wird die Reflex-Schwelle bestimmt, also der Lautstärke-Wert, ab dem der Reflex ausgelöst wird. Durch diese Untersuchung lässt sich feststellen, ob die Gehör-Knöchelchen im Mittelohr normal beweglich sind.
- Neugeborenen-Screening: Seit 2009 werden alle Neugeborenen auf Taubheit untersucht. Ziel ist es, Hörstörungen bis zum dritten Lebensmonat frühzeitig zu erkennen und bis zum sechsten Lebensmonat die Therapie einzuleiten. Die beiden folgenden Methoden werden auch bei diesem Neugeborenen-Screening eingesetzt.
- Zum einen gehört dazu die Messung der sogenannten otoakustischen Emissionen, ein schmerzloses Verfahren zur Funktionsprüfung der Hörschnecke. Die Emissionen sind sehr leise Echos, die aus dem Innenohr kommen. Die äußeren Haarzellen im Innenohr senden als Antwort auf eine eintretende Schallwelle dieses Echo aus.
- Das zweite Verfahren ist die sogenannte Hirnstamm-Audiometrie (zum Beispiel BERA). Sie untersucht die Nerven- und Gehirn-Bereiche, die für das Hören verantwortlich sind. Mithilfe der auf der Kopfhaut gemessenen elektrischen Impulse lässt sich abschätzen, ob der Schall nicht nur im Innenohr registriert, sondern auch über die angeschlossenen Nervenbahnen weitergegeben und im Gehirn verarbeitet wird.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren kommen zum Einsatz, wenn der Patient ein Cochlea-Implantat erhält oder aber der Verdacht auf eine Krebs-Erkrankung oder eine Fehlbildung als Ursache für die Taubheit besteht. Dabei wird mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) oder der Computertomografie (CT) das Gehirn beziehungsweise das Ohr detailliert abgebildet.
Therapieoptionen bei Hörverlust und Taubheit nach Meningitis
Die medizinische Behandlung von Ohrproblemen, die durch Meningitis verursacht wurden, variiert je nach Art und Schwere der Beschwerden. Medikamente zur Symptomkontrolle eingesetzt. chirurgische Eingriffe in Erwägung gezogen werden. Es ist entscheidend, dass die Behandlung auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist.
- Hörgeräte: Hörgeräte eine effektive Lösung darstellen. Moderne Hörgeräte sind in der Lage, verschiedene Arten von Hörverlust zu kompensieren und den Betroffenen zu helfen, ihren Alltag zu meistern.
- Cochlea-Implantate: Cochlea-Implantate in Erwägung gezogen werden, um eine bessere Hörleistung zu ermöglichen.
- Assistive Listening Devices (ALDs): Assistive Listening Devices (ALDs) bieten zusätzliche Unterstützung in Situationen, in denen Hintergrundgeräusche besonders störend sind.
- Rehabilitation: umfassende Rehabilitation entscheidend. Sprachtherapie und Hörtraining können dabei helfen, die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und den Umgang mit Hörproblemen zu erleichtern.
- Psychologische Unterstützung: psychologische Unterstützung spielt eine wichtige Rolle, um die emotionalen Herausforderungen zu bewältigen, die mit den Ohrproblemen einhergehen.
Therapieoptionen bei einseitiger Taubheit
Wer unter einseitiger Taubheit leidet, hat heutzutage mehrere Möglichkeiten, das Hören im Alltag deutlich zu verbessern.
- CROS-System: Bei dieser Lösung werden zwei Geräte eingesetzt: Ein Sender sitzt auf der tauben Seite und überträgt den Schall kabellos an ein Hörgerät auf der besser hörenden Seite.
- BiCROS-Technologie: Die BiCROS-Technologie ist eine Weiterentwicklung des CROS-Systems. Auch hier wird der Schall von der tauben Seite an das bessere Ohr übertragen. Zusätzlich sorgt das Hörgerät auf der besseren Seite für eine individuelle Verstärkung, um den dort vorhandenen Hörverlust auszugleichen.
- BAHA-System (Bone Anchored Hearing Aid): Eine weitere Option bei einseitiger Taubheit ist das sogenannte BAHA-System (Bone Anchored Hearing Aid). Ein kleiner Soundprozessor, der an einem Implantat oder Magnet am Schädel befestigt ist, überträgt die Schallschwingungen direkt über den Knochen an das besser hörende Ohr. BAHA-Systeme sind besonders komfortabel.
Stammzellentherapie
Neben der Abhilfe durch ein Cochlea-Implantat gibt es einen neuen Hoffnungsträger für taube Patienten: eine Stammzellentherapie mit Nabelschnurblut. Bereits in den Jahren 1999 bis 2009 wurden an der Duke University in Durham (USA) Studien durchgeführt, bei denen Mukopolysaccharidose-Patienten Nabelschnurblut-Stammzellen verabreicht wurden. Die Patienten zeigten daraufhin eine deutliche Besserung ihrer Innenohrschwerhörigkeit und auch die Ergebnisse eines Heilversuchs stärken die Hoffnung. So ist es Forschern gelungen, einem an erworbenem Hörverlust erkrankten Mädchen mithilfe von Nabelschnurblut-Stammzellen innerhalb von sechs Monaten zu helfen.
Prävention von Meningitis
Gegen einige Meningitis-Erreger kann vorbeugend geimpft werden: So sind z.B. Impfungen gegen die Bakterien Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Pneumokokken und Meningokokken beim Baby möglich. Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut.
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