Der Tag der Demenz ist ein wichtiger Anlass, um das Bewusstsein für Demenzerkrankungen zu schärfen und die Lebenssituation von Betroffenen und ihren Angehörigen zu verbessern. Seit 1994 findet der Welt-Alzheimertag jährlich am 21. September statt, initiiert von Alzheimer’s Disease International (ADI) mit Unterstützung der WHO. Rund um diesen Tag und die dazugehörige Woche der Demenz organisieren Alzheimer Gesellschaften und Selbsthilfegruppen bundesweit zahlreiche Veranstaltungen.
Veranstaltungen und Aktionen rund um den Tag der Demenz
Die Woche der Demenz, die 2025 vom 19. bis zum 28. September stattfand, stand unter dem Motto "Demenz - Mensch sein und bleiben!". Ziel war es, die Gesellschaft für die Situation der rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen in Deutschland zu sensibilisieren.
Einige Beispiele für Veranstaltungen und Aktionen im Rahmen der Woche der Demenz 2025:
- Offenes Forum: Am Montag, 22. September 2025, fand von 16 bis 18 Uhr ein offenes Forum zum Thema "Umgang und Kommunikation mit Menschen mit Demenz - eine Geduldsprobe" statt.
- Tag der Offenen Tür: Am Donnerstag, 25. September 2025, gab es einen Tag der offenen Tür mit einem vielfältigen Programm, darunter Kurzfilme und Diskussionen, Atemtechniken, Informationen zum Alltag mit Demenz und Selbstfürsorge für Angehörige.
- Ökumenischer Segnungsgottesdienst: Am Sonntag, 28. September 2025, fand um 15 Uhr ein ökumenischer Segnungsgottesdienst unter dem Motto "Mensch sein und bleiben!" statt.
Politische und gesellschaftliche Initiativen
Die Berliner Koalition aus CDU und SPD hat sich im Koalitionsvertrag dazu bekannt, Berlin zu einer "demenzfreundlichen Kommune" zu machen. Im Rahmen einer Fachtagung am 20. September 2024 wurden die pflegepolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen im Abgeordnetenhaus zu ihren Plänen und Bemühungen befragt.
Christian Zander (CDU) verwies auf bestehende Angebote wie Pflegestützpunkte und die Förderung der Alzheimer Gesellschaft. Er betonte jedoch auch die Notwendigkeit des Einsparens in allen Bereichen und sah derzeit keine Möglichkeit für die Einrichtung eines „Kompetenzzentrums Berlin“. Dennoch sei Berlin auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Stadt, unter anderem durch präventive Hausbesuche und Aktivitäten von Pflege 4.0.
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Lars Düsterhöft (SPD) formulierte schriftlich die Ideen seiner Partei für eine demenzfreundliche Stadt: Berlin solle eine Stadt werden, in der Menschen mit Demenz gut leben können. Dazu seien spezielle Angebote in Sachen Beratung, Unterstützung und Betreuung sowie eine Anpassung der städtischen Infrastruktur notwendig. Besonders wichtig sei ihm eine größere gesellschaftliche Wahrnehmung des Themas und Schulungen für Menschen im Dienstleistungsbereich und in der Verwaltung. Seine Partei plane die Einrichtung eines Kompetenzzentrums Demenz.
Vorträge und Perspektiven von Experten
Im Rahmen der Fachtagung wurden Vorträge aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft gehalten, darunter:
- Frau Engelhard, Präventionsbeauftragte der Polizei Berlin, sprach über polizeiliche Maßnahmen im Zusammenhang mit an Demenz erkrankten Personen.
- Dr. med. Rainer Koch, Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie und Palliativmedizin der Alexianer St. Hedwig Kliniken, erklärte demenzsensible Prozess- und Milieugestaltung im Krankenhaus.
- Tim Tschauder, Inklusionsmanager beim Landessportbund Berlin e.V., und Leroy Henze, Sport für Alle, berichteten von Möglichkeiten der Inklusion im und durch Sport sowie spezielle Angebote im Sport für Menschen mit demenziellen Erkrankungen.
- Alena Surina vom Jüdischen Museum Berlin erzählte sehr anschaulich über Führungen für Menschen mit Demenz und ihre Begleitung unter dem Titel BILDER MACHEN LEUTE.
- Katrin Albroscheit vom Geistlichen Zentrum für Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen sprach über Musik, Tanz und Begegnung.
Neues Vormundschafts- und Betreuungsrecht
Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September 2023 wurde zu Information und Austausch zum neuen Vormundschafts- und Betreuungsrecht eingeladen, das seit dem 1. Januar 2023 in Kraft ist. Die zentrale Frage war, ob mehr Selbstbestimmung und bessere Qualität in der rechtlichen Betreuung auch für Menschen mit Demenz gilt.
Rechtsanwalt Klaus Bobisch erläuterte die Reformen und die aktuelle Rechtslage. Eine demenzielle Erkrankung allein reiche demnach nicht aus, um eine Betreuung zu begründen. Nur bei ernsten Hinweisen auf Schwierigkeiten, die eine Gefahr für Leben und Vermögen darstellen, greife das Recht auf Betreuung. Ziel der Maßnahmen sei es, Betreuungen so lange wie möglich zu vermeiden und erst nach der Ausschöpfung „erweiterter Hilfen“ eine Betreuung einzusetzen.
Marie Schäffler und Frau Gunkel vom Betreuungsverein Reinickendorf bemängelten die geringe Planungssicherheit und das fehlende Personal.
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Prävention und Therapiemöglichkeiten
Die Lancet-Kommission zu Intervention und Prävention von Demenz hat 2024 14 beeinflussbare Risikofaktoren für Demenzerkrankungen benannt. Wenn sie alle vermieden würden, könnte die Zahl der Demenzen um bis zu 45 Prozent reduziert werden.
Swen Staack, Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG), betonte die Bedeutung von Demenz-Prävention, und zwar nicht erst im höheren Alter, sondern möglichst frühzeitig. Er wies auch darauf hin, dass gesunde Ernährung, körperliche und geistige Aktivität sowie vielfältige soziale Kontakte den Verlauf einer Demenz deutlich positiv beeinflussen können.
Professor Rapp, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geronotpsychiatrie und -psychotherapie e.V. (DGGPP), betonte, dass viele der präventiven nichtmedikamentösen Maßnahmen auch dann weiterhin wirksam sind, wenn bereits Gedächtnisdefizite oder eine beginnende Demenz eingetreten sind. Er forderte eine frühe Demenzdiagnostik, bei der eine spezifische Demenzursache identifiziert wird.
Fortschritte in der Alzheimerforschung
Im April 2025 erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für Lecanemab, einen Anti-Amyloidantikörper zur Behandlung der frühen Alzheimer-Erkrankung. Am 1. September 2025 erfolgte schließlich die Markteinführung von Leqembi (Handelsname von Lecanemab) in Deutschland.
Die Therapie ist für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige mit erheblichem Aufwand verbunden und darf ausschließlich durch besonders qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte erfolgen.
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Trotz dieser Fortschritte ist weitere intensive Forschung notwendig, um besser verträgliche, wirksamere und nebenwirkungsärmere Behandlungsstrategien zu entwickeln. Die Hirnliga fördert sowohl grundlagen- als auch klinische Forschung auf diesem Gebiet und unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Die Bedeutung des Welt-Alzheimertags
Der Welt-Alzheimertag am 21. September dient dazu, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz-Erkrankungen zu richten. Er soll dazu beitragen, Stigmata abzubauen, Verstehen zu wollen und Verständnis zu fördern.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet seit etwa 20 Jahren das Alzheimer-Telefon an, wo Betroffene unter der Telefonnummer (030) 259 37 95 14 schnell Hilfe bekommen.
Die Nationale Demenzstrategie
Die Bundesregierung hat vor fünf Jahren die Nationale Demenzstrategie beschlossen, um das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Unter Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesgesundheitsministeriums haben zahlreiche Akteure konkrete Maßnahmen vereinbart.