Taubheitsgefühl in den Fingern: Ursachen und Behandlung aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Fingern können vielfältige Ursachen haben. Die Schulmedizin kennt über 200 Auslöser für Polyneuropathie, eine Erkrankung, die oft mit solchen Empfindungsstörungen einhergeht. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Behandlungsansatz, der die individuellen Symptome und Ursachen berücksichtigt.

Polyneuropathie: Wenn Nerven verrückt spielen

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der es zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen an bestimmten Körperstellen kommt. Die Ursache liegt in einer Funktionsstörung eines Teils des Nervensystems, oft sind die Nerven des peripheren Nervensystems betroffen. Typischerweise treten diese Symptome an Füßen, Beinen, Armen oder Händen auf.

Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome der Polyneuropathie können sehr unterschiedlich sein. Einige Patienten klagen über mangelnde Muskelkraft oder Schwierigkeiten bei der Ausführung von Bewegungen. Schmerzen in Armen oder Beinen sowie Wadenkrämpfe sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen. Im Vordergrund steht jedoch oft das veränderte Empfinden: Wärme, Kälte und Schmerzen werden an den betroffenen Körperstellen nur noch schwach oder gar nicht mehr wahrgenommen, was zu unbemerkten Verletzungen führen kann.

Ursachen der Polyneuropathie

Polyneuropathie kann angeboren sein oder erst im Laufe des Lebens entstehen. Zu den typischen Symptomen der erworbenen Polyneuropathie gehören Kribbeln, Taubheitsgefühl, brennende Schmerzen, Wadenkrämpfe und Missempfindungen von Temperaturen. Bei der angeborenen Form können zusätzliche Symptome wie das Karpaltunnelsyndrom auftreten. In einigen Fällen können auch Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Übelkeit oder Verdauungsstörungen hinzukommen, insbesondere bei Diabetes.

Häufige Ursachen für erworbene Polyneuropathie sind Diabetes oder übermäßiger Alkoholkonsum, die zu einer fortschreitenden Schädigung der Nervenbahnen führen können. In schweren Fällen kann dies sogar zur Notwendigkeit eines Rollstuhls führen. Auch Gifte, Nierenschäden, Nährstoffmangel oder Infektionen können als Auslöser in Frage kommen.

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Schulmedizinische Behandlung

Die Schulmedizin richtet die Behandlung nach der Ursache der Polyneuropathie aus. Liegt eine Grunderkrankung vor, wird diese behandelt. Unterstützende Maßnahmen wie Krankengymnastik oder Massagen werden häufig verordnet. Wenn die Ursache jedoch nicht erkannt wird, können langfristig irreparable Nervenschäden entstehen. Oft kann die Schulmedizin nur kurzfristig die Symptome lindern.

Der ganzheitliche Ansatz der TCM bei Polyneuropathie

Die Chinesische Medizin betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Sie zielt darauf ab, die Ursache einer Erkrankung zu finden und diese entsprechend zu behandeln. Bei der Polyneuropathie berücksichtigt die TCM die vielfältigen Symptome und Ursachen und entwickelt eine individuelle Therapie für jeden Patienten.

Diagnose in der TCM

In der Chinesischen Medizin wird die Ursache der Polyneuropathie mit der Zungen- und Pulsdiagnose untersucht. Der Belag und die Farbe der Zunge sowie der Pulsschlag geben Hinweise auf den Gesundheitszustand des Patienten. Eine ausführliche Befragung zur Krankengeschichte und Lebenssituation ist ebenfalls wichtig, um die Hintergründe der Krankheit zu erfassen und die Therapie mit Akupunktur und anderen Heilmethoden der TCM genau zu planen.

Therapieansätze der TCM

Die TCM will nicht nur die Symptome behandeln, sondern die Ursache der Erkrankung. Diese kann aus Sicht der TCM vielfältig sein, darunter äußere Einflüsse wie Unfälle oder eine falsche Ernährung.

Akupunktur

Bei der Behandlung von Polyneuropathie wird häufig auf Akupunktur zurückgegriffen, aber auch Heilkräuter können zum Einsatz kommen. Die Behandlung orientiert sich an den im Vordergrund stehenden Symptomen des Patienten. Mit Akupunktur wird versucht, den Energiefluss zu aktivieren. Die Moxibustion kann diesen Effekt noch verstärken oder auch allein als Therapie eingesetzt werden. Darüber hinaus kann die Ernährung viel zur Verbesserung beitragen.

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Chinesische Arzneimitteltherapie

Sehr häufig wird die chinesische Arzneimitteltherapie angewendet, bei der für jeden Patienten ein individuelles Rezept mit Kräutern, Mineralien und gelegentlich auch tierischen Inhaltsstoffen zusammengestellt wird, meist als Tee. Die Vielfalt an möglichen Rezepturen ist fast unendlich, was bei so individuellen und komplexen Erkrankungen wie der Polyneuropathie einen großen Spielraum bietet. Die Rezeptur kann im Verlauf der Behandlung immer wieder angepasst werden.

Kombination verschiedener Heilmethoden

In vielen Fällen ist bei Polyneuropathie wie auch bei anderen chronischen Erkrankungen und Entzündungen eine Kombination aus allen fünf Teilbereichen der Chinesischen Medizin sinnvoll: Akupunktur, Heilkräuter, Entspannungstechniken, Massagen und Ernährungslehre. Diese können individuell zusammengestellt und im Laufe der Behandlung angepasst werden. Qi Gong hat hier vor allem die Aufgabe der Bewegungstherapie. Insgesamt werden so Körper und Geist gestärkt sowie das Wohlbefinden verbessert.

Karpaltunnelsyndrom: Ein häufiger Nervenengpass

Kribbeln in den Fingern, taube Hände und Schmerzen im Handgelenk können auch auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten. Dabei wird der Mittelnerv (Nervus Medianus) im Karpaltunnel eingeengt, was zu einem schmerzenden Nerven-Engpass-Syndrom in der Hand führt.

Ursachen und Symptome

Das Karpaltunnelsyndrom ist häufig eine Folge starker Überlastung der Finger, Hand und des Handgelenks. Die Überreizung führt zu Schwellungen des Bindegewebes im Karpaltunnel, wodurch die Sehnen der Fingerbeugemuskulatur und der Mittelnerv weniger Platz haben. Auch Sehnenscheidenentzündungen, Tumore, Ganglien, Fehlstellungen nach Brüchen oder knöcherne Veränderungen können die Reizung auslösen.

Zu den häufigsten Symptomen zählen Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl oder eingeschlafene Hände bzw. Finger. Patienten berichten oft über Schmerzen bei Belastung, die auch in Ruhephasen bestehen bleiben können. Typisch sind verstärkte Symptome in der Nacht, oft durch eingeknickte Handgelenke.

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Diagnose und traditionelle Behandlungsmethoden

Die Diagnose erfolgt meist anhand der Beschwerden des Patienten. Zunächst wird ein individueller Plan aus konservativen Behandlungsmethoden erstellt, wie das Tragen einer gepolsterten Schiene, vor allem nachts. Entzündungshemmende Medikamente oder Kortison können ebenfalls eingesetzt werden. Bei ausbleibendem Erfolg kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, bei der das den Karpaltunnel überspannende Gewebe durchtrennt wird, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.

TCM als alternative Behandlung

Die Traditionelle Chinesische Medizin bietet auch beim Karpaltunnelsyndrom eine alternative Behandlung in Form von Akupunktur.

Akupunktur bei Karpaltunnelsyndrom

Vor allem bei den Schmerzen, die beim Karpaltunnelsyndrom entstehen, hat sich die Akupunktur als hilfreich erwiesen. Der Akupunkteur wählt meist den Punkt Gb34, der nahezu in jeder Sitzung stimuliert wird. Um Entzündungen zu lindern, kann Di11 in die Akupunktur einbezogen werden, der Entzündungen im Handgelenk und an anderen Körperstellen lindern soll.

Weitere alternative Ansätze

Neben der Akupunktur gibt es weitere alternative Ansätze zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms:

  • Yang Naturbalsam: Durchblutungsfördernde Massagen mit diesem Balsam können Verspannungen lösen und den Heilungsprozess unterstützen.
  • Vitamin B6: Vitamin B6 in Bananen, Avocados, Walnüssen und Lachs unterstützt die Nervenregeneration.
  • Antioxidantien: Antioxidantien in Beeren, grünem Tee und dunkler Schokolade schützen die Zellen vor Schäden.
  • Osteopathie: Sanfte Mobilisation der Hand- und Unterarmstrukturen kann Verklebungen lösen, die Beweglichkeit verbessern und die Durchblutung fördern.
  • Ayurveda: Wärmende Kräutertherapien mit Ingwer und Kurkuma können Entzündungen lindern. Ölmassagen mit medizinischen Kräuterauszügen fördern die Durchblutung und lösen Muskelverspannungen.

Akupunktur als zentrale Therapieform der TCM

Die Akupunktur ist eine zentrale Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin und hat auch in der Behandlung des Karpaltunnelsyndroms einen wichtigen Stellenwert.

Wirkungsweise der Akupunktur

Bei der Akupunktur werden feine Nadeln an spezifischen Punkten in den Körper eingeführt, die auf den Meridianen liegen, den Energiebahnen im Körper. Durch die Stimulation dieser Punkte soll der Energiefluss, das Qi, reguliert und Störungen im Körper behoben werden.

Bei der Behandlung des Karpaltunnelsyndroms werden Akupunkturpunkte ausgewählt, die entlang der Meridiane liegen, welche durch die betroffene Hand und das Handgelenk verlaufen. Auf diese Weise soll der Druck auf den Nerv gelindert und der Fluss des Qi in den Händen und Handgelenken verbessert werden.

Erfolgsaussichten und Vorteile der Akupunktur

Die Akupunktur ist aufgrund ihrer natürlichen und ganzheitlichen Herangehensweise eine attraktive Option für viele Menschen mit Karpaltunnelsyndrom. Sie bietet zahlreiche Vorteile gegenüber traditionellen Behandlungen und kann die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich verbessern.

Einer der größten Vorteile der Akupunktur ist das geringe Risiko für Nebenwirkungen. Zudem berichten viele Patienten, dass die Akupunktur nicht nur ihre Schmerzen lindert, sondern auch zu einem allgemeinen Gefühl des Wohlbefindens führt. Die Erfolgsaussichten der Akupunkturbehandlung bei Karpaltunnelsyndrom sind hoch, wobei die Ergebnisse individuell variieren können.

Weitere Erkrankungen des Nervensystems aus Sicht der TCM

Neben Polyneuropathie und Karpaltunnelsyndrom gibt es weitere Erkrankungen des Nervensystems, die in der TCM eine wichtige Rolle spielen.

Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie zeigt sich im Gesichtsbereich, wo der Trigeminusnerv durch Faktoren wie Wind, Kälte und Feuchte gereizt wird. Dies führt zu heftigen, stechenden Schmerzen in den betroffenen Gesichtspartien. Die Akupunktur kann helfen, den gereizten Nerv zu beruhigen und "umzuprogrammieren".

Gürtelrose

Die Gürtelrose ist eine Folgeerkrankung eines Herpesvirus, der nach einer Windpockeninfektion im Körper verbleibt. Bei einer Schwächung des Immunsystems kann das Virus reaktiviert werden und einen gürtelförmigen Ausschlag mit brennenden Schmerzen verursachen. Die TCM sieht die Gürtelrose als Reaktion des Körpers auf eine Schwächung des Immunsystems mit innerer Hitze, die ausgeleitet werden muss. Die Ausleitung erfolgt über die Hautoberfläche, wo der typische Ausschlag erscheint. Durch Ganzkörperakupunktur, Schröpfen und Kräuter kann der Körper bei der Ausleitung unterstützt und das Immunsystem gestärkt werden.

Prävention und begleitende Maßnahmen

Neben der Akupunktur und anderen Therapien der TCM gibt es verschiedene Maßnahmen, die Patienten mit Taubheitsgefühlen in den Fingern ergreifen können, um ihre Beschwerden zu lindern und die Heilung zu unterstützen:

  • Regelmäßige Bewegung: Qi Gong, Tai Chi oder Yoga können helfen, den Energiefluss im Körper zu verbessern und Stress abzubauen.
  • Entspannungstechniken: Meditation oder Atemübungen können Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit warmen, stärkenden Speisen kann den Körper unterstützen und die Heilung fördern.
  • Vermeidung von Überlastung: Bei Tätigkeiten, die die Hände stark beanspruchen, sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden.

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