Ein Taubheitsgefühl im Genitalbereich nach einer Operation kann für Betroffene sehr belastend sein und verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, insbesondere im Zusammenhang mit Prostata-Operationen und der Pudendusneuralgie, und bietet einen Überblick über Behandlungsansätze.
Erektile Dysfunktion nach Prostata-OP
Nach einer radikalen Prostata-Operation, bei der die Prostata entfernt wird, können verschiedene sexuelle Probleme auftreten. Eine dänische Studie der International Society for Sexual Medicine zeigt, dass etwa 90 Prozent der Männer nach einer solchen Operation mit sexuellen Problemen konfrontiert sind.
Ursachen für Erektionsstörungen
Die für die Erektion verantwortlichen Nerven verlaufen gebündelt rechts und links an der Prostatakapsel. Bei der Operation können diese Nerven verletzt werden, insbesondere wenn sich das Tumorgeschehen über die Prostatakapsel hinaus erstreckt.
- Nervenschädigung: Um die Nervenbündel zu schonen, müssen Operateure diese sorgfältig von der Prostata lösen. Die mechanische Beanspruchung kann dennoch zu Nervenschädigungen führen, die sich möglicherweise wieder zurückbilden.
- Tumorausdehnung: Wenn der Tumor beide Seiten der Prostatakapsel angegriffen hat, müssen unter Umständen Teile der Nervenbahnen entfernt werden, was die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Behandlungsmöglichkeiten bei Erektionsstörungen
Es gibt verschiedene Therapieansätze, um die Potenz nach einer Prostata-OP zu erhalten oder wiederherzustellen:
- PDE-5-Inhibitoren: Tabletten wie Sildenafil (Viagra) verstärken die Erektion.
- Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT): Der Patient injiziert gefäßerweiternde Medikamente in den Schwellkörper.
- Vakuumpumpe: Mechanische Erzeugung einer Erektion durch eine Vakuumpumpe.
Beeinträchtigung der Sexualität trotz erhaltener Potenz
Auch wenn die Potenz erhalten bleibt, kann die Sexualität beeinträchtigt sein. Viele Männer erleben den Orgasmus weniger intensiv. Die Ursachen hierfür sind noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass die Prostata bzw. ihre Kontraktion eine Rolle bei der Erzeugung von Lust spielt.
Lesen Sie auch: Was tun bei Taubheitsgefühl im Schienbein?
Weitere Folgen einer Prostata-Operation
- Verkürzung des Penis: Nach einer nervenerhaltenden Prostatektomie kann es zu einer Verkürzung des Penis kommen, bedingt durch postoperative Degeneration von Nervenfasern und reduzierter Blutzufuhr.
- Schmerzen im Unterleib: Ein Brennen oder starke Schmerzen im Unterbauch während des Orgasmus können auftreten, da das Gleichgewicht der Muskeln und des Bindegewebes gestört sein kann.
- Urinverlust beim Orgasmus: In den ersten Monaten nach der Operation kann es zu Urinverlust beim Orgasmus kommen.
- Fehlender Samenerguss: Eine radikale Prostata-OP führt immer zu einem fehlenden Samenerguss, was die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.
- Verlust des sexuellen Interesses: Viele Männer erleben einen Verlust des sexuellen Interesses nach der Operation.
Pudendusneuralgie als Ursache für Taubheitsgefühl im Genitalbereich
Die Pudendusneuralgie ist eine weitere mögliche Ursache für Taubheitsgefühl und Schmerzen im Genitalbereich. Sie wird durch eine Irritation oder Einklemmung des Pudendusnervs verursacht.
Was ist die Pudendusneuralgie?
Der Pudendusnerv (Schamnerv) entspringt im Kreuzbein und versorgt den Beckenboden, den Damm und die Genitalien. Eine Irritation dieses Nervs kann zu chronischen Schmerzen und Funktionsstörungen führen.
Ursachen der Pudendusneuralgie
- Nervenverletzungen: Verletzungen durch Bestrahlungen, Geburtsverletzungen, Beckenfrakturen oder chirurgische Eingriffe können den Nerv schädigen.
- Mechanischer Druck: Verhärtete Muskeln können den Nerv einengen und irritieren. Ein chronisch verspannter Piriformis-Muskel oder Obturatorius internus kann Druck auf den Nerv ausüben.
- Chronische Obstipation: Starkes Pressen bei Verstopfung kann den Nerv reizen.
- Weitere Ursachen: Beckenfrakturen, Tumore, Radiotherapie, tiefe Hämatome durch Injektionen, Schädigungen durch Herpes Zoster oder Geburtsverletzungen.
Symptome der Pudendusneuralgie
- Schmerzen im Beckenbereich: Die Schmerzen können brennend, stechend oder drückend sein und sich beim Sitzen verschlimmern.
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln: Im Bereich des Beckens, des Damms oder der Genitalien.
- Funktionsstörungen: Probleme bei der Blasen- und Darmkontrolle, sexuelle Funktionsstörungen.
- Einseitige Schmerzen: Oft treten die Schmerzen nur auf einer Seite auf.
Diagnose der Pudendusneuralgie
Die Diagnose kann schwierig sein, da die Symptome vielfältig sind. Typische Untersuchungen umfassen:
- Körperliche Untersuchung: Abtasten des Beckenbereichs.
- Bildgebung: MRT oder CT, um andere Ursachen auszuschließen.
- Pudendusnerv-Blockade: Injektion eines Lokalanästhetikums in die Nähe des Nervs, um zu testen, ob dies die Schmerzen lindert.
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Nachweis von Schädigungen des Nervus pudendus.
Behandlung der Pudendusneuralgie
- Konservative Methoden:
- Physiotherapie: Beckenbodenübungen zur Entspannung der Muskulatur.
- Schmerzmittel: Analgetika, Antidepressiva oder Antikonvulsiva.
- TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation): Reizstromtherapie zur Schmerzlinderung.
- Weitere Maßnahmen: Osteopathie, Akupunktur, psychologische Begleitung.
- Operative Therapie (Neurolyse): Entlastung des Nervs von Druck oder Einklemmung.
Selbsthilfemaßnahmen bei Pudendusneuralgie
- Übungen: Regelmäßige Übungen zur Entspannung des Beckenbodens.
- Körpertherapie: Untersuchung zur Abklärung von Muskelverspannungen.
- Bewegung: Bleiben Sie in Bewegung, vermeiden Sie langes Sitzen.
- Sitzunterlage: Verwenden Sie eine weiche Unterlage oder ein Kissen beim Sitzen.
- Faszienrolle: Rollen Sie Ihre Oberschenkel regelmäßig mit einer Faszienrolle aus.
- Medikamente: Nehmen Sie verschriebene Medikamente ein, wenn sie helfen.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit bei Verstopfung.
- Yoga: Yoga kann helfen, sich zu entspannen und die Gedanken unter Kontrolle zu bringen.
- Geeigneter Fahrradsattel: Bei Beschwerden nach dem Radfahren sollte ein passender Sattel angepasst werden.
Erektionsstörungen: Ursachen und Behandlung
Erektionsstörungen, auch erektile Dysfunktion oder Impotenz genannt, können ebenfalls zu einem Taubheitsgefühl im Genitalbereich beitragen.
Was ist eine Erektionsstörung?
Eine Erektionsstörung liegt vor, wenn ein Mann keinen ausreichend steifen Penis bekommt oder die Erektion nicht lange genug anhält, um Geschlechtsverkehr auszuüben.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl in den Füßen
Ursachen von Erektionsstörungen
- Blutgefäßerkrankungen: Arterienverkalkung (Arteriosklerose).
- Chronische Krankheiten: Diabetes mellitus, Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Neurologische Faktoren: Störungen der Nerven, die Signale an den Penis übermitteln (z.B. diabetische Neuropathie, Prostataoperation, Rückenmarksverletzungen, Multiple Sklerose).
- Hormonelle Ursachen: Testosteronmangel, Schilddrüsenunterfunktion.
- Verletzungen: Beckenfraktur, Operationen (Prostatakrebs, Enddarm).
- Medikamente: Blutdrucksenker, Antidepressiva, Psychopharmaka.
- Psychische Ursachen: Stress, seelische Belastungen.
- Lebensstil: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum.
Symptome von Erektionsstörungen
- Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten.
- Taubheitsgefühl im Bereich von Gesäß und Genitalien.
- Ausbleiben nächtlicher und morgendlicher Erektionen.
- Muskelkrämpfe in den Beinen bei Anstrengung.
Was tun bei Erektionsstörungen?
- Hausmittel: Ginkgo, Ginseng, Yohimbin, Großblütige Elfenblume, Bockshornklee.
- Lebensstiländerungen:
- Gesunde Ernährung: Viel Obst, Gemüse, Nüsse, Fisch, Flavonoide.
- Körperliche Betätigung: Bewegung hilft, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern.
- Ausreichend Schlaf: Schlafmangel erhöht das Risiko einer erektilen Dysfunktion.
- Übergewicht reduzieren: Übergewicht kann die Blutgefäße schädigen.
- Stress abbauen: Psychische Belastungen können die Testosteronproduktion und Schlafqualität beeinträchtigen.
- Ärztliche Behandlung:
- Medikamente: PDE-5-Hemmer (z.B. Sildenafil).
- Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT).
- Vakuumpumpe.
- Schwellkörperimplantat/Schwellkörperprothese.
- Psychotherapie.
Diagnostik bei Erektionsstörungen
- Anamnese: Gespräch über Lebensumstände, Art und Häufigkeit der Probleme.
- Körperliche Untersuchung: Abklärung von Grunderkrankungen (Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nervenerkrankungen).
- Weitere Tests: Blutuntersuchungen (Blutzucker, Blutfettwerte, Hormonstatus), Ultraschall der Penisarterien, Cavernosographie.
Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, kann ebenfalls Ursache für ein Taubheitsgefühl im Genitalbereich sein.
Was ist eine Polyneuropathie?
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der die Reizweiterleitung der Nerven gestört ist. Reize werden nicht, zu stark oder abgeschwächt an das Gehirn geleitet. Es gibt zwei Formen:
- Demyelinisierende Polyneuropathie: Zerfall der Isolation um die Nervenfasern.
- Axonale Polyneuropathie: Die Nervenfaser selbst geht kaputt.
Ursachen einer Polyneuropathie
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes, Alkoholmissbrauch.
- Schilddrüsenerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen.
- Krebserkrankungen, Medikamente gegen Krebs.
- Vitaminmangel (Vitamin B12).
- Infektionen (HIV, Borreliose, Diphtherie, Pfeiffersches Drüsenfieber).
- Entzündung der Nerven (Polyneuritis), Guillain-Barré-Syndrom (GBS).
Symptome einer Polyneuropathie
- Motorische Symptome: Muskelzucken, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche, Muskelschwund.
- Autonome Symptome: Herzrhythmusstörungen, Blähgefühl, Appetitlosigkeit, Durchfall, Verstopfung, Urininkontinenz, Stuhlinkontinenz, Impotenz, gestörtes Schwitzen, schlechte Kreislaufregulation, Schwellung von Füßen und Händen.
- Sensible Symptome: Kribbeln, Stechen, Taubheitsgefühle, Schwellungsgefühle, Druckgefühle, Gangunsicherheit, fehlerhaftes Temperaturempfinden.
Behandlung einer Polyneuropathie
- Behandlung der Ursache: Stoffwechselerkrankungen, Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel.
- Symptomatische Behandlung:
- Physikalische Therapie: Bäder, Elektrotherapie, Wärmeanwendungen.
- Krankengymnastik, Sporttherapie, medizinische Trainingstherapie.
- Medikamentöse Therapie: Medikamente gegen Epilepsie und Depression.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Knieprellung und Taubheitsgefühl
tags: #taubheitsgefuhl #genitalien #nach #operation