Ohrenschmerzen und Juckreiz im Ohr sind weit verbreitete Beschwerden, die durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden können. Eine häufige Ursache für diese Symptome ist die Entzündung des äußeren Gehörgangs, auch bekannt als Otitis externa. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Ohrenschmerzen und Juckreiz im Zusammenhang mit einer Gehörgangsentzündung detailliert erläutert.
Ursachen von Ohrenschmerzen und Juckreiz
Ohrenschmerzen und Juckreiz können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wobei Erkrankungen des Ohrs selbst oder andere Krankheiten im Kopf- und Halsbereich als Auslöser in Frage kommen.
Erkrankungen des Ohrs
- Mittelohrentzündung (Otitis media): Oftmals geht einer Mittelohrentzündung eine Erkältung voraus. Viren oder Bakterien gelangen über den Mund-Rachenraum durch die Tuba (Verbindung zwischen Mund-Rachenraum und Mittelohr) in das Mittelohr und lösen dort eine Entzündung aus.
- Gehörgangsentzündung (Otitis externa): Der äußere Gehörgang kann sich durch Bakterien, Pilze oder äußere Einflüsse wie kalte oder nasse Umgebung entzünden. Eine Mittelohrentzündung kann sich auch auf den äußeren Gehörgang ausbreiten.
- Trommelfellverletzungen: Verletzungen des Trommelfells, die durch äußere Einwirkungen, Entzündungen, Schläge auf das Ohr oder extreme Lärmeinwirkungen (Knalltrauma) verursacht werden, können stechende Schmerzen im Ohr verursachen.
- Druck auf den Tragus: Schmerzen bei Druck auf den Tragus, den kleinen Knorpel vor dem Eingang des äußeren Gehörgangs, deuten häufig auf eine Entzündung des äußeren Gehörgangs hin.
Andere Krankheiten im Kopf- und Halsbereich
- Kieferschmerzen: Da die Ohren dem Kiefer sehr nahe liegen, können Kieferschmerzen, die beispielsweise durch Zähneknirschen (Bruxismus), Entzündungen im Kiefer oder eine Fehlstellung des Kiefergelenks (Craniomandibuläre Dysfunktion) verursacht werden, in die Ohren ausstrahlen.
- Schläfenkopfschmerzen: Schmerzen in der Schläfengegend können durch das Tragen einer Brille oder durch eine Arteriitis temporalis, eine rheumatische Gefäßerkrankung, ausgelöst werden.
- Entzündungen im Halsbereich: Eine akute Schilddrüsenentzündung, Seitenstrangangina (Pharyngitis) oder Mandelentzündung (Angina tonsillaris) können Schmerzen verursachen, die vom Hals bis in die Ohren ausstrahlen.
- Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): Eine Nasennebenhöhlenentzündung kann sich ebenfalls in das Ohr ausbreiten und dort Schmerzen verursachen.
- Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononucleosis infectiosa): Da auch hierbei Mund und Rachen befallen sind, kann sich eine Infektion in die Ohren ausbreiten und dort Schmerzen verursachen.
- Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum (Oropharynxkarzinom): Tumorgewächse, die im Hals auf Nerven drücken, oder Halsschmerzen, die bis in die Ohren ausstrahlen, können Ohrenschmerzen verursachen.
- Occipitalneuralgie (Neuralgie occipitalis): Eine Reizung der Occipitalis-Nerven kann Schmerzen in den Ohren verursachen, da die Occipitalis-Nerven das Gebiet teilweise mitversorgen.
- Zahnschmerzen: Zahnschmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen und dort Schmerzen verursachen.
Weitere Ursachen
- Grippaler Infekt: Generell sollte bei der Kombination aus Ohren- und Kopfschmerzen an einen grippalen Infekt im Hals-Nasen-Ohren-Bereich gedacht werden.
- Fremdkörper im Ohr: Kleine Kinder stecken sich gern mal einen Fremdkörper ins Ohr, zum Beispiel Murmeln, Haselnüsse oder Weidenkätzchen. Diese sollte so schnell wie möglich ein Arzt entfernen, um eine Gehörgangsentzündung beim Kind zu verhindern.
- Hörgeräte und Ohrstöpsel: In-Ear-Kopfhörer, Ohrenstöpsel für die Nachtruhe oder Hörgeräte können das Milieu im Ohr negativ beeinflussen.
- Allergien: Allergien gegen bestimmte Stoffe in Shampoos, Haarsprays, Ohrstöpseln oder Hörgeräten können Juckreiz und Entzündungen im Ohr verursachen.
- Psychische Belastungen: Stress, innere Unruhe oder emotionale Anspannung können sich körperlich äußern - manchmal auch in Form von Juckreiz im Ohr (psychogenes Jucken).
Symptome von Ohrenschmerzen und Juckreiz
Die Symptome von Ohrenschmerzen und Juckreiz können je nach Ursache variieren. Häufige Symptome sind:
- Ohrenschmerzen: Die Schmerzen können von leichten bis starken Schmerzen variieren und den Alltag möglicherweise in hohem Maße beeinträchtigen.
- Juckreiz: Jucken am Ohr ist ein weit verbreitetes, aber häufig unterschätztes Symptom, das viele Menschen im Alltag erleben.
- Druckschmerzhaftigkeit: Druck auf den Tragus oder die Ohrmuschel kann Schmerzen verursachen.
- Schwellung: Die Ohrmuschel oder der Gehörgang können geschwollen sein.
- Hörprobleme: Durch Schwellung des Gehörgangs oder Sekretansammlung kann es zu einer Hörminderung/Schwerhörigkeit kommen.
- Ohrgeräusche (Tinnitus): Tinnitus kann bei einer Mittelohrentzündung oder Kieferschmerzen auftreten.
- Ohrenlaufen (Otorrhoe): Sekretabfluss (schleimig oder eitrig) aus dem Ohr kann auf eine Entzündung hinweisen.
- Fieber: Fieber kann in einigen Fällen auftreten.
- Reduzierter Allgemeinzustand: Häufig mit starker Schwäche und Erschöpfung verbunden.
- Lymphknotenschwellung: Lymphadenopathie (vergrößerte oder schmerzhafte Lymphknoten) in der Nähe des Ohres.
- Weitere Symptome: Je nach Ursache können weitere Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder Hautausschläge auftreten.
Diagnose von Ohrenschmerzen und Juckreiz
Um die Ursache von Ohrenschmerzen und Juckreiz zu ermitteln, ist eine gründliche Untersuchung durch einen Arzt erforderlich. In der Regel wird der Arzt folgende Schritte durchführen:
- Anamnese: Der Arzt wird sich nach den Beschwerden, der Krankheitsgeschichte und möglichen Risikofaktoren erkundigen.
- Otoskopie: Mithilfe eines Ohrenspiegels (Otoskop) wird der Gehörgang und das Trommelfell untersucht.
- Hörprüfung: Eine Hörprüfung kann durchgeführt werden, um das Ausmaß einer möglichen Hörminderung festzustellen.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht kann der Arzt weitere Untersuchungen wie einen Abstrich aus dem Gehörgang, eine Röntgenaufnahme oder eine Blutuntersuchung veranlassen.
Behandlung von Ohrenschmerzen und Juckreiz
Die Behandlung von Ohrenschmerzen und Juckreiz richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
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Medikamentöse Behandlung
- Ohrentropfen: Ohrentropfen sind eine der am häufigsten eingesetzten Maßnahmen bei juckenden Ohren - besonders dann, wenn die Ursache im Gehörgang selbst liegt. Je nach Diagnose enthalten sie unterschiedliche Wirkstoffe: bei Entzündungen etwa entzündungshemmende oder antibakterielle Substanzen, bei allergischen Reaktionen kommen oft Antihistaminika zum Einsatz. Es gibt auch beruhigende Tropfen mit pflanzlichen Inhaltsstoffen, die speziell für empfindliche Ohren entwickelt wurden.
- Ohrensalben: Ohrensalben eignen sich vor allem dann, wenn die Haut im äußeren Gehörgang oder am Ohr selbst gereizt, trocken oder entzündet ist. Sie bilden einen schützenden Film über der Haut, lindern Juckreiz und fördern die Regeneration. In Salben gegen juckende Ohren sind oft fettende und beruhigende Inhaltsstoffe enthalten, manchmal kombiniert mit Kortison oder antimykotischen Wirkstoffen, wenn eine Infektion mit Pilzen oder Bakterien vorliegt.
- Nasensprays: Bei tiefer liegendem Juckreiz können Nasensprays helfen, wenn die Ursache des Juckreizes im Rachenraum oder in den Eustachischen Röhren liegt. Besonders bei Infekten oder bei gereizten Schleimhäuten infolge von Allergien kann ein abschwellendes oder antiallergisches Nasenspray die Belüftung des Mittelohres verbessern und den Reiz reduzieren, der als „Jucken im Ohr“ empfunden wird.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika in Form von Ohrentropfen, Tabletten oder Infusionen eingesetzt werden.
- Antimykotika: Bei Pilzinfektionen werden antimykotische Salben oder Tropfen verwendet.
- Antihistaminika: Bei allergischen Reaktionen können Antihistaminika den Juckreiz lindern.
- Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel eingenommen werden.
Weitere Behandlungsmethoden
- Reinigung des Gehörgangs: Der Arzt kann den Gehörgang von Ablagerungen und Sekret befreien.
- Hausmittel: Bei leichten Beschwerden können Hausmittel wie Kamillentee, Zwiebelsaft oder Wärme lindernd wirken.
- Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, beispielsweise bei einer Eiteransammlung unter der Haut.
Hausmittel gegen Jucken im Ohr
Nicht immer braucht es Medikamente, um juckende Ohren zu beruhigen - oft können einfache Hausmittel helfen, besonders wenn der Juckreiz nicht durch eine ernsthafte Infektion, sondern durch trockene Haut, Reizung oder eine falsche Ohrenpflege ausgelöst wird.
- Richtige Ohrhygiene: Medizinisch empfohlen wird, auf eine mechanische Reinigung des Gehörgangs vollständig zu verzichten. Die Ohrhygiene sollte sich auf die äußerlich sichtbare Ohrmuschel beschränken und mit lauwarmem Wasser oder speziell entwickelten otologischen Reinigungslösungen erfolgen, die in Apotheken erhältlich sind.
- Alkohol: Bei oberflächlichem Juckreiz in der Ohrmuschel oder am äußeren Gehörgang kann ein antiseptisch wirkendes Hausmittel zum Einsatz kommen: ein mit isopropylhaltigem Alkohol getränkter Wattebausch, der vorsichtig in die Ohrmuschel eingelegt wird - nicht in den Gehörgang selbst.
- Kühlende Kompresse: Eine kühlende Kompresse stellt eine einfache, jedoch medizinisch sinnvolle Maßnahme zur Symptomlinderung bei juckenden Ohren dar.
- Kamille: Kamille hat einen entzündungshemmenden Effekt und kann als Hausmittel bei einer Gehörgangsentzündung angewendet werden. Kochen Sie Kamillentee und legen Sie den auf eine angenehme Temperatur abgekühlten Teebeutel ans Ohr.
- Wärmelampe: Auch eine Wärmelampe, eine sogenannte Rotlichtlampe, gilt als wohltuend bei einer Entzündung des Gehörgangs. Richten Sie sie auf das betroffene Ohr. Die Infrarotstrahlen regen die Durchblutung an.
- Knoblauch/Zwiebeln: Knoblauch wird genau wie Zwiebeln ein entzündungshemmender Effekt nachgesagt und kann die bei einer Gehörgangsentzündung auftretenden Ohrenschmerzen lindern. Schneiden Sie für dieses Hausmittel das Gemüse einfach in kleine Stücke, erwärmen Sie es leicht und wickeln Sie es in ein Tuch ein.
Vorbeugung von Ohrenschmerzen und Juckreiz
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Ohrenschmerzen und Juckreiz vorzubeugen:
- Richtige Ohrhygiene: Vermeiden Sie eine übertriebene Reinigung der Ohren mit Wattestäbchen oder anderen Gegenständen. Reinigen Sie die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang nur mit einem feuchten Tuch.
- Trockene Ohren: Achten Sie darauf, die Ohren nach dem Schwimmen oder Baden gründlich zu trocknen.
- Vermeidung von Reizstoffen: Vermeiden Sie den Kontakt mit bekannten Allergieauslösern und reizenden Stoffen wie Shampoos oder Haarsprays.
- Hörgerätehygiene: Reinigen Sie Hörgeräte regelmäßig, um Infektionen vorzubeugen.
- Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung kann das Immunsystem stärken und Infektionen vorbeugen.
- Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose für Personen über 50 Jahren.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ständiges Jucken im Ohr ist nicht nur nervenaufreibend, es könnte auch eine Krankheit zugrunde liegen. Wenn Sie über einen längeren Zeitraum also den Eindruck haben, das Ohr juckt ständig, gehen Sie zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dieser kann mit einer Otoskopie die Ursache des Juckens feststellen. Gleiches gilt natürlich bei Schmerzen. Nicht zu lange warten sollte man vor allem, wenn Kinder sagen, sie hätten Ohrenschmerzen. Flüssigkeit und Jucken im Ohr können auf eine Ohrinfektion, wie Otitis externa oder Otitis media, hindeuten. Diese Symptome können auch durch Allergien, Hautirritationen oder ein Übermaß an Ohrenschmalz verursacht werden. Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um eine präzise Diagnose und geeignete Behandlung zu erhalten.
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