Karpaltunnelsyndrom: Nervenmessung, Diagnose und Behandlung

Das Karpaltunnelsyndrom (KTS), auch bekannt als Medianuskompressionssyndrom, ist eine häufige Erkrankung, bei der der Nervus medianus im Bereich des Handgelenks eingeengt wird. Diese Einengung kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Kribbeln in der Hand und den Fingern führen. Die korrekte Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Der Karpaltunnel ist eine tunnelartige Struktur auf der Handflächenseite des Handgelenks. Er wird von den Handwurzelknochen und einem straffen Band, dem Retinaculum flexorum, gebildet. Durch diesen Tunnel verlaufen der Nervus medianus und die Beugesehnen der Finger.

Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zu einer Kompression des Nervus medianus innerhalb dieses Tunnels. Der Druck auf den Nerv kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Anatomische Enge des Karpaltunnels
  • Schwellungen des Gewebes im Tunnel (z.B. durch Sehnenscheidenentzündungen)
  • Mechanische Überlastung des Handgelenks
  • Hormonelle Veränderungen (z.B. in der Schwangerschaft)
  • Grunderkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen)

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom sind vielfältig. In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen, insbesondere bei Frauen. Manchmal wird eine konstitutionelle Enge des Karpaltunnels angenommen.

Weitere Risikofaktoren sind:

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  • Weibliches Geschlecht: Frauen sind etwa sechsmal häufiger betroffen als Männer. Dies wird auf hormonelle Schwankungen, Schwangerschaften und konstitutionelle Engen zurückgeführt.
  • Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen und Wassereinlagerungen können zu einer Schwellung im Karpaltunnel führen.
  • Berufliche Belastung: Wiederholte Handbewegungen, Vibrationen und Kraftaufwand bei der Arbeit können das Risiko erhöhen. Betroffene Berufsgruppen sind beispielsweise Masseure, Physiotherapeuten, Fließbandarbeiter und Forstarbeiter.
  • Grunderkrankungen: Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Übergewicht, Nierenerkrankungen und chronische Polyarthritis können die Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms begünstigen.
  • Alkohol- und Nikotinkonsum: Überhöhter Alkoholkonsum und Nikotinkonsum können ebenfalls Risikofaktoren sein.

Symptome

Die Symptome des Karpaltunnelsyndroms entwickeln sich meist schleichend. Typische Anzeichen sind:

  • Nächtliche Taubheitsgefühle und Missempfindungen: Kribbeln, Stechen oder "Ameisenlaufen" in den Fingern, insbesondere Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger.
  • Schmerzen im Handgelenk: Oft nächtliche Schmerzen, die bis in den Arm ausstrahlen können.
  • Taubheitsgefühle und Schmerzen am Tag: Diese verstärken sich bei Belastung der Hand.
  • Kraftverlust und Ungeschicklichkeit: Schwierigkeiten beim Greifen von Gegenständen oder beim Ausführen feiner motorischer Tätigkeiten.
  • Muskelschwund: Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Schwund der Daumenballenmuskulatur kommen.
  • Vegetative Störungen: In seltenen Fällen können trophische und vaskuläre Störungen auftreten.

Diagnose

Die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms basiert auf der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und speziellen Tests.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt wird nach den typischen Symptomen fragen und die Hand untersuchen. Dabei achtet er auf:

  • Taubheitsgefühle und Missempfindungen in den Fingern
  • Schmerzen bei Druck auf den Karpaltunnel
  • Muskelschwund im Daumenballen
  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Hand

Spezielle Tests

Es gibt verschiedene Tests, die bei der Diagnose helfen können:

  • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Beklopfen des Handgelenks löst ein Kribbeln oder einen elektrisierenden Schmerz in den Fingern aus.
  • Phalen-Test: Beugen der Handgelenke für eine Minute führt zu Taubheitsgefühlen und Missempfindungen.
  • Flaschen-Test: Schwierigkeiten beim Umfassen einer Flasche mit dem Daumen.
  • Greiftest: Schwierigkeiten beim Aufheben kleiner Gegenstände.

Nervenmessung (Neurographie)

Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) ist die wichtigste Untersuchung zur Sicherung der Diagnose. Dabei wird die Geschwindigkeit gemessen, mit der elektrische Impulse den Nervus medianus passieren. Eine Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit im Bereich des Karpaltunnels deutet auf eine Schädigung des Nervs hin. Die Messung kann etwas unangenehm sein, wird aber in der Regel gut toleriert.

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Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Die Ultraschalluntersuchung kann den Nervus medianus und seine Umgebung detailliert darstellen. Sie kann helfen, die Ursache der Kompression zu identifizieren, z.B. eine Sehnenscheidenentzündung oder eine Schwellung des Nervs. Die Sonographie ist schmerzfrei und nicht belastend. Sie kann auch bei der Planung einer Operation hilfreich sein.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, das Karpaltunnelsyndrom von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:

  • Zervikobrachialsyndrom: Nervenwurzelreizung im Bereich der Halswirbelsäule
  • Pronator-Teres-Syndrom: Kompression des Nervus medianus im Unterarm
  • Sehnenscheidenentzündung: Entzündung der Sehnenscheiden im Handgelenk
  • Arthrose: Gelenkverschleiß im Handgelenk
  • Rheumatische Erkrankungen: Entzündliche Erkrankungen, die die Gelenke und Nerven betreffen können

Therapie und Behandlung

Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten.

Konservative Behandlung

Die konservative Behandlung zielt darauf ab, den Druck auf den Nervus medianus zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Dazu gehören:

  • Schonung des Handgelenks: Vermeidung von Tätigkeiten, die die Beschwerden verstärken.
  • Nachtlagerungsschiene: Tragen einer Schiene während der Nacht, um das Handgelenk in einer neutralen Position zu halten und ein Abknicken zu verhindern.
  • Stützverbände: Tragen von Stützverbänden am Tag, um das Handgelenk zu stabilisieren.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac, um Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren.
  • Kortikosteroid-Injektionen: Injektion von Kortikosteroiden in den Karpaltunnel, um Entzündungen zu reduzieren und den Druck auf den Nerv zu verringern. Dies sollte idealerweise unter Ultraschallkontrolle erfolgen.
  • Physiotherapie: Wärme- oder Kälteanwendungen, Dehnungsübungen und andere physiotherapeutische Maßnahmen können helfen, die Symptome zu lindern.
  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung, um Belastungen des Handgelenks zu reduzieren.

Operative Behandlung

Wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend hilft oder die Symptome schwerwiegend sind, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, das Retinaculum flexorum zu durchtrennen und den Karpaltunnel zu erweitern, um den Druck auf den Nervus medianus zu verringern.

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Es gibt zwei verschiedene Operationstechniken:

  • Offene Operation: Ein etwa drei bis vier Zentimeter langer Schnitt in der Handfläche ermöglicht die direkte Sicht auf den Karpaltunnel.
  • Endoskopische Operation: Ein minimalinvasiver Eingriff mit einem kleinen Schnitt in der Handbeuge.

Beide Operationstechniken sind risikoarm und haben ähnliche Erfolgsraten. Die Wahl der Methode hängt von den Vorlieben des Operateurs und den individuellen Gegebenheiten ab.

Narkose und Nachbehandlung

Die Operation wird in der Regel in Regionalanästhesie durchgeführt, d.h. der Arm wird betäubt. Nach der Operation wird die Hand mit einem Verband versorgt. Die Heilungsdauer beträgt etwa drei bis sechs Wochen. Anschließend sollte die Hand mit physiotherapeutischen Übungen wieder an Belastung gewöhnt werden.

Ergebnisse und Komplikationen

Der Therapieerfolg hängt von der Dauer und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. In unkomplizierten Fällen kann die Operation die Beschwerden sofort beseitigen. Wenn bereits Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche bestanden haben, kann die vollständige Erholung länger dauern.

Mögliche Komplikationen sind:

  • Narbenbeschwerden
  • Kraftminderung der Hand
  • Infektionen
  • Nervenverletzungen
  • Morbus Sudeck (komplexes regionales Schmerzsyndrom)

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