Taubheitsgefühl im Mund durch Zahnpasta: Ursachen und Behandlungen

Ein Taubheitsgefühl im Mund, insbesondere an der Zungenspitze, ist ein beunruhigendes Symptom, das viele Ursachen haben kann. Dieser Artikel untersucht die möglichen Ursachen, von harmlosen Auslösern wie Zahnpasta bis hin zu komplexeren medizinischen Bedingungen.

Einführung

Das Gefühl einer tauben oder kribbelnden Zunge (Hypästhesie) kann an der Zungenspitze, einseitig oder beidseitig auftreten und sogar die halbe Zunge betreffen. Obwohl Nervenschäden oder ernsthafte Erkrankungen die Ursache sein können, sind oft harmlose Erklärungen für diese Beschwerden verantwortlich.

Mögliche Ursachen eines Taubheitsgefühls im Mund

1. Zahnpasta

Eine neue Zahnpasta kann der Auslöser für ein Taubheitsgefühl sein. Einige Zahnpasten, insbesondere solche mit hohem Mentholanteil oder anderen starken Aromastoffen, können die Mundschleimhaut reizen. Eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Inhaltsstoffe wie Pfefferminzöl ist ebenfalls möglich.

Empfehlung: Wechseln Sie zu einer milderen Zahnpasta mit weniger Menthol oder Aromastoffen. Elmex wird oft als gut verträglich genannt. Bei allergischen Reaktionen auf Zahnpasta treten Symptome wie Schwellungen, Rötungen, Trockenheit oder Infektionen im Mund auf. In diesem Fall sollte ein Zahnarzt konsultiert werden, um Zahnfleischentzündungen auszuschließen und den Wechsel zu einer anderen Zahnpasta zu besprechen.

2. Allergien

Allergien auf Zahnmaterialien oder Zahnersatz können ebenfalls ein Taubheitsgefühl verursachen. Eine Allergie auf Materialien, die bei Zahnbehandlungen wie Füllungen, Prothesen oder Kronen verwendet werden, ist eine überschießende Immunreaktion auf einen oder mehrere Inhaltsstoffe.

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Ursachen und Auslöser:

  • Materialien: Metalle, Legierungen, Kunststoffe in Füllungen, Kronen, Prothesen und Implantaten.
  • Freisetzung von Allergenen: Korrosion von Metallen, Abbau von Kunststoffen, Abrieb durch Kauen.
  • Sensibilisierung: Vorheriger Kontakt mit dem Allergen im privaten oder beruflichen Umfeld.

Symptome:

Die Symptome einer Allergie auf Zahnmaterialien sind vielfältig und unspezifisch. Sie können lokal im Mundraum oder systemisch auftreten.

  • Lokale Symptome: Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis), Zungenbrennen, Geschmacksverlust, Schwellungen, Rötungen, Aphthen, Kribbeln, Mundtrockenheit.
  • Systemische Symptome: Hautausschläge, Juckreiz, Magen-Darm-Beschwerden, Atembeschwerden. Bei Kindern treten Symptome selten intraoral auf, sondern systemisch und bergen das Risiko einer Fehldiagnose durch Kinderärzte.

Diagnose:

  • Anamnese: Der Zahnarzt erfragt die Krankengeschichte und mögliche Allergien. Ein Anamnesebogen sollte präzise ausgefüllt werden.
  • Allergenkarenz: Beobachtung, ob sich die Symptome nach Entfernung des verdächtigen Materials bessern.
  • Epikutantest: Test auf der Haut, der jedoch nur bereits bestehende Sensibilisierungen anzeigt. Bei Kindern mit multiplen Allergien sollte vorab geprüft werden, ob das Kind den jeweiligen Werkstoff voraussichtlich verträgt.
  • Lymphozytentransformationstest (LTT): Bluttest zur Bestimmung der zellulären Sensibilisierung.

Therapie:

  • Austausch des Zahnmaterials: Entfernung des allergieauslösenden Materials und Ersatz durch verträgliche Alternativen wie Goldhämmerfüllungen, Keramik oder Komposite.
  • Allergenkarenz: Vermeidung des Allergens.
  • Symptomatische Behandlung: Linderung der Symptome mit entzündungshemmenden oder antiallergischen Medikamenten.

3. Stomatitis (Mundschleimhautentzündung)

Stomatitis ist eine Entzündung der Mundschleimhaut mit vielfältigen Ursachen.

Ursachen:

  • Infektionen: Bakterien, Viren (z.B. Herpes simplex-Virus), Pilze (z.B. Candida albicans).
  • Nicht-infektiöse Auslöser: Mangelnde Mundhygiene, Allergien, Rauchen, Alkoholkonsum, Bestrahlung, Mangelzustände (z.B. Vitamin- oder Eisenmangel), Reizungen, Verletzungen, Verätzungen, Verbrennungen, systemische Erkrankungen (z.B. Diabetes), Stress, hormonelle Schwankungen, schlecht sitzende Zahnprothesen.

Symptome:

  • Schwellungen und Rötungen am Zahnfleisch und/oder an der Mundschleimhaut.
  • Aphthen (Geschwüre an der gesamten Mundschleimhaut).
  • Mundgeruch.
  • Wunde Stellen am Gaumen, an der Innenseite der Lippen, innerhalb der Wangen oder auf der Zunge.
  • Beeinträchtigung der Nahrungs- sowie Flüssigkeitsaufnahme.
  • Unangenehmes Brennen und Kribbeln.
  • Zahnfleischbluten.
  • Erosionen (Substanzverlust der obersten Schleimhautschicht).
  • Ulzerationen (Geschwüre).
  • Nekroseherde (Absterben von Schleimhautgebieten).
  • Mundtrockenheit.
  • Schleimhautblutungen.
  • Lokal begrenzter oder großflächiger Belag.
  • Schmerzen im Kopfbereich.
  • Taubheitsgefühl.
  • Geschmacksverlust.
  • Verschleimung.
  • Hohe Empfindlichkeit gegenüber kalten, heißen, sauren oder scharfen Lebensmitteln.
  • Geschwollene Lymphknoten.
  • Fieber.
  • Schluckbeschwerden.

Behandlung:

  • Ursachenbekämpfung: Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Pilzinfektion mit Antimykotika).
  • Symptomlinderung: Vermeidung von Reizstoffen, gute Mundhygiene, schmerzlindernde und entzündungshemmende Mundspülungen (z.B. mit Kamille, Salbei, Ringelblume), lokale Anästhetika, Kortison-haltige Salben.

4. Weitere mögliche Ursachen

  • Nervenschäden: Schädigung des fünften Hirnnervs (Nervus trigeminus) durch zahnärztliche Behandlungen oder andere Ursachen.
  • Vitaminmangel: Mangel an Vitamin B9 (Folsäure) oder Vitamin B12.
  • Schlaganfall: Plötzliche Taubheit der Zunge in Verbindung mit anderen neurologischen Symptomen.
  • Multiple Sklerose: Schädigung bestimmter Bereiche des Gehirns.
  • Nacken-Zungen-Syndrom: Rasche Drehbewegung des Kopfes verursacht Schmerzen im Nacken und Empfindungsstörungen auf der Zunge.
  • Burning-Mouth-Syndrom: Empfindungsstörungen in der Mundhöhle, einschließlich Brennen, Kribbeln, stechende Schmerzen oder Taubheitsgefühl.
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Funktionsstörung des Kausystems.
  • "Corona-Zunge": Veränderungen der Zunge bei COVID-19-Infektion, wie Schwellungen, Rötungen oder Belag.
  • Verbrennungen: Verbrühungen der Zunge durch heiße Speisen oder Getränke.
  • Medikamente: Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, z.B. Lidocain.
  • Kribbeln im Gesicht: Kann durch Schnupfen, Migräne, Kontaktallergie, Lippenherpes oder Panikattacken verursacht werden. Auch Stress, Nährstoffmangel (Magnesium, Folsäure, Vitamin B, Eisen) oder ein Kaliumüberschuss können Kribbeln im Gesicht auslösen.

Was tun bei Taubheitsgefühl im Mund?

  • Beobachtung: Achten Sie auf Begleitsymptome und mögliche Auslöser (z.B. neue Zahnpasta, bestimmte Lebensmittel).
  • Zahnpasta wechseln: Verwenden Sie eine mildere Zahnpasta ohne reizende Inhaltsstoffe.
  • Mundhygiene: Achten Sie auf eine gute Mundhygiene mit regelmäßigem Zähneputzen und Zahnseide.
  • Hausmittel: Spülen Sie den Mund mit Kamillentee oder Salbeitee.
  • Arztbesuch: Wenn das Taubheitsgefühl anhält, wiederkehrt oder mit anderen Beschwerden einhergeht, suchen Sie einen Arzt oder Zahnarzt auf, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Präzise Anamnese: Füllen Sie den Anamnesebogen beim Zahnarzt präzise aus und informieren Sie ihn über bestehende Allergien oder Unverträglichkeiten.
  • Materialtestung: Bei bekannter Allergiebereitschaft können vor Zahnbehandlungen Materialtests durchgeführt werden.
  • Biokompatible Materialien: Wählen Sie bei Zahnersatz oder Füllungen biokompatible Materialien.
  • Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen, Zahnseide und Mundspülungen helfen, Entzündungen und Infektionen vorzubeugen.
  • Stärkung des Immunsystems: Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion stärken das Immunsystem und können das Risiko von Mundschleimhautentzündungen verringern.

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