Taubheitsgefühl im Ohr nach Reinigung: Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Das Ohr ist ein hochempfindliches Sinnesorgan, das für das Hören und das Gleichgewicht verantwortlich ist. Ein Taubheitsgefühl im Ohr nach der Reinigung kann beunruhigend sein und verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Behandlungen und präventiven Maßnahmen, um dieses lästige Gefühl zu verstehen und zu lindern.

Die Selbstreinigung des Ohrs

Bevor wir uns den Ursachen für Taubheitsgefühle zuwenden, ist es wichtig, die natürliche Reinigungsfunktion des Ohrs zu verstehen. Unsere Ohren sind grundsätzlich selbstreinigend. Winzige Flimmerhärchen im Gehörgang bewegen sich ständig und befördern zusammen mit dem Ohrenschmalz Schmutzpartikel, abgestorbene Hautschüppchen und überschüssiges Ohrenschmalz in Richtung Ohrmuschel. Diese "Abfälle" können dann einfach mit einem Wattepad, einem Zellstofftuch oder einem Waschlappen entfernt werden.

Wattestäbchen sind kontraproduktiv, da sie den Schmutz oft tiefer in den Gehörgang schieben und so einen Ohrenschmalzpfropf verursachen können.

Ursachen für ein Taubheitsgefühl im Ohr nach der Reinigung

Ein Taubheitsgefühl im Ohr nach der Reinigung kann verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen Reizungen bis hin zu ernsthafteren Erkrankungen reichen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

1. Übermäßige Ohrenreinigung

Eine zu intensive Reinigung mit Wattestäbchen oder anderen Gegenständen kann die empfindliche Haut des Gehörgangs reizen oder verletzen. Dies kann zu Entzündungen und einem Taubheitsgefühl führen. Außerdem wird durch das ständige Reinigen das schützende Ohrenschmalz entfernt.

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2. Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans)

Wattestäbchen können das Ohrenschmalz nicht entfernen, sondern in den Gehörgang zurückschieben und dort festdrücken. In diesen Fällen bildet sich ein Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans), der das Ohr komplett verschließen und eingeschränktes Hörvermögen bis hin zu Schwerhörigkeit bedingen kann.

3. Gehörgangsentzündung (Otitis externa)

Eine Gehörgangsentzündung, auch Otitis externa genannt, kann durch Bakterien, Pilze oder Viren verursacht werden. Häufige Ursachen sind Reizungen durch In-Ear-Geräte, Pickel oder Furunkel im Gehörgang, häufiges Schwimmen oder das Reinigen der Ohren mit Wattestäbchen. Die Entzündung führt zu Schwellungen, Rötungen und Schmerzen, die mit einem Taubheitsgefühl einhergehen können.

4. Druckunterschiede

Plötzliche Druckveränderungen, wie sie beim Fliegen, Tauchen oder Bergsteigen auftreten, können zu einem Druckgefühl im Ohr führen. Wenn die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) den Druck nicht schnell genug ausgleichen kann, entsteht ein unangenehmes Gefühl, das sich wie ein Taubheitsgefühl anfühlen kann.

5. Mittelohrentzündung (Otitis media)

Eine Mittelohrentzündung tritt auf, wenn ein Virus (oder Bakterium) eine Infektion im Mittelohr verursacht, in Folge der sich das Ohr mit Schleim und Flüssigkeit verschließt. Diese Entzündungen können sehr schmerzhaft sein und gehen oft mit hohem Fieber, Schwerhörigkeit, Übelkeit, einem starken Kribbeln und einem Taubheitsgefühl im betroffenen Ohr einher.

6. Trommelfellverletzung

Eine Trommelfellverletzung entsteht durch eine direkte Gewalteinwirkung, zum Beispiel durch spitze oder stumpfe Gegenstände, Verbrennungen und Verätzungen, oder eine rasche Änderung des Umgebungsdrucks, beispielsweise im Flugzeug, beim Tauchen, bei einer Explosion oder einem Schlag auf das Ohr. Typische Symptome einer Trommelfellverletzung sind stechende Schmerzen im Ohr, plötzliche Schwerhörigkeit und manchmal leichte Blutungen aus dem Gehörgang. Gelangen Keime oder Fremdkörper durch das verletzte Trommelfell in das Mittelohr, kann eine Mittelohrentzündung mit starken Ohrenschmerzen entstehen. Ist auch das Innenohr gereizt oder verletzt, kommt es oft zu Schwindel und Übelkeit sowie zu Ohrgeräuschen (Tinnitus).

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7. Durchblutungsstörungen

Durchblutungsstörungen im Ohr können ebenfalls zu einem Taubheitsgefühl führen. Die Blutgefäße, die das Ohr versorgen, sind sehr fein. Unmittelbare Auslöser für Durchblutungsstörungen im Ohr können Ablagerungen in den Arterien sein. Blutfette und Kalk verstopfen die Blutgefäße und sorgen dafür, dass feine Verästelungen wie die im Ohr nicht mehr ausreichend durchblutet werden können. Zu Durchblutungsstörungen im Ohr kann es jedoch auch durch Schädelverletzungen oder Blockaden der Halswirbelsäule kommen. Stress steht ebenfalls in Verdacht, die Durchblutung der Ohren beeinträchtigen zu können.

8. Weitere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für ein Taubheitsgefühl im Ohr sind:

  • Morbus Menière (eine Erkrankung des Innenohrs)
  • Neuropathie (Nervenschäden, z. B. bei Diabetes)
  • Stress
  • Erkältung
  • Allergie
  • Tumore im Gehörgang oder Mittelohr (selten)

Symptome, die mit einem Taubheitsgefühl im Ohr einhergehen können

Das Taubheitsgefühl im Ohr kann von verschiedenen anderen Symptomen begleitet sein, die auf die zugrunde liegende Ursache hinweisen können:

  • Ohrenschmerzen
  • Druckgefühl im Ohr
  • Hörverlust
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schwindel
  • Juckreiz im Ohr
  • Ausfluss aus dem Ohr
  • Kribbeln im Ohr
  • Verstopfte Nase
  • Halsschmerzen

Behandlungsmethoden

Die Behandlung eines Taubheitsgefühls im Ohr hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Hier sind einige gängige Behandlungsansätze:

1. Entfernung eines Ohrenschmalzpfropfs

Ein Ohrenschmalzpfropf sollte von einem HNO-Arzt entfernt werden. Dies kann durch Ausspülen des Ohrs, Absaugen des Pfropfs mit einem "Mini-Staubsauger" oder mit einem speziellen Häkchen erfolgen.

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2. Behandlung einer Gehörgangsentzündung

Eine Gehörgangsentzündung wird in der Regel mit Ohrentropfen behandelt, die desinfizierende, antibiotische oder antimykotische Wirkstoffe enthalten. Bei schweren Entzündungen können auch Antibiotika in Tablettenform erforderlich sein.

3. Druckausgleich

Bei Druckgefühl im Ohr aufgrund von Druckunterschieden können verschiedene Maßnahmen helfen, den Druckausgleich zu fördern:

  • Gähnen
  • Schlucken
  • Kaugummikauen
  • Valsalva-Manöver (Nase zuhalten und Luft ausatmen)
  • Abschwellendes Nasenspray (bei Erkältungen)

4. Behandlung von Durchblutungsstörungen

Die Behandlung von Durchblutungsstörungen im Ohr ist nicht einheitlich geregelt. Sie richtet sich nach der Ursache der Beschwerden und muss daher individuell erfolgen. Eine Kontrolle des Blutdrucks und eine Therapie der Arteriosklerose können helfen, die Beschwerden zu verbessern. Blutverdünnende Medikamente können ebenso angewendet werden. Werden die Beschwerden von Wirbelsäulenproblemen ausgelöst, können Physiotherapie und Osteopathie eingesetzt werden. Bei einem akuten Hörsturz findet die Erstversorgung meist mit Kortison statt.

5. Weitere Behandlungen

Je nach Ursache des Taubheitsgefühls können weitere Behandlungen erforderlich sein, wie z. B.:

  • Medikamente gegen Morbus Menière
  • Schmerzmittel
  • Antihistaminika (bei Allergien)
  • Chirurgische Eingriffe (z. B. bei Trommelfellverletzungen oder Tumoren)

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen ist ein Taubheitsgefühl im Ohr harmlos und verschwindet von selbst. In folgenden Fällen sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden:

  • Das Taubheitsgefühl hält länger als ein paar Tage an.
  • Es treten zusätzliche Symptome wie starke Schmerzen, Hörverlust, Schwindel, Ausfluss oder Blutungen aus dem Ohr auf.
  • Es besteht der Verdacht auf einen Hörsturz.
  • Das Taubheitsgefühl tritt nach einer Kopfverletzung oder einem Unfall auf.
  • Es besteht eine Vorerkrankung wie Diabetes oder eine Immunschwäche.

Vorbeugung

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, einem Taubheitsgefühl im Ohr vorzubeugen:

  • Vermeiden Sie eine übermäßige Ohrenreinigung. Reinigen Sie das äußere Ohr sanft mit einem feuchten Tuch. Verwenden Sie keine Wattestäbchen oder andere Gegenstände, um in den Gehörgang einzudringen.
  • Schützen Sie Ihre Ohren vor Lärm. Tragen Sie bei lauten Umgebungen einen Gehörschutz.
  • Vermeiden Sie das Rauchen. Rauchen kann die Durchblutung der Ohren beeinträchtigen.
  • Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und Stressabbau können die Gesundheit Ihrer Ohren fördern.
  • Lassen Sie Ihre Ohren regelmäßig von einem HNO-Arzt untersuchen. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie zu Ohrenproblemen neigen.
  • Trocknen Sie Ihre Ohren nach dem Schwimmen oder Duschen sorgfältig ab. Dies kann helfen, Gehörgangsentzündungen vorzubeugen.
  • Reinigen Sie Mehrwegohrstöpsel regelmäßig.

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