Japanische Migräne Tabletten: Neue Hoffnung und traditionelles Wissen

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die viele Menschen betrifft. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden ist daher von großer Bedeutung. In diesem Artikel werden aktuelle Entwicklungen im Bereich der Migränebehandlung, insbesondere japanische Ansätze und neue Medikamente wie Gepante, sowie traditionelles japanisches Wissen wie Kampo beleuchtet.

Migräne: Eine neurobiologische Funktionsstörung

Migräne ist eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, bei der die erbliche Veranlagung eine Rolle spielt. Die genauen Ursachen und Mechanismen dahinter werden immer noch erforscht. Charakteristisch sind attackenartige, heftige, meist halbseitige, pulsierende und pochende Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Lärm- und Geruchsüberempfindlichkeit und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Die Migräneattacken können zwischen vier und 72 Stunden anhalten. Viele Betroffene erleiden mehrmals im Monat Migräneattacken, die Erkrankung ist daher mit einem hohen Leidensdruck verbunden.

Vorboten und Aura-Phase

Bei etwa einem Drittel der Migräne-Betroffenen macht sich eine Kopfschmerzattacke schon im Vorfeld bemerkbar. Betroffene reagieren zum Beispiel besonders empfindlich auf Licht und Geräusche, sind unruhig und gereizt oder fühlen sich erschöpft, haben Konzentrationsschwierigkeiten und Nackenschmerzen. Diese Prodromal-Phase wird auch Vorboten- oder Ankündigungsphase genannt und tritt meist mehrere Stunden bis zu zwei Tage vor den eigentlichen Kopfschmerzen auf.

Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten tritt kurz vor dem Einsetzen der Kopfschmerzen auch eine Aura-Phase auf. Charakteristisch dafür sind vorübergehende neurologische Symptome, zum Beispiel Seh- und Sprechstörungen, Gefühlsstörungen auf einer Körperseite oder ein Kribbeln im Gesicht. Die Aura-Phase setzt deutlich später ein, entwickelt sich über Minuten und ist meist nach maximal einer Stunde wieder zu Ende. Die Kopfschmerzen beginnen in den meisten Fällen erst danach. Manchmal überlappen sich Aura-Phase und Kopfschmerz-Attacke aber auch.

In der Vorboten-Phase kommt es zuerst zu einer veränderten Aktivität im Hypothalamus, ein Abschnitt des Zwischenhirns, erklärt der Neurologe Charly Gaul vom Kopfschmerzzentrum Frankfurt. Wenn dann die Kopfschmerzen einsetzen, würden Botenstoffe ausgeschüttet, die den Schmerz vermitteln.

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Gepante: Eine neue Wirkstoffklasse

Gepante sind eine neue Klasse von Medikamenten, die Migräneanfällen vorbeugen und auch im Akutfall helfen sollen. Sie blockieren die Andockstelle für einen Botenstoff im Gehirn - das Neuropeptid CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide). Dockt dieses Peptid an bestimmte Rezeptoren im Gehirn an, führt das zu Entzündungsreaktionen und einem gesteigerten Empfinden von Schmerz. Die Gepante behindern diese Reaktion und mildern so die Migräneattacke.

Ubrogepant: Hoffnung bei Vorboten-Symptomen?

Ein Studie macht Betroffenen von Migräne Hoffnung: Es gibt Hinweise darauf, dass das Medikament Ubrogepant schon gegen Vorboten der Kopfschmerzattacken wirken könnte. Die Studie, die Ubrogepant auch als Mittel gegen die Migräne-Vorboten ins Spiel bringt, ist eine Nachauswertung von Daten zu etwa 500 Migräne-Patienten. Die hatten entweder Ubrogepant oder ein Placebo eingenommen, sobald Vorboten-Symptome auftraten und sie Kopfschmerzen in den folgenden ein bis sechs Stunden erwarteten. Die Studie sollte zeigen, ob das Medikament die Kopfschmerzen schon vor dem Entstehen verhindern kann. Das Ergebnis: Ubrogepant konnte tatsächlich einen Teil der Attacken unterbinden. Die Ergebnisse deuten laut den Studienautoren darauf hin, dass Ubrogepant gegen häufige Vorboten-Symptome bei Migräne wirken könnte. Allerdings plädieren nicht beteiligte Fachleute ebenso wie die Forschenden selbst für eine Folgestudie, die nicht nachträglich analysiert, wie Ubrogepant die Vorboten-Symptome bei Migräne beeinflusst, sondern den Zusammenhang gezielt untersucht. Unklar ist zudem, ob auch andere Gepante ähnlich früh wirken könnten.

Im Dezember 2019 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA das Medikament Ubrogepant zugelassen, um eine akute Migräne mit oder ohne Aura bei Erwachsenen zu behandeln. Vertrieben wird es dort unter dem Handelsnamen Ubrelvy in Form von Tabletten. Die Wirksamkeit wurde in zwei Studien gezeigt.

Unterschiede zu bisherigen Migränemedikamenten

Es gibt bereits einige Medikamente, die erfolgreich bei Migräne eingesetzt werden. Zur Akutbehandlung schwerer Migräneanfälle sind die sogenannten Triptane empfohlen. Für die Vorbeugung von Migräneattacken (Migräneprophylaxe) werden unter anderem bestimmte Antikörper eingesetzt. Sie binden entweder das CGRP, sodass es erst gar nicht im Gehirn andocken kann. Oder aber sie blockieren - wie Gepante -die Andockstelle selbst, sodass CGRP keine Wirkung entfalten können.

Antikörper werden per Spritze verabreicht. „Sie wirken nicht so schnell, dafür aber länger anhaltend“, so Pharmakologe Hinz. Deshalb kommen sie nur bei der Vorbeugung von Migräneaanfällen zum Einsatz. Gepante können in Tablettenform eingenommen werden. Sie wirken nach der Einnahme zwar relativ schnell, werden im Vergleich zu den Antikörpern aber auch viel schneller wieder ausgeschieden. Sie sind grundsätzlich sowohl für die Behandlung einer Attacke als auch für die Vorbeugung von Migräne geeignet.

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Vorteile und Risiken von Gepanten

Gepante könnten vor allem für Menschen geeignet sein, die Triptane beispielsweise aufgrund ihres Herz-Kreislauf-Risikos nicht einnehmen dürfen. „Triptane bewirken eine Verengung der beim Migräneanfall erweiterten Blutgefäße der Hirnhaut. Sie können aber gleichzeitig auch andere Blutgefäße wie die Koronararterien verengen“, erklärt Schmerzforscher Hinz. Deshalb sollten unter anderem Menschen mit koronarer Herzkrankheit oder nicht medikamentös eingestelltem Bluthochdruck sowie Personen nach Schlaganfall oder Herzinfarkt keine Triptane einnehmen.

Gepante haben dagegen keine gefäßverengenden Eigenschaften. „Man kann sie grundsätzlich bei Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verschreiben“, sagt Prof. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums an der Universitätsmedizin Essen. Trotzdem gibt es auch bei dieser Substanzklasse eine Unsicherheit: Im Mäuse-Experiment konnte gezeigt werden, dass ein Schlaganfall unter der Einnahme von Gepanten ein größeres Hirnareal betrifft. Bei Menschen ist das bislang nur theoretisch. „Wenn jemand aber ein hohes Risiko hat, einen Schlaganfall zu erleiden, würden wir diese Präparate derzeit eher nicht geben“, so die Migräne-Expertin. „Auch wenn wir wissen, dass die Gepanten selbst das Risiko für einen Schlaganfall nicht erhöhen.“

Nicht geeignet sind Gepante auch für Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber diesen Arzneimitteln. Außerdem vertragen sie sich nicht mit allen anderen Arzneien.

Nebenwirkungen von Gepanten

Übelkeit und Verstopfung zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen von Gepanten in klinischen Studien. Manche Patienten berichten auch von Müdigkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen, Schwellungen im Gesicht oder Gewichtsverlust. Die meisten Menschen haben aber kaum oder keine Nebenwirkungen. „Diese Medikamente sind in den USA schon länger auf dem Markt, funktionieren sehr gut und werden von den meisten Patienten auch sehr gut vertragen“, so die Neurologin.

Aktuelle Verfügbarkeit in Deutschland

Welche therapeutische Rolle die Gepante künftig hierzulande spielen werden, ist aus mehreren Gründen noch unklar. Zunächst einmal sind nicht alle Medikamente der Wirkstoffklasse in Deutschland erhältlich. Ubrogepant ist derzeit nicht in Europa zugelassen und laut Fachleuten ist unklar, ob und wann sich das ändern könnte.

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In Europa zugelassen sind Atogepant und Rimegepant. Atogepant soll dazu dienen, Migräneattacken bei Erwachsenen vorzubeugen und muss dafür täglich eingenommen werden. Rimegepant ist zur akuten Behandlung und zur Prophylaxe episodischer Migräne zugelassen, wird aber voraussichtlich erst im Sommer 2025 in Deutschland verfügbar sein.

Grundsätzlich begrüßen Fachleute den neuen Wirkansatz der Gepante, weil er die Therapiemöglichkeiten für Migräne-Patienten erweitert. „Bisher können wir nicht allen Menschen helfen“, so die Neurologin Dagny Holle-Lee.

Atogepant: Ein erster Schritt

Mit dem Präparat Aquipta (Atogepant) bringt US-Hersteller Abbvie am 1. März erstmals ein Mittel aus der Substanzklasse der Gepante auf den Markt. Aquipta ist zugelassen zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit 4 oder mehr Migränetagen pro Monat. Es kann laut Hersteller sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne verschrieben werden. Betroffene nehmen das Präparat einmal täglich als Tablette ein.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) verweist vornehmlich auf 2 größere Studien, denenzufolge Aquipta die Anzahl der Tage, an denen Patienten unter Migräne leiden, reduziert. Die meisten Nebenwirkungen seien leicht oder mäßig ausgeprägt, so die EMA.

Die Reduktion der Migränetage durch Aquipta habe sich in den Studien zur episodischen und chronischen Migräne ähnlich wie bei den CGRP/CGRP-Rezeptor-Antikörpern bereits nach 4 Wochen gezeigt, sagte Christian Geber, Mitglied des Präsidiums der Deutschen Schmerzgesellschaft, auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes. Die Wirkung sei somit im Vergleich zu unspezifischen Migräneprophylaktika schneller eingetreten. Aquipta sei dabei auch bei Versagen von bis zu 4 Vortherapien wirksam gewesen.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) erwartet im Vergleich zu klassischen unspezifischen Migräneprophylaxen wie Amitriptylin, Betablockern, Flunarizin oder Topiramat bei Aquipta eine bessere Verträglichkeit und damit bessere Therapieadhärenz.

Triptane: Bewährte Wirksamkeit

Die aktuelle Metaanalyse eines internationalen Netzwerks, an dem auch die Universität Duisburg-Essen beteiligt ist, zeigt, dass Triptane am effektivsten gegen akute Migräneattacken wirken. Auch neuere Migränemedikamente waren nicht überlegen. Dennoch nehmen nur gut sieben Prozent der Betroffenen Triptane ein - trotz hoher Wirksamkeit, allgemein guter Verträglichkeit und relativ geringer Therapiekosten.

Für den Endpunkt „schmerzfrei nach zwei Stunden“ war das wirksamste Medikament Eletripan, gefolgt von Rizatriptan, Zolmitriptan und Sumatriptan. Die neueren Migränemittel Lasmiditan und Gepante waren diesbezüglich weniger wirksam als die Triptane. Ihre Wirksamkeit war vergleichbar mit Acetylsalicylsäure oder nichtsteroidalen Antirheumatika. Am wenigsten wirksam war Paracetamol. Im Hinblick auf den Endpunkt „Besserung der Kopfschmerzen nach zwei Stunden“ waren Triptane ebenfalls überlegen. Die herkömmlichen Schmerzmedikamente schnitten in dieser Erhebung bezüglich der Nebenwirkungen etwas besser ab.

Praktische Konsequenzen für die Behandlung

Die Daten einer repräsentativen bevölkerungsbezogenen Studie in Deutschland des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2020 zeigten, dass lediglich 7,3 % der Betroffenen bei Migräneattacken die wirksamsten Medikamente einnahmen, nämlich ein Triptan. Die meisten (46 %) behandeln ihre Migräneattacken mit Ibuprofen, 17 % mit Paracetamol und 10 % mit Acetylsalicylsäure.

„Die Tatsache, dass Triptane so selten eingesetzt werden, kann auch nicht mehr darauf beruhen, dass sie teuer sind. In der Zwischenzeit sind alle Triptane nach Ablauf des Patentschutzes als Generika erhältlich, einige sogar ohne Rezept“, erklärt Prof. Diener. „Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Metaanalyse ist, dass wir in Deutschland deutlich mehr Migränepatientinnen und -patienten mit den sehr wirksamen und sicheren Triptanen behandeln sollten. Dies gilt insbesondere für die, bei denen Schmerzmittel wie Paracetamol oder nicht-steroidale Antirheumatika nicht oder nicht ausreichend wirksam sind. Eine Information, die für Betroffene, aber auch die Ärzteschaft relevant ist,“ erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit.

Suvexx: Eine Kombination aus Sumatriptan und Naproxen

Suvexx ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das eine Kombination aus Sumatriptansuccinat (entsprechend 85 mg Sumatriptan) und Naproxen-Natrium (entsprechend 457 mg Naproxen) enthält. Es wird zur Behandlung von Migräne eingesetzt.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Suvexx darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Schwere Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt in der Vorgeschichte oder ischämische Herzerkrankung, Koronarspasmus (Prinzmetal-Angina), periphere Gefäßerkrankungen
  • Ischämischer Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke (TIA) in der Anamnese
  • Überempfindlichkeitsreaktionen als Folge der Anwendung von Ibuprofen, Aspirin oder anderen NSAR
  • Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt oder Perforation in Verbindung mit einer vorangegangenen NSAR-Therapie
  • Akute peptische Ulzerationen oder gastrointestinale Blutungen oder rezidivierende vorangegangene Episoden
  • Mittelgradige bis schwere Hypertonie und leichte unkontrollierte Hypertonie
  • Schwere Nierenfunktionsstörungen
  • Mittelgradige bis schwere Leberfunktionsstörung
  • Gleichzeitige Einnahme von Ergotaminen oder Ergotaminderivaten oder anderer Triptane
  • Gleichzeitige Einnahme reversibler oder irreversibler MAO-Hemmer
  • Erste zwei Wochen nach Absetzen einer Behandlung mit MAO-Hemmern

Es sollte nur bei eindeutiger Migränediagnose angewendet werden und ist nicht geeignet zur Anwendung bei der Behandlung von hemiplegischer, basilärer oder ophthalmoplegischer Migräne. Es wird nicht empfohlen bei Patienten mit einer Familienanamnese oder Risikofaktoren für eine prädiktive Koronararterienerkrankung. Eine längere Anwendung bei älteren Patienten wird nicht empfohlen. Die Kombination von Suvexx mit anderen NSAR wird nicht empfohlen.

Mögliche Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Sumatriptan sind: Schwindel; Kribbeln; Schläfrigkeit; Sinnesstörungen; vorübergehender Anstieg des Blutdrucks; Hautrötung; Atemnot; Übelkeit; Erbrechen; Schmerzen; Hitze- oder Kältegefühl; Druck- oder Engegefühl; Schwächegefühl. Seltene Nebenwirkungen sind: Brustschmerz.

Sehr häufige Nebenwirkungen von Naproxen sind: Oberbauchschmerzen; Sodbrennen; Übelkeit; Obstipation. Häufige Nebenwirkungen sind: Kopfschmerzen; Schwindel; Benommenheit; Sehstörungen; Tinnitus; Hörstörungen; Verschlechterung einer Herzinsuffizienz; Stomatitis; Diarrhoe; Erbrechen; Dyspepsie; Pruritus; Hautausschlag; Urtikaria; vermehrtes Schwitzen; Purpura; Ekchymose; Müdigkeit.

Kampo: Traditionelle japanische Medizin

Ayurveda und traditionelle chinesische Medizin kennen viele. Doch auch Japan punktet in Sachen Gesundheit mit jahrhundertealtem Wissen. Die Rede ist von Kampo.

Kampo, wie die japanische Kräuterheilkunde heißt, bedeutet übersetzt "Behandlungsmethode aus dem China des Altertums". Die Wurzeln liegen in der traditionellen chinesischen Medizin, die ab dem 6. Jahrhundert mit dem Buddhismus in Japan eingeführt wurde.

Schon bald wurde die Kampo-Medizin an die japanischen Verhältnisse angepasst und auf die wirksamsten Elemente reduziert. Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sie verstärkt eine eigenständige Linie. "Neben einem großen Wissen über Arzneipflanzen und deren Wirksamkeit befasst sie sich mit dem gesamten Körper und der individuellen Konstitution des Patienten", erklärt Reißenweber-Hewel. Für die Auswahl der Rezeptur unterscheide die Kampo-Medizin, ob eine Erkrankung auf einen geschwächten, leicht frierenden und vom Magen her empfindlichen Patienten trifft oder einen kraftstrotzenden, hitzigen Konstitutionstyp, so die Expertin. Im Vordergrund steht zunächst die Erfassung subjektiver und objektiver Krankheitszeichen. "Dabei spielt vor allem die Untersuchung des Bauches eine zentrale Rolle. Dieser wird gründlich angeschaut und intensiv abgetastet."

Steht die Diagnose fest, verordnet die Ärztin oder der Arzt die passende Arznei. Reißenweber-Hewel: "Es gibt rund 200 fest definierte Kombinationen von Heilkräutern, die gegen unterschiedliche Beschwerden helfen." In Japan stehen dafür fertige Standardpräparate zur Verfügung, die die Extrakte enthalten und ihre Wirksamkeit in Studien gezeigt haben. Allerdings sind diese bis auf eine Ausnahme bisher nicht in Deutschland zugelassen. Mediziner, die hierzulande Kampo anwenden, lassen daher die Kräuterextrakt-Mischungen in darauf spezialisierten Apotheken zusammenstellen. Die Patienten wenden sie dann in Form von Tees an.

Rikkunshito: Hilfe bei Magen-Darm-Beschwerden

Als Fertigzubereitung gibt es in deutschen Apotheken die Kampo-Rezeptur "Rikkunshito". Sie kommt bei Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Völlegefühl und Blähungen zum Einsatz und besteht aus einer Kombination von acht Heilpflanzen, darunter Ingwer, Ginseng, Süßholzwurzel oder die Chinesische Dattel, auch Jujube genannt.

Eine kürzlich in Deutschland durchgeführte Studie mit 66 Patienten, die unter Magen-Darm-Problemen litten, bestätigte die Wirksamkeit.

Kampo bei Migräne

Bewährt hat sich Kampo bei vielen funktionellen und chronischen Erkrankungen zum Beispiel Magen-Darm-Problemen, Frauenleiden, wie etwa Wechseljahresbeschwerden, oder auch Migräne. Seit 1967 übernehmen japanische Krankenversicherungen allerdings auch die Kosten für die meisten Kampo-Arzneien. Und 2001 wurde in Japan die traditionelle Medizin im staatlichen Medizinstudiengang integriert.

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