Veränderte Gewohnheiten bei Alzheimer: Ein umfassender Leitfaden für Betroffene und Angehörige

Die Diagnose Demenz, insbesondere Alzheimer, stellt eine tiefgreifende Veränderung im Leben der Betroffenen und ihrer Familien dar. Der Alltag wird anspruchsvoller, Gespräche werden beschwerlicher und vertraute Abläufe funktionieren nicht mehr wie gewohnt. Doch es gibt Wege, den Alltag zu erleichtern und ein stabiles Miteinander zu schaffen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Herausforderungen und Strategien im Umgang mit Alzheimer, von der Kommunikation bis zur Alltagsgestaltung, und beleuchtet auch die Möglichkeiten der Prävention.

Kommunikation und Interaktion

Verständliche Kommunikation

Menschen mit Demenz, insbesondere mit der Alzheimer-Krankheit, haben zunehmend Schwierigkeiten, sich an Dinge zu erinnern und Gesprächen zu folgen. Sprechen Sie deshalb langsam und deutlich, verwenden Sie einfache Sätze und vermeiden Sie komplizierte Begriffe. Stellen Sie keine offenen, sondern geschlossene Fragen, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Also: „Willst du Kartoffeln zum Mittagessen?“, statt: „Was sollen wir heute kochen?“. Machen Sie kurze Sätze, die nur eine Botschaft enthalten oder nur eine Frage. Beispiel: «Wir können jetzt essen!», nicht: «Komm in einer halben Stunde zum Essen, es gibt etwas Gutes, nachher gehen wir auf einen Spaziergang, bevor du dann deinen Mittagsschlaf machst!». Begegnen Sie dem Demenzbetroffenen von vorne. Kommunizieren Sie mit Augenkontakt, nicht von der Seite oder von hinten.

Wertschätzung und Geduld

Auch wenn Alltagsgespräche irgendwann unmöglich werden, bleibt der Austausch wichtig. An Demenz erkrankte Menschen muss man so annehmen, wie sie sind. Sie können sich nicht ändern. Die Angehörigen sollten lernen, die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen, aber auch deren ganz eigene Sicht der Realität wahrzunehmen und zu berücksichtigen.

Umgang mit "falschen" Aussagen

Wenn Demenzkranke «falsche» Dinge behaupten, dann korrigieren und widersprechen Sie nicht. Für die Kranken sind die Aussagen wahr. Besser ist, vom Thema abzulenken oder etwas abzuschwächen, falls der Demenzkranke beunruhigt ist und sich unbegründete Sorgen macht. Extrem schwierig wird es, wenn Erkrankte pflegende Angehörige nicht mehr erkennen und sie ablehnen, weil sie ja «Fremde» sind.

Gefühle erkennen und spiegeln

Gefühlsbotschaften in wirren Aussagen sind oft wichtiger als die Sachebene. Ein Beispiel: Eine demenzkranke Frau will heim zu ihren Kindern, sofort, sie ist verärgert. Sagen Sie ihr nicht, dass die Kinder längst erwachsen und selbständig sind, das weiss sie nicht mehr. Spiegeln Sie ihre Gefühle: «Nicht wahr, das ist ärgerlich, wenn man nicht einfach gehen kann, wie man will!», oder wenn sie traurig ist: «Nicht wahr, man macht sich als Mutter immer Sorgen um die Kinder!». So fühlt sich die Demenzbetroffene zumindest verstanden.

Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige

Vermeidung von Defizitkonfrontation

Kein «Jetzt weisst du immer noch nicht, auf welchen Knopf du bei der neuen Kaffeemaschine drücken musst!», oder «Heute ist Mittwoch, das solltest du doch wissen, warum willst du jetzt in die Kirche?». Solche Kritik löst Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit aus.

Aufrichtigkeit und Nonverbale Signale

Demenzbetroffene haben feine Antennen für Unaufrichtigkeit. Es ist also wichtig, im Umgang «echt» zu bleiben und z.B. auch zu merken, wenn man als Angehöriger ungeduldig oder ärgerlich wird, was sich in der eigenen Körpersprache ausdrückt.

Berührungen und Körperkontakt

Berührungen können z.B. bei sprachlosen Demenzkranken hilfreich sein, sollen aber taktvoll und vorsichtig erfolgen. Die Hand halten, den Arm streicheln, solche Berührungen werden oft positiv aufgenommen.

Alltagsgestaltung und Routinen

Struktur und Orientierung

Am einfachsten ist es, sich an bereits vertraute Abläufe zu halten, wie zum Beispiel Aufstehen, Frühstücken, Anziehen oder Duschen. Diese Routinen geben der erkrankten Person Sicherheit und Vertrautheit. Ein gleichbleibender, überschaubarer Tagesablauf, helles Licht und die Beleuchtung wichtiger Wege in der Nacht erleichtern es den Kranken, sich zurecht zu finden. Auch Hinweisschilder in der Wohnung können hilfreich sein. Eine gut lesbare Uhr und ein Kalender, auf dem das jeweilige Datum markiert wird, erleichtern die zeitliche Orientierung. Es ist auch empfehlenswert, die Gewohnheiten der Betroffenen nach Möglichkeit beizubehalten. Bei einer Demenz geht nach und nach das Zeitgefühl verloren: Wochentage geraten durcheinander, Tag und Nacht lassen sich schwer unterscheiden. Auch die Schlafqualität leidet - viele Erkrankte schlafen kürzer, wachen öfter auf und sind tagsüber erschöpft. Eine klare Tagesstruktur kann helfen, Orientierung zu geben: Tageslicht, frische Luft und feste Abläufe am Tag, Ruhe und gedimmtes Licht am Abend.

Angenehme Aktivitäten

Versuchen Sie, möglichst täglich Aktivitäten einzubauen, die gut tun, wie zum Beispiel gemeinsame Spaziergänge oder Zeit für soziale Kontakte oder Hobbys. Finden Sie die Stärken und Vorlieben der oder des Kranken heraus. Suchen Sie zum Beispiel nach Spielen, Liedern, und Beschäftigungen, die aus der Vergangenheit bekannt sind, aber berücksichtigen Sie auch die berufliche Biografie. Üben sie die Lieblingsbeschäftigungen ruhig öfter. Neues Lernen ist für Demenzerkrankte kaum noch möglich, Bekanntes kann jedoch geübt und erhalten werden. Im Haushalt bieten sich dafür viele Möglichkeiten. Menschen mit Demenz fühlen sich zugehörig und nützlich, wenn sie den Tisch mit decken, Kartoffeln schälen oder sich anders an der täglichen Arbeit beteiligen. Gemeinsames Singen und Spielen, Musizieren und Tanzen oder andere Bewegungsübungen können Spaß machen. Körperliche Bewegung regt den Kreislauf an, hebt die Stimmung und verbessert die Mobilität; auch Spaziergänge tun gut. Sie können gemeinsam alte Fotos ansehen, nachdem Sie möglichst sichergestellt haben, dass sie aus guten Zeiten stammen. Kommentieren Sie aktuellere Fotos. Damit verhindern Sie bei Ihrem erkrankten Familienmitglied das ungute Gefühl etwas nicht mehr zu wissen. Schreiben Sie Namen, Daten und vielleicht den Anlass zu den Fotos.

Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick

Umgang mit Ängsten

Aktivitäten, die Angst auslösen könnten, sollten behutsam und in kleinen Schritten vorbereitet werden. So behält die erkrankte Person die Übersicht über die Situation, und Angst und Panik entstehen weniger schnell.

Ess- und Trinkverhalten

Eine Demenzerkrankung kann das Ess- und Trinkverhalten deutlich verändern. Manche Menschen vergessen zu essen und nehmen deshalb nicht ausreichend Nahrung zu sich. Andere wiederum essen scheinbar ohne Hemmungen - oft bevorzugt Süßes. Auch das Gefühl für Hunger und Durst nimmt ab, wodurch das Risiko für Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel steigt. Im späteren Verlauf treten häufig Koordinationsprobleme sowie Kau- oder Schluckbeschwerden auf. Was hilft? Eine ruhige Umgebung, feste Essenszeiten und vertrautes Geschirr geben Orientierung.

Sinnesüberlastung vermeiden

Sinnesüberlastung: Laute Wassergeräusche, helles Licht oder intensive Düfte von Pflegeprodukten können ebenfalls Stress auslösen. Diese Ängste zu verstehen und mögliche Auslöser zu vermeiden, kann für Angehörige ein erster Schritt sein, das Baden und Duschen angenehmer zu gestalten.

Selbstständigkeit beim Anziehen fördern

Menschen mit Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen brauchen häufig mehr Zeit zum Anziehen. Sie tun sich schwer, sich Kleidung herauszusuchen oder wählen die falsche Kleidung für Wetter und Jahreszeit. Ermutigen Sie die oder den Erkrankten dennoch immer, sich selbst morgens anzuziehen. Halten Sie das Angebot klein, also lieber weniger Kleidung, dafür welche, leicht kombinierbar ist.

Vermeidung von Reizüberflutung

Bestimmte Sinneseindrücke können von Menschen mit Demenz verkannt werden und zu Verwirrung führen (z. B. laufender Fernseher, Musik und Stimmen aus dem Radio oder das eigene Spiegelbild). Versuchen Sie diese dann zu vermeiden.

Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich

Vorbereitung auf Besuch

Wenn Besuch kommt oder Ihnen unterwegs ein Bekannter begegnet, weisen Sie vorher darauf hin: „Ach, da kommt ja Frau Soundso“, „…dein Bruder Karl“ usw.

Umgang mit herausforderndem Verhalten

Ursachen erkennen

Viele Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz, die Pflegende vor Herausforderung stellen, sind Reaktionen, die man aus der Krankheit heraus verstehen und nachvollziehen kann: Rat- und Orientierungslosigkeit können zu Ängstlichkeit, Anhänglichkeit und zum ständigen Wiederholen von Fragen führen. Aggressivität und Wutausbrüche können aus Frustration oder Überforderung entstehen, Depression und Rückzug aus einem Mangel an Aktivität und Ermunterung. Wichtig ist es, solche Faktoren zu erkennen und möglichst zu beseitigen.

Aggressivität

Angst, Wut, Unruhe, Enttäuschung und Nervosität können zu aggressivem Verhalten führen. Bemühen Sie sich herauszufinden, was der Auslöser für das aggressive Verhalten war, um solche Situationen in Zukunft möglichst zu vermeiden. Versuchen Sie gelassen zu bleiben und die Vorwürfe oder das Verhalten der erkrankten Person nicht auf sich zu beziehen. Dieses Verhalten wird durch die Krankheit ausgelöst. Versuchen Sie in der akuten Situation die bzw. den Kranken abzulenken, wechseln Sie das Thema. Wenn Sie sich durch das Verhalten bedroht fühlen, sollten Sie aber auch an Ihre eigene Sicherheit denken. Verlassen Sie den Raum und holen Sie sich im Notfall Hilfe.

Unruhe

Menschen mit Demenz sind oft unruhig und laufen immer wieder die gleiche Strecke auf und ab. Daran sollte man sie nicht hindern. Sie können aber versuchen herauszufinden, was dieses Verhalten verursacht: Vielleicht tut der bzw. dem Kranken etwas weh oder ihn beschäftigt gerade etwas. Demenzerkrankte leben in einer anderen Welt. So kann es sein, dass eine 85-Jährige das Gefühl hat, schnell nach Hause zu müssen, weil die Mutter mit dem Essen wartet. Die Antwort, dass die Mutter doch schon lange tot ist und dass Sie auch gerade gegessen haben, hilft in einer solchen Situation nicht weiter. Günstiger ist es, dann ein Gespräch darüber anzufangen („Was macht deine Mutter denn, wenn du zu spät kommst?“ oder „Deine Mutter kocht wohl sehr gut?“). Unruhe kann auch Ausdruck von Ängstlichkeit oder Unbehagen sein, denen Sie mit folgenden Maßnahmen begegnen können: Gestalten Sie die Umgebung ruhig. Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie sanft. Beruhigen Sie die erkrankte Person, halten Sie Körperkontakt und reagieren Sie auf die Gefühle, die sie ausdrückt. Schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre. Gut beleuchtete Ecken verhindern Angst erzeugende Schatten. Schaffen Sie Zeiten der Ruhe und Entspannung. Menschen mit Demenz mögen meistens Körperkontakt. Eine Massage der Hände mit einem wohlriechenden Lieblingsöl beruhigt.

Die Rolle der Angehörigen und Selbstfürsorge

Belastung und Entlastung

Angehörige tragen den Hauptanteil an der Versorgung von Menschen mit Demenz. Sie übernehmen damit eine sehr schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, die sich meist über Jahre hinzieht. Die Probleme, die im Zusammenleben mit einem Demenzerkrankten auftreten, sind von Fall zu Fall verschieden. Sie werden bestimmt von der Persönlichkeit der betroffenen Person, vom Stadium der Krankheit, von den äußeren Lebensumständen, aber auch von den besonderen Fähigkeiten und Schwächen der betreuenden Person(en). Ebenso individuell müssen die Lösungen für die Probleme sein. Die Betreuung eines Familienmitglieds mit Demenz ist außerordentlich schwer und kann viele Jahre dauern. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass ein einzelner Mensch die für die Betreuung erforderliche seelische und körperliche Kraft jederzeit und unbegrenzt aufbringen kann. Den selbst auferlegten Leistungsdruck abzubauen, steht daher an erster Stelle. Niemand kann einen anderen Menschen täglich 24 Stunden betreuen, versorgen und beobachten, ohne sich dabei selbst vollkommen zu überfordern. Das Missachten der eigenen Belastungsgrenze schadet aber nicht nur der betreuenden, sondern auch der betreuten Person. So verursachen Ungeduld oder Reizbarkeit als Folgen der Überlastung häufig Konflikte im Betreuungsalltag.

Selbstfürsorge

Für die Hauptbetreuungsperson ist es wichtig, private Bekanntschaften und Hobbys weiterzupflegen. Sie sollte sich von Anfang an feste Freiräume schaffen, die allein ihr gehören, und sich jeden Tag etwas gönnen, worauf sie sich freuen kann, wie etwa ungestört Musik hören, einen Spaziergang machen, eine Zeitschrift lesen oder im Garten arbeiten. Vermeiden sollte sie unbedingt ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich Zeit für sich nimmt. Denn schließlich vernachlässigt die beziehungsweise der Betreuende den Menschen mit Demenz nicht, sondern nimmt sich nur notwendige Pausen. Von der Kraft und guten Laune, die ein freier Tag schenkt, profitiert schließlich auch das betroffene Familienmitglied. Oft suchen pflegende Angehörige erst dann nach Entlastungsmöglichkeiten, wenn sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Dann erweist sich die Suche jedoch als zusätzlicher Stressfaktor, der kaum noch verkraftet werden kann. Pflegende Angehörige sollten sich deshalb um Hilfs- und Entlastungsmöglichkeiten kümmern, solange sie noch Zeit und Energie dafür haben. Autogenes Training (Form der Selbsthypnose) oder andere entspannende Techniken können helfen, den Alltag besser zu bewältigen.

Hilfsangebote

Erste Anlaufstelle bei einem Demenz-Verdacht ist meistens der Hausarzt. Für weitere Abklärungen gibt es spezialisierte Memory-Kliniken. Eine genaue Abklärung ist z.B. sinnvoll, um andere mögliche Ursachen zu erfassen. Denn auch Hirntumore, Depressionen oder Mangelzustände können Demenz-artige Symptome verursachen. Es kann allerdings auch sein, dass Betroffene eine Abklärung vehement ablehnen.

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Jeder Alzheimer-Kranke hat einen eigenen Krankheits-Verlauf, und die Symptome können von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein. Trotzdem lassen sich drei Krankheits-Stadien unterscheiden, die fliessend ineinander übergehen.

Frühes Stadium

Kurzzeitgedächtnis betroffen, oft psychische Probleme, verändertes Verhalten, bereits Probleme möglich mit räumlicher und zeitlicher Orientierung, mit Sprache und Kommunikation, Wahrnehmungsstörungen möglich. Im frühen Stadium, wenn die Alzheimer-Krankheit noch nicht erkannt ist, können Konflikte und Irritationen auftreten, weil sich der Erkrankte auf unerklärliche Weise verändert hat und das Zusammenleben erschwert wird.

Mittleres Stadium

Erkrankte nehmen eigene Defizite weniger wahr, daher gehen depressive Stimmungen eher zurück. Ansonsten schreiten die Störungen der ersten Phase fort. Neben dem Kurzzeitgedächtnis ist vermehrt auch das Langzeitgedächtnis betroffen, zunehmende Unselbständigkeit im Alltag, Abhängigkeit von Bezugspersonen, gestörte zeitliche und räumliche Orientierung, Rückgang der sprachlichen Fähigkeiten, der Kommunikationsfähigkeit, dauernde Wiederholungen. Typisch sind auch: eine veränderte Wahrnehmung, Unruhe, grosser Bewegungsdrang. Betroffene verlieren ihr Einfühlungsvermögen, leben zunehmend in eigener Welt, im Augenblick. Möglich sind auch Ängste, Aggressionen, «kindliches» Verhalten. Noch immer möglich ist ein Festhalten an alten Gewohnheiten. Im mittleren Stadium leben Betroffene oft noch daheim, sind aber schon sehr unselbständig und belasten deshalb Angehörige sehr stark. Betroffene sterben im Durchschnitt rund acht bis zehn Jahre nach Ausbruch der Krankheit.

Demenz vorbeugen: Ein aktiver Lebensstil macht den Unterschied

Altern ohne geistigen Verfall? Das ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Trotzdem ist die Angst vor Demenz weit verbreitet. Besonders Frauen in der zweiten Lebenshälfte sorgen sich um ihr Gedächtnis - nicht zuletzt, weil die Wechseljahre mit hormonellen Veränderungen einhergehen, die sich auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken können. Doch die Wahrheit ist: Nicht das Altern an sich ist das Problem - sondern unser Blick darauf. Die meisten Menschen erleben ihr hohes nämlich Alter ohne Demenz. Laut der WHO sind weltweit etwa nur 1% der 60-64-Jährigen betroffen - zwar steigt das Risiko mit dem Alter, aber nicht so sehr, wie viele glauben: Mit Ende 70 haben immer noch über 90 % einen wachen Geist. Trotzdem überschätzen viele ihr persönliches Risiko, was zu unnötiger Angst führt: Denn mit der richtigen Lebensweise kannst du die Chancen noch weiter zu deinen Gunsten drehen. Es gibt viele Möglichkeiten, aktiv vorzubeugen - dein Lebensstil macht den Unterschied! Übrigens: Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, die das Gehirn beeinträchtigen. Die bekannteste Form ist Alzheimer, die vor allem durch Gedächtnisverlust und Orientierungsschwierigkeiten gekennzeichnet ist. Andere Formen, wie die vaskuläre Demenz, entstehen durch Durchblutungsstörungen. Wichtig zu wissen: Demenz gehört nicht automatisch zum Älterwerden! Demenz ist kein unausweichliches Schicksal.

Einflussfaktoren auf das Demenzrisiko

Ja, es gibt Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, wie genetische Veranlagung oder frühe Bildungsprozesse. Doch es gibt genauso viele Stellschrauben, an denen wir drehen können. Weniger kontrollierbar:

  • Genetik: Manche Gene erhöhen das Risiko, doch selbst mit einer genetischen Veranlagung lässt sich viel tun.
  • Krankheiten: Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können das Risiko erhöhen, wenn sie unbehandelt bleiben.
  • Frühe Bildung: Kinder, die in jungen Jahren wenig Förderung erfahren, haben später ein höheres Risiko für kognitive Einschränkungen.

Kontrollierbar: Lebensstil und Umwelt

  • Soziale Kontakte
  • Berufliche Erfüllung
  • Geistige Herausforderungen
  • Positive Altersbilder: Wer sich selbst als geistig fit wahrnimmt, hat bessere Chancen, es auch zu bleiben. Und andersherum: Wer glaubt, mit dem Alter geistig abzubauen, erlebt ebendies häufiger.

Präventionsmaßnahmen

Die WHO nennt in ihrem Global Status Report 2021 fünf Schlüsselfaktoren zur Prävention:

  1. Gemeinschaft pflegen: Einsamkeit ist ein Risikofaktor für Demenz. Wer sich regelmäßig mit anderen austauscht, bleibt geistig fitter! Regelmäßige Treffen mit Freundinnen, Netzwerke für Frauen in der Lebensmitte oder gemeinsame Aktivitäten stärken nicht nur das emotionale Wohlbefinden, sondern auch die geistigen Fähigkeiten.
  2. Sinn im Leben finden: Frauen, die sich neu orientieren, sei es durch einen späten Karriereschritt, künstlerische Projekte oder ehrenamtliches Engagement, bleiben geistig und emotional stabiler. Wer einen Garten pflegt, ein Buch schreibt oder eine Reise plant, gibt seinem Alltag Bedeutung.
  3. Lebensfreude kultivieren: Ein positives Altersbild schützt das Gehirn. Wer das Altern als natürliche Phase annimmt und sich auf die Vorteile konzentriert, bleibt geistig gesünder. Freude an kleinen Dingen, Dankbarkeit und Humor tragen dazu bei, Stress abzubauen und die mentale Gesundheit zu stärken.
  4. Lebenslanges Lernen: Neues lernen, lesen, spielen - das Gehirn liebt Abwechslung! Wer sich neuen Herausforderungen stellt, hält seine geistige Flexibilität aufrecht. Wann hast du das letzte Mal eine neue Fähigkeit erlernt - sei es eine Sprache, ein Instrument oder eine neue Sportart? Auch regelmäßiges Lesen und kritisches Denken helfen, Demenz vorzubeugen.
  5. Gesunder Lebensstil: Eine Ernährung mit viel frischem Gemüse, gesunden Fetten und Omega-3-Fettsäuren fördert die Hirnfunktion. Bewegung - eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining - verbessert die Durchblutung und schützt die Nervenzellen. Gerade in den Wechseljahren ist es wichtig, den Stoffwechsel zu unterstützen und Entzündungen vorzubeugen.

Vier Gewohnheiten, die den Gehirnverfall verlangsamen

Wissenschaftler der University of California untersuchten, welche Lebensstil-Veränderungen den Rückgang der kognitiven Funktion aufhalten oder sogar verhindern konnten. Im Rahmen einer zwanzigwöchigen Untersuchung konnten sie vier solcher Gewohnheiten ausmachen.

  1. Pflanzliche Ernährung: Die Forscher empfehlen eine vollwertige, minimal verarbeitete und pflanzliche Ernährung . „Schlechte“, ungesunde Fette sollten möglichst gemieden werden, ebenso wie raffinierte Kohlenhydrate.
  2. Bewegung: Die Empfehlung: mäßig körperliche Betätigung für 30 Minuten und mindestens dreimal pro Woche leichtes Krafttraining.
  3. Stressreduktion: Die Wissenschaftler empfehlen Bewältigungstechniken wie Meditation, Yoga und Atemübungen.
  4. Gesellschaft: Besuch einer Selbsthilfegruppe dreimal in der Woche.

Weitere Tipps zur Vorbeugung

  1. Bewegung: Was gut für Ihr Herz ist, ist auch gut für Ihr Gehirn. Dazu gehört, sich ausreichend zu bewegen - mindestens 2,5 Stunden pro Woche sind ideal.
  2. Geistige Fitness: Lernen Sie Neues - auch im Alter. Das hält Ihr Gehirn auf Trab. Egal ob ein Musikinstrument, eine Sprache oder der Umgang mit dem Computer, probieren Sie etwas Neues aus.
  3. Gesunde Ernährung: Orientieren Sie sich an der klassischen mediterranen Ernährung. Essen Sie viel Obst und Gemüse, Olivenöl und Nüsse. Ziehen Sie Fisch rotem Fleisch vor.
  4. Soziale Kontakte: Zu zweit oder in der Gruppe machen Aktivitäten mehr Spaß und Ihre grauen Zellen werden gefordert. Verabreden Sie sich zum Sport, zum Musizieren, zum Kartenspielen oder zum gemeinsamen Kochen.
  5. Übergewicht reduzieren: Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viele Kilo auf die Waage bringen. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen Ihnen dabei.
  6. Ausreichend Schlaf: Sorgen Sie für guten und ausreichenden Schlaf, damit das Gehirn Schadstoffe abbauen und sich erholen kann.
  7. Nicht rauchen: Rauchen schadet auch Ihrem Gehirn. Hören Sie auf zu rauchen, es ist nie zu spät.
  8. Kopfverletzungen vermeiden: Passen Sie im Alltag und beim Sport auf Ihren Kopf auf und tragen Sie zum Beispiel einen Helm beim Fahrradfahren.
  9. Bluthochdruck checken: Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Bluthochdruck sollte auf jeden Fall behandelt werden.
  10. Diabetes überprüfen: Behalten Sie Ihren Blutzuckerspiegel im Blick. Ist er dauerhaft zu hoch, sollten Sie in Absprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin aktiv werden.
  11. Depressionen behandeln: Sorgen Sie gut für sich. Wenn Sie über eine längere Zeit antriebslos oder niedergeschlagen sind, ist es sinnvoll, Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufzusuchen, um die Ursache abzuklären. Eine Depression sollte nicht unbehandelt bleiben.
  12. Auf Schwerhörigkeit achten: Nehmen Sie es ernst, wenn Sie merken, dass Sie schlechter hören.

Wesensveränderungen bei Demenz

Eine Demenz kann die Persönlichkeit des Betroffenen stark verändern. Studien zeigen, dass sich diese Faktoren während der Lebensspanne eines Menschen durch Schicksalsschläge oder sehr positive Lebensereignisse stark verändern können. Oft werden Persönlichkeitsveränderungen aber auch als Anpassung an neue soziale Rollen, etwa den Eintritt ins Berufsleben oder Elternschaft, beobachtet. Forschungen ergaben, dass eine Persönlichkeitsveränderung im Alter besonders häufig vorkommt. Neben psychischen Erkrankungen können Schädigungen des Gehirns, etwa durch einen Unfall oder Schlaganfall, zu Persönlichkeitsveränderungen führen. Hirnschädigungen verursachen unter anderem auch die bei Menschen mit Demenz häufig auftretenden Wesensänderungen. Besonders ausgeprägt sind sie bei der Frontotemporalen Demenz - bei den Betroffenen treten markante Verhaltensauffälligkeiten meist schon bei Krankheitsbeginn auf. Bei anderen Demenzformen stehen Persönlichkeitsveränderungen anfangs weniger stark im Vordergrund. Auffällig ist dann vor allem die Vergesslichkeit. Zu Beginn der Erkrankung fühlen sie sich von ihrer Desorientierung bedroht und reagieren darauf mit ungewohnt heftigen Wutausbrüchen oder tiefer Traurigkeit. Für Angehörige ist es schwer zu verstehen, dass sich eine einst sanftmütige Person hochaggressiv verhält oder ein vormals sehr geselliger Mensch völlig menschenscheu wird. Für die Betroffenen selbst ist ihr Verhalten aber die logische Reaktion, ihre Bedürfnisse und Empfindungen mitzuteilen. Deshalb ist es wichtig, Veränderungen in der Persönlichkeit von Menschen mit Demenz ernst zu nehmen. Sie bildet sie sich entgegen vieler Ansichten nicht zurück. Der Betroffene bleibt über den ganzen Krankheitsverlauf hinweg «er selbst» mit all seinen Eigenarten.

Umgang mit Wesensveränderungen

  • Empathie und Geduld: Versuche, die Situation aus der Sicht der betroffenen Person zu sehen.
  • Kommunikation: Klare und einfache Kommunikation ist entscheidend. Verwende kurze Sätze, sprich langsam und höre aufmerksam zu.
  • Struktur und Routine: Menschen mit Demenz profitieren oft von einer strukturierten Umgebung und täglichen Routinen.
  • Flexibilität: Sei flexibel und passe dich den Bedürfnissen der betroffenen Person an.
  • Ablenkung und Beruhigung: Wenn die Person ängstlich oder aggressiv wird, versuche, sie abzulenken oder zu beruhigen.
  • Respektieren der Würde: Behandle die Person mit Demenz mit Respekt und Würde.
  • Selbstfürsorge: Vergiss nicht, auf dich selbst aufzupassen. Die Betreuung einer Person mit Demenz kann emotional und körperlich belastend sein.

tags: #alzheimer #veranderte #gewohnheiten