Texte Schreiben bei Migräne: Ein umfassender Leitfaden

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der allein in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen betroffen sind. Sie ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz und kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich der Rolle von Tagebüchern, Apps und dem Umgang mit der Erkrankung im Arbeitsleben.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine eigenständige primäre Erkrankung und nie das Symptom einer anderen Erkrankung! Bei einer Migräne-Attacke treten typischerweise starke, pulsierende Kopfschmerzen meist auf nur einer Seite des Kopfes auf. Sie verschlimmern sich bei körperlicher Bewegung. Häufig treten Begleitsymptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen auf. In manchen Fällen geht der Migräne eine sogenannte Aura voraus, die etwa Sehstörungen und weitere Symptome umfassen kann.

Migräne ist eine häufige Erkrankung: Im Laufe eines Jahres sind etwa zehn bis 15 von 100 Menschen von Migräne betroffen. Die Attacken treten besonders oft zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auf. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Dieser Unterschied zwischen beiden Geschlechtern ist mit circa 30 Jahren am größten.

Bereits Kinder können an Migräne leiden, typisch ist aber ein erstes Auftreten nach der Pubertät. Jungen und Mädchen sind in etwa gleich häufig betroffen.

In der Regel haben Betroffene nur an manchen Tagen Kopfschmerz-Attacken, sind an den meisten Tagen im Monat aber schmerzfrei.

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Ursachen und Auslöser

Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Die sogenannten Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress: Besonders bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit treten Migräneanfälle auf.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.

Symptome und Verlauf

Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen. Diese dauern unterschiedlich lange und müssen nicht zwingend alle auftreten.

Prodromalphase

In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten.

Aura

Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten. Diese kann verschiedene Anzeichen haben:

  • Sehstörungen: Bei einer visuellen Aura kommt es zum Beispiel zu einem Flimmersehen oder zum Sehen von Zickzack-Linien, zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) oder die Betroffenen sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie).
  • Empfindungsstörungen: Ein häufiges Aura-Symptom ist ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.
  • Weitere Einschränkungen: Zum Beispiel kann das Sprachvermögen gestört sein (Aphasie). Sehr selten kommt es zu Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen (Paresen). Die Migräne-Aura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher.

Kopfschmerzphase

Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle. Sie nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.

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Diagnose

Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl vorbeugende Maßnahmen als auch die Akuttherapie von Anfällen.

Vorbeugung

Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.

Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wir Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Welche Mittel wann helfen, erfahren Sie hier.

Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante.

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Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.

Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.

Akuttherapie

Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.

Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.

Besondere Patientengruppen

Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein.

Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.

Migräne mit Aura

Wenn Ihre Migräne mit Lichtblitzen, Flimmern, einem kurzzeitigen Verlust des Sehvermögens, Schwindel, Taubheitsgefühl oder Sprechstörungen verbunden ist, die vor Beginn des Kopfschmerzes auftreten, dann leiden Sie unter einer Migräne mit Aura. Sobald Aura-Symptome auftreten, sollten Sie sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückziehen, sich hinlegen und die Augen schließen. Wichtig: Falls Sie bisher keine Migräne mit Aura hatten und plötzlich auch noch ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite spüren bzw. Schwierigkeiten beim Sprechen haben, sollten Sie sofort zum Arzt gehen. Grundsätzlich ist die Behandlung bei beiden Migräne-Formen die gleiche. Schnelle Linderung bringen Schmerztabletten, die Koffein enthalten. Sollte die Aura sehr lang sein, kann der Arzt zudem eine medikamentöse Prophylaxe über mindestens drei Monate empfehlen.

Das Migräne-Tagebuch

Das Migräne-Tagebuch, auch Migräne-Kalender oder Kopfschmerz-Kalender genannt, hat die Aufgabe, Auslöser der Migräne zu entlarven. Dadurch können diese sogenannten Trigger zukünftig vermieden und in der Folge die Anfälle reduziert werden.

Wenn Sie solch ein Migräne-Tagebuch führen, ist es wichtig, zu überlegen, in welcher Situation sich die Symptome zeigen. Außerdem geben Sie an, welche Medikamente Sie bei welchen Symptomen einnehmen und ob diese Ihnen helfen.

Inhalt eines Migräne-Tagebuchs

  • Monatsübersicht: Eine Übersichtsseite des Migräne-Tagebuchs umfasst inhaltlich die Ereignisse eines Monats. Die Zahlen am Rand stehen für das jeweilige Datum im laufenden Monat. So können Sie nachvollziehen, an welchen Tagen es zum Beispiel gehäuft zu Migräne-Anfällen kam, wie viele Tage im jeweiligen Monat insgesamt betroffen waren und ob die Migräne-Tage aufeinander folgen - zum Beispiel an einem Wochenende - oder es beschwerdefreie Pausen dazwischen gibt.
  • Stärke der Schmerzen: Ordnen Sie die Schmerzen auf einer Skala ein: stark (S), mittel (M) oder leicht (L). So können Sie zum Beispiel sehen, ob die Schmerzen anhaltend stark sind oder an- bzw. absteigend im Verlauf der Migräne-Attacke.
  • Dauer der Schmerzen: Besonders relevant - nicht nur für Sie, sondern auch für den Arzt - ist die Frage, wie lange die Schmerzen in der Regel anhalten: weniger als 6 Stunden (<), zwischen 7 und 12 Stunden (>) oder länger als 12 Stunden (!). Daran können Sie zum Beispiel ablesen, ob alle Migräne-Anfälle in Hinblick auf die Schmerzdauer gleich sind oder ob es, möglicherweise in Abhängigkeit von bestimmten Triggern, verschieden lange Schmerzphasen gibt.
  • Art und Ort der Kopfschmerzen: Bei den Kopfschmerzen, die bei einer Migräne auftreten, unterscheidet man zwischen pulsierendem/pochendem und dumpfem/drückenden Schmerz. Ob die Schmerzen ein- oder beidseitig auftreten, ist ebenfalls wichtig.
  • Begleitsymptome: Migräne geht mit verschiedenen Symptomen einher, zum Beispiel mit einer Aura. In dieser Spalte kreuzen Sie an, welche Beschwerden den Migräne-Anfall kennzeichnen. Nicht immer treten alle Symptome bei jeder Migräne-Attacke auf!
  • Auslöser: Bei der Beschreibung der Auslöser geht es darum, festzuhalten, was in etwa zu dem Zeitpunkt passiert ist, als es zu einer Migräne-Attacke kam. Das können Nahrungsmittel sein, Stress, Schlafmangel oder hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus.
  • Nahrungsmittel und Getränke: Auch Nahrungsmittel oder Getränke, die Sie unmittelbar vor dem Migräne-Anfall konsumiert haben, sind relevant. Bestimmte Inhaltsstoffe begünstigen in manchen Fällen eine Migräne-Attacke.
  • Medikamente: Hier tragen Sie die Migräne-Medikamente ein, die Sie gegen die Beschwerden eingenommen haben. Hier wird nicht nach Medikamenten gefragt, die Sie aufgrund anderer Beschwerden einnehmen, zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck. Typische Medikamente in dieser Spalte sind Ibuprofen, ASS, Triptane, Vomex und andere.
  • Dosis und Darreichungsform: Notieren Sie, in welcher Dosierung und Darreichungsform (Tropfen, Tabletten, Zäpfchen, Spritze) Sie die Migräne-Medikamente eingenommen haben.
  • Wirkung: Geben Sie hier an, ob die Einnahme geholfen hat oder nicht oder ob die Beschwerden dadurch nur ein wenig nachgelassen haben.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Hier können Sie eintragen, welche anderen Maßnahmen, etwa Akupunktur oder Massagen, Ihnen helfen konnten.
  • Krankmeldung: Manchmal sind die Migräne-Attacken so stark, dass eine Krankmeldung nötig ist.

Migräne-Apps

Mit fast allen Migräne-Apps - die oft mit der Smartwatch verbunden werden können - lassen sich Schmerzverläufe, Begleiterscheinungen der Migräne und die Einnahme von Medikamenten dokumentieren. Mit einigen Angeboten gehen Sie eventuell auch Ursachen für den Kopfschmerz auf den Grund. Beispielsweise, indem die App selbstständig Wetterdaten erfasst. Oder indem sie mögliche Auslöser einer Migräne-Attacke wie Stress, Schlafmangel, Alkohol oder bei Frauen Zyklusschwankungen abfragt.

Manche Migräne-Apps bieten zusätzlich Entspannungstrainings an, für die mitunter zusätzliche Kosten anfallen.

Mit Kopfschmerz-Apps können die Betroffenen die Häufigkeit und Dauer von Beschwerden und Begleitsymptome nicht nur dokumentieren, sondern die Daten auch direkt via Smartphone an ihre Arztpraxis schicken. Ärztinnen und Ärzte gehen zunehmend dazu über, die Medikation mit diesen Ergebnissen abzustimmen.

Einige Apps sind kostenlos, andere lassen sich die Zusatzfunktionen extra zahlen oder müssen gekauft werden. Bevor Sie für Apps bezahlen, sollten Sie jedoch klären, ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Im Zuge des Digitalen-Versorgung-Gesetzes können Medizin-Apps für das Smartphone verschrieben werden. Darunter fallen ebenso Migräne-Apps. Die Kosten für die digitalen Anwendungen werden zunächst für ein Jahr von den Kassen übernommen - die Möglichkeit einer weiteren Übernahme wird derzeit geprüft.

Migräne im Arbeitsleben

Migräniker können hervorragende Mitarbeiter und erstklassige Chefs sein. Ob Queen Victoria oder Bill Clinton - sie alle litten oder leiden noch an den oft einseitig pulsierenden Kopfschmerzen und waren oder sind aufgrund der neurologischen Erkrankung zeitweise arbeitsunfähig, deshalb aber nicht weniger professionell. Ein wichtiges Meeting mit einem neuen Kunden steht bevor, doch eine akute Migräneattacke kündigt sich an, die trotz passender Medikamente nicht besser wird? Betroffene wissen: Durch die Einschränkungen lässt sich jetzt nicht konzentriert und produktiv arbeiten. Zudem drohen Begleiterscheinungen wie Wahrnehmungsstörungen, die je nach Tätigkeit ein Verletzungsrisiko für dich und andere bergen können. Allerdings darfst du beides nur nach Rücksprache mit deinem Vorgesetzen tun. Informiere diesen unverzüglich über deine Migräneattacke - ohne ins Detail zu gehen. Gut zu wissen: Bis zu drei Tage darfst du in der Regel wegen einer akuten Migräneattacke am Stück daheimbleiben, ohne dass du eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vom Arzt vorlegen musst. Gerade im Hinblick auf die Fristen und sonstigen Formalitäten bei einer Krankschreibung gibt es immer wieder Unklarheiten. Meldest du dich wegen deiner Migräne zu spät krank, kann dir sogar eine Abmahnung drohen. Bemerkst du zu Hause, dass eine Migräne-Attacke bevorsteht, nimm unverzüglich deine Migränemedikamente ein und melde dich spätestens 30 Minuten nach Arbeitsbeginn krank. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt sollte dem Arbeitgeber spätestens am vierten Krankheitstag vorliegen. Auch wenn dein Chef im besten Fall von deiner Migräne weiß, bist du nicht verpflichtet, den genauen Grund anzugeben. Vermeide es auf jeden Fall, konkrete Beschwerden wie Übelkeit oder Sehstörungen zu nennen und bleibe möglichst neutral. Kehrst du nach einer Krankschreibung wegen Migräne in den Arbeitsalltag zurück, kann es passieren, dass sich Kollegen nach deinem Befinden erkundigen. Denke in dieser Situation daran, dass diese meist nur höflich sein wollen und nicht wirklich an Details deiner Erkrankung interessiert sind. Für einen Austausch auf Augenhöhe eignen sich Freunde oder Selbsthilfegruppen besser. Mit deinen Vorgesetzten solltest du offen über deine Erkrankung sprechen. Lass deinen Arbeitgeber wissen, dass du gute Behandlungsoptionen an der Hand hast und versuche, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, wie der Arbeitsplatz möglichst migränefreundlich gestaltet werden kann. Dies kann ein geschlossenes Geschäftszimmer - statt Großraumbüro - oder die Vermeidung von Reizen durch Publikumsverkehr sein.

Umgang mit einem akuten Anfall

Plötzliche, meist einseitige heftige Kopfschmerzen, Übelkeit und Empfindlichkeit gegen Geräusche und Licht sind typische Symptome einer Migräneattacke. Für Betroffene ist das eine Qual, weil es Stunden, manchmal auch Tage, dauern kann, bis sie sich wieder gesund fühlen. Aber Sie können bei einem Migräneanfall frühzeitig was tun und die Beschwerden damit stark abmildern. Wenn Sie erste Anzeichen einer Migräne spüren, ziehen Sie sich am besten gleich in einen dunklen, ruhigen Raum zurück. Versuchen Sie, sich zu entspannen. Vielleicht können Sie sogar schlafen? Manchmal wird es auch ohne Medikamente besser. Eine kalte Kompresse, auf die Stirn gelegt, kann den Schmerz etwas betäuben. Ähnlich ist es mit ein paar Tropfen Pfefferminzöl, die Sie auf Stirn und Schläfen einmassieren. Eine klinische Studie von 2012 mit Lavendelöl zeigte ebenfalls positive Wirkung. Auch eine Tasse Kaffee, am Anfang der Migräne-Attacke getrunken, kann die Schmerzen lindern.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (GMKG) gibt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine hervorgehobene Empfehlung für zwei Tabletten der fixen Kombination ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg). Die Kombination der Wirkstoffe sorgt dafür, dass das Schmerzmittel 15 Minuten schneller und außerdem stärker wirkt. Patienten, die starke Migräne haben, können sich von ihrem Arzt Triptane verschreiben lassen. Diese Wirkstoffe besetzen die Serotonin-Rezeptoren und sorgen so für eine Verengung der Blutgefäße. Außerdem verhindern sie das Freisetzen von Neuropeptiden (das sind entzündliche Eiweißstoffe) im Gehirn. Es gibt sieben Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan). Drei davon (Almo-, Nara- und Sumatriptan) gibt es rezeptfrei als Tabletten, die anderen muss der Arzt verschreiben. Bei vielen Patienten tritt Migräne in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen auf. Für sie können Schmerzmittel in Zäpfchenform eine verträglichere Alternative sein, weil die Mittel so nicht durch den Magen hindurchmüssen. Die Patienten können die Schmerzmittel aber auch in Verbindung mit einem Antiemetikum, also einem Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (zum Beispiel Metoclopramid), einnehmen. Nehmen Sie am besten zuerst das Antiemetikum und danach das Schmerzmittel ein. Sprechen Sie aber wegen möglicher Wechselwirkungen vorab mit Ihrem Arzt. Fragen Sie ihn auch, ob er Ihnen ein Triptan als Nasenspray oder Fertigspritze verschreibt.

Migräne in der Schwangerschaft

Normalerweise nehmen Patienten Schmerzmittel, wenn sie eine Migräneattacke haben - aber wie ist es in der Schwangerschaft?

Eine gute Nachricht: 50 bis 80 Prozent der Schwangeren haben während der Schwangerschaft deutlich weniger und zudem weniger intensive Migräneanfälle, bei einigen hört die Migräne für diese Zeit sogar ganz auf. Woran liegt das? Ein häufiger Migräne-Auslöser für Frauen ist der durch den monatlichen Zyklus schwankende Östrogenspiegel. Wenn sich dann die Blutgefäße im Gehirn ausdehnen, um den zusätzlichen Blutfluss aufzunehmen, können sie gegen die Nervenenden drücken, was Schmerzen verursachen kann. Im Verlauf der Schwangerschaft stabilisiert sich der Hormonspiegel. Aber wie ist es, wenn Sie während der Schwangerschaft trotzdem Migräne bekommen? Was hilft schnell und ist ungefährlich für das ungeborene Kind? Die beste Strategie ist die Vorbeugung. Viele Migräne-Patientinnen kennen ihre Trigger (Migräneauslöser) und können sie vermeiden. Schmerzmittel sollten Schwangere grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt und in der niedrigstmöglichen Dauer und Dosis einnehmen. Und nicht alle Medikamente sind geeignet. Ibuprofen, ASS, Diclofenac und Naproxen sind, so die Experten der DMKG, im zweiten Trimester zulässig, im ersten sollten sie nur gelegentlich genommen werden, falls Paracetamol nicht wirkt. Im dritten Trimester empfiehlt die DMKG, auf NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und ASS) zu verzichten.

Chronische Migräne

Etwa zehn Prozent der Migräne-Patienten leiden unter einem chronischen Verlauf der Krankheit. Was können Sie tun, wenn Sie ständig Migräne haben? Um das zu vermeiden, kann Ihnen Ihr Arzt eine medikamentöse Migräne-Vorbeugung verschreiben. Hier wird eine andere Form von Medikamenten eingesetzt. Etwa Betablocker wie Metoprolol bzw. Propranolol, Antiepileptika wie Topiramat und Kalziumkanalblocker wie Flunarizin. Es gibt auch Behandlungsmethoden ohne Medikamente, die vorbeugend unterstützen können. Etwa das Vermeiden von Triggern. Die können sehr unterschiedlich sein - manchmal hängt die Migräne auch mit dem Wetter zusammen: Ein plötzlicher Temperaturwechsel kann dann eine Attacke auslösen. Empfehlenswert ist es auch, wenn Migräne-Patienten einmal ihren Lebensstil überprüfen - auch auf diese Weise kann man Migräne vorbeugen: Regelmäßiger Schlaf, feste Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und das Vermeiden von Stress können sich positiv auswirken. Gute Mittel gegen Stress sind Entspannungsübungen wie Biofeedback und Progressive Muskelentspannung, außerdem leichtes Ausdauertraining (Laufen, Radfahren an der frischen Luft) und Bewegungsarten wie Yoga.

Falsche Vorstellungen und Ratschläge

Es ist wichtig, sich von falschen Vorstellungen und unqualifizierten Ratschlägen zu distanzieren:

  • Migräne ist eine neurologische Erkrankung und entsteht nicht durch ein stressiges Leben.
  • Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die nicht durch Allergien bedingt ist. Auch besteht keine Vergiftung im Körper, nichts muss ausgeleitet, entschlackt oder entsäuert werden. Diäten sind wirkungslos. Wichtig ist vielmehr eine vollwertige Mischkost, die ausreichend Kohlenhydrate enthalten sollte.
  • Tipps wie "Wahrscheinlich verträgst Du ein Nahrungsmittel nicht. Warst Du schon beim Heilpraktiker?" oder "Wenn Du dies oder jenes nicht versuchst, kann man Dir auch nicht helfen" sind für Betroffene nicht hilfreich.

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