Chronische Schmerzen und Kopfschmerzen sind weit verbreitete Leiden, die das Leben vieler Menschen stark beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Schmerzarten, ihre Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsmöglichkeiten. Dabei werden sowohl die Perspektiven von Betroffenen als auch die Expertise von Schmerzspezialisten berücksichtigt.
Vielfältige Schmerzerfahrungen: Fallbeispiele und Expertenrat
Die folgenden Fallbeispiele illustrieren die Komplexität chronischer Schmerzzustände und die Bedeutung einer individuellen Diagnose und Behandlung.
Fall 1: Anhaltender halbseitiger Kopfschmerz
Eine Patientin berichtet von einem seit über drei Jahren bestehenden halbseitigen Kopfschmerz, der sich innerhalb von zwei Tagen entwickelte und seitdem nicht mehr verschwunden ist. Trotz zahlreicher Arztbesuche und verschiedener Medikamente konnte keine Linderung erzielt werden.
Expertenrat von Dr. Malessa: Die Beschreibung des Kopfschmerzes deutet am ehesten auf eine Hemicrania continua hin, eine seltene Kopfschmerzart, die jedoch in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden kann. Zur Diagnoseabsicherung und Therapieeinleitung wird ein spezifisches Medikament verabreicht, um zu testen, ob diese Erkrankung vorliegt. Es wird empfohlen, einen Kopfschmerzspezialisten zu konsultieren.
Fall 2: Polyneuropathie durch Diabetes
Ein Patient leidet seit mehreren Jahren an Kribbeln und Schmerzen in den Füßen, die vor allem in Ruhe und nachts auftreten und den Schlaf stören. Die Diagnose lautet Polyneuropathie, verursacht durch Diabetes.
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Expertenrat von Dr. Malessa: Neben Diabetes können auch andere Ursachen für Polyneuropathie in Frage kommen. Gegen die Schmerzen helfen bestimmte Medikamente, die die überempfindlichen Nerven beruhigen. Eine neue Behandlungsmethode ist das Capsaicin-Pflaster (Wirkstoff der Chilischote), das in manchen Fällen so gut hilft, dass keine Medikamente mehr benötigt werden.
Fall 3: Chronische Rückenschmerzen mit Ausstrahlung
Ein 51-jähriger Patient leidet unter chronischen Rückenschmerzen aufgrund mehrerer Bandscheibenvorfälle. Seit einem Jahr haben sich die Schmerzen verstärkt und strahlen in beide Beine bis in den Gesäßbereich aus. Die Diagnose lautet Ischiasnervreizung, behandelt mit Ibuprofen ohne Erfolg.
Expertenrat von Dr. Malessa: Aufgrund der Schmerzausstrahlung in den Perianalbereich sind weitere Differentialdiagnosen in Betracht zu ziehen. Da eine Verengung des Wirbelkanals ausgeschlossen wurde, könnte eine Nervenentzündung (z. B. Elsberg-Syndrom) vorliegen.
Fall 4: Schmerzen nach Knieprothese
Ein Patient entwickelt nach einer Knieprothesen-Operation hartnäckige Schmerzen, obwohl die Operation erfolgreich verlaufen ist. Das Knie ist überempfindlich und schmerzt besonders nach Belastung.
Expertenrat von Dr. Malessa: Die Überempfindlichkeit des Knies deutet auf ein neuropathisches Schmerzsyndrom hin, das durch die Verletzung von Hautnerven während der Operation entstanden sein kann. Diese Schmerzen sprechen nicht auf übliche Schmerzmittel an und benötigen eine spezielle Behandlung.
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Fall 5: Spinalkanalstenose im Alter
Eine hochbetagte Verwandte leidet an Spinalkanalstenose.
Expertenrat von Dr. Bach: Eine Enge des Rückenmarkskanals kann verschiedene Ursachen haben, wie Bandscheibenvorfälle, knöcherne Veränderungen, Wirbelkörperverschiebungen oder Veränderungen an Wirbelgelenken und Bändern. Die Therapie richtet sich nach der genauen Ursache. Im höheren Lebensalter ist bei einer notwendigen Operation eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich.
Fall 6: Oberarmkopfbruch ohne Operation
Ein Patient hat sich vor sechs Wochen den Oberarmkopf gebrochen und wurde ohne Operation behandelt.
Expertenrat von Dr. Bach: Die Heilung von Knochenbrüchen ist ein natürlicher Prozess, der mindestens 100 Tage dauert. Der Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, das zu starke Bewegungen anzeigt, die die Heilung stören. Andererseits führt zu lange Ruhigstellung zur Steifigkeit der benachbarten Gelenke.
Fall 7: Arthrose des Daumensattelgelenkes
Eine Kunsthandwerkerin leidet unter Schmerzen an der Daumenseite des Handgelenkes und kann ihren Daumen nicht mehr vollständig strecken. Die Diagnose lautet Arthrose des Daumensattelgelenkes (Rhizarthrose).
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Expertenrat von Dr. Bach: Arthrose ist nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Linderung. Zunächst wird eine Schiene zur Stabilisierung des Gelenkes eingesetzt, zusätzlich entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Bei Bedarf kann eine Spritze in das Gelenk erfolgen. Wenn nicht-operative Maßnahmen nicht helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, bei der das Gelenk durch Sehnen ersetzt wird.
Was ist Gesundheit? Definition und Einflussfaktoren
Laut Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt Gesundheit einen Zustand vollständigen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Nicht nur Krankheiten, auch Einsamkeit oder psychische Störungen belasten die Gesundheit. Physische Leiden können emotionale Probleme hervorrufen und psychische Erkrankungen sich in körperlichen Symptomen manifestieren.
Volkskrankheiten und ihre Bedrohung
Es gibt verschiedene weit verbreitete Krankheiten, die unsere Gesellschaft nachhaltig beeinträchtigen:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall (Todesursache Nummer Eins in Deutschland).
- Diabetes mellitus: Insbesondere Typ-2-Diabetes, oft durch Übergewicht und Bewegungsmangel verursacht.
- Krebserkrankungen: Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs (zweithäufigste Todesursache in Deutschland).
- Psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, Burn-out.
- Alzheimer-Demenz
Prävention und Schutz der Gesundheit
Viele Volkskrankheiten sind "Zivilisationskrankheiten", die mit dem modernen Lebensstil und Umweltfaktoren zusammenhängen. Zu den beeinflussbaren Ursachen gehören:
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung
- Hoher Alkoholkonsum
- Rauchen
- Luftverschmutzung
- Chronischer Stress
Genetische, soziale Faktoren und hohes Alter spielen ebenfalls eine Rolle. Eine gesunde Lebensweise kann jedoch viele Krankheiten vermeiden oder deren Risiko einschränken:
- Ballaststoffreiche, zuckerarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse
- Vermeidung oder Minimierung von Alkohol
- Vermeidung von Nikotin (auch passives Rauchen)
- Mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche
- Stressreduktion
Chronische Schmerzen: Ein komplexes Problem
Chronische Schmerzen im Rücken, in den Armen und Beinen sind ein häufiges und quälendes Problem. Die Überschneidung von orthopädischen und neurologischen Schmerzursachen erfordert oft einen interdisziplinären Lösungsansatz.
Neuronale Plastizität und Schmerz
Chronische Schmerzreize können im Nervensystem strukturelle Änderungen induzieren, die auf die Schmerzerkrankung rückwirken und sie modifizieren oder verstärken können. Diese Fähigkeit des Nervensystems wird als neuronale Plastizität bezeichnet.
Prävention chronischer Schmerzen
Die frühe und effektive Behandlung akuter Schmerzen ist entscheidend, um chronische Schmerzen zu vermeiden. Viele chronische Schmerzpatienten berichten jedoch über eine unzureichende Akutschmerzversorgung. Bei unerklärlichen oder inadäquaten Schmerzen sollten frühzeitig Fachgebiete und ein erfahrener Schmerztherapeut hinzugezogen werden. Vorschnelle Eingriffe wie Zahnextraktionen bei unklarem Gesichtsschmerz sollten vermieden werden.
Kopfschmerzen: Eine Herausforderung für die Diagnose
Die Diagnose von Kopfschmerzen ist oft schwierig, da es über 200 verschiedene Kopfschmerzarten gibt. Die Befragung eines Kopfschmerzpatienten kann sehr zeitaufwendig sein. Ein Beispiel ist der "Donnerschlagkopfschmerz", der plötzlich und höchst intensiv auftritt. Migräne ist ebenfalls weit verbreitet und hat viele Erscheinungsformen.
TLZ-Telefonaktion zum Thema Schmerzen
Im Rahmen einer Telefonaktion der Thüringer Landeszeitung (TLZ) standen die Ärzte Dr. Malessa und Dr. Bach für Fragen zum Thema "Dauernde Schmerzen in Rücken, Armen und Beinen" zur Verfügung.