Toxische Neuritis Behandlung: Ursachen, Symptome und Therapieansätze

Die toxische Neuritis, auch bekannt als toxische Neuropathie, ist eine Schädigung der peripheren Nerven, die durch verschiedene toxische Substanzen verursacht werden kann. Diese Substanzen können Medikamente, Umweltgifte, Alkohol oder bestimmte Stoffwechselprodukte sein. Die Behandlung der toxischen Neuritis zielt darauf ab, die Ursache zu beseitigen, die Symptome zu lindern und die Nervenfunktion wiederherzustellen.

Ursachen der toxischen Neuritis

Polyneuropathien sind mit einer Prävalenz von ca. 5-8 % bei Erwachsenen die häufigsten Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Das Auftreten steigt mit zunehmendem Alter. Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache von Polyneuropathien in Europa und Nordamerika. Neben Diabetes und Alkoholmissbrauch gibt es noch weitere Ursachen für toxische Neuropathien.

Medikamente

Arzneimittelbedingte Neuropathien hängen in der Regel von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Meistens, aber nicht immer, bessern sie sich nach Therapieabbruch. Hier eine Auswahl von Medikamenten, die eine toxische Neuropathie verursachen können:

  • Statine: Eine italienische Studie hat ein erhöhtes Polyneuropathierisiko bei Statinen festgestellt. Die Polyneuropathie der HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren zeigt sich als Gruppeneffekt und ist in der Regel nach Absetzen der Medikation reversibel.
  • Amiodaron: Dieses Antiarrhythmikum kann in seltenen Fällen periphere sensorische Neuropathien verursachen. Die Polyneuropathie ist, wie auch bei Statinen, außer in Einzelfällen, reversibel. Die Therapiedauer gilt als Risikofaktor.
  • Chemotherapeutika: Vincaalkaloide (Vincristin, Vinorelbin, Vinblastin), Taxane (Docetaxel, Paclitaxel) und Platinverbindungen (Oxaliplatin, Carboplatin) sind bekannte Auslöser von Chemotherapie-induzierten peripheren Neuropathien (CIPN).
  • Bortezomib und Thalidomid: Diese Medikamente, die zur Behandlung des multiplen Melanoms eingesetzt werden, können ebenfalls CIPN verursachen.
  • Antibiotika: Isoniazid, Ethambutol, Linezolid, Nitrofurantoin und Metronidazol können periphere Neuropathien auslösen. Isoniazid greift in den Vitamin-B6-Stoffwechsel ein, weshalb es oft in Kombination mit Pyridoxin gegeben wird. Linezolidinduzierte Neuropathien können irreversibel sein.

Andere Toxine

Neben Medikamenten können auch andere Toxine eine toxische Neuritis verursachen:

  • Alkohol: Die alkoholassoziierte Polyneuropathie hat eine hohe Prävalenz unter chronisch Alkoholkranken.
  • Schwermetalle: Blei, Thallium, Arsen.
  • Lösungsmittel: Methanol.

Stoffwechselstörungen

Bestimmte Stoffwechselstörungen können ebenfalls zu einer toxischen Neuritis führen:

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  • Diabetes mellitus: Die diabetische Neuropathie ist eine häufige Komplikation von Diabetes.
  • Vitaminmangel oder -überdosierungen: Ein Mangel an Vitamin B12 kann beispielsweise eine Neuropathie verursachen. Auch Pyridoxin in unverhältnismäßig hohen Dosierungen periphere Neuropathien hervorrufen kann.
  • Nierenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Schilddrüsenunterfunktion

Symptome der toxischen Neuritis

Die Symptome der toxischen Neuritis können je nach Ursache und betroffenem Nerv variieren. Häufige Symptome sind:

  • Missempfindungen: Taubheit, Kribbeln, Brennen, Temperaturmissempfindungen, meist an Zehen und Füßen beginnend und aufsteigend.
  • Schmerzen: Neuropathische Schmerzen, die als brennend, stechend oder elektrisierend beschrieben werden können.
  • Muskelschwäche: Lähmungen der körperfernen Muskulatur, insbesondere der Füße, können zu einer Beeinträchtigung der Fußhebung führen.
  • Vegetativ-trophische Störungen: Verminderte Schweißsekretion (trockene Füße), Temperaturregulierungsstörung (warme oder kalte Beine), Wundheilungsstörungen.
  • Gleichgewichtsstörungen und Stürze: Aufgrund von Taubheit und Muskelschwäche in den Füßen.
  • Hör- und Sehstörungen: Bei Schädigungen von Hirnnerven.
  • Eingeschränktes Tastempfinden
  • Eingeschränkte Schmerzweiterleitung
  • Eingeschränktes Temperaturempfinden

Diagnose der toxischen Neuritis

Die Diagnose der toxischen Neuritis umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, um mögliche Ursachen wie Medikamenteneinnahme, Alkoholkonsum, Vorerkrankungen oder Kontakt mit Toxinen zu identifizieren.
  2. Klinisch-neurologische Untersuchung: Feststellung des Schädigungsmusters und Ausschluss anderer Ursachen.
  3. Blutuntersuchungen: Überprüfung von Blutzucker, Leber- und Nierenwerten, Schilddrüsenwerten, Vitaminspiegeln, Rheumafaktoren und Antikörpern.
  4. Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Funktion der Nerven zu beurteilen. Manchmal gelingt es auch klinisch nicht ersichtliche Nervenschäden bereits frühzeitig durch die Nervenmessung aufzudecken.
  5. Elektromyographie (EMG): Untersuchung der Muskelaktivität, um Muskelschäden festzustellen.
  6. Nervenwasseruntersuchung (Liquor): Bei Verdacht auf eine entzündliche Ursache.
  7. Haut-Nerven-Muskelbiopsie: In seltenen Fällen, um eine (autoimmun vermittelte) entzündliche Erkrankung, eine Erkrankung der kleinsten Nervenendigungen (small fiber Polyneuropathie) oder eine bestimmte Stoffwechselerkrankung (Amyloidose) zu vermuten.

Behandlung der toxischen Neuritis

Die Behandlung der toxischen Neuritis zielt darauf ab, die Ursache zu beseitigen, die Symptome zu lindern und die Nervenfunktion wiederherzustellen.

Beseitigung der Ursache

Der erste Schritt ist, die schädigende Substanz zu identifizieren und zu eliminieren. Dies kann bedeuten:

  • Absetzen des Medikaments: Bei arzneimittelbedingter Neuropathie.
  • Alkoholentzug: Bei alkoholassoziierter Neuropathie.
  • Vermeidung von Toxinen: Bei Exposition gegenüber Umweltgiften.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Therapieoptimierung einer stoffwechselbedingten Erkrankung z.B. des Diabetes mellitus oder der Verzicht auf Alkohol.

Symptomatische Therapie

Die symptomatische Therapie zielt darauf ab, die Schmerzen und Missempfindungen zu lindern:

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  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Opioide (Tramadol).
  • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI, z. B. Duloxetin).
  • Antikonvulsiva: Gabapentin, Pregabalin.
  • Topische Behandlung: Capsaicin-Creme, Lidocain-Pflaster.

Weitere Therapien

Zusätzlich zu den oben genannten Therapien können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Physiotherapie und Ergotherapie: Verbesserung der Muskelkraft, Koordination und Feinmotorik. Funktionstraining, welches Balanceübungen, sensomotorisches Training, Koordinationstraining, Vibrationstraining und auch Feinmotorikertraining umfasst, hat sich Studien zwecks Symptomlinderung positiv hervorgetan.
  • Elektrotherapie (TENS): Schmerzlinderung durch elektrische Stimulation der Nerven.
  • Lymphdrainage und Bindegewebsmassage: Verbesserung der Durchblutung und Reduktion von Schwellungen.
  • Akupunktur: Kann bei einigen Patienten Schmerzen lindern.
  • Infusionstherapie mit Alpha-Liponsäure: Kann bei diabetischer Neuropathie helfen.
  • Bewegungstraining: Regelmäßiges Bewegungstraining, insbesondere der Finger- und Zehenfunktionen, wird von Expert*innen empfohlen.
  • Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen, insbesondere B-Vitaminen.
  • Vermeidung von Kälte: Patient*innen, die mit Probleme mit Kältereizen haben, sollten sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen.
  • Sicheres Schuhwerk: Um sich sicher fortzubewegen, sollten Vorkehrungen wie festes Schuhwerk oder eine Gehhilfe getroffen werden.
  • Verletzungen und Infektionen vorbeugen: Verletzungen, wie Schnittwunden oder Verbrennungen an Händen und Füßen werden später oder gar nicht wahrgenommen, wenn das Empfinden an diesen Stellen stark eingeschränkt ist.
  • Psychologische Unterstützung: Bei chronischen Schmerzen und Depressionen.

Therapie der Optikusneuritis

Die Therapie der Optikusneuritis zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren und die Sehfunktion zu erhalten.

Immunmodulierende Therapien

Es gibt unzählige stoffwechselbedingte oder immunvermittelte Ursachen (zum Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom und andere immunvermittelte Neuropathien), die behandelt werden mit immunmodulierende Therapien wie Immunglobuline oder Plasmaaustausch oder Einsatz von Chemotherapeutika.

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