Stottern ist eine komplexe Redeflussstörung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. In Deutschland sind schätzungsweise eine Million Menschen von leichtem bis starkem Stottern betroffen. Obwohl es viele Theorien über die Entstehung des Stotterns gibt, existiert bis heute keine allgemeingültige Definition oder einheitliche Erklärung für dieses Phänomen.
Was ist Stottern?
Stottern ist eine Störung des Redeflusses, die sich durch unfreiwillige Unterbrechungen im Sprechablauf äußert. Diese Unterbrechungen können verschiedene Formen annehmen:
- Wiederholungen: Das Wiederholen von Lauten, Silben oder ganzen Wörtern (z. B. "D-d-d-darf ich…").
- Verlängerungen: Das Dehnen von Lauten innerhalb eines Wortes (z. B. "M---utter").
- Blockierungen: Das plötzliche Stocken im Redefluss, bei dem kein Ton herausgebracht werden kann (z. B. "Die M---- Mutter").
Es werden hauptsächlich zwei Grundtypen des Stotterns unterschieden:
- Klonisches Stottern: Hierbei werden Sprachelemente (Laute, Silben, Wörter) rasch aufeinanderfolgend wiederholt.
- Tonisches Stottern: Das Sprechen ist zeitweise völlig blockiert, was zu einer hörbaren oder unhörbaren Anstrengung führt.
Oftmals treten auch Mischformen auf, das sogenannte tonisch-klonische Stottern, bei dem sowohl Wiederholungen als auch Blockierungen vorkommen.
Ursachen des Stotterns
Die Ursachen des Stotterns sind vielfältig und bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt:
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- Genetische Veranlagung: Studien deuten darauf hin, dass Stottern vererbbar sein kann.
- Neurologische Faktoren: Unterschiede in der Gehirnstruktur und -funktion von stotternden und nicht-stotternden Personen wurden festgestellt. Insbesondere das Broca-Zentrum, eine für die Sprachproduktion wichtige Region im Gehirn, könnte betroffen sein.
- Psychische Faktoren: Emotionale Belastungen, Angst, Stress oder traumatische Erlebnisse können das Auftreten oder die Verstärkung von Stottern begünstigen.
- Entwicklungsbedingte Faktoren: Bei Kindern zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr tritt häufig ein sogenanntes "Entwicklungsstottern" auf, das in den meisten Fällen von selbst wieder verschwindet. In dieser Phase sind Denken und Sprechen noch nicht vollständig aufeinander abgestimmt.
Das Zusammenspiel der Faktoren
Die multifaktorielle Sichtweise geht davon aus, dass Stottern durch das Zusammenwirken verschiedener Ursachen entsteht. Eine Veranlagung kann beispielsweise erst in Verbindung mit psychischen Faktoren zum Tragen kommen. Oftmals tritt das Stottern erstmals in einer emotional belastenden Situation auf und wird dann zu einem Symptom, das in ähnlichen Situationen immer wiederkehrt.
Es ist wichtig zu betonen, dass Stottern keine Unfähigkeit ist, flüssig zu sprechen. Stotterer sind oft in der Lage, in bestimmten Situationen problemlos zu sprechen, beispielsweise beim Singen, Flüstern, Sprechen mit Tieren oder in der Hypnose.
Auswirkungen des Stotterns
Das Stottern kann erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben:
- Psychische Probleme: Viele Stotterer leiden unter geringem Selbstwertgefühl, Scham, Schuldgefühlen, sozialer Angst oder Depressionen.
- Soziale Einschränkungen: Stotterer vermeiden oft Gespräche mit anderen Menschen, was zu Einschränkungen in der persönlichen, sozialen und beruflichen Entwicklung führen kann.
- Vermeidungsverhalten: Um das Stottern zu verbergen, greifen Betroffene auf Vermeidungsstrategien zurück, wie z.B. das Ersetzen von schwierigen Wörtern oder das Umgehen bestimmter Situationen.
Therapieansätze bei Stottern
Es gibt verschiedene Therapieansätze zur Behandlung von Stottern. Ziel ist es, den Redefluss zu verbessern, die Begleiterscheinungen des Stotterns zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.
Gängige Therapieformen
- Logopädische Sprachtherapie: Diese Therapieform konzentriert sich auf die Verbesserung des Sprechmechanismus durch spezielle Sprachübungen. Ziel ist es, einen ungehemmten Sprachfluss zu erreichen. Allerdings wird kritisiert, dass die reine Sprachtherapie oft nicht die Ursachen des Stotterns berücksichtigt.
- Atemtherapie und Entspannungstechniken: Atemübungen, Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, die Sprechmuskulatur zu entspannen und Stress abzubauen. Diese Methoden setzen jedoch eher an der Symptomebene an.
- Psychotherapie: Verschiedene psychotherapeutische Verfahren, wie Verhaltenstherapie, kognitive Verhaltenstherapie, Gestalttherapie oder tiefenpsychologische Ansätze, können eingesetzt werden, um die psychischen Ursachen und Begleiterscheinungen des Stotterns zu behandeln.
- Fluency Shaping: Hierbei lernen die Patienten spezielle Techniken, die das Auftreten von Unflüssigkeiten reduzieren. Sie sprechen beispielsweise anfangs sehr langsam und steigern das Tempo allmählich.
- Stottermodifikation (Dysfluency Shaping): Diese Methode zielt darauf ab, die eigenen Reaktionen beim Auftreten von Sprechunflüssigkeiten zu verändern. Patienten lernen, in ihr eigenes Stottern einzugreifen, akute Situationen zu erkennen und abzuwenden.
Hypnosetherapie
Ein vielversprechender Ansatz ist die Hypnosetherapie, insbesondere die Hypnoanalyse. Diese Methode zielt darauf ab, die unbewussten Konflikte und traumatischen Erlebnisse aufzudecken, die dem Stottern zugrunde liegen.
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- Hypnoanalyse nach Dave Elman: Der amerikanische Hypnotherapeut Dave Elman zeigte bereits vor einem halben Jahrhundert, dass Stottern durch Hypnoanalyse schnell und einfach behandelt werden kann. Er demonstrierte, dass oft nur wenige Sitzungen nötig sind, um das Stottern dauerhaft zu bessern oder zu überwinden.
- Ablauf der Hypnoanalyse: In der Hypnose wird der Patient in einen tiefen Entspannungszustand versetzt, in dem er leichter Zugang zu seinem Unterbewusstsein hat. Durch gezielte Fragen und Suggestionen kann der Therapeut die auslösende Situation identifizieren und dem Patienten helfen, den damit verbundenen Konflikt zu lösen.
- Wirkungsweise: Wenn die auslösende Situation bewusst gemacht wird, verliert sie ihre krankmachende Wirkung. Das Stottern kann sich dadurch bessern oder sogar vollständig verschwinden.
Energetische Interventionen (EFT®)
Mittels energetischer Interventionen (EFT®) können Ängste in den Situationen, in denen das Stottern besonders auftritt, nachhaltig aufgelöst werden.
Die EHT®-Hypnose-Methode
Die EHT®-Hypnose-Methode kann helfen, das Stottern zu „verlernen“. Im Gegensatz zu herkömmlichen Stottertherapien, die auf das Erlernen von Kompensationsmechanismen abzielen, setzt die EHT®-Methode darauf, die Ursachen des Stotterns im Unterbewusstsein zu bearbeiten.
Weitere Therapieansätze
- Online-Therapie: Für Stotternde ab 13 Jahren bietet sich die Möglichkeit einer Online-Therapie, bei der Einzel- und Gruppensitzungen im virtuellen Raum stattfinden.
- Energetisches Atemtraining: Durch energetisches Atemtraining in Verbindung mit entsprechender Suggestion kann es gelingen, den beim Stotterer bewusst ablaufenden Sprachvorgang dorthin zurück zu bringen, wo flüssiges Sprechen entsteht - ins Unterbewusstsein.
Was können Angehörige und Freunde tun?
Ein unterstützendes Umfeld ist für Stotterer von großer Bedeutung. Angehörige und Freunde können helfen, indem sie:
- Zuhören: Lassen Sie den Stotterer ausreden und vermeiden Sie es, ihn zu unterbrechen oder zu verbessern.
- Geduld haben: Geben Sie dem Stotterer Zeit, um seine Gedanken zu formulieren.
- Akzeptanz zeigen: Vermitteln Sie dem Stotterer, dass Sie ihn so akzeptieren, wie er ist, unabhängig von seinem Stottern.
- Nicht unter Druck setzen: Vermeiden Sie es, den Stotterer zum Sprechen zu drängen oder ihm Ratschläge zu geben, wie er sein Stottern überwinden kann.
- Unterstützung anbieten: Ermutigen Sie den Stotterer, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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