Taubheitsgefühl nach Bauch-OP: Ursachen und Behandlung

Ein Leistenbruch ist eine häufige Erkrankung, die vor allem Männer betrifft. Die einzige dauerhafte Lösung ist eine Operation. Nach solchen Eingriffen, insbesondere im Bauchbereich, können jedoch verschiedene Beschwerden auftreten. Eines davon ist das Taubheitsgefühl. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Taubheitsgefühle nach Bauchoperationen und bietet einen umfassenden Überblick über mögliche Behandlungen und Komplikationen.

Leistenbruch: Ursachen und operative Behandlung

Ein Leistenbruch entsteht, wenn Bauchorgane durch eine Schwachstelle in der Bauchwand nach außen treten. Dies ist oft auf eine angeborene oder altersbedingte Bindegewebsschwäche zurückzuführen. Faktoren wie chronische Verstopfung, die zu starkem Pressen beim Stuhlgang führt, können den Druck im Bauchraum erhöhen und einen Leistenbruch begünstigen.

Die Diagnose erfolgt meist durch eine körperliche Untersuchung, bei der eine Vorwölbung in der Leiste festgestellt wird. Komplikationen wie die Einklemmung des Bruchs, bei der die Bruchinhalte nicht mehr in die Bauchhöhle zurückgeschoben werden können, erfordern ein rasches Handeln.

Die operative Beseitigung des Leistenbruchs ist die Behandlung der Wahl. Dabei haben sich Techniken mit Kunststoffnetzen durchgesetzt. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, wie die Operation nach Lichtenstein, bei der ein Kunststoffnetz zur Verstärkung des Leistenkanals eingesetzt wird. Andere Methoden zielen darauf ab, den Leistenkanal durch Nahttechniken zu verengen und zu verstärken. Alle endoskopischen Techniken benötigen zum Verschluss der Bruchlücken ein Kunststoffnetz.

Ursachen für Taubheitsgefühle nach Bauch-OPs

Taubheitsgefühle nach Bauchoperationen können verschiedene Ursachen haben. Oftmals sind es Nervenreizungen oder -durchtrennungen im Operationsgebiet, die zu vorübergehenden oder in seltenen Fällen dauerhaften Empfindungsstörungen führen.

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Nervenverletzungen während der Operation

Während des Eingriffs kann es zu Verletzungen, Kompressionen oder Dehnungen von Nerven kommen. Dies kann insbesondere bei größeren Operationen der Fall sein, bei denen die Nervenstrukturen im Operationsgebiet stark beansprucht werden. Auch die Lagerung des Patienten während der Operation kann zu Nervenirritationen führen.

Entzündungsprozesse nach der Operation

Entzündungsprozesse, die nach einer Operation auftreten, können ebenfalls die peripheren Nerven beeinträchtigen und zu Taubheitsgefühlen führen. Diese Entzündungen können durch den operativen Eingriff selbst oder durch Infektionen verursacht werden.

Narbenbildung und Gewebeveränderungen

Die Narbenbildung im Operationsgebiet kann ebenfalls eine Rolle spielen. Narbengewebe kann auf Nerven drücken oder diese einklemmen, was zu Taubheitsgefühlen und anderen Missempfindungen führen kann. Auch Veränderungen im Gewebe durch die Operation, wie z.B. die Entfernung von Fettgewebe oder die Straffung von Muskeln, können Nerven beeinflussen.

Weitere mögliche Ursachen

Es gibt auch andere Faktoren, die zu Taubheitsgefühlen nach Bauchoperationen beitragen können. Dazu gehören:

  • Vorerkrankungen der peripheren Nerven: Patienten mit bereits bestehenden Nervenerkrankungen haben ein höheres Risiko, nach einer Operation Nervenschmerzen oder Taubheitsgefühle zu entwickeln.
  • Begleiterkrankungen: Diabetes, periphere Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit und Arthritis können Nervenschäden begünstigen.
  • Individuelle Schmerzempfindlichkeit: Eine subjektiv erniedrigte Schmerzschwelle oder eine pessimistische Erlebnisverarbeitung können die empfundene Stärke von Nervenschmerzen beeinflussen.

Symptome und Diagnose

Die Symptome von Taubheitsgefühlen nach Bauchoperationen können vielfältig sein. Einige Patienten berichten von einem vollständigen Gefühlverlust in bestimmten Hautbereichen, während andere Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Stechen verspüren. Die betroffenen Bereiche können sich unter- oder überempfindlich gegenüber Berührungen, Kälte oder Wärme anfühlen.

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Die Diagnose basiert in der Regel auf einer gründlichen körperlichen Untersuchung und der Anamnese des Patienten. Der Arzt wird nach Vorerkrankungen, Begleiterkrankungen und dem genauen Verlauf der Beschwerden fragen. In einigen Fällen können zusätzliche Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung oder eine Elektromyographie (EMG) erforderlich sein, um die Ursache des Taubheitsgefühls zu ermitteln.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Bauchoperationen hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Beschwerden ab. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können.

Medikamentöse Therapie

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Voltaren können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren.
  • Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin werden häufig zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt.
  • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva oder selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) können ebenfalls bei Nervenschmerzen wirksam sein.
  • Opioide: In schweren Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, sollten aber aufgrund des Suchtpotenzials nur mit Vorsicht verwendet werden.
  • Lokale Therapie: Lidocain-Pflaster können helfen, Schmerzen lokal zu lindern.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Muskelverspannungen zu lösen und die Nervenfunktion zu fördern.
  • Ergotherapie: Ergotherapeutische Maßnahmen können helfen, den Alltag trotz der Beschwerden besser zu bewältigen.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS kann helfen, Schmerzen zu lindern, indem elektrische Impulse an die Nerven gesendet werden.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Patienten Schmerzen lindern und die Nervenfunktion verbessern.
  • Psychotherapie: Psychotherapeutische Maßnahmen können helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Invasive Therapie

  • Nervenblockaden: Selektive Nervenblockaden können helfen, Schmerzen zu lindern, indem die Nerven, die die Schmerzen verursachen, blockiert werden.
  • Neuromodulationsverfahren: Verfahren wie die Rückenmarkstimulation können helfen, Schmerzen zu lindern, indem die Nervenaktivität im Rückenmark moduliert wird.

Weitere Maßnahmen

  • Kompressionswäsche: Das Tragen von Kompressionswäsche kann helfen, Schwellungen zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern.
  • Lymphdrainage: Eine fachgerechte Lymphdrainage kann helfen, Schwellungen zu reduzieren und die Wundheilung zu fördern.
  • Haut- und Narbenpflege: Die Pflege der Haut und der Narben mit fett­hal­ti­gen Cremes kann helfen, Spannungsgefühle zu reduzieren und die Haut geschmeidig zu halten.
  • Vermeidung von Überlastung: In den ersten Wochen nach der Operation sollten über­mä­ßi­ge Span­nun­gen, die auf die Nar­ben ein­wir­ken, ver­mie­den werden.

Komplikationen und Risiken

Wie bei jeder Operation gibt es auch bei Bauchoperationen Risiken und mögliche Komplikationen. Dazu gehören:

  • Wundheilungsstörungen: Wundheilungsstörungen können zu Infektionen und verzögerter Heilung führen.
  • Blutergüsse und Schwellungen: Blutergüsse und Schwellungen im Operationsgebiet sind häufig und bilden sich in der Regel von selbst zurück.
  • Infektionen: Infektionen können zu Fieber, Schmerzen und Rötungen im Operationsgebiet führen.
  • Thrombose und Embolie: Thrombosen und Embolien sind seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Komplikationen.
  • Nervenverletzungen: Nervenverletzungen können zu Taubheitsgefühlen, Schmerzen und Funktionsstörungen führen.
  • Serombildung: Eine Serombildung (Wundwasseransammlung) kann nach der Operation auftreten und muss möglicherweise punktiert werden.
  • Überschüssige Narbenbildung: Eine überschüssige Narbenbildung (Keloid) kann zu Schmerzen und Juckreiz führen.

Prävention

Es gibt einige Maßnahmen, die Patienten ergreifen können, um das Risiko von Taubheitsgefühlen nach Bauchoperationen zu reduzieren:

  • Optimale Vorbereitung auf die Operation: Patienten sollten vor der Operation auf Alkohol und blutverdünnende Medikamente verzichten.
  • Sorgfältige Operationstechnik: Der Operateur sollte eine sorgfältige Operationstechnik anwenden, um Nervenverletzungen zu vermeiden.
  • Frühzeitige Mobilisierung: Eine frühzeitige Mobilisierung nach der Operation kann helfen, die Durchblutung zu fördern und das Risiko von Thrombosen und Embolien zu reduzieren.
  • Kompressionswäsche: Das Tragen von Kompressionswäsche kann helfen, Schwellungen zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern.
  • Schmerzmanagement: Eine adäquate Schmerztherapie kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Nervenfunktion zu fördern.

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