Nervenmedizin: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze bei Nervenerkrankungen

Nervenerkrankungen können vielfältige Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Die Nervenmedizin, auch Neurologie genannt, befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Nervensystems. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Aspekte der Nervenmedizin, einschließlich der Anatomie und Funktion der Nerven, häufiger Erkrankungen, diagnostischer Verfahren und therapeutischer Möglichkeiten.

Das Nervensystem: Eine Einführung

Das Nervensystem des Menschen lässt sich in das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS) unterteilen. Das ZNS besteht aus Gehirn und Rückenmark, während das PNS die Nerven umfasst, die außerhalb des ZNS liegen. Zu den Bestandteilen des peripheren Nervensystems zählen die austretenden Nervenwurzeln aus dem Gehirn (Hirnnerven) und Rückenmark (Spinalnerven), die Nervengeflechte an Armen und Beinen (Plexus) sowie die Nerven zu den Muskeln und der Haut (periphere Nerven).

Die Bausteine des Nervensystems: Neuronen und Gliazellen

Die Baueinheit des Nervengewebes ist das Neuron, auch Nervenzelle genannt. Neuronen bestehen aus einem Zellkörper (Soma), mehreren kurzen, verzweigten Fortsätzen (Dendriten) und einem langen Fortsatz (Neurit oder Axon). Die Dendriten empfangen Erregungen von anderen Nervenzellen, während der Neurit die Erregung von der Nervenzelle weiterleitet. Das menschliche Gehirn enthält etwa 14 Milliarden Neuronen, die in Arbeitsgruppen angeordnet sind.

Die Übertragung der Erregung von einem Neuron zu einem anderen oder zu einem Organ (z. B. Muskulatur) erfolgt durch chemische Überträgerstoffe, sogenannte Neurotransmitter, in den Synapsen. Zu den wichtigen Neurotransmittern gehören Acetylcholin und Katecholamine.

Im Zentralnervensystem befindet sich neben den Neuronen ein besonderes Stützgewebe, dessen Zellen als Gliazellen bezeichnet werden. Gliazellen spielen eine wichtige Rolle bei Stoffwechselvorgängen und der Unterstützung der Nervenzellen. Da untergegangene Nervenzellen nicht durch neue ersetzt werden können, muss das Nervensystem mit den bei der Geburt vorhandenen Zellen ein Leben lang auskommen.

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Periphere Nerven: Verbindung zwischen ZNS und Körper

Die einzelnen Nerven des peripheren Nervensystems bestehen aus gebündelten Nervenzellfortsätzen, die durch Bindegewebe zu größeren "Kabeln" zusammengefasst werden. Diese Nerven leiten sensible Informationen (Tastempfinden, Wärme/Temperatur, Schmerz) zum zentralen Nervensystem und Bewegungsimpulse vom Gehirn und Rückenmark an die Muskulatur des Gesichts, Körperstamms und der Extremitäten weiter. Die peripheren Nerven verlaufen in der Regel gemeinsam mit größeren Arterien und Venen zu den Armen und Beinen und können hierbei entlang einzelner Knochen, Knochenvorsprünge und Muskeln ziehen, umgelenkt werden oder sogar durch Muskulatur hindurchtreten.

Nervenschmerzen: Ursachen und Symptome

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, sind sehr starke Schmerzen, die von neurologischen Ausfällen begleitet sein können. Betroffene leiden unter Gefühlsstörungen wie Missempfindungen (z. B. Kribbeln) oder Taubheit. Auch Fehlfunktionen der von den Nerven versorgten Muskeln sind mögliche Auswirkungen mit Schwäche bis hin zu Lähmungen.

Ursachen von Nervenschmerzen

Bei der Suche nach den Ursachen von Nervenschmerzen muss unterschieden werden, ob sie Folge einer Erkrankung des Bewegungsapparats oder eine eigenständige Erkrankung sind. Nervenschmerzen können im Bereich der Ein- und Austrittsstellen der Nervenstränge an der Wirbelsäule auftreten und in das von ihnen versorgte Körperareal ausstrahlen.

  • Mechanische Ursachen: Werden Nerven nur vorübergehend eingeklemmt oder gereizt, tritt der Schmerz blitzartig auf und hält nur wenige Sekunden an. Man spricht in diesen Fällen von einer Neuralgie. Ursache kann eine Fehlstellung der Wirbelkörper sein. Ferner können die Bandscheiben auf die Nervenstränge drücken. Aber auch Verspannungen oder altersbedingte Abnutzungen können für Nervenschmerzen verantwortlich sein.

  • Neuropathische Ursachen: Bei neuropathischen Schmerzen sind die Nerven selbst oder die sie versorgenden Blutgefäße erkrankt. Häufige Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose sowie Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Infektionen oder Verletzungen.

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  • Infektionen: Ein Beispiel für eine Nervenschädigung in Folge einer Infektion ist die Gürtelrose, eine Spätfolge der Windpocken. Die auslösenden Viren (Varizella-Zoster-Viren) verbleiben nach dem Abklingen der Windpocken in den Nerven und werden zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert. Dadurch entzündet sich der betroffene Nerv, was mit Schmerzen und Missempfindungen einhergeht.

  • Diabetische Polyneuropathie: Bei der diabetischen Polyneuropathie ist die Durchblutung kleiner Blutgefäße durch Ablagerungen beeinträchtigt. Diese führt zu Nervenschädigungen insbesondere im Bereich der Füße, Unterschenkel und Hände.

Symptome von Nervenschmerzen

Die Symptome von Nervenschmerzen können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem betroffenen Nerv ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Sehr starke Schmerzen
  • Gefühlsstörungen (Kribbeln, Taubheit)
  • Missempfindungen
  • Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen
  • Brennende, stechende, schneidende oder einschießende Schmerzen
  • Allodynie (Schmerzen bei leichter Berührung)
  • Hyperalgesie (verstärkte Schmerzempfindlichkeit)

Diagnostische Abklärung von Nervenschmerzen

Die Diagnose von Nervenschmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere spezielle Untersuchungen. Wichtig ist, Verteilungsmuster, Stärke und Qualität der Schmerzen zu erheben.

  • Klinische Untersuchung: Die klinische Untersuchung umfasst die Prüfung der Sensibilität, Motorik und Reflexe. Eine Schmerzzeichnung und Schmerzfragebögen können ebenfalls hilfreich sein.
  • Elektrophysiologische Messungen: Neurographie und Elektromyographie (EMG) dienen der Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit und der Muskelaktivität.
  • Bildgebende Verfahren: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) können eine Nervenschädigung direkt sichtbar machen. Hochauflösender Ultraschall (Sonographie) kann ebenfalls zur Darstellung der Nerven eingesetzt werden.
  • Quantitative sensorische Testung (QST): Die QST dient zur Prüfung der Hautempfindlichkeit.
  • Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP): SEP werden zur Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn eingesetzt.

Engpasssyndrome: Wenn Nerven eingeengt werden

Nerven brauchen Freiheit. Werden sie über längere Zeit eingeengt oder eingeklemmt, reagieren sie äußerst empfindlich. Engpass- oder Nervenkompressionssyndrome sind chronische Druckschäden peripherer Nerven, die an typischen Engstellen im Nervenverlauf auftreten und meist durch Bänder, Muskelsehnen oder Knochenvorsprünge verursacht werden. Am häufigsten treten diese am Arm oder der Hand auf, seltener am Bein oder Fuß. Durch die Druckschädigung kommt es zu einem meist langsam fortschreitenden Ausfall der Nervenfunktionen und Auftreten von Gefühlsstörungen, Schmerz und einer Muskelschwäche.

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Häufige Engpasssyndrome

  • Karpaltunnelsyndrom (CTS): Einengung des N. medianus am Übergang vom Unterarm durch den Handgelenkstunnel in die Hohlhand.
  • Kubitaltunnelsyndrom (KTS): Chronische Druckschädigung des N. ulnaris (Ellennerv) im Bereich des Ellenbogengelenks.
  • Thoracic-outlet-Syndrom (TOS): Engpasssyndrom des Armnervengeflechts (Plexus brachialis), welcher auf seinem Weg zwischen Halsmuskulatur, 1. Rippe und Schlüsselbein eingeengt ist.
  • Peronaeus-Kompressions-Syndrom: N. peronaeus am proximalen Unterschenkel.
  • Suprascapularis-Kompressions-Syndrom: N. suprascapularis am oberen Rand des Schulterblattes.
  • Interosseus-posterior-Syndrom oder Pronator-teres-Syndrom: N. medianus am proximalen Unterarm.
  • Loge-de-Guyon-Syndrom: N. ulnaris am Handgelenk.
  • Cheiralgia parästhetica: Sensibler Ast des N. radialis am Unterarm.
  • Meralgia parästhetica: N. cutaneus femoris lateralis an der Leiste.
  • Hinteres Tarsaltunnel-Syndrom: N. tibialis am Innenknöchel.
  • Vorderes Tarsaltunnel-Syndrom: N.

Therapie von Engpasssyndromen

Bei milder Ausprägung kann manchmal durch Verhaltensänderung oder Anpassung bestimmter Lagerungsschienen eine Verbesserung erreicht werden. Bei stärkerer Ausprägung der Symptomatik oder messbaren Nervenschäden, sollte die operative Therapie erfolgen. Um die Druckentlastung eines Nervs zu ermöglichen wird dieser freigelegt und mikrochirurgisch oder endoskopisch die einengenden Bandstrukturen, Knochenvorsprünge oder Narbenzüge entfernt.

Periphere Nerventumoren

Ein chronisch wachsender Prozess im Bereich der peripheren Nerven kann neben einer tastbaren Schwellung und Schmerzen auch durch ständigen Druck, Zug oder Beeinträchtigung der Blutversorgung Schäden am betroffenen Nerv verursachen. Tumoren der peripheren Nerven sind insgesamt selten und meist gutartig. Diese gehen in der Regel von der Nervenscheide oder dem Bindegewebe der Nerven aus.

Arten von peripheren Nerventumoren

  • Schwannom
  • Neurofibrom
  • Maligner peripherer Nervenscheidentumor (MPNST)
  • Intraneurales Perineuriom

Diagnostik und Therapie von Nerventumoren

Entscheidend zur Diagnostik tragen kernspintomographische Aufnahmen (MRT) der betroffenen Körperregion bei. Bei den meisten Tumoren handelt es sich um gutartige Tumoren, so dass bei fehlender klinischer Symptomatik und geringer Größe des Befundes auch ein abwartendes Beobachten mit regemäßigen klinischen Verlaufskontrollen und MRT-Bildgebungen als therapeutische Option erfolgen kann. Bei Beschwerden, größeren Tumoren oder bei unklaren Konstellationen kann die neurochirurgische Therapie aber notwendig werden. In der Regel lassen sich derartige Tumoren, falls notwendig, in mikrochirurgischer Technik und unter elektrophysiologischer Kontrolle der betroffenen Nerven ohne dauerhafte Ausfallserscheinungen entfernen. Periphere Nerventumoren werden mithilfe eines Operationsmikroskopes freigelegt und entfernt. Zudem werden weitere Hilfsmittel wie die intraoperative Sonographie und elektrophysiologische Messungen eingesetzt, um eine möglichst vollständige Tumorentfernung zu ermöglichen, ohne eine Schädigung des betroffenen Nervs zu riskieren. Abhängig von Art und Größe des Tumors kann auch eine Teilentfernung des Nervs und ggf.

Insbesondere bei genetischen Erkrankungen können spezielle Nerventumoren gehäuft vorkommen und manchmal auch bösartige Eigenschaften aufweisen oder entwickeln (maligne Nervenscheidentumoren, MPNST). Sowohl zum Nachweis der genetischen Erkrankungen als auch zur feingeweblichen Eingruppierung der Tumoren kann die bioptische Sicherung durch Probeentnahme und pathologische Untersuchung sinnvoll sein.

Zusätzlich zu den eigentlichen Nerventumoren gibt es noch weitere Tumoren (Sarkome, Myome, Metastasen) oder Raumforderungen (Zysten, Ganglien), die enge Lagebeziehung zu peripheren Nerven haben können.

Traumatische Nervenverletzungen

Nerven können einerseits durch direktes spitzes oder stumpfes Trauma oder indirekt durch Zugwirkung geschädigt werden. Die Dehnbarkeit der Nerven hängt dabei einerseits vom zeitlichen Ablauf sowie von möglichen Vorschäden des Nervs ab. Langsame Dehnungen werden besser toleriert als akute. Die häufigsten Verletzungen durch Dehnung werden durch schnelle Zugkräfte an den Armen, z.B. bei Motorradunfällen oder Geburtstrauma verursacht. Dabei können Schäden am Arm- oder Beinnervengeflecht (traumatische Plexusläsionen) oder Nervenwurzelausrisse auftreten.

Des Weiteren können traumatische Verletzungen des Bewegungsapparats (Knochenbrüche, Gelenksluxationen, Muskelrisse, Scherverletzungen, Einblutungen) zu Verletzungen peripherer Nerven führen, welche dann einen akuten Ausfall der Nervenfunktion verursachen. Traumatische Nervenläsionen können prinzipiell überall im Körper durch verschiedenste Unfallmechanismen, beispielsweise bei Sport, Arbeits- oder Verkehrsunfällen durch eine entsprechende Gewalteinwirkung entstehen. Häufig sind diese Nervenverletzungen mit schweren Begleitverletzungen vergesellschaftet. Aber auch durch medizinische Maßnahmen (z.B. Lymphknotenbiopsie, Frakturversorgung) kommt es immer wieder zu solchen Nervenverletzungen. Charakteristisch ist ein akut eintretender Funktionsverlust des betroffenen Nervs.

Diagnostik und Therapie von traumatischen Nervenverletzungen

Traumatische Nervenläsionen erfordern eine möglichst frühzeitige und spezialisierte Diagnostik, sowie ggf. neurochirurgische Therapie, um ein gutes funktionelles Ergebnis zu ermöglichen. Die Behandlung dieser komplexen Nervenverletzungen sollte in spezialisierten Zentren erfolgen, die über ein interdisziplinäres Netzwerk zur Diagnostik und Therapie derartiger Verletzungen verfügen.

Akute Nervenverletzungen mit scharfer Durchtrennung des Nervs sollten sofort neurochirurgisch versorgt werden, wenn die Begleitverletzungen dies zulassen. Hierbei wird in der Regel in Vollnarkose unter mikrochirurgischer Technik mit Hilfe eines Mikroskops eine End- zu End-Naht der Nervenstümpfe durchgeführt. Diese wird durch feinste Nähte und eine Art Bioklebstoff (Fibrinkleber) gesichert. Eine Spannung auf die Nervennaht sollte in jedem Fall vermieden werde. Ist eine spannungsfreie Annäherung der Nervenenden nicht möglich, muss in manchen Fällen ein Spendernerv zwischen die Nervenenden eingenäht werden (Nerventransplantation/Nerveninterposition). Hierfür wird in der Regel ein körpereigener sensibler Nerv am Bein entnommen, der das Gefühl an der Fußaußenkante vermittelt und als N. suralis bezeichnet wird. Nach derartigen Nervenrekonstruktionen durch direkte Naht oder Nerveninterponat muss für ca. 14 Tage jeglicher Zug auf die Nervenenden vermieden werden. Hierzu werden nach Rekonstruktionen über Gelenke hinweg orthopädietechnische Hilfsmittel, wie z.B. Bandagen, in seltenen Fällen auch Gipsschienen zur Ruhigstellung genutzt. Danach kann das frühfunktionelle Training mit intensiver Physiotherapie begonnen werden.

Bei traumatischer Schädigung mehrerer Nerven, wie z.B. dem Armnervengeflecht oder Nervenwurzelausrissen aus dem Rückenmark kann eine direkte Rekonstruktion einzelner Nerven nicht immer durchgeführt werden. Aufgrund der starken Funktionseinschränkung kann dann in ausgewählten Fällen aber versucht werden durch Umlenken anderer Nerven verschiedene Hauptfunktionen wieder herzustellen. Hierzu werden diese Spendernerven durchtrennt und dann entweder End-zu-End, oder End-zu-Seit an den Empfängernerv angeschlossen.

Neuralgische Amyotrophie

Die neuralgische Amyotrophie ist eine entzündliche Erkrankung, welche sich typischerweise durch plötzlich auftretende Schmerzen (häufig im Bereich der Schulter oder des Arms), gefolgt von einer Lähmung der Muskulatur, äußert. Eine Ursache ist nicht immer sofort erkennbar. Während die Schmerzen mit der Zeit abklingen, können die Lähmungen anhalten und infolge der Entzündungsreaktion narbige Einschnürungen an den betroffenen Nerven entstehen. Die Erkennung dieser Einschnürungen („Konstriktionen“) kann zunächst schwierig sein und erfordert spezielle Untersuchungsmethoden im Sinne einer hochauflösenden Neurosonographie durch erfahrene Neurolog*innen oder einer MR-Neurographie.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein lange Zeit weitgehend unbekanntes und weiterhin unterdiagnostiziertes Krankheitsbild stellt die neuralgische Amyotrophie, früher auch Plexusneuritis oder Schulteramyotrophie, dar. Hierbei handelt es sich um eine entzündliche Nervenerkrankung, deren Ursache nicht immer geklärt werden kann. Risikofaktoren stellen eine übermäßige mechanische Beanspruchung (z.B. durch ungewohnte starke körperliche Aktivität), immunologische Auslöser (z.B. Infektionen) oder eine genetische Veranlagung dar.

Diagnostik

Durch Verbesserungen in der Diagnostik, insbesondere dem hochauflösenden Nervenultraschall sowie der Magnetresonanzneurographie gelingt eine zunehmend bessere bildgebende Darstellung des gesamten Verlaufs peripherer Nerven. Dabei können einerseits entzündlich bedingte Schwellungen der Nerven festgestellt und die Diagnose bestätigt werden.

Symptome

Die Erkrankung beginnt in der Regel akut mit relativ plötzlich eintretenden stärksten Schmerzen im betroffenen Körperteil. Am häufigsten betrifft dies den Schulter-/Armbereich, selten die Beine. Die Schmerzen treten dabei häufig ohne unmittelbar erkennbare Ursache auf. In den folgenden Stunden bis Tagen kommt es zu einer Lähmung der vom betroffenen Nerv versorgten Muskelgruppe, manchmal begleitet von Gefühlsstörungen.

Therapie

Die neurologische Akutbehandlung besteht aus schmerzstillenden Mitteln sowie hochdosierten entzündungshemmenden Cortison-Infusionen mit. Häufig bilden sich die Beschwerden darunter nach einigen Wochen wieder zurück. Immer wieder kommt es jedoch zu einem Fortbestehen der Lähmungen. Mithilfe der oben genannten Fortschritte bei bildgebenden Untersuchungen zeigte sich in den letzten Jahren, dass bei diesen Patientinnen und Patienten häufig narbige Einschnürungen der betroffenen Nerven bestehen, (sogenannte uhrglasförmige Nervenkonstriktionen), die den Nerv sogar verdreht erscheinen lassen können („Torsionen“). Bei Vorhandensein solcher Konstriktionen ist in der Regel eine medikamentöse Behandlung nicht weiter erfolgversprechend. Nach Bestätigung des Vorliegens einer solchen Nervenkonstriktion sollte eine zeitnahe Operation erfolgen. Diese kann je nach betroffenem Nerv ambulant oder stationär erfolgen. In der Regel ist eine Freilegung des Nervs und Narbenlösung (Neurolyse) ausreichend.

Konservative und operative Therapieformen

Generell werden konservative von operativen Therapieformen unterschieden. Bei Verletzungen, bei denen der Spontanverlauf abgewartet werden kann, wird der Heilungsverlauf durch intensive therapeutische Maßnahmen ergänzt. Hierzu zählen intensivierte Physiotherapie auch auf neurophysiologischer Grundlage, physikalische Maßnahmen, Elektrostimulation und Ergotherapie. Ggf. kann die vorübergehende Anpassung orthopädietechnischer Hilfsmittel wie Schienen erforderlich sein.

In Fällen einer Nervenunterbrechung erfolgt die direkte Naht zwischen den betroffenen Nervenenden falls dies möglich ist. Lassen sich die Enden nicht adaptieren, wird in der Regel ein körpereigener sensibler Nerv (N. suralis) am Bein entnommen und zwischen die Enden eingenäht (Nerventransplantation). Dies wird z.B. auch dann nötig, wenn sich ein Neurom gebildet hat und dieses zur Nervenrekonstruktion chirurgisch entfernt werden muss.

Lassen sich Nerven nicht direkt rekonstruieren, können gesunde funktionelle Nerven auf den erkrankten Nerv umgelenkt werden, um so die Chance einer Regeneration der ursprünglichen Funktion wiederherzustellen.

Nervenentzündung

Die Behandlung einer Nervenentzündung richtet sich nach der Ursache und der speziellen Art der Erkrankung. Die Diagnostik richtet sich nach den jeweiligen Symptomen. Um die Ursache zu klären sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Maßgebend ist vor allem das Ausmaß der Entzündung. Um die betroffenen Nervenbahnen zu lokalisieren stehen verschiedene neurologische bzw. physiologische Analyseverfahren im Vordergrund. Neben Blutuntersuchungen, MRT, Neurosonografie kann hierbei vor allem das EMG - eine Methode zur Messung der elektrischen Muskelaktivität - bei der Ursachenforschung helfen.

Auslöser von Nervenentzündungen

  • Viren
  • Bakterien
  • Verletzungen durch Unfälle
  • Alkohol, Medikamente
  • Mechanische Kompression (z.B.

Symptome einer Nervenentzündung

  • Gefühlsstörungen (z.B. Kribbeln)
  • Missempfindungen
  • Taubheitsgefühle
  • Empfindungsstörungen
  • Elektrisierende Schmerzempfindungen
  • Muskelschwäche
  • Einschränkungen in der Feinmotorik (z.B. Zugreifen)
  • Lähmungserscheinungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Schweißausbruch

Abhängig davon, welche Nerven von der Entzündung betroffen sind, können verschiedene Symptome auftreten.

Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen gestaltet sich oft schwierig, sofern keine Operation zur Entlastung des betroffenen Nervs möglich ist. Schmerzfreiheit kann nur in den seltensten Fällen erreicht werden. Daher sollen realistische Behandlungsziele vor Therapiebeginn gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden. Die Therapie neuropathischer Schmerzen gründet sich vor allem auf eine für jeden einzelnen Menschen individuell abgestimmte Behandlung mit Medikamenten. Sie soll die Beschwerden lindern, bis sich die geschädigten Nerven zumindest weitgehend erholt und neu aufgebaut haben. Es werden unterschiedliche Wirkprinzipien angewendet, darunter häufig die Kombinationsbehandlung mit verschiedenen Medikamenten, die den Nervenschmerz über unterschiedliche Wirkmechanismen lindern. Nicht-medikamentöse Verfahren können ergänzend oder in der Akuttherapie zur Überbrückung der Zeit bis zum Anschlagen der sonstigen Medikamente eingesetzt werden. Darüber hinaus können im Einzelfall, je nach Ausprägung der Beschwerden, physikalische Maßnahmen, Ergotherapie und Psychotherapie sinnvoll sein.

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