Dopamin und seine vielfältigen Wirkungen: Einblicke in die Forschung von Manfred Spitzer

Einführung

Manfred Spitzer, ein renommierter Psychologe, Philosoph, Mediziner und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen, beleuchtet in seinen Werken die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung. Seine Essays sind wissenschaftlich fundiert und unterhaltsam zugleich. Dieser Artikel fasst die Erkenntnisse von Manfred Spitzer über die Wirkung von Dopamin zusammen und zeigt, wie dieser Neurotransmitter unser Leben und Lernen beeinflusst.

Dopamin: Der Schlüssel zu Motivation, Lernen und Belohnung

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle in verschiedenen Prozessen des Gehirns spielt. Es beeinflusst unsere Motivation, unser Belohnungssystem, unsere Lernfähigkeit und sogar unsere soziale Interaktion. Spitzer betont, dass Dopamin immer dann ausgeschüttet wird, wenn wir etwas Positives und Neues erleben.

Dopamin und Lernen

Spitzer erklärt, dass Freude und Lernen eng miteinander verbunden sind. Begeisternde Erlebnisse prägen sich leichter ein. Emotionen spielen eine wichtige Rolle beim Lernen. Angst kann zwar schnelles Lernen fördern, aber sie hemmt auch die Kreativität.

Wenn wir etwas Neues und Positives erleben, wird im Gehirn das Glückszentrum aktiviert und Dopamin ausgeschüttet. Dopamin sorgt dafür, dass Endorphine freigesetzt werden, was zu einem guten Gefühl führt. Überraschende und positive Einzelheiten werden besser erinnert, besonders wenn sie in einen besonderen Rahmen eingebunden sind. Dies kann einen produktiven Lernzirkel anstoßen, bei dem Einzelheiten über positive Emotionen verankert werden und das weitere Lernen erleichtern. Jede positiv erlebte Erkenntnis macht künftiges Lernen leichter. Um positive Rahmenbedingungen zu schaffen, schlägt Spitzer vor, vor dem Unterricht über ein Thema eine Exkursion zu machen, um das Interesse zu wecken.

Spitzer kritisiert das traditionelle "Kästchen-Modell" des Lernens, das davon ausgeht, dass unser Gehirn eine begrenzte Aufnahmekapazität hat. Stattdessen betont er, dass das Gehirn durch Lernen immer leistungsfähiger wird. Wer beispielsweise Freude an Sprachen hat, lernt eine sechste Sprache schneller als die erste.

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Lernen sollte Spaß machen und ein Ziel haben, das man erreichen möchte. Das Erreichen eines Ziels führt zu Freude und Stolz und stärkt die Willenskraft. So lernt man in kleinen Schritten, wie beim Laufenlernen: hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen. Je mehr man in Kindheit und Jugend gelernt hat, desto leichter fällt das weitere Lernen. Eine gute Schulbildung legt den Grundstein für lebenslanges Lernen.

Hirngerechtes Lernen

Ulrich Herrmann betont, dass Lernen oft keinen Spaß macht, weil nicht "hirngerecht" gelernt wird. Er setzt seine Hoffnungen auf die Neurowissenschaften, da die Reformpädagogik es bisher nicht geschafft hat, lustvolles und erfolgreiches Lernen an den Schulen durchzusetzen. Experimente mit Babys haben gezeigt, dass Neugier das Kind beim Lernen leitet und dass die Neugier umso größer ist, je mehr sich das Kind beim Lernen aktiv betätigen kann.

Menschen lernen Regeln, wie Ursache und Wirkung, ohne dass man sie ihnen erklärt, einfach weil ihr Gehirn so gebaut ist. Experimentieren und Regeln extrahieren macht offensichtlich Spaß. Botenstoffe wie Noradrenalin, Dopamin, Serotonin und Acetylcholin spielen eine wichtige Rolle beim Lernen. Opioide scheinen beteiligt zu sein, wenn unser Gehirn neue attraktive Sinnesreize wahrnimmt und verarbeitet.

Gerhard Roth nennt das Zusammenspiel dieser "Neuromodulatoren" das "zentrale Bewertungssystem unseres Gehirns". Es findet für uns heraus, was gut und lustvoll war und wiederholt werden sollte oder was wehgetan hat und besser unterbleiben sollte. Beides merken wir uns. Intelligente Menschen lernen lediglich schneller als weniger intelligente, aber jedes gesunde Gehirn lernt, und zwar immer.

Emotionen und Lernen

Bilder werden besser behalten, wenn sie mit einer aufregenden Geschichte verbunden sind. Positive Emotionen sind dabei wirkungsvoller als negative oder gar keine. Susanne Erk zeigte in einem Experiment, dass Begriffe mit positivem Bild-Hintergrund am besten abrufbar waren.

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Angst aktiviert im Gehirn den Mandelkern (Amygdala), was in Lernsituationen zu einem kognitiven Stil führt, bei dem kreative Assoziationen blockiert sind und das Gehirn nur noch Routine-Operationen abspult.

Ein gewisses Maß von akutem Stress ist für erfolgreiches Lernen gut, da das Stresshormon Kortisol den Körper mobilisiert und ihm als Betriebsstoff Traubenzucker (Glukose) bereitstellt. Die Gedächtnisleistung im Alter nimmt umso stärker ab, je schlechter die Befragten mit Stress umgehen können.

Neurodidaktik

Manfred Spitzer ist einer der bekanntesten Vertreter der Neurodidaktik. Er hat ein Forschungsinstitut gegründet, das die Ergebnisse der Hirnforschung in die Praxis umsetzen soll. Das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) evaluiert neue Lernkonzepte an den Schulen und forscht zu Sprachentwicklung und Lese-Rechtschreib-Schwäche, zu den Auswirkungen von Bewegung und Ernährung auf das Lernen sowie zu den Grundlagen des Gedächtnisses.

Dopamin und Verhalten

Spitzer geht auch auf das Thema Esssucht ein und zeigt, wie das Gehirn das Essverhalten steuert und umgekehrt von ihm beeinflusst wird. Das dopaminerge Belohnungssystem wird durch angenehme Empfindungen aktiviert. Er kritisiert die Werbung für ungesunde Nahrungsmittel und fordert Maßnahmen zur Reduzierung von Übergewicht bei Kindern.

Spitzer beschäftigt sich auch mit den Auswirkungen von Computern und digitalen Medien auf das Lernen und die schulischen Leistungen. Er betont die Bedeutung von Selbsterkenntnis und die Frage, ob eine gute Tat die Wahrscheinlichkeit einer darauffolgenden schlechten Handlung erhöht.

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Dopamin und Weihnachten

Die Neurowissenschaft kann auch unsere emotionale Verbundenheit mit Weihnachten erklären. Das Datum, die Musik und die Überraschungen führen zum Zusammenspiel von Neurotransmittern und Hormonen, die ein Glücksgefühl in uns auslösen. Vor allem die Überraschung führt zum Zusammenspiel von Neurotransmittern und Hormonen, die ein Glücksgefühl in uns auslösen. Wer weiß, was er bekommt, wird also eher eine enttäuschende Erfahrung machen.

Der Neurologe Gerhard Roth erklärt, dass der Hypotalamus den Botenstoff Dopamin ausschüttet, der über Andockstellen auf unser Frontalhirn oder den Nucleus accumbens wirkt und das Dopamin-Signal in gehirneigenes Opium umwandelt. Das löst dann ein Gefühl der Freude in uns aus. Dabei kann die Vorfreude auf etwas stärker sein, als das Eintreten des lang ersehnten selbst.

Allerdings ist Weihnachten nicht für jeden ein Fest der Freude. Psychiater haben gerade in der Weihnachtszeit viel zu tun, da es verstärkt zu Depressionen kommen kann. Auch wenn die Erwartungshaltung enttäuscht wird, kann das zu einem sogenannten "Weihnachtskoller" führen.

Dopamin und psychische Erkrankungen

Spitzer erwähnt, dass Dopamin auch für psychotische Symptome bei schizophrenen Störungen verantwortlich sein kann. Er hat ein Modell entwickelt, das die Entstehung von Wahnvorstellungen erklärt. Demnach führt eine erhöhte Dopamin-Signalübertragung zu einer verzerrten Wahrnehmung und zu Gedanken, deren Bedeutung stark verzerrt ist.

Dopamin und weitere Aspekte

Für den Dopaminstoffwechsel sind verschiedene Mikronährstoffe wie Eisen, Kupfer und Vitamin C erforderlich. In mehreren Studien konnte durch eine Tyrosin-Supplementierung eine deutliche Verbesserung der Stress-Toleranz, der Merkfähigkeit und der psychischen Befindlichkeit erreicht werden.

Forscher haben herausgefunden, dass Übergewicht mit einer verminderten Anzahl bestimmter Rezeptoren für den Botenstoff Dopamin zusammenhängen könnte.

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