Eine Toxoplasma-Infektion wird oft als harmlos angesehen, doch es gibt Hinweise darauf, dass dieser Einzeller das Gehirn beeinflussen und die Anfälligkeit für neuropsychiatrische Störungen erhöhen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen der Toxoplasmose, ihren potenziellen Zusammenhang mit Epilepsie und die Auswirkungen auf den Menschen.
Was ist Toxoplasmose?
Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Parasiten Toxoplasma gondii verursacht wird. Dieser Parasit ist weltweit verbreitet und befällt vor allem Katzen, die als Endwirte fungieren. Menschen und andere Tiere können sich als Zwischenwirte infizieren.
Verbreitung und Infektionswege
Schätzungsweise trägt knapp ein Drittel der Menschheit den Mikroorganismus T. gondii in sich. In manchen Regionen Afrikas sind es bis zu 90 Prozent der Bevölkerung, in Brasilien 80 Prozent und in Deutschland immerhin rund 50 Prozent. Die meisten Menschen bemerken die Infektion gar nicht.
Die Hauptinfektionsquellen sind:
- Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch: Insbesondere Schweinefleisch, Lammfleisch, Wild und Geflügel können Zysten des Parasiten enthalten.
- Kontakt mit Katzenkot: Katzen scheiden nach der Ansteckung ein bis drei Wochen lang Parasiteneier (Oozysten) aus. Diese reifen in der Umwelt und können Wasserquellen, Boden und Feldfrüchte verunreinigen.
- Schmutz- und Schmierinfektionen: Kontaminierte Erde kann infektiöse Parasitenstadien enthalten, die durch direkten Kontakt übertragen werden können.
Symptome der Toxoplasmose
Bei gesunden Menschen verläuft die Toxoplasmose in etwa neun von zehn Fällen ohne Symptome. Selten ruft die Infektion grippeähnliche Symptome wie leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Müdigkeit hervor. Außerdem schwellen bei einer Toxoplasmose gegebenenfalls die Lymphknoten an (meist im Hals- und Nackenbereich, gelegentlich am ganzen Körper). Mediziner sprechen dann von Lymphknotentoxoplasmose.
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In seltenen Fällen betrifft die Toxoplasmose Augen oder andere Organe. Dann entwickelt sich zum Beispiel eine Entzündung der Netz- und Aderhaut im Auge (Retinochorioiditis oder Chorioretinitis) oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis).
Bei einer Immunschwäche kann die Toxoplasmose gegebenenfalls einen schweren Verlauf nehmen. Das gilt zum Beispiel für AIDS-Patienten sowie nach einer Organtransplantation. Oft handelt es sich nicht um eine Erstinfektion. Stattdessen haben sich die meisten Betroffenen schon früher mit dem Toxoplasmose-Erreger infiziert.
Dieser schlummerte dann zum Teil jahrelang unbemerkt (latent) im Körper, bevor er reaktiviert wird. Sehr oft entwickelt sich dann eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Die auftretenden Symptome hängen davon ab, welche Hirnregion von der Entzündung betroffen ist. So entwickeln sich beispielsweise:
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Wesensveränderungen
- Lähmungen
- Epileptische Anfälle
Toxoplasmose in der Schwangerschaft
Eine Toxoplasmose-Infektion im ersten Schwangerschaftsdrittel ist selten. Sie führt entweder zu einer Fehlgeburt beziehungsweise Totgeburt oder verursacht schwere Schäden am Ungeborenen. Dazu zählen:
- Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie)
- Gelbsucht (Ikterus)
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
- Lungenentzündung
- Wasseransammlung in der Schädelhöhle ("Wasserkopf", Hydrozephalus)
- Entzündung der Netz- und Aderhaut im Auge (Chorioretinitis)
- Verkalkungen innerhalb des Schädels (intrakranielle Verkalkungen)
Toxoplasmose-Infektionen in der späteren Schwangerschaft verlaufen anfänglich meist ohne Symptome. Viele der betroffenen Kinder entwickeln aber im Verlauf der nächsten zwanzig Jahre Folgeschäden wie Schielen (Strabismus), Taubheit oder Epilepsie. Auch eine psychomotorische Entwicklungsverzögerung (Retardierung) zählt zu den möglichen Spätfolgen einer im Mutterleib erworbenen Toxoplasmose.
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Toxoplasmose und das Gehirn
Der Parasit T. gondii kann vom Magen-Darm-Trakt aus ins Gehirn gelangen, obwohl dieses Organ durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt ist. Eine Theorie besagt, dass sich der Parasit im Inneren von Immunzellen ins zentrale Nervensystem einschleust. Einmal im Gehirn angelangt, nistet er sich in Neuronen und Gliazellen ein und kann in fast allen Hirnregionen vorkommen, insbesondere in der Amygdala, dem Thalamus, dem Striatum, dem Hippocampus, dem Kleinhirn sowie in der Großhirnrinde.
Mögliche Auswirkungen auf Verhalten und Persönlichkeit
Es gibt Hinweise darauf, dass T. gondii das Verhalten, das Denken und die Persönlichkeit seines Wirts verändern kann. Studien an Nagetieren haben gezeigt, dass infizierte Tiere weniger Scheu vor Katzenurin zeigen und aktiver sowie weniger ängstlich sind.
Auch beim Menschen gibt es Hinweise auf ähnliche Effekte. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine latente Toxoplasmose die Mimik und Gestik verlangsamen und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen kann. Zudem könnten bestimmte Persönlichkeitsmerkmale beeinflusst werden, wie z.B. Aggressivität bei Frauen und Impulsivität bei Männern.
Eine 2019 veröffentlichte Studie gibt Hinweise darauf, dass eine Infektion mit T. gondii risikofreudiger macht. Forschende fanden bei Männern, die durch riskantes Verhalten zu Tode gekommen waren, häufiger Parasiten-DNA im Gehirn.
Toxoplasmose und Epilepsie
Epileptische Anfälle können im Rahmen einer Toxoplasmose auftreten, insbesondere bei Immunsupprimierten. Die Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die durch die Toxoplasmose verursacht wird, kann zu epileptischen Anfällen führen. Bei einer angeborenen Toxoplasmose, die während der Schwangerschaft übertragen wurde, kann es auch erst Jahre später zu Spätfolgen wie Epilepsie kommen.
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Neuropsychiatrische Erkrankungen
Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Toxoplasmose und neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolarer Störung. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit T. gondii-Infektionen häufiger an Schizophrenie erkranken. Auch das Ausmaß beobachteter Hirnveränderungen deutet auf einen Einfluss von T. gondii hin.
Die Toxoplasmose kann die Konzentration von Signalmolekülen im Gehirn beeinflussen, z.B. den Dopaminspiegel erhöhen. Ähnliche Prozesse treten auch bei neuropsychiatrischen Erkrankungen auf, was den Verdacht nahelegt, dass der Parasit auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen könnte.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose einer Toxoplasmose erfolgt in der Regel durch den Nachweis von Antikörpern gegen T. gondii im Blut. Bei Immunsupprimierten kann auch ein direkter Erregernachweis aus Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten erfolgen.
Die Behandlung einer Toxoplasmose ist nur bei Schwangeren, Immunsupprimierten oder bei Befall der Augen notwendig. Zum Einsatz kommen Antibiotika (Spiramycin) und Antiparasitika (Pyrimethamin, Sulfadiazin).
Vorbeugung
Da es keine Impfung gegen Toxoplasmose gibt, ist Vorbeugung der beste Schutz. Folgende Maßnahmen können das Infektionsrisiko reduzieren:
- Fleisch gut garen: Alle Entwicklungsstadien des Parasiten werden durch Kochen, Pasteurisieren oder Braten sicher abgetötet.
- Hygiene: Händewaschen nach Kontakt mit rohem Fleisch, Erde oder Katzenkot.
- Vorsicht im Umgang mit Katzen: Katzenklo regelmäßig reinigen (idealerweise nicht von Schwangeren), Handschuhe tragen bei Gartenarbeit.
- Verzicht auf rohe Fleischprodukte: Schwangere sollten auf rohe Fleisch- und Wurstwaren verzichten.
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