Taubheitsgefühl nach OP im Gesicht: Ursachen und Behandlungen

Eine Operation im Gesichtsbereich, sei es eine Nasenoperation (Rhinoplastik) oder ein zahnärztlicher Eingriff wie das Einsetzen von Zahnimplantaten, kann in manchen Fällen zu unerwünschten Begleiterscheinungen führen. Dazu gehören Taubheitsgefühle im Oberkiefer, in der Oberlippe, Zahnschmerzen oder sogar eine Gesichtslähmung (Fazialisparese). Diese Symptome sind oft vorübergehend, können aber für Betroffene sehr belastend sein.

Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle

Nasenoperation (Rhinoplastik)

Nach einer Nasenoperation können verschiedene Ursachen für Taubheitsgefühle im Gesicht verantwortlich sein:

  • Beeinträchtigung der Nerven: Der chirurgische Eingriff kann die Nerven im Operationsbereich beeinträchtigen. Ein mögliches Symptom nach einer Nasenoperation kann ein Taubheitsgefühl im Oberkiefer sein, das durch eine Beeinträchtigung der Nerven im Operationsbereich hervorgerufen werden kann.
  • Schwellung des Gewebes: Nach der Operation kann es zu einer vorübergehenden Schwellung im Bereich der Nase kommen, die auf die umliegenden Nerven drücken und Taubheitsgefühle auslösen kann.
  • Nervenverletzung: Bei der Nasenoperation können Nerven verletzt werden, die für die Sensibilität der Oberlippe verantwortlich sind. Häufig tritt das Taubheitsgefühl in der Oberlippe auch im Zusammenhang mit der Schädigung von Nerven im Oberkiefer auf.
  • Falsche Signale an die Zähne: Durch eine mögliche Beeinträchtigung der Nerven im Oberkiefer nach der Operation werden falsche Signale an die Zähne gesendet. Außerdem können Schwellungen im Nasenbereich Druck auf die umliegenden Nerven ausüben, was ebenfalls Zahnschmerzen auslösen kann.
  • Fehlhaltung des Kopfes: In einigen Fällen können Zahnschmerzen nach einer Nasenoperation auch durch eine Fehlhaltung des Kopfes während der Operation verursacht werden.

Zahnimplantate

Auch das Einsetzen von Zahnimplantaten kann zu Taubheitsgefühlen führen:

  • Lokalanästhesie: Vor dem Einsetzen eines Implantats injiziert der Arzt ein Lokalanästhetikum, um Schmerzen während der Operation auszuschließen. Dies führt zu einer Parästhesie (Störung der Empfindlichkeit, Taubheit), da die Nervenenden für 3-4 Stunden blockiert werden. Es kommt vor, dass das Lokalanästhetikum während der Manipulationen seine Wirkung verliert. In diesem Fall kann dem Patienten eine zusätzliche Dosis des Schmerzmittels verabreicht werden. Nach der Installation von Zahnimplantaten können Patienten in den ersten Tagen schmerzhafte Empfindungen, Zahnfleischbluten und Taubheit (Hypästhesie) im Bereich des chirurgischen Eingriffs verspüren.
  • Minderwertige Schmerzlinderung: Die Ursache kann ein schlechtes Lokalanästhetikum, falsche Dosierung oder Schädigung von Nervengewebe bei der Injektion sein.
  • Falsch gewählte Länge des Implantats. Verletzung des Trigeminusnervs während des Einsetzens des Zahnimplantats oder beim Bohren des Lochs für den Stift. Als Folge davon wird der Unterkiefer taub.
  • Verletzung des Trigeminusnervs: Der Trigeminusnerv ist der größte Nerv aller zwölf Schädelnerven. Die Schädigung des Unterkiefernervs und des Oberkiefernervs wird durch Dehnung, Kompression oder teilweise/vollständige Verletzung der Nervenendstrukturen verursacht. Der Arzt kann während des Einsetzens des Titanimplantats (bei Schmerzen des Patienten) oder während der postoperativen Überwachung des Patientenzustands eine Pathologie feststellen.
    • Neuropraxie: Leichte Verletzung (Dehnung) ohne Schädigung der Nervenstruktur.
    • Axonotmesis: Mittelschwere Verletzung, Taubheit des Kinns oder des Zahnfleisches nach der Implantation, begleitet von Schmerzen. Die Integrität des Axons (Nervenzellausläufers) bleibt erhalten. Die Empfindlichkeit kehrt innerhalb von 8-16 Wochen zurück, kann aber später etwas geringer sein als vor der Verletzung.
    • Neurotmesis: Schwerwiegende Verletzung der Nervenenden mit Beeinträchtigung ihrer Integrität (Nerv und Nervenhülle werden beschädigt).

Weitere Ursachen

Abgesehen von Operationen gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle im Gesicht:

  • Neuropathische Schmerzen: Neuropathische Schmerzen beziehungsweise Nervenschmerzen allgemein ist eine charakteristisch veränderte Hautsensibilität. So reagieren Betroffene unter- oder überempfindlich (manchmal auch beides) auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck. Betroffene berichten von Taubheitsgefühlen und/oder Schmerzattacken. Letztere können sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend äußern. Manchmal vermeiden die Betroffenen es, den schmerzbereitenden Körperteil zu bewegen, wodurch die entsprechenden Muskeln verkümmern können.
  • Ischämie: Mangelnde Durchblutung des entsprechenden Bereichs
  • Abgeklemmte oder verletzte Nerven: Beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall
  • Nervenerkrankungen: Wie Polyneuropathie
  • Schädigungen der Haut: Beispielsweise durch Verbrennungen
  • Infektionskrankheiten: Wie Gürtelrose, Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Borreliose
  • Migräne
  • Psychologische Faktoren: Wie Angst- und Panikattacken
  • Tumoren
  • Vergiftungen
  • Diabetes
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Karpaltunnelsyndrom: Bei Taubheitsgefühl in den Händen
  • Fehlhaltungen: Langjährige Fehlhaltungen können dazu führen, dass Körperteile nicht mehr funktionsgerecht benutzt werden, wodurch sich das Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut total verfestigen kann.
  • Fazialisparese: Schwillt der Nervus facialis an - etwa durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren - kann es schnell zu einer Schädigung des Nervs und Funktionsstörungen kommen, die sich dann im Gesicht in Form einer Gesichtslähmung spiegeln.

Symptome und Formen der Hypästhesie

Eine Hypästhesie ist eine herabgesetzte Druck- bzw. Berührungsempfindung und gehört zu den Sensibilitätsstörungen. Sie kann an Armen, Händen, Oberschenkeln, Füßen oder im Gesicht auftreten. Seltener macht sich das Taubheitsgefühl im Kopf- oder Rumpfbereich bemerkbar. Das Taubheitsgefühl kann sowohl einseitig als auch beidseitig spürbar sein. Mögliche Begleiterscheinungen der Hypästhesie sind Schmerzen, Sehstörungen, Sprachstörungen oder Gleichgewichtsprobleme. Häufig setzt ein Kribbeln an der betroffenen Stelle ein, wenn das Taubheitsgefühl nicht nachlässt.

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Die Hypästhesie kann in verschiedenen Formen auftreten:

  • Taktile Hypästhesie: geminderte Berührungs- und Druckempfindung
  • Thermische Hypästhesie: gemindertes Hitze- und Kälteempfinden
  • Hypalgesie: reduziertes Schmerzempfinden
  • Pallhypästhesie: verminderte Wahrnehmung von Vibrationen
  • Anästhesie: kompletter Sensibilitätsausfall

Diagnose

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese. Der Arzt wird Fragen stellen wie:

  • Wann trat das Taubheitsgefühl zum ersten Mal auf?
  • Gibt es bestimmte Situationen, in denen das Taubheitsgefühl auftritt oder sich verschlimmert?
  • Ist das Taubheitsgefühl einseitig oder beidseitig?
  • Ist das Taubheitsgefühl anhaltend oder tritt es nur zeitweise auf?
  • Gibt es Vorerkrankungen, die das Taubheitsgefühl verursachen könnten (z.B. Diabetes)?

Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt das Gleichgewichtsgefühl, die Reflexe, das Sehvermögen, das Gehör und das Bewusstsein des Patienten überprüft.

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie zum Beispiel:

  • Röntgenaufnahmen/Computertomographie: Um mögliche Ursachen im Bereich der Knochen oder Nerven zu identifizieren.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Um Weichteile, Nerven und Gehirn detailliert darzustellen.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
  • Blutuntersuchungen: Um beispielsweise einen Vitamin-B12-Mangel oder andere Erkrankungen auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen im Gesicht richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

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Konservative Maßnahmen

  • Abwarten: Bei leichten Nervenverletzungen kann es ausreichend sein, dem Körper Zeit zur Selbstheilung zu geben.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Entzündungshemmende Medikamente: Wie Ibuprofen oder Paracetamol, um Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
    • Muskelentspannende Medikamente: Um Verspannungen zu lösen, die auf Nerven drücken könnten.
    • Schmerzmittel: Bei Bedarf zur Schmerzlinderung.
    • Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide: Typischerweise gegen neuropathische Schmerzen eingesetzte Medikamente.
    • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen.
    • Vitamin-B-Präparate: Bei Vitamin-B12-Mangel.
  • Physiotherapie: Um die Regeneration der Nerven zu fördern und die Sensibilität wiederherzustellen. Zusätzlich können spezielle Medikamente, die die Nervenstimulation fördern, helfen, das Taubheitsgefühl zu lindern und die normale Sensibilität im Oberkiefer wiederherzustellen.
  • Kälteanwendungen: Regelmäßig kalte Umschläge auf die betroffene Stelle legen, um die Schwellung zu reduzieren und das Taubheitsgefühl zu lindern.
  • Massagen: Sanfte Massagen der Oberlippe können helfen, die Durchblutung zu fördern und das Gewebe zu entspannen. Auch eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Nährstoffen ist wichtig, um den Heilungsprozess zu unterstützen und das Taubheitsgefühl zu lindern.
  • Vermeidung von Nikotin: Rauchen sollte vermieden werden, da Nikotin die Durchblutung beeinträchtigen und den Heilungsprozess verlangsamen kann.
  • Übungen zur Stärkung der Gesichtsmuskulatur: In einigen Fällen können auch spezielle Übungen zur Stärkung der Gesichtsmuskulatur helfen, das Taubheitsgefühl in der Oberlippe zu lindern.
  • Pohltherapie®: Bindegewebsbehandlung der Haut und Unterhaut.

Invasive Maßnahmen

  • Chirurgische Intervention: Bei schwerwiegenden Nervenschädigungen oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten oder zu reparieren.
  • Implantat entfernen oder neu positionieren: In seltenen Fällen muss ein Zahnimplantat entfernt oder neu positioniert werden, wenn es auf einen Nerv drückt.
  • Selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren: Bei neuropathischen Schmerzen.

Behandlung der Fazialisparese

  • Kortison: Um Entzündungen im Körper zu bekämpfen.
  • Durchblutungsfördernde Medikamente: Mittels Infusionen.
  • Vitamin-B-Komplex: Bei Vitamin-B12-Mangel.
  • Augenpflege: Da bei den meisten Patienten und Patientinnen mit peripherer Fazialisparese eine Schädigung der Lidschluss-Funktion besteht, muss das Auge besonders gepflegt werden, damit sich die Hornhaut nicht entzündet. Das geschieht mit künstlicher Tränenflüssigkeit und Augensalbe. Nachts tragen Patienten einen sogenannten Uhrglasverband (eine Art durchsichtige Augenklappe im Pflasterformat), um vor Austrocknung zu schützen.
  • Botulinum-Toxin: Bei unwillkürlichen Zuckungen der mimischen Muskulatur oder unbeabsichtigte Mitbewegungen der Mimik.
  • Rekonstruktive, plastische Operation: Bei chronischer Gesichtslähmung und gestörtem Lidschluss.

Wichtig

  • Frühzeitige Diagnose: Bei anhaltenden oder starken Taubheitsgefühlen sollte frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
  • Umfassende Aufklärung: Nasenchirurgen sollten ihre Patientinnen und Patienten umfassend über mögliche Risiken und Komplikationen aufklären und sie bei der Bewältigung der postoperativen Beschwerden unterstützen.
  • Individuelle Therapie: Die Therapie muss individuell auf den Patienten und die Ursache des Taubheitsgefühls abgestimmt werden.
  • Geduld: Die Heilung von Nervenschäden kann Zeit in Anspruch nehmen. Es ist wichtig, geduldig zu sein und die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen.
  • Zweitmeinung: In Zeiten vieler unnötiger Operationen an der Wirbelsäule wird die ärztliche Zweitmeinung immer wichtiger. Am besten ist es, sich persönlich in einem spezialisierten Zentrum vorzustellen.

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