Plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie nach der Geburt: Ein umfassender Überblick

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Sie ist durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet, die durch abnorme elektrische Aktivität im Gehirn verursacht werden. Obwohl Epilepsie in vielen Fällen gut behandelbar ist, besteht dennoch ein Risiko für Komplikationen, darunter der plötzliche unerwartete Tod bei Epilepsie (SUDEP). Dieser Artikel beleuchtet SUDEP im Zusammenhang mit Epilepsie nach der Geburt und bietet einen umfassenden Überblick über Risikofaktoren, Prävention und Umgang mit Ängsten.

Einführung in Epilepsie und SUDEP

Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben, von genetischen Faktoren und Hirnschädigungen bis hin zu Stoffwechselstörungen und Autoimmunerkrankungen. Die Anfälle selbst können vielfältig sein, von kurzen Bewusstseinsaussetzern (Absencen) bis hin zu tonisch-klonischen Anfällen (Grand Mal) mit Krämpfen und Bewusstseinsverlust.

SUDEP ist definiert als der plötzliche, unerwartete Tod einer Person mit Epilepsie, bei der keine andere Todesursache gefunden werden kann. Es tritt oft im Schlaf auf und ist in vielen Fällen mit einem Atem- und/oder Herzstillstand verbunden. Obwohl SUDEP relativ selten ist, stellt es eine der Hauptursachen für den Tod bei Menschen mit Epilepsie dar. Pro Jahr stirbt etwa 1 von 1000 Menschen mit Epilepsie plötzlich an der Erkrankung.

Das "epileptische Herz"

In den letzten Jahren hat die Forschung die Verbindung zwischen Epilepsie und Herzerkrankungen beleuchtet und den Begriff des "epileptischen Herzens" geprägt. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Epilepsie ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komorbiditäten wie Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod haben.

Erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz

Eine Studie unter Verwendung der IQVIA Disease Analyzer®-Datenbank untersuchte eine Kohorte von Patienten mit Late-Onset-Epilepsie und eine Kontrollgruppe ohne Epilepsie. Innerhalb von 10 Jahren wurde bei einem signifikant höheren Prozentsatz der Epilepsiepatienten eine Herzinsuffizienz diagnostiziert (28,5 % vs. 20,5 %).

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Mögliche Mechanismen

Es werden verschiedene Mechanismen diskutiert, die die erhöhte Herzinsuffizienz-Rate bei Epilepsiepatienten erklären könnten. Dazu gehören:

  • Hypoxie: Durch (wiederholte) epileptische Anfälle verursachte Hypoxie (Sauerstoffmangel) kann die Entwicklung einer Herzinsuffizienz auslösen.
  • Autonome Dysregulation: Eine intermittierende zerebrale Hypoxie kann zu einer autonomen Dysregulation führen, die die Verbindung zwischen zerebraler Hypoxie und kardialer Dysfunktion vermittelt.
  • Kardiale Nebenwirkungen: Repetitive Hypoxie und vermehrte Katecholaminausschüttung als Folge einer Epilepsie können kardiale Nebenwirkungen verursachen, einschließlich Herzrhythmusstörungen.

Arterieller Hypertonus (aHTN) und Epilepsie

Arterieller Hypertonus (aHTN) ist eine nicht-zerebrale Komorbidität, die mit dem Auftreten von Epilepsie in Verbindung gebracht wird. Studien haben gezeigt, dass aHTN ein Risikofaktor für das Auftreten von Epilepsien sein kann. Interessanterweise deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass bestimmte antihypertensive Medikamente, insbesondere Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB), das Risiko für die Inzidenz einer Epilepsie verringern können.

Risikofaktoren für SUDEP

Obwohl die genauen Ursachen von SUDEP noch nicht vollständig geklärt sind, wurden mehrere Risikofaktoren identifiziert:

  • Häufige Anfälle: Unkontrollierte oder häufige generalisierte tonisch-klonische Anfälle (Grand Mal) stellen das größte Risiko dar.
  • Nächtliche Anfälle: Anfälle, die im Schlaf auftreten, sind besonders gefährlich, da sie möglicherweise unbemerkt bleiben.
  • Schlechte Medikamenteneinnahme: Eine unregelmäßige oder unzureichende Einnahme von Antiepileptika kann das Anfallsrisiko erhöhen und somit das SUDEP-Risiko steigern.
  • Alkohol- und Drogenkonsum: Diese Substanzen können die Anfallsschwelle senken und das Risiko für Anfälle und SUDEP erhöhen.
  • Weitere Faktoren: Auch andere Faktoren wie männliches Geschlecht, junge Erwachsene, lange Epilepsiedauer und bestimmte Epilepsieformen können das SUDEP-Risiko beeinflussen.

Prävention von SUDEP

Die beste Möglichkeit, SUDEP vorzubeugen, besteht darin, die Anfälle so gut wie möglich zu kontrollieren. Dies kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme: Die konsequente Einnahme von Antiepileptika gemäß ärztlicher Verordnung ist entscheidend.
  • Anfallsmanagement: Das Erkennen und Vermeiden von Anfallsauslösern kann helfen, Anfälle zu reduzieren.
  • Lebensstiländerungen: Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung kann die Anfallskontrolle unterstützen. Vermeiden Sie übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsum.
  • Überwachung: In einigen Fällen kann die Überwachung während des Schlafs, z. B. mit einem Babyfon oder speziellen Überwachungsgeräten, hilfreich sein, um Anfälle frühzeitig zu erkennen.
  • Vagusnervstimulation (VNS): Die Vagusnervstimulation beruht auf der regelmäßigen Reizung des linken Vagusnervs, die über einen implantierten Generator unterhalb des linken Schlüsselbeins standardisiert alle 5 Minuten für 30 Sekunden abgegeben und ins Gehirn weitergeleitet wird, wo epileptische Aktivität regional unterdrückt werden kann.
  • Epilepsiechirurgie: Bei schwer von Epilepsie Betroffenen kann im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in einem Epilepsiezentrum geklärt werden, ob ein operativer Eingriff zur Behandlung der Epilepsie möglich ist und mit welchen Chancen auf Heilung oder Besserung der Symptome, aber auch mit welchen Risiken (Sprachstörungen, Lähmungen, usw.) zu rechnen ist.

Umgang mit Ängsten und Sorgen

Die Auseinandersetzung mit dem SUDEP-Risiko kann sowohl für Betroffene als auch für Angehörige belastend sein. Es ist wichtig, sich über SUDEP zu informieren und das persönliche Risiko realistisch einzuschätzen. Folgende Strategien können im Umgang mit Ängsten und Sorgen hilfreich sein:

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  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Freunden über Ihre Ängste und Sorgen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.
  • Professionelle Beratung: Eine psychologische Beratung kann Ihnen helfen, Ihre Ängste zu bewältigen und Strategien für den Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln.
  • Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung, um Stress abzubauen.
  • Achtsamkeit: Konzentrieren Sie sich auf den gegenwärtigen Moment und versuchen Sie, sich nicht von Sorgen über die Zukunft überwältigen zu lassen.

Epilepsie und Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt

Viele Menschen mit Epilepsie, die eine Familie gründen möchten, fühlen sich unsicher. Mit der richtigen Beratung vor einer Schwangerschaft und einer guten medizinischen Begleitung währenddessen steht dem Wunsch nach einem Kind jedoch nichts im Wege. Es ist wichtig, die Medikation während der Schwangerschaft sorgfältig zu überwachen und gegebenenfalls anzupassen, um sowohl die Anfallskontrolle der Mutter als auch die Sicherheit des Kindes zu gewährleisten.

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