Taubheitsgefühl nach Lymphknotenentfernung: Ursachen und Behandlungen

Nach einer Lymphknotenentfernung, insbesondere im Rahmen einer Brustkrebsbehandlung, können verschiedene Beschwerden auftreten, darunter auch Taubheitsgefühle. Diese Missempfindungen können unterschiedliche Ursachen haben und verschiedene Behandlungsansätze erfordern. Ziel dieses Artikels ist es, die Ursachen von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung zu beleuchten und einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu geben.

Einführung in das Lymphödem

Ein Lymphödem ist eine Schwellung eines Körperteils, die durch eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit verursacht wird. Es tritt häufig nach Brustkrebsbehandlungen auf, insbesondere wenn Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt oder bestrahlt wurden. Die Lymphe ist eine klare Flüssigkeit, die durch den Körper fließt und eine wichtige Rolle im Immunsystem spielt. Sie hilft bei der Bekämpfung von Infektionen und transportiert Abfallprodukte ab. Wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten geschädigt sind, kann die Lymphe nicht mehr richtig abfließen, was zu einer Schwellung führt.

Ursachen von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung

Taubheitsgefühle nach Lymphknotenentfernung können verschiedene Ursachen haben:

Schädigung von Nerven während der Operation

Während der Operation zur Entfernung von Lymphknoten können Nerven in der Umgebung verletzt werden. Dies kann zu vorübergehenden oder dauerhaften Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen führen. Die Nervenschädigung kann direkt durch die Operation selbst oder durch Narbengewebe entstehen, das auf die Nerven drückt.

Lymphödem

Ein Lymphödem kann nicht nur zu Schwellungen, sondern auch zu Taubheitsgefühlen führen. Die Ansammlung von Lymphflüssigkeit kann Druck auf die Nerven ausüben und ihre Funktion beeinträchtigen. Dies kann sich als Taubheitsgefühl, Kribbeln oder ein Gefühl der Schwere äußern.

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Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN)

Chemotherapie-Medikamente können Nervenschäden verursachen, die als Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) bezeichnet werden. Diese Schäden können sich in verschiedenen Symptomen äußern, darunter Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen und Muskelschwäche. CIPN betrifft häufig die Hände und Füße, kann aber auch andere Körperteile betreffen. Verantwortlich für Symptome wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Schmerzen in den Fußsohlen oder Fingerspitzen sind meist Chemotherapie-Medikamente. Diese zerstören Nervenenden, Nervenzellen oder auch die isolierende Hülle um die Nervenzellfortsätze herum und behindern den Stoff- und Informationsaustausch zwischen Nervenzellen und Gewebe.

Strahlentherapie

Auch Strahlentherapie kann Nervenschäden verursachen und zu Taubheitsgefühlen führen. Die Strahlung kann die Nerven direkt schädigen oder Entzündungen und Narbenbildung verursachen, die auf die Nerven drücken.

Narbengewebe und Verklebungen

Narbengewebe, das sich nach der Operation bildet, kann auf die Nerven drücken und Taubheitsgefühle verursachen. Verklebungen zwischen verschiedenen Gewebeschichten können ebenfalls die Nervenfunktion beeinträchtigen.

Symptome von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung

Die Symptome von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Taubheitsgefühl im Arm, in der Hand oder im Brustbereich
  • Kribbeln oder "Ameisenlaufen"
  • Brennen oder stechende Schmerzen
  • Gefühl der Schwere oder des Anschwellens
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Empfindlichkeit gegenüber Berührung oder Temperatur
  • Muskelschwäche

Diagnose von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung

Die Diagnose von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Anamnese und gegebenenfalls weitere diagnostische Tests. Der Arzt wird nach den Symptomen fragen, die Krankengeschichte erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen, um die Ursache der Taubheitsgefühle zu ermitteln.

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Zu den möglichen diagnostischen Tests gehören:

  • Neurologische Untersuchung: Diese Untersuchung dient dazu, die Nervenfunktion zu beurteilen und festzustellen, ob Nervenschäden vorliegen.
  • Elektromyographie (EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, Nervenschäden zu identifizieren.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsstudie (NLG): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale entlang der Nerven wandern. Sie kann helfen, Nervenschäden zu lokalisieren und zu beurteilen.
  • Ultraschall: Ein Ultraschall kann helfen, Flüssigkeitsansammlungen (Lymphödeme) oder andere Anomalien im Gewebe zu erkennen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Ein MRT kann detaillierte Bilder der Weichteile liefern und helfen, Nervenkompressionen oder andere Ursachen für die Taubheitsgefühle zu identifizieren.

Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Lymphknotenentfernung zielt darauf ab, die Ursache der Beschwerden zu behandeln und die Symptome zu lindern. Die Behandlungsmöglichkeiten können je nach Ursache und Schweregrad der Taubheitsgefühle variieren.

Konservative Behandlung

  • Manuelle Lymphdrainage (MLD): Diese spezielle Massagetechnik hilft, die angestaute Lymphflüssigkeit abzutransportieren und Schwellungen zu reduzieren. Dabei stimuliert eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut das Gewebe unter anderem durch sanfte, kreisende Bewegungen der Handflächen.
  • Kompressionstherapie: Kompressionsbandagen oder -armstrümpfe üben einen leichten Druck auf den Arm aus und erleichtern es den Lymphgefäßen, die Lymphflüssigkeit abzutransportieren. Man trägt sie tagsüber und zieht sie nachts aus, manche Menschen benutzen sie aber auch während der Nacht.
  • Bewegungsübungen: Ein Programm mit geeigneten Übungen wird genau auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut beobachtet außerdem, wie sich die Übungen auswirken. Früher wurde eher dazu geraten, sich nach einer Brustkrebs-Operation zu schonen. Man vermutete, dass Bewegung das Risiko für die Entstehung eines Lymphödems erhöht. Mittlerweile zeigen Untersuchungen, dass das nicht der Fall ist.
  • Hautpflege: Ein Lymphödem zieht auch die Haut in Mitleidenschaft. Es ist deshalb wichtig, die Haut regelmäßig mit Feuchtigkeitscremes oder -lotionen zu pflegen. Therapeutische Fachkräfte können dabei helfen.
  • Schmerzmittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen. Bei stärkeren Schmerzen können auch Opioide erforderlich sein.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Schmerzen zu lindern und die Muskeln zu stärken.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Alltagsaktivitäten zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Nervenschmerzmittel: Bei neuropathischen Schmerzen können Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin helfen, die Nervenschmerzen zu lindern.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Linderung von neuropathischen Schmerzen helfen kann.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu lindern.

Operative Behandlung

In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Taubheitsgefühle zu behandeln. Mögliche operative Eingriffe sind:

  • Lymphknotentransplantation: Bei dieser Operation werden Lymphknoten aus einem anderen Körperbereich in den betroffenen Bereich verpflanzt, um den Lymphabfluss zu verbessern.
  • Lymphovenöse Anastomose: Bei dieser Operation werden die Lymphgefäße an kleine Venen angeschlossen, um die Lymphflüssigkeit in den Blutkreislauf abzuleiten.
  • Nervenrekonstruktion: Bei einer Nervenrekonstruktion werden beschädigte Nerven repariert oder ersetzt.
  • Narbenkorrektur: Eine Narbenkorrektur kann helfen, Narbengewebe zu entfernen, das auf die Nerven drückt.

Weitere Behandlungsansätze

  • Laserbehandlung: Auch eine Laserbehandlung wird manchmal angeboten. Meist zeigt die Therapeutin oder der Therapeut einige Bewegungsübungen und vielleicht auch Massagetechniken für die Anwendung zu Hause.
  • Psychologische Unterstützung: Taubheitsgefühle und chronische Schmerzen können psychisch belastend sein. Eine psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Beschwerden umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Tipps zur Selbsthilfe

Neben den oben genannten Behandlungen können Betroffene auch selbst einiges tun, um die Beschwerden zu lindern:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Durchblutung zu verbessern und die Muskeln zu stärken.
  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann helfen, das Immunsystem zu stärken und Entzündungen zu reduzieren.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht kann das Risiko für ein Lymphödem erhöhen.
  • Vermeidung von Verletzungen: Verletzungen können das Risiko für Infektionen erhöhen.
  • Vermeidung von extremer Hitze und Kälte: Extreme Hitze und Kälte können die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Regelmäßige Hautpflege: Regelmäßige Hautpflege kann helfen, die Haut gesund zu halten und Infektionen vorzubeugen.
  • Hochlagern des Arms: Das Hochlagern des Arms kann helfen, Schwellungen zu reduzieren.
  • Selbstmassage: Sanfte Selbstmassage kann helfen, die Lymphdrainage zu fördern.

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