Die HPV-Impfung mit Gardasil ist ein wichtiges Thema, das sowohl in der medizinischen Fachwelt als auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Es gibt Berichte über mögliche Nebenwirkungen, darunter auch neurologische Symptome wie Taubheitsgefühle. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Ursachen für Taubheitsgefühle nach der Gardasil-Impfung, fasst Nutzererfahrungen zusammen und stellt wissenschaftliche Erkenntnisse vor.
Was ist Gardasil und wozu wird es eingesetzt?
Gardasil® ist ein Impfstoff, der zur Prävention von Vorstufen maligner Läsionen im Genitalbereich, Zervixkarzinomen und äußeren Genitalwarzen eingesetzt wird. Er enthält virusähnliche Partikel (VLP) der onkogenen Subtypen 16 und 18 des humanen Papillomavirus (HPV) sowie der Subtypen 6 und 11, die für etwa 90 % der Genitalwarzen (Condylomata acuminata) verantwortlich sind. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat im Juli 2007 eine generelle Impfung aller Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren gegen HPV (Typen 16 und 18) empfohlen.
Diese Empfehlung wurde ausgesprochen, da die HPV-Schutzimpfung eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen gegen bestimmte HPV-bedingte Krebsarten darstellt. Eine verpasste Immunisierung sollte idealerweise bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden, ist aber auch später noch möglich, z. B. mit dem HPV-Impfstoff Gardasil® 9, der ohne Altersobergrenze zugelassen ist. Die gesetzlichen Krankenkassen und die privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten innerhalb der Impfempfehlung bis einen Tag vor dem 18. Geburtstag.
Nutzererfahrungen mit Gardasil: Ein Überblick
Viele Nutzer berichten von anhaltenden gesundheitlichen Problemen nach der Gardasil-Impfung, wie z.B. chronische Schmerzen, Atemnot, Müdigkeit und Schwäche. Einige Nutzer erwähnen, dass Ärzte Schwierigkeiten haben, die Ursache der Symptome zu diagnostizieren und eine effektive Behandlung zu finden. Es gibt Berichte über Autoimmunerkrankungen und andere ernsthafte Zustände, die Nutzer mit der Gardasil-Impfung in Verbindung bringen. Nutzer äußern den Wunsch nach mehr Unterstützung durch medizinisches Personal und den Austausch mit anderen Betroffenen. Einige berichten von einer Verbesserung durch alternative Behandlungsmethoden.
Es ist wichtig zu betonen, dass dies subjektive Erfahrungsberichte von Nutzern sind und medizinische Beratung durch einen Facharzt nicht ersetzen können.
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Einige konkrete Beispiele für Nutzererfahrungen:
- Eine Mutter berichtet, dass ihre Tochter nach der Impfung unter Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Rücken- und Gelenkschmerzen sowie schweren Beinen leidet. Die Psyche des Kindes leide darunter, da es sich nie fit und leistungsfähig fühle.
- Eine andere Nutzerin schildert, dass ihre Tochter nach der dritten Impfung unter Schwindel, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und starkem Schwindel litt. Sie konnte kaum etwas essen und klagte über Nackensteifigkeit und Krämpfe.
- Eine 23-jährige Frau berichtet, dass sie nach der Impfung einen Asthmaanfall erlitt und massive Schmerzen in den Füßen hatte. Sie wurde schließlich mit Rheuma diagnostiziert, einer Autoimmunerkrankung, und muss seitdem Medikamente einnehmen.
- Mehrere Nutzerinnen berichten von Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen und Müdigkeit nach der Impfung. Einige klagen über Haarausfall, Akne und eingeschränkte sportliche Aktivitäten.
Diese Berichte zeigen, dass einige Personen nach der Gardasil-Impfung eine Vielzahl von Symptomen entwickeln, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Erfahrungen nicht repräsentativ für alle geimpften Personen sind und dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Symptomen nicht immer nachgewiesen werden kann.
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle nach der Gardasil-Impfung
Taubheitsgefühle können verschiedene Ursachen haben, und es ist wichtig, diese sorgfältig zu untersuchen, um die genaue Ursache zu ermitteln. Im Zusammenhang mit der Gardasil-Impfung kommen folgende Ursachen in Betracht:
Armplexusneuritis
Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Gardasil-Impfung und neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen wurde im Zusammenhang mit der Armplexusneuritis diskutiert. Die Armplexusneuritis (neuralgische Schulteramyotrophie) beginnt typischerweise mit akuten Schulterschmerzen, denen eine Armplexusparese mit motorischen und sensiblen Ausfällen folgt. Seltene Fälle von Armplexusneuritiden ohne Schmerzen sind beschrieben.
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) wurde über den Fall einer 18-jährigen Frau informiert, die acht Wochen nach der zweiten Injektion von Gardasil® ein Schweregefühl in den beiden Extremitäten verspürt hatte. Am nächsten Tag konnte sie den Arm nicht mehr anheben, das Greifen war erschwert, und es bestand ein fleckförmiges Taubheitsgefühl im Bereich des rechten Unterarms, der Hand und der Schulter. Anhand der elektrophysiologischen Befunde und des MRT vom Plexus cervicobrachialis konnte schließlich die Diagnose einer vorwiegend rechtsseitigen Neuritis des Plexus cervicobrachialis gestellt werden.
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Für Neuritiden im Zusammenhang mit Impfungen werden als übliches Zeitfenster zwischen Impfung und Symptom fünf bis 42 Tage angegeben. Im vorliegenden Fall ist das Intervall mit 47 Tagen relativ lang, jedoch noch im plausiblen Bereich. Zusammenfassend wird der Kausalzusammenhang zwischen der Impfung mit Gardasil® und der Armplexusneuritis bei dem an die AkdÄ gemeldeten Fall als "möglich" eingestuft.
Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene, aber schwerwiegende entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems. Sie ist somit eine neurologische Erkrankung Das körpereigene Immunsystem greift die Nervenzellen an, weshalb die Krankheit zu den Autoimmunerkrankungen gezählt wird. Die Folgen des angegriffenen Nervensystems sind Schwäche, Taubheitsgefühle und häufig auch Lähmungen, die sich normalerweise von den Beinen aufwärts ausbreiten.
Obwohl das GBS in seltenen Fällen nach Impfungen auftreten kann, konnte für die beiden mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna kein entsprechender Zusammenhang gefunden werden.
Andere neurologische Reaktionen
In den UAW-Berichten zu Gardasil® werden zentrale und periphere neurologische Symptome häufiger als Symptome aus anderen Organbereichen genannt. Die am häufigsten geschilderten Einzelsymptome sind Kopfschmerz und Schwindelgefühl. Häufig berichtete Allgemeinsymptome sind Schwäche, Ermüdung und Fieber, aber auch Kreislaufsymptome wie Synkope oder Kreislaufkollaps.
Zufälliges Auftreten von Erkrankungen
Durch die Impfung einer großen Bevölkerungsgruppe innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums kommt es zwangsläufig zum Auftreten von Erkrankungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung, ohne dass ein kausaler Zusammenhang bestehen muss. Auch wenn kein Pathomechanismus für eine Reaktion bekannt ist, reicht ein plausibler zeitlicher Zusammenhang zwischen Impfung und Reaktion definitionsgemäß aus, um eine Kausalität als "möglich" einzustufen. Für eine Bewertung des Kausalzusammenhangs als "wahrscheinlich" oder "gesichert" sind Informationen erforderlich, die bei Spontanmeldungen nicht immer vorliegen.
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Das Spontanmeldesystem und die Notwendigkeit weiterer Forschung
Das Spontanmeldesystem soll den Zusammenhang zwischen Impfungen oder Arzneimitteln mit medizinischen Ereignissen nicht abschließend belegen, sondern lediglich Hinweise auf mögliche Zusammenhänge (Signale) geben, die durch Studien geprüft werden müssen. Aus Sicht der AkdÄ ist daher die Durchführung einer epidemiologischen Studie erforderlich, um zeitlich koinzidente Ereignisse von tatsächlich impfungsbedingten Reaktionen besser abzugrenzen. Nur dann können Nutzen und Risiko der HPV-Impfung verlässlich abgewogen werden.
Das Beispiel Pandemrix: Lehren für die Bewertung von Impfnebenwirkungen
Die Erfahrungen mit dem Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix zeigen, wie wichtig eine sorgfältige Überwachung und Auswertung von Impfnebenwirkungen ist. Dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden im Zusammenhang mit Pandemrix zahlreiche Verdachtsfälle von unerwünschten Reaktionen gemeldet, darunter auch neurologische Symptome.
Obwohl viele der gemeldeten Reaktionen nicht schwerwiegend waren und die meisten Patienten sich wieder vollständig erholten, verdeutlichen die Erfahrungen mit Pandemrix die Notwendigkeit, mögliche Risikosignale frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls darauf zu reagieren.
Was tun bei Taubheitsgefühlen nach der Gardasil-Impfung?
Wenn Sie nach der Gardasil-Impfung Taubheitsgefühle oder andere ungewöhnliche Symptome entwickeln, sollten SieFolgendes tun:
- Konsultieren Sie einen Arzt: Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache der Symptome abzuklären und eine geeignete Behandlung zu erhalten.
- Melden Sie die Nebenwirkung: Melden Sie die Nebenwirkung dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), um zur Überwachung der Sicherheit von Impfstoffen beizutragen.
- Suchen Sie Unterstützung: Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus und suchen Sie Unterstützung bei Selbsthilfegruppen oder Online-Foren.
- Informieren Sie sich: Informieren Sie sich umfassend über die HPV-Impfung, mögliche Nebenwirkungen und alternative Behandlungsmethoden.
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