Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und durch eine ungleichmäßige Verteilung des Fettgewebes gekennzeichnet ist. Dies führt oft zu einem disproportionalen Körperbild und kann mit einer Reihe von Beschwerden verbunden sein, darunter Taubheitsgefühle. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Taubheitsgefühlen im Zusammenhang mit Lipödem, die Diagnoseverfahren und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist ein Lipödem?
Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die vor allem die Extremitäten betrifft. Dabei kommt es zu einer Vermehrung des Unterhautfettgewebes, insbesondere an Beinen und Armen, während Hände und Füße in der Regel ausgespart bleiben. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch eine genetische Veranlagung vermutet. Hormonelle Veränderungen, wie sie in der Pubertät, Schwangerschaft oder den Wechseljahren auftreten, können ebenfalls eine Rolle spielen.
Unterscheidung zum Lymphödem
Es ist wichtig, das Lipödem vom Lymphödem zu unterscheiden. Während das Lipödem eine Fettverteilungsstörung ist, handelt es sich beim Lymphödem um eine Erkrankung des Lymphsystems, bei der es zu einem Stau von Lymphflüssigkeit im Gewebe kommt. Allerdings können beide Erkrankungen auch kombiniert auftreten, was als Lipo-Lymphödem bezeichnet wird.
Ursachen von Taubheitsgefühlen beim Lipödem
Taubheitsgefühle im Zusammenhang mit Lipödem können verschiedene Ursachen haben:
- Kompression von Nerven: Das vermehrte Fettgewebe kann Druck auf Nerven ausüben, was zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen führen kann. Dies betrifft insbesondere sensible Hautnerven im Bereich des Oberschenkels.
- Eingeschränkte Durchblutung: Das Lipödem kann die Durchblutung beeinträchtigen, was ebenfalls zu Taubheitsgefühlen führen kann.
- Entzündungen: Entzündliche Prozesse im Fettgewebe können Nerven reizen und Taubheitsgefühle verursachen.
- Psychosomatische Ursachen: In einigen Fällen können Taubheitsgefühle auch psychosomatische Ursachen haben, insbesondere im Zusammenhang mit Panikattacken oder Stress.
Symptome des Lipödems
Typische Symptome des Lipödems sind:
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- Symmetrische Fettverteilung an Beinen und/oder Armen
- Disproportion zwischen Körperstamm und Extremitäten
- Schmerzen und Druckempfindlichkeit
- Neigung zu blauen Flecken
- Schwellungen, die sich im Laufe des Tages verschlimmern (orthostatische Ödeme)
- Müdigkeit und Schweregefühl in den Beinen
Stadien des Lipödems
Das Lipödem wird in verschiedene Stadien eingeteilt, die den Schweregrad der Erkrankung widerspiegeln:
- Stadium 1: Glatte Hautoberfläche, verdicktes und weiches Unterhautfettgewebe mit kleinen Knötchen ("Styroporhaut")
- Stadium 2: Unebene und wellenartige Hautoberfläche, verdicktes und zunehmend verhärtetes Unterhautfettgewebe mit walnussgroßen Knoten ("Matratzenhaut")
- Stadium 3: Unebene Hautoberfläche, ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überstehenden Gewebeanteilen ("Wammenbildung"), verdicktes und verhärtetes Unterhautfettgewebe mit größeren Knoten
- Stadium 4: Kombination des Lipödems mit einem sekundären Lymphödem
Diagnose des Lipödems
Die Diagnose des Lipödems basiert in erster Linie auf der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Dabei achtet der Arzt auf die typischen Symptome und das Verteilungsmuster des Fettgewebes.
Selbstdiagnose
Eine Selbstdiagnose kann erste Hinweise auf ein Lipödem geben, ersetzt aber nicht die Untersuchung durch einen Arzt. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Familiäre Vorgeschichte von Lipödem
- Symmetrische Schwellungen an Beinen und/oder Armen
- Schmerzen und Druckempfindlichkeit
- Neigung zu blauen Flecken
- Unverhältnismäßigkeit zwischen Oberkörper und Unterkörper
- Diätresistenz (Fettgewebe lässt sich nicht durch Diät oder Sport reduzieren)
Ärztliche Diagnose
Um eine offizielle Diagnose zu erhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der sich mit Lipödemen auskennt. Dies kann ein Phlebologe, Lymphologe oder ein Gefäßchirurg sein. Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der Symptome
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Fettverteilung, Hautbeschaffenheit und Druckempfindlichkeit
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Darstellung der Fettgewebsstruktur und des Lymphsystems
- Lymphangiografie: Darstellung der Lymphgefäße mit Kontrastmittel (indirekte Lymphangiografie)
- MRT (Magnetresonanztomografie): Darstellung von Lokalisation und Ausmaß der Fettvermehrung
Differenzialdiagnose
Bei der Diagnose des Lipödems muss der Arzt andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausschließen. Dazu gehören:
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- Lymphödem: Stau von Lymphflüssigkeit im Gewebe
- Adipositas (Fettleibigkeit): Übergewicht mit vermehrter Fettansammlung am ganzen Körper
- Lipohypertrophie: Symmetrische Fettverteilung ohne Schmerzen und Druckempfindlichkeit
- Morbus Dercum (Lipomatosis dolorosa): Schmerzhafte Fettgeschwulste am Körper
- Phlebödem: Ödeme aufgrund von Venenschwäche
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung des Lipödems zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Da das Lipödem nicht heilbar ist, ist eine lebenslange Therapie erforderlich.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie umfasst folgende Maßnahmen:
- Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE):
- Manuelle Lymphdrainage zur Entstauung
- Kompressionstherapie mit Bandagen und Kompressionsstrümpfen
- Sorgfältige Hautpflege zur Vorbeugung von Infektionen
- Entstauungsgymnastik und Bewegungstherapie
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil können helfen, das Gewicht zu stabil halten und eine zusätzliche Adipositas zu vermeiden. Eine ketogene Ernährung, die den Stoffwechsel auf Fettverbrennung umstellt, kann ebenfalls sinnvoll sein.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport können helfen, den Lymphfluss anzuregen und die Muskulatur zu stärken. Geeignet sind Sportarten wie Schwimmen, Walking oder Radfahren.
Operative Therapie
Die operative Therapie des Lipödems besteht in der Fettabsaugung (Liposuktion). Dabei werden die krankhaft veränderten Fettzellen entfernt. Es gibt verschiedene Techniken der Liposuktion, darunter:
- Wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL): Hierbei werden die Fettzellen mit einem Wasserstrahl aus dem Gewebe gelöst und abgesaugt.
- Power-assistierte Liposuktion (PAL): Bei dieser Methode werden die Fettzellen mit Hilfe von Vibrationen gelöst und abgesaugt.
Die Liposuktion kann die Beschwerden deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern. Allerdings ist sie kein Allheilmittel und kann die konservative Therapie nicht vollständig ersetzen.
Behandlung von Taubheitsgefühlen
Die Behandlung von Taubheitsgefühlen im Zusammenhang mit Lipödem richtet sich nach der Ursache. Folgende Maßnahmen können helfen:
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- Kompressionstherapie: Kann helfen, den Druck auf die Nerven zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern.
- Physiotherapie: Kann helfen, Muskelverhärtungen zu lösen und die Nervenfunktion zu verbessern.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel zur Linderung von Schmerzen und Taubheitsgefühlen eingesetzt werden.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Bei unklaren Taubheitsgefühlen kann eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung durchgeführt werden, um die Nervenfunktion zu überprüfen.
- Psychotherapie: Bei psychosomatischen Ursachen kann eine Psychotherapie helfen, die Beschwerden zu lindern.
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