Schlaganfall: Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland und weltweit. Jedes Jahr erleiden etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, und global sind es rund 15 Millionen Menschen. Ein Schlaganfall kann plötzlich auftreten und zu einer Funktionsstörung des Gehirns führen. Die Folgen reichen von leichten bis schweren Hirnschäden, die oft bleibende Behinderungen verursachen können. Die gute Nachricht ist, dass die Schlaganfall-Sterblichkeit in den letzten Jahren dank verbesserter medizinischer Versorgung und Präventionsmaßnahmen gesunken ist.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird. Dies führt dazu, dass Nervenzellen im betroffenen Areal des Gehirns absterben. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen:

  • Ischämischer Schlaganfall: Dies ist die häufigste Form des Schlaganfalls. Ursache ist eine Durchblutungsstörung, bei der ein Blutgerinnsel ein gehirnversorgendes Gefäß verschließt. Dadurch werden die betroffenen Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Glukose versorgt.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Dieser Schlaganfall wird durch eine Hirnblutung verursacht, die entsteht, wenn ein Blutgefäß im Gehirn reißt. Die Blutung schädigt das umliegende Hirngewebe durch Druck und Beeinträchtigung der normalen Funktion.

Ursachen und Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen. Zu den Hauptrisikofaktoren gehören:

  • Alter: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Das Durchschnittsalter für ischämische Schlaganfälle liegt bei 65 bis 75 Jahren, bei hämorrhagischen Schlaganfällen zwischen 45 und 65 Jahren.
  • Hoher Blutdruck (Hypertonie): Dauerhaft hoher Blutdruck kann die Gefäße schädigen und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
  • Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und fördert die Bildung von Blutgerinnseln.
  • Diabetes mellitus: Diabetes kann die Blutgefäße schädigen und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
  • Hoher Cholesterinspiegel: Ein hoher Cholesterinspiegel kann zur Arteriosklerose führen, bei der sich Ablagerungen in den Arterien bilden und den Blutfluss behindern.
  • Herzerkrankungen: Bestimmte Herzerkrankungen, wie Vorhofflimmern, können das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
  • Übergewicht und Bewegungsmangel: Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität erhöhen das Risiko für verschiedene Erkrankungen, die das Schlaganfallrisiko steigern können.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko für einen Schlaganfall steigern.
  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Veranlagung kann das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls können je nach betroffenem Hirnareal variieren. Da jedes Gehirnareal für bestimmte Körperfunktionen zuständig ist, führt ein Ausfall oft zu deutlichen Funktionsstörungen. Typische Symptome sind:

  • Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperseite: Eine Seite des Gesichts hängt herab, ein Arm kann nicht angehoben werden.
  • Sprach- und Sprechstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen, verwaschene oder unverständliche Worte.
  • Plötzliche Sehstörungen: Sehverschlechterung auf einem oder beiden Augen.
  • Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme: Plötzlicher Schwindel, Koordinationsprobleme oder Schwierigkeiten beim Gehen.
  • Starke Kopfschmerzen: Plötzliche, starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen.
  • Missempfindungen und Gefühlsstörungen: Veränderte Wahrnehmung von Wärme, Kälte oder Druck.
  • Schluckstörungen: Schwierigkeiten beim Schlucken.
  • Bewusstlosigkeit: In schweren Fällen kann es zu Bewusstlosigkeit kommen.

Wichtig: Ein Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall. Bei Auftreten eines oder mehrerer dieser Symptome sollte sofort der Notruf (112) gewählt werden. Der FAST-Test (Face, Arms, Speech, Time) kann helfen, Anzeichen eines Schlaganfalls schnell zu erkennen.

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Diagnose und Behandlung

Die Diagnose eines Schlaganfalls erfolgt in der Regel durch neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

Die Behandlung hängt von der Art des Schlaganfalls ab. Bei einem ischämischen Schlaganfall zielt die Behandlung darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen. Dies kann durch die Verabreichung von Medikamenten zur Auflösung von Blutgerinnseln (Thrombolyse) oder durch einen interventionellen Eingriff zur Entfernung des Gerinnsels (Thrombektomie) erfolgen. Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall liegt der Fokus auf der Kontrolle der Blutung und der Reduzierung des Drucks im Gehirn. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.

Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Nach der Akutbehandlung ist die Rehabilitation ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Ziel der Rehabilitation ist es, verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Rehabilitation kann verschiedene Therapieformen umfassen:

  • Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination und des Gleichgewichts.
  • Ergotherapie: Wiedererlernen von Alltagsaktivitäten und Verbesserung der Feinmotorik.
  • Sprachtherapie (Logopädie): Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen sowie Schluckstörungen.
  • Neuropsychologische Therapie: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen.
  • Sporttherapie: Aufbau von Muskeln, Ausdauer und Verbesserung der Koordination.

Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich nach dem Schlaganfall beginnen und individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein. Spezialisierte Stroke Units in Krankenhäusern und Rehakliniken bieten eine umfassende Betreuung durch ein multidisziplinäres Team.

Prävention

Viele Schlaganfälle könnten durch eine gesunde Lebensweise und die Kontrolle von Risikofaktoren verhindert werden. Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehören:

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  • Regelmäßige Blutdruckkontrolle und Behandlung von Bluthochdruck: Ein gut eingestellter Blutdruck ist entscheidend für die Gesundheit der Gefäße.
  • Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und wenig gesättigten Fetten kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle senken.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Bewegung hilft, den Blutdruck und Cholesterinspiegel zu senken und das Gewicht zu kontrollieren.
  • Kontrolle des Cholesterinspiegels: Ein hoher Cholesterinspiegel sollte behandelt werden, um Arteriosklerose vorzubeugen.
  • Behandlung von Diabetes: Eine gute Blutzuckereinstellung ist wichtig, um die Gefäße zu schützen.
  • Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum: Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert werden.
  • Regelmäßige ärztliche Untersuchungen: Regelmäßige Check-ups beim Arzt können helfen, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Schlaganfall bei Frauen

Das Schlaganfallrisiko kann je nach Geschlecht variieren. Bei jüngeren Menschen sind Männer häufiger von einem Schlaganfall betroffen als Frauen. Mit steigendem Alter steigt jedoch auch das Schlaganfallrisiko bei Frauen. Dies ist unter anderem auf biologische Faktoren wie Hormone zurückzuführen. Bei Frauen steigt das Schlaganfallrisiko auch während bestimmter Lebensphasen wie Schwangerschaft, Geburt und Wechseljahren aufgrund hormoneller Veränderungen an.

Regionale Unterschiede und sozioökonomische Faktoren

Die Schlaganfall-Sterblichkeit kann regional variieren. Studien haben gezeigt, dass in Regionen mit hoher sozioökonomischer Deprivation die Schlaganfall-Sterberaten höher sind als in Regionen mit niedriger Deprivation. Dies deutet darauf hin, dass soziale und wirtschaftliche Faktoren einen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko und die Versorgung haben können.

Aktuelle Entwicklungen und Forschung

Die Forschung im Bereich Schlaganfall ist weiterhin aktiv. Wissenschaftler arbeiten daran, neue Therapien und Präventionsstrategien zu entwickeln, um die Behandlung und das Ergebnis für Schlaganfallpatienten zu verbessern. Wearables, wie kleine Computersysteme in Armbanduhren, könnten in Zukunft eine große Unterstützung in der Diagnostik von Vorhofflimmern sein, einer wichtigen Ursache für Schlaganfälle.

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