Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl die Symptome behandelt werden können, gibt es derzeit keine Heilung. Die Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel hat sich als eines der führenden Zentren in Deutschland für die Behandlung von Parkinson und verwandten Bewegungsstörungen etabliert. Mit einer hochspezialisierten Studienabteilung engagiert sich die Klinik aktiv in der Parkinson-Forschung und trägt zur Entwicklung neuer Therapien bei.
Die Paracelsus-Elena-Klinik: Ein Zentrum für Neurologie und Parkinson-Forschung
Die Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel, gegründet 1937, ist eine der ältesten und größten Fachkliniken Deutschlands, die sich auf Parkinsonsyndrome und Bewegungsstörungen spezialisiert hat. Das medizinische Spektrum der Klinik reicht von der Frühdiagnose der Parkinson-Krankheit über die Tiefe Hirnstimulation und die Behandlung orthopädischer Probleme bei Morbus Parkinson bis hin zu passgenauen Therapieangeboten.
Die Klinik ist ein international anerkannter Forschungsstandort und arbeitet mit globalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie zusammen, um neue Parkinson-Therapien zu testen und die medizinische Entwicklung aktiv mitzugestalten.
Kontaktinformationen:
- Adresse: 34128 Kassel, Klinikstr.
- Sprechstunden: Prof. Dr., PD Dr., Prof. Dr.
Forschungsschwerpunkte und Studien in Kassel
Die Paracelsus-Elena-Klinik engagiert sich in verschiedenen Forschungsprojekten, um die Parkinson-Krankheit besser zu verstehen, Diagnosen früher und präziser zu stellen und genetische Mechanismen umfassend zu erforschen. Zu den Schwerpunkten gehören:
- Früherkennung: Das Forschungsprojekt "Gesund altern" zielt darauf ab, Menschen mit einem hohen Risiko für Alterserkrankungen des Gehirns wie Demenz oder Parkinson frühzeitig zu identifizieren, noch bevor erste Anzeichen auftreten. Dafür werden Fragebögen eingesetzt, die Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer solchen Erkrankung geben können.
- Fasten bei Parkinson: In enger Kooperation mit Prof. Dr. med. Andreas Michalsen (Immanuel Krankenhaus Berlin, Charité) und Prof. Dr. Paul Wilmes (Luxembourg Centre for Systems Biomedicine) wird in Kassel die weltweit erste wissenschaftliche Studie zur Wirkung des Fastens bei Parkinson-Erkrankten durchgeführt. Die Studie untersucht, wie die richtige Ernährung und auch Fasten zur Verbesserung neurologischer Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson beitragen können.
- Schlafstörungen: Die Klinik forscht an der Früherkennung von Schlafstörungen, insbesondere der Traumschlafstörung, die ein erhöhtes Risiko für Alterserkrankungen des Gehirns wie Parkinson darstellen kann. Das klinikinterne Schlaflabor nimmt an verschiedenen Beobachtungsstudien für Personen mit einer Traumschlafstörung teil.
- DeNoPa-Studie: Seit 2009 läuft an der Paracelsus Elena Klinik die klinikeigene, innovative Parkinson-Langzeitstudie DeNoPa. Das Kürzel steht für „De Novo Parkinson“ und bezeichnet eine sehr frühe, noch unbehandelte Parkinsonerkrankung. Ziel dieser in ihrer Form weltweit einzigartigen Studie zur Parkinson-Früherkennung ist es, die Parkinsonerkrankung von den ersten Frühindikatoren an über viele Jahre in einer festen Patientenkohorte zu beobachten. Im Zentrum der DeNoPa-Studie steht die Frage, welche Testverfahren und Untersuchungsmethoden die Frühdiagnose eines Morbus Parkinson unterstützen. Das Besondere der DeNoPa-Studie ist die Vielzahl an Untersuchungen, die zahlreiche Daten liefern, die über einen langen Zeitraum analysiert werden können. Neben neurologischen Untersuchungen, Polysomnographie und neuropsychologischer Testung beinhaltet die Studie unter anderem folgende Verfahren zur Parkinson-Früherkennung: MRT, EKG, Hirnparenchymsonographie, Riechtest, Schellong-Test, EEG sowie die Untersuchung von Blut, Liquor, Speichel, Stuhl und Urin. Außerdem werden zahlreiche Fragebögen ausgewertet.
- PPMI-Studie: Die Klinik beteiligt sich an der Parkinson Progression Markers Initiative (PPMI-Studie), die von der Michael J. Fox Stiftung organisiert wird, um die unterschiedlichen Krankheitsverläufe besser zu entschlüsseln.
- Riechtests: Die Klinik forscht an der Bedeutung des Riechvermögens als Frühindikator für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson. Die klinikeigene Studie „gesund altern“ hat zum Ziel, das Risiko für eine Alterserkrankung des Gehirns frühzeitig zu erkennen. Die Michael J. Fox Foundation möchte nun in mehreren Ländern die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Riechtest für die die gesamte Bevölkerung ermöglichen und dabei das Vorgehen der gesund altern-Studie übernehmen. An der internationalen Geruchstest-Studie nehmen neben der Paracelsus-Elena-Klinik mehrere Deutsche Forschungszentren teil. Der so genannte ST-direct (Smell-Test direct, deutsch: Direkter Riechtest) ist bereits angelaufen.
Tiefe Hirnstimulation (THS) als Therapieoption
Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine etablierte chirurgische Option für Parkinson-Patienten, bei denen medikamentöse Behandlungen nicht mehr ausreichend ansprechen. Bei diesem Verfahren werden Sonden in spezifische Hirnregionen, meist im Nucleus subthalamicus der Stammganglien beidseits implantiert, die dort hochfrequent Stromimpulse abgeben, wodurch die motorischen Kreisläufe stabilisiert werden. Die Technologie wird kontinuierlich weiterentwickelt und die Präzision der Stimulation verbessert.
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Wann ist die Tiefe Hirnstimulation eine Option?
Die tiefe Hirnstimulation bietet sich als Alternative an, sobald Fluktuationen auftreten. Sie garantiert eine stabile motorische Leistung.
Vorteile der Tiefen Hirnstimulation
- Stabile motorische Leistung: Die THS kann helfen, motorische Schwankungen zu reduzieren und eine stabilere motorische Funktion zu gewährleisten.
- Reduzierung der Medikamenteneinnahme: Ein Hirnschrittmacher erlaubt es, die Medikamentenverabreichung erheblich zu reduzieren.
Weitere Therapieansätze in Kassel
Neben der Tiefen Hirnstimulation bietet die Paracelsus-Elena-Klinik weitere innovative Therapieansätze für Parkinson-Patienten an:
- Apomorphintherapie: Eine kontinuierliche subkutane Pumpentherapie mit dem Dopaminagonisten Apomorphin.
- Magnetresonanztomographie-gesteuerte hochfokussierte Ultraschallwellentherapie: Ein innovatives Verfahren, bei dem über die geschlossene Schädeldecke durch hochintensive Ultraschallwellen und Erwärmung gezielt Hirnareale ausgeschaltet werden, wodurch der Tremor effektiv reduziert wird. Die Paracelsus-Elena-Klinik ist die erste Fachklinik in privater Trägerschaft in Deutschland, die den fokussierten Ultraschall einsetzt.
Medikamentöse Therapie bei Parkinson
Seit den frühen 1970er-Jahren wird L-DOPA (Levodopa), eine Vorstufe des körpereigenen Dopamins, das die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, in Tablettenform verwendet, um das fehlende Dopamin zu ersetzen. Dabei wird L-DOPA mit einem Decarboxylasehemmer (Carbidopa oder Benserazid) kombiniert, um die L-DOPA-Effekte in der Peripherie und damit Nebenwirkungen wie Übelkeit zu reduzieren und mehr L-DOPA im Gehirn zu erhalten. Daneben werden Dopaminagonisten (dopaminähnliche Wirkstoffe), beispielsweise Ropinirol oder Pramipexol, oder Dopaminabbau-Hemmer wie die MAO-B-und COMT-Hemmer eingesetzt.
Aufgrund der fortschreitenden Neurodegeneration kommt es nach fünf bis zehn Jahren häufig zu Wirkungsschwankungen (Fluktuationen) und Phasen von Unbeweglichkeit (Off-Phasen) und Überbeweglichkeit (Dyskinesien), die durch die Medikamente in Tablettenform nur noch unzureichend behandelt werden können. Bei den enteralen Pumpentherapien wird das L-DOPA mit einer kleinen Pumpe kontinuierlich über einen feinen Schlauch durch die Haut in den Dünndarm appliziert und von dort über das Blut zu den Gehirnzellen transportiert. Alternativ stehen kontinuierliche subkutane Pumpentherapien, schon seit einigen Jahren mit dem Dopaminagonisten Apomorphin und neu seit Ende 2023 auch mit einem speziellen L-DOPA (Produodopa), zur Injektion in die Haut für die fortgeschrittene Parkinsonkrankheit zur Verfügung.
Zukünftige Therapieansätze
Die Behandlungsmöglichkeiten für die Parkinsonkrankheit entwickeln sich stetig weiter, wobei die Zukunft der Therapie wahrscheinlich in einer Kombination verschiedener Ansätze liegt. Zu den vielversprechenden Forschungsbereichen gehören:
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- Neuroprotektive Behandlungen: Diese sollen das Fortschreiten des Zelluntergangs verringern.
- Monoklonale Antikörper gegen Alpha-Synuklein: Diese zielen darauf ab, die abnormale Aggregation von Alpha-Synuklein in den Nervenzellen zu verhindern oder zu reduzieren.
- Gentherapien: Dabei werden Gene in das Gehirn von Parkinsonpatienten geschleust, um dort über Enzyme das Wachstum von dopaminergen Zellen zu fördern, die Dopaminbildung anzuregen oder auch Nicht-Nervenzellen wie Gliazellen zu dopaminergen Nervenzellen umzubilden.
- Stammzelltherapie: Diese bietet die Möglichkeit, degenerierte dopaminerge Nervenzellen zu ersetzen.
Die Bedeutung der Früherkennung
Die Früherkennung der Parkinson-Krankheit ist von entscheidender Bedeutung, um frühzeitig Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmethoden ergreifen zu können. Studien haben gezeigt, dass ein frühzeitiger Verlust des Riechvermögens auf neurodegenerative Erkrankungen des Gehirns wie Parkinson hindeuten kann. Auch Schlafstörungen, insbesondere die Traumschlafstörung, können ein Frühindikator sein.
Leben mit Parkinson
Obwohl die Parkinson-Krankheit eine fortschreitende Erkrankung ist, können moderne Medikamente und innovative Therapien wie die Tiefe Hirnstimulation die Symptome gut behandeln und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Die Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel bietet ein umfassendes Spektrum an Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sowie eine individuelle Betreuung, um Parkinson-Patienten ein möglichst aktives und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
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