Taubheitsgefühl auf der linken Seite: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Taubheitsgefühl auf der linken Körperseite kann beunruhigend sein. Es kann verschiedene Ursachen haben, von harmlosen vorübergehenden Zuständen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel untersucht die möglichen Ursachen eines Taubheitsgefühls auf der linken Seite, insbesondere im Zusammenhang mit Erkältungen oder grippalen Infekten, und bietet einen umfassenden Überblick über Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung: Das Gefühl der Taubheit verstehen

Taubheitsgefühle sind Empfindungsstörungen, die durch über- oder unteraktive Nerven verursacht werden. Oftmals sind sie harmlos, wie etwa bei einer Fehlhaltung, die zu einem „eingeschlafenen“ Bein führt. Anhaltende Beschwerden können jedoch auf ernstere Ursachen hinweisen. Es ist wichtig, zwischen vorübergehenden und chronischen Taubheitsgefühlen zu unterscheiden, um die richtige Vorgehensweise zu bestimmen.

Ursachen für Taubheitsgefühl auf der linken Seite

Ein Taubheitsgefühl auf der linken Körperseite kann verschiedene Ursachen haben, von denen einige mit Erkältungen oder Infektionen zusammenhängen können, während andere völlig unabhängig davon sind. Es ist wichtig, die verschiedenen Möglichkeiten zu kennen, um die Symptome richtig einordnen und gegebenenfalls ärztliche Hilfe suchen zu können.

Mögliche Zusammenhänge mit Erkältung und Sinusitis

Eine Erkältung oder ein grippaler Infekt kann indirekt zu Taubheitsgefühlen führen, insbesondere wenn Komplikationen wie eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) auftreten.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Eine Sinusitis, oft eine Folge von Erkältungen, entsteht durch die Entzündung der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen. Die feinen Verbindungskanäle zwischen Nasenhöhle und Nebenhöhlen können verstopfen, was den Abtransport von Schleim behindert.

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Symptome einer Sinusitis

  • Verstopfte Nase mit festsitzendem Schnupfen
  • Druckkopfschmerz, der sich beim Bücken verstärkt
  • Eingeschränkter oder fehlender Geruchssinn
  • Angeschwollene Gesichtspartien über den Nebenhöhlen
  • Mögliche Allgemeinsymptome wie Fieber, Husten, Hals-, Zahn- und Ohrenschmerzen

Die Entzündung kann sich von der Nase auf die Nasennebenhöhlen ausbreiten und dort zu einer Entzündung führen. Da die Nebenhöhlen im Kiefer- und Stirnbereich liegen, kann dies zu Schmerzen im Gesicht und der Stirn führen. Der Druck des angestauten Sekrets auf die gereizte Nasenschleimhaut verstärkt die Schmerzen, besonders beim Bücken.

Gesichtslähmung (Fazialisparese)

In seltenen Fällen kann eine Erkältung oder ein Virusinfekt zu einer Gesichtslähmung führen. Dabei kommt es zu einer Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskeln.

Symptome einer Gesichtslähmung

  • Schiefes Gesicht
  • Taubheitsgefühl in einem Teil des Gesichts
  • Unkontrolliertes Tropfen von Flüssigkeit aus dem Mundwinkel
  • Unfähigkeit, die Stirn zu runzeln oder das Auge vollständig zu schließen
  • Geschmacksverlust oder erhöhter Tränenfluss

Die Gesichtslähmung kann durch Entzündungen, Virusinfektionen (z. B. Herpes simplex oder Herpes Zoster), Borrelieninfektionen oder Zugluft ausgelöst werden. Auch Mittelohrentzündungen können eine Rolle spielen, da der Gesichtsnerv in der Nähe des Ohrs verläuft.

Weitere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl auf der linken Seite

Abgesehen von Erkältungen und ihren Komplikationen gibt es zahlreiche andere Ursachen für Taubheitsgefühle auf der linken Seite:

Neurologische Erkrankungen

  • Schlaganfall: Eine plötzliche Taubheit oder Schwäche auf einer Körperseite, begleitet von Sprach- oder Sehstörungen, kann ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein. In diesem Fall ist sofortiges Handeln erforderlich.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu vielfältigen Symptomen führen kann, darunter auch Taubheitsgefühle.
  • Parkinson-Krankheit: Obwohl hauptsächlich für Bewegungsstörungen bekannt, kann Parkinson auch sensorische Symptome wie Taubheitsgefühle verursachen.
  • Migräne: Kribbeln und Taubheitsgefühle können eine Migräne-Attacke ankündigen, oft im Gesicht oder einseitig an Armen oder Beinen.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Diese seltene Autoimmunerkrankung greift die peripheren Nerven an und kann zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen und Lähmungen führen.

Nervenkompression und -schädigung

  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall kann auf Nervenwurzeln drücken und Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle verursachen, je nachdem, wo der Vorfall auftritt.
  • Karpaltunnelsyndrom: Eine Einengung des Mittelhandnervs im Karpaltunnel kann zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger führen.
  • Ulnartunnel- und Ulnarrinnensyndrom: Druck auf den Ellennerv kann Taubheitsgefühle, vor allem am kleinen Finger und teilweise am Ringfinger, verursachen.
  • Leistentunnelsyndrom (Meralgia paraesthetica): Eine Einklemmung des Oberschenkelhautnervs kann zu Schmerzen und Gefühlsstörungen am oberen und seitlichen Oberschenkel führen.
  • Polyneuropathie: Schäden an den peripheren Nerven, oft verursacht durch Diabetes, Alkoholmissbrauch oder Vergiftungen, können zu Kribbeln, Ameisenlaufen und Taubheitsgefühlen führen.

Durchblutungsstörungen

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Eine Verengung der Beingefäße kann zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen in den Beinen führen.
  • Raynaud-Syndrom: Kälte oder Stress können Gefäßkrämpfe auslösen, die zu Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühlen, vor allem in den Händen und Füßen, führen.

Psychische Ursachen

  • Angst-/Panikattacken und Angststörungen (Phobien): Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle können begleitend zu Panikattacken oder Angstzuständen auftreten.
  • Hyperventilationssyndrom: Hektisches Ein- und Ausatmen in Stresssituationen kann zu Gefühlsstörungen und Verkrampfungen führen.
  • Somatoforme Störungen: Körperliche Beschwerden ohne erkennbare körperliche Ursache können sich als Müdigkeit, Muskelverspannungen oder Kribbeln äußern.

Weitere Ursachen

  • Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 oder anderen wichtigen Nährstoffen kann zu Nervenschäden und Taubheitsgefühlen führen.
  • Medikamente und Umweltgifte: Vergiftungen mit Schwermetallen oder bestimmte Medikamente können Nervenschäden verursachen.
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Probleme mit der Kiefergelenkfunktion und den umliegenden Muskeln können Taubheitsgefühle im Gesicht verursachen.

Diagnose: Den Ursachen auf den Grund gehen

Die Diagnose eines Taubheitsgefühls auf der linken Seite erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird Fragen stellen wie:

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  • Seit wann besteht das Taubheitsgefühl?
  • Tritt es in bestimmten Situationen auf?
  • Gibt es Begleitsymptome wie Schmerzen, Schwäche oder Sensibilitätsstörungen?
  • Liegen Vorerkrankungen vor (z. B. Diabetes, MS)?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Körperliche und neurologische Untersuchung

Der Arzt wird die Reflexe, die Sensibilität (z. B. Berührung, Temperatur, Schmerz) und die Muskelkraft prüfen. Bei Verdacht auf eine Nervenkompression können spezielle Tests durchgeführt werden, um die Funktion der betroffenen Nerven zu beurteilen.

Bildgebende Verfahren

  • Röntgenaufnahmen: Können bei Verdacht auf Knochenverletzungen oder degenerative Veränderungen der Wirbelsäule hilfreich sein.
  • Computertomografie (CT): Kann detaillierte Bilder von Knochen und Weichteilen liefern, um beispielsweise Bandscheibenvorfälle oder Tumore zu erkennen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Ermöglicht eine detaillierte Darstellung von Gehirn, Rückenmark und Nerven, um beispielsweise MS, Schlaganfälle oder Nervenkompressionen zu diagnostizieren.

Elektrophysiologische Untersuchungen

  • Elektroneurografie (ENG): Misst die Nervenleitgeschwindigkeit, um Nervenschäden zu erkennen.
  • Elektromyografie (EMG): Misst die elektrische Aktivität der Muskeln, um Muskelerkrankungen oder Nervenschäden zu diagnostizieren.

Blutuntersuchungen

Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen (z. B. Diabetes), Vitaminmangel (z. B. Vitamin B12) oder Entzündungen zu erkennen, die zu Taubheitsgefühlen führen können.

Behandlung: Linderung und Heilung

Die Behandlung eines Taubheitsgefühls auf der linken Seite richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige allgemeine Maßnahmen können jedoch zur Linderung der Beschwerden beitragen:

  • Schmerzmittel: Bei Schmerzen können rezeptfreie oder verschreibungspflichtige Schmerzmittel helfen.
  • Entzündungshemmer: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Kortikosteroide können Entzündungen reduzieren und die Nervenfunktion verbessern.
  • Physiotherapie: Kann bei Nervenkompressionen, Bandscheibenvorfällen oder Muskelverspannungen helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Ergotherapie: Kann helfen, den Alltag trotz Einschränkungen durch Taubheitsgefühle zu bewältigen und компенсаторische Strategien zu entwickeln.
  • Entspannungstechniken: Stress kann Taubheitsgefühle verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
  • Operation: In einigen Fällen, wie z. B. bei schweren Nervenkompressionen oder Bandscheibenvorfällen, kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf die Nerven zu entlasten.

Spezifische Behandlungen für verschiedene Ursachen

  • Sinusitis: Abschwellende Nasensprays, Kortisonsprays, Inhalationen und gegebenenfalls Antibiotika bei bakterieller Infektion.
  • Gesichtslähmung: Kortikosteroide, Virostatika (bei Herpesinfektion) und Physiotherapie.
  • Schlaganfall: Notfallmäßige Behandlung zur Wiederherstellung der Durchblutung des Gehirns (z. B. Thrombolyse).
  • Multiple Sklerose: Immunmodulatorische Therapien zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.
  • Bandscheibenvorfall: Schmerzmittel, Physiotherapie, Injektionen und in schweren Fällen Operation.
  • Karpaltunnelsyndrom: Ruhigstellung der Hand, Kortikosteroid-Injektionen und in einigen Fällen Operation.
  • Polyneuropathie: Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Diabeteskontrolle, Alkoholverzicht) und symptomatische Behandlung von Schmerzen und Missempfindungen.
  • Vitaminmangel: Nahrungsergänzungsmittel zur Auffüllung der fehlenden Vitamine.

Vorbeugung: Was Sie selbst tun können

Einige Maßnahmen können helfen, Taubheitsgefühlen vorzubeugen oder deren Häufigkeit zu reduzieren:

  • Gesunde Lebensweise: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressmanagement.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Vermeiden Sie Fehlhaltungen und sorgen Sie für eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes.
  • Regelmäßige Pausen: Unterbrechen Sie langes Sitzen oder Stehen und machen Sie Dehnübungen.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Reduzieren Sie den Alkoholkonsum, rauchen Sie nicht und kontrollieren Sie Ihren Blutzuckerspiegel, wenn Sie Diabetiker sind.
  • Impfungen: Schützen Sie sich vor Infektionen, die zu Nervenschäden führen können (z. B. Gürtelrose).

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

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  • Das Taubheitsgefühl plötzlich auftritt und von anderen Symptomen wie Sprach- oder Sehstörungen begleitet wird.
  • Das Taubheitsgefühl anhält, sich verschlimmert oder immer wiederkehrt.
  • Das Taubheitsgefühl von Schmerzen, Schwäche oder anderen neurologischen Symptomen begleitet wird.
  • Sie sich Sorgen um die Ursache des Taubheitsgefühls machen.

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