Transitorische ischämische Attacke (TIA) und Migräne: Ein Vergleich

Die Unterscheidung zwischen einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) und einer Migräne, insbesondere mit Aura, kann eine Herausforderung darstellen, da beide ähnliche Symptome aufweisen können. Eine falsche Diagnose kann jedoch schwerwiegende Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Zustände, um eine bessere Differenzierung zu ermöglichen.

Was ist eine transitorische ischämische Attacke (TIA)?

Eine TIA ist eine plötzlich auftretende, vorübergehende neurologische Störung, die durch eine Durchblutungsstörung des Gehirns verursacht wird. Die Symptome dauern meist nur wenige Minuten, in der Regel zwischen 20 und 30 Minuten, können aber in Einzelfällen auch länger anhalten. Im Gegensatz zu einem Schlaganfall hinterlässt eine TIA keine bleibenden Schäden am Gehirngewebe. Sie ist jedoch ein Warnsignal und erhöht das Risiko eines Schlaganfalls in naher Zukunft erheblich.

Symptome einer TIA

Die neurologischen Symptome einer TIA hängen von der Lokalisation der Durchblutungsstörung ab und können folgende sein:

  • Undeutliche Sprache oder Wortfindungsstörungen
  • Kraftverlust in Armen, Beinen oder einer Gesichtshälfte
  • Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
  • Verlust des Sehvermögens oder Doppelbilder
  • Empfindungsstörungen in einer Körperhälfte
  • Bewusstseinseintrübungen

Diagnose und Behandlung einer TIA

Die Diagnose einer TIA muss stationär neurologisch sichergestellt werden, da ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall besteht und die Symptome denen anderer Erkrankungen ähneln können. Zu diesen sogenannten "Stroke Mimics" gehören unter anderem:

  • Hypoglykämie (Unterzuckerung)
  • Migräne mit Aura
  • Schwindel anderer Ursache
  • Epileptischer Anfall
  • Alkoholintoxikation
  • Periphere Nervenschädigung
  • Psychosomatische Störung

Nach der Diagnosestellung ist eine rasche Behandlung entscheidend, um einen Schlaganfall zu verhindern. Das Schlaganfallrisiko nach einer TIA kann mithilfe des ABCD2-Scores abgeschätzt werden, der Kriterien wie Alter, Art und Dauer der Symptome, Blutdruck und Blutzucker berücksichtigt. Ein Wert über 4 deutet auf ein hohes und über 6 auf ein sehr hohes Risiko hin. Bei Hochrisikopatienten sollte innerhalb von 24 Stunden eine medikamentöse Sekundärprophylaxe (z. B. ASS, Clopidogrel, NOAK) erfolgen.

Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von ischämischen Läsionen

Prävention eines Schlaganfalls

Lebensstil und Ernährung spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention eines Schlaganfalls. Empfehlenswert ist eine ballaststoffreiche, ausgewogene und normkalorische Ernährung, bei Übergewicht eine angepasste kalorienarme Ernährungsweise. Ein übermäßiger Alkoholkonsum und arteriosklerotische Veränderungen der hirnversorgenden Gefäße sind weitere Risikofaktoren.

Die Ernährungstherapie zielt darauf ab, das Bewusstsein der Patienten für ihre bisherigen Ernährungsgewohnheiten zu schärfen und sie zu Verhaltensänderungen zu motivieren. Inhalte sind Wissen über eine ausgewogene, bedarfsdeckende und ggf. krankheitsbezogene Ernährungsweise, die in neue Ernährungsgewohnheiten umgesetzt werden soll.

Was ist Migräne mit Aura?

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die typischerweise einseitig auftreten und von mittlerer bis starker Intensität sein können. Bei etwa 15 % der Patienten kündigt sich die Migräne durch eine Aura an. Die Aura ist eine transiente Funktionsstörung des Gehirns und äußert sich durch reversible, fokale neurologische Symptome wie visuelle Phänomene (z. B. Flimmern, Zickzacklinien), sensorische Störungen (z. B. Kribbeln) oder Sprachstörungen.

Symptome einer Migräne mit Aura

Eine Aura entwickelt sich typischerweise über 20 bis 30 Minuten und klingt etwa eine Stunde vor Beginn der Kopfschmerzphase ab. Typische Symptome sind:

  • Sehstörungen (z. B. einseitige Gesichtsfeldausfälle, Flimmererscheinungen, Zickzacklinien, farbige Randzacken, Flecken, Schleiersehen)
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Kribbeln, etwa in den Händen
  • Wortfindungsstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Ursachen einer Migräne mit Aura

Die Ursache für Migräne und Auren liegt in einer angeborenen Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn. Das Nervensystem von Migränepatienten steht ständig unter Hochspannung, wodurch Reize früher und schneller aufgenommen und verarbeitet werden. Bei zu vielen oder zu schnellen Eindrücken können die Nervenzellen stark aktiviert werden, was zu einem Zusammenbruch der Energieversorgung und einer Entgleisung der Nervenfunktionen führen kann. Da die Sehrinde des Gehirns besonders viel Energie benötigt, kommt es häufig zu Sehstörungen, der typischen visuellen Aura.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Krämpfen

Behandlung einer Migräne mit Aura

Den Verlauf einer Aura kann man kaum beeinflussen. Bei einer erstmaligen oder stark ausgeprägten Migräneattacke mit untypischen Symptomen ist ein Besuch in der Notaufnahme sinnvoll, um andere Erkrankungen auszuschließen. Um eine Aura leichter zu überstehen, ist es wichtig, mit Migräneattacken umzugehen und sich über die Aura zu informieren.

Zur akuten Behandlung der Aura selbst gibt es keine Medikamente oder Hausmittel. Es gibt jedoch Medikamente, die vorbeugend eingenommen werden können, um die Migränehäufigkeit und damit auch die der Auren zu verringern. Ob Triptane während der Aura eingenommen werden sollten, ist umstritten.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen TIA und Migräne mit Aura

MerkmalTIAMigräne mit Aura
UrsacheDurchblutungsstörung des GehirnsAngeborene Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn
SymptomePlötzlich auftretende neurologische Ausfälle (Kraftverlust, Sprachstörungen, Sehstörungen, etc.)Langsam entwickelnde neurologische Symptome (Sehstörungen, Kribbeln, Sprachstörungen), oft gefolgt von Kopfschmerzen
DauerMeist wenige Minuten (20-30 Minuten), selten längerAura: 20-30 Minuten, Kopfschmerzphase: Stunden bis Tage
BegleitsymptomeSelten KopfschmerzenHäufig Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit
RisikoErhöhtes SchlaganfallrisikoLeicht erhöhtes Risiko für vaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt)
DiagnoseStationäre neurologische Untersuchung, ABCD2-ScoreAnamnese, neurologische Untersuchung
BehandlungMedikamentöse Sekundärprophylaxe (ASS, Clopidogrel, NOAK), Behandlung der Ursachen der DurchblutungsstörungAkut: Analgetika, Triptane; Prophylaxe: Medikamente, Verhaltenstherapie

Checkliste: Migräne mit Aura oder Schlaganfall?

Nicht immer einfach ist die Unterscheidung zwischen einer Aura und einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). Sie gilt als Vorbote eines Schlaganfalls. „Und Fehler sind sehr schädlich“, sagt Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel.

Für eine sichere Diagnose muss der Patient mindestens zwei Episoden aufweisen, die spezielle Kriterien erfüllen. „Mit nur einer Episode ist es schwierig zu entscheiden“, sagt Hartmut Göbel. Und ohnehin: Eine Diagnose kann nur ein Arzt oder eine Ärztin stellen.

Wichtig: Besteht Verdacht auf einen Schlaganfall, ist das ein Fall für den Notruf 112. Denn die erste Zeit nach einem Schlaganfall entscheidet über das Ausmaß der Zellschäden im Gehirn, heißt es von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Lesen Sie auch: Neue Therapieansätze bei Migräne

Wenn mindestens zwei der folgenden Punkte erfüllt sind, spricht das eher für einen Schlaganfall:

  1. Alle Symptome treten innerhalb von unter einer Minute mit maximaler Intensität auf und breiten sich nicht allmählich aus.
  2. Es bestehen mehrere Symptome, die gleichzeitig auftreten.
  3. Alle Symptome sind Defizite wie Sehverlust, Taubheit, Lähmungen. Es bestehen keine sogenannten positiven Symptome wie Zickzacklinien, Kribbeln oder Farbsehen.
  4. Die Symptome werden nicht von Kopfschmerz begleitet, es folgt ihnen innerhalb einer Stunde auch kein Kopfschmerz nach.

Eher für eine Migräne-Aura sprechen diese Punkte:

  1. Die Symptome treten langsam über 15 bis 30 Minuten zunehmend auf.
  2. Wenn mehrere Symptome auftreten, treten sie sukzessive, also eines nach dem anderen, auf.
  3. Es bestehen sogenannte positive Symptome wie Zickzacklinien, Kribbeln, Farbsehen.
  4. Nach spätestens einer Stunde folgen diesen Symptomen Kopfschmerzen.

tags: #transitorische #ischamische #attacke #migrane