Die toxische Enzephalopathie, eine Schädigung des Gehirns durch toxische Substanzen, kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, darunter Drogen, Medikamente und Umweltgifte. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlung der toxischen Enzephalopathie durch Drogen, wobei sowohl legale als auch illegale Substanzen betrachtet werden.
Einführung
Vergiftungen sind Krankheiten, die unmittelbar durch die Zufuhr von Giften von außen oder mittelbar durch die "Giftung" einer beigebrachten Substanz im Organismus entstehen können. Exogene Vergiftungen können absichtlich oder unabsichtlich erfolgen und betreffen besonders häufig jüngere Menschen. Die Diagnose einer Vergiftung beruht auf Hinweisen aus der Anamnese und auf klinischen Symptomen, wobei die Auswahl der toxikologischen Untersuchungen sich am Vergiftungstyp orientiert.
Ursachen der toxischen Enzephalopathie durch Drogen
Der Gebrauch legaler und illegaler Rauschmittel kann zu erheblichen Schäden beim Konsumenten selbst und in der Gesellschaft führen. Zahlenmäßig steht Alkohol vor Heroin, Crack-Kokain und den Designerdrogen. Drogen beziehungsweise psychotrope Substanzen werden oftmals gegen ärztlichen Rat und unter Missbilligung von Angehörigen und Kollegen eingenommen, trotz zu erwartender oder bereits eingetretener Schäden sowie im Bewusstsein, dass ihr Erwerb oder Besitz strafrechtliche Konsequenzen haben kann. Häufig entwickelt sich eine Abhängigkeit.
Alkohol
Alkohol (Ethanol) gehört zu den schädlichsten psychotropen Substanzen. Chronische Konsumenten haben trotz großer eingenommener Mengen oft einen erstaunlich niedrigen Promillespiegel. Die körperlichen Veränderungen bei Missbrauch sind vielfältig, von Fettleberhepatitis bis hin zur Leberzirrhose. An psychischen Störungen ist vor allem das Korsakow-Syndrom zu nennen, gekennzeichnet durch Beeinträchtigung der Merkfähigkeit und Konfabulationen.
Opioide
Opioide sind Substanzen, die Wirkungen wie Opium beziehungsweise Morphin aufweisen. Sie werden in der medizinischen Therapie zur Schmerzlinderung eingesetzt, können aber auch zu Abhängigkeit führen. Die wesentlichen Schäden entstehen durch unsachgemäße Applikation mittels verschmutzter Nadeln und Spritzen (Hepatitis B und C, HIV-Infektion, Spritzenabszesse).
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Kokain und Amphetamine
Kokain ist eine psychostimulierende Substanz, die zu erhöhter Aufmerksamkeit, Euphorisierung, Antriebssteigerung und Enthemmung führt. Bei höheren Dosen können psychotische Reaktionen, extreme Ängste und Aggressionen auftreten. Amphetamine ähneln hinsichtlich ihrer Wirkung und Wirkmechanismen dem Kokain.
Fentanyl
Die Einnahme von Fentanyl kann zu einer Entzündung großer Teile des Gehirns führen, was zu Bewusstseinsverlust und irreversiblem Verlust von Gehirnfunktionen bis hin zum Tod führen kann.
Diagnose der toxischen Enzephalopathie
Die Diagnose einer toxischen Enzephalopathie beruht auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und toxikologischen Tests.
Anamnese
Wichtige Fragen zur Giftaufnahme sind: Was? Wie viel? Wann? Antworten auf diese Fragen sind nicht immer vorhanden und werden oft unwillig gegeben. Sie können unvollständig, unverlässlich oder absichtlich unrichtig sein.
Klinische Untersuchung
Klinische Leitsymptome ermöglichen eine erste diagnostische Orientierung. Im zerebralen Allgemeinsyndrom dieser Gruppe von Enzephalopathien sind Tremor, Krampfanfälle und vegetative Symptome häufig anzutreffen.
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Toxikologische Tests
Die Hauptaufgabe der qualitativen Analytik besteht darin, die Anwesenheit von Giften in toxikologisch relevanter Konzentration nachzuweisen oder auszuschließen. Die quantitative Bestimmung von Giften im Blut ermöglicht häufig Rückschlüsse auf den Schweregrad der Vergiftung. Ein Screeningprogramm, mit dem ca. 80% der im Einzugsgebiet des Krankenhauses vorkommenden akuten Vergiftungen erfasst werden können, ist in Tab. 41-12 dargestellt.
Behandlung der toxischen Enzephalopathie
Die ärztliche Versorgung eines Patienten mit dem Verdacht auf eine akute Vergiftung beginnt mit der Festlegung einer vorläufigen Diagnose und der Unterstützung der vitalen Funktionen. Die Behandlung umfasst Maßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen, Entgiftung und ggf. Sedierung in den Intoxikations- und Entzugssituationen.
Allgemein Maßnahmen
- Sicherung der Vitalfunktionen: Atemwege freimachen, Beatmung, Kreislaufstabilisierung.
- Entgiftung: Maßnahmen zur Entfernung des Giftes aus dem Körper, z.B. Magenspülung, Aktivkohle, forcierte Diurese.
- Antidote: Gabe von Gegengiften, falls vorhanden.
- Supportive Therapie: Behandlung von Komplikationen wie Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Koma.
Spezifische Maßnahmen
- Alkoholentzug: Gabe von Benzodiazepinen zurReduktion von Entzugssymptomen, Thiamin zur Vorbeugung des Wernicke-Korsakow-Syndroms.
- Opioidentzug: Gabe von Naloxon bei Überdosierung, Substitutionstherapie mit Methadon oder Buprenorphin.
Weitere Behandlungsansätze
- Psychotherapie: Behandlung von psychischen Begleiterkrankungen und Suchtverhalten.
- Soziale Unterstützung: Hilfe bei derReintegration in das soziale Leben.
Differentialdiagnose
Zur Differentialdiagnose gehören endogene Intoxikationen, akute hirnorganische Psychosyndrome und andere neurologische Erkrankungen.
Besonderheiten bei speziellen Vergiftungen
- Paracetamol: Die Vergiftungen mit Paracetamol (Acetaminophen) können schwere Leberzellschädigungen mit akutem Leberversagen hervorrufen. Die Therapie mit N-Acetylcystein ist indiziert, wenn die Konzentration des Pharmakons im Blut im hepatotoxischen Bereich liegt.
- Cyanid: Es handelt sich um eine extrem toxische Verbindung, die schon in niedriger Konzentration die Zellatmung blockiert. Als Antidot werden eingesetzt: Na-Thiosulfat, Hydroxocobalamin und Methämoglobinbildner.
- Toxische Alkohole: Bei Verstoffwechselung der Alkohole werden verschiedene toxische Substanzen erzeugt (u.a. Ameisensäure), welche metabolische Azidose und Organschäden auslösen. Ziel ist daher entweder ein verlangsamter Abbau (durch Ethanol- oder Fomepizol-Gabe) oder ggf. Elimination der toxischen Alkohole via Dialyse.
Toxidrome
Toxidrome sind eine pragmatische Einteilung von Intoxikationen nach klinischem Bild. Sie helfen bei der Identifizierung der Substanzklasse, die für die Vergiftung verantwortlich ist. Zu den wichtigsten Toxidromen gehören:
- Opioid-Toxidrom: Somnolenz bis Koma, Miosis, Bradypnoe.
- Sedativ-hypnotisches Toxidrom: Somnolenz bis Koma, Mydriasis, Bradypnoe.
- Halluzinogenes Toxidrom: Verwirrung, Agitation, Mydriasis.
- Sympathomimetisches Toxidrom: Agitation bis Delir, Mydriasis, Tachykardie.
- Cholinerges Toxidrom: Verwirrung, Miosis, Schweißausbruch, Bradykardie.
- Anticholinerges Toxidrom: Verwirrung, Halluzination, Mydriasis, Tachykardie.
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