Acetylcholin (ACh) ist ein essenzieller Neurotransmitter im menschlichen Körper, der eine Vielzahl von physiologischen Prozessen steuert. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen und zwischen Nerven- und Muskelzellen, insbesondere an der motorischen Endplatte. Die Wirkung von Acetylcholin wird durch seine Bindung an zwei Haupttypen von Rezeptoren vermittelt: nikotinische und muskarinische Rezeptoren. Muskarinische Rezeptoren, benannt nach dem Agonisten Muskarin, sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren und vermitteln zahlreiche parasympathische Funktionen. Die Blockade dieser Rezeptoren durch Anticholinergika hat weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Organsysteme.
Acetylcholin: Ein vielseitiger Neurotransmitter
Acetylcholin ist der wichtigste Neurotransmitter im vegetativen (autonomen) Nervensystem, das aus Sympathikus und Parasympathikus besteht. Es fungiert als Botenstoff aller präganglionären parasympathischen und sympathischen Neurone. Beim Parasympathikus vermittelt ACh zusätzlich auch die postganglionäre Signalübertragung, während beim Sympathikus der wichtigste postganglionäre Neurotransmitter Noradrenalin ist. Eine Ausnahme bilden die Schweißdrüsen, die ebenfalls ACh nutzen, obwohl sie sympathisch innerviert sind.
Synthese und Abbau von Acetylcholin
Acetylcholin wird in acetylcholinergen Terminalen aus Cholin und Acetyl-CoA durch das Enzym Cholinacetyltransferase synthetisiert. Nach der Freisetzung in den synaptischen Spalt wird Acetylcholin schnell durch das Enzym Acetylcholinesterase (AChE) in Cholin und Essigsäure gespalten, wodurch die Signalübertragung beendet wird.
Muskarinische Rezeptoren und ihre Funktionen
Muskarinische Rezeptoren sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, die in verschiedenen Geweben und Organen vorkommen. Es gibt fünf Haupttypen von muskarinischen Rezeptoren (M1-M5), die unterschiedliche Funktionen vermitteln:
- M1-Rezeptoren: Vorwiegend im Gehirn und in den Magendrüsen lokalisiert. Sie spielen eine Rolle bei kognitiven Funktionen und der Magensäuresekretion.
- M2-Rezeptoren: Hauptsächlich im Herzen vorhanden. Sie vermitteln die Verlangsamung der Herzfrequenz und die Reduktion der Kontraktionskraft.
- M3-Rezeptoren: In glatten Muskelzellen, Drüsen und Endothelzellen lokalisiert. Sie sind an der Kontraktion der glatten Muskulatur, der Sekretion von Drüsen und der Vasodilatation beteiligt.
- M4-Rezeptoren: Im ZNS vorhanden und an der Regulation der Dopaminfreisetzung beteiligt.
- M5-Rezeptoren: Ebenfalls im ZNS vorhanden und spielen eine Rolle bei der neuronalen Erregbarkeit. Cholinerge Hirnstamm-Neuronen aktivieren nikotinische und muskarinische M5-Rezeptoren.
Anticholinergika: Blockade der muskarinischen Rezeptoren
Anticholinergika sind eine Klasse von Medikamenten, die die Wirkung von Acetylcholin an muskarinischen Rezeptoren blockieren. Sie werden in verschiedenen Formen eingesetzt, darunter intravenös, oral, inhalativ und topisch. Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Anticholinergika sind vielfältig und hängen von der spezifischen Substanz und der Art der Anwendung ab.
Lesen Sie auch: Der Mechanismus der Muskarinwirkung
Wirkungsmechanismus von Anticholinergika
Anticholinergika binden an muskarinische Rezeptoren und verhindern so die Bindung von Acetylcholin. Dies führt zu einer Hemmung der durch Acetylcholin vermittelten Effekte. Die Wirkung von Anticholinergika hängt von der Selektivität für die verschiedenen muskarinischen Rezeptortypen ab. Einige Anticholinergika sind nicht-selektiv und blockieren alle muskarinischen Rezeptoren, während andere selektiver sind und bestimmte Rezeptortypen bevorzugt blockieren.
Therapeutische Anwendungen von Anticholinergika
Anticholinergika werden zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, darunter:
- Bradyarrhythmien: Atropin wird intravenös zur Behandlung von Bradyarrhythmien eingesetzt, um die Herzfrequenz zu erhöhen.
- Spasmen des GI-Trakts und der Harnblase: Anticholinergika werden oral zur Behandlung von Spasmen des Magen-Darm-Trakts und der Harnblase eingesetzt, um die glatte Muskulatur zu entspannen.
- COPD: Inhalative Formen von Anticholinergika, wie LAMAs (langwirksame Muskarinantagonisten), werden zur Bronchodilatation bei COPD-Patienten eingesetzt.
- Asthma: Anticholinergika können auch bei Asthma eingesetzt werden, um die Bronchien zu erweitern und die Sekretion zu reduzieren.
- Zykloplegie und Mydriasis: Augentropfen mit Anticholinergika werden zur Erweiterung der Pupillen (Mydriasis) und zur Lähmung des Ziliarmuskels (Zykloplegie) verwendet, z. B. bei Augenuntersuchungen.
- Überaktive Blase: Anticholinergika wie Solifenacin werden zur Behandlung der überaktiven Blase eingesetzt, um die Harnfrequenz und den Harndrang zu reduzieren.
- Morbus Parkinson: Trihexyphenidyl wird zur Behandlung von Dystonie bei Morbus Parkinson eingesetzt.
- Reizdarmsyndrom (IBS): Anticholinergika können zur Linderung von Bauchschmerzen und Krämpfen bei IBS eingesetzt werden.
- Übelkeit und Erbrechen: Scopolamin wird zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt, insbesondere bei Reisekrankheit.
Unerwünschte Wirkungen von Anticholinergika
Unerwünschte Wirkungen von Anticholinergika sind auf Effekte auf das ZNS und auf eine verminderte Aktivität des parasympathischen Nervensystems zurückzuführen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Mundtrockenheit: Verminderte Speichelsekretion.
- Verschwommenes Sehen: Lähmung des Ziliarmuskels.
- Verstopfung: Verminderte Darmmotilität.
- Harnverhalt: Schwierigkeiten beim Wasserlassen.
- Verwirrung und Gedächtnisprobleme: Insbesondere bei älteren Menschen.
- Erhöhte Herzfrequenz: Blockade der M2-Rezeptoren im Herzen.
- Schwindel: Aufgrund der Wirkung auf das ZNS.
Anticholinerge Vergiftung
Eine Überdosierung von Anticholinergika kann zu einer anticholinergen Vergiftung führen, die durch folgende Symptome gekennzeichnet ist:
- Trockene Haut und Schleimhäute
- Weite Pupillen
- Rötung des Gesichts
- Erhöhte Körpertemperatur
- Halluzinationen und Delirium
- Herzrasen
- Harnverhalt
Die Behandlung einer anticholinergen Vergiftung umfasst in der Regel supportive Maßnahmen wie die Kühlung des Patienten, die Gabe von Flüssigkeit und die Überwachung der Vitalfunktionen. In schweren Fällen kann Physostigmin, ein Cholinesterasehemmer, eingesetzt werden, um die Acetylcholin-Konzentration im synaptischen Spalt zu erhöhen und die Wirkung der Anticholinergika zu antagonisieren.
Lesen Sie auch: Muscarin: Eine Übersicht
Der Einfluss von Corticosteron auf die muskarinische Bronchokonstriktion
Studien haben gezeigt, dass Corticosteron die durch Muskarin induzierte Bronchokonstriktion reduzieren kann. Muskarin bindet an muskarinische Acetylcholinrezeptoren (mAChR), deren physiologischer Ligand das neuronal und nicht-neuronal freigesetzte Bronchokonstriktor Acetylcholin ist. Die mAChR befinden sich auf glatten Muskelzellen und Epithelzellen.
Organische Kationentransporter (OCTs) befinden sich ebenfalls auf glatten Muskelzellen und Epithelzellen. Die OCTs transportieren Acetylcholin und es ist bekannt, dass sie durch Corticosteron gehemmt werden. Corticosteron bindet an den OCT, wird aber nicht durch die Plasmamembran transportiert. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Isoform OCT3, da eine frühere Studie gezeigt hat, dass ihre Blockade durch Corticosteron die Serotonin-induzierte Bronchokonstriktion signifikant abschwächt. OCT3 ist auch als extraneuronaler Monoamintransporter (EMT) bekannt, der zur Beseitigung von Katecholaminen aus dem extrazellulären Raum beiträgt.
Da der Widerstand kleiner peripherer Atemwege für die Pathogenese obstruktiver Lungenerkrankungen besonders relevant ist, untersucht die vorliegende Studie, ob die muskarinische Bronchokonstriktion auch durch Corticosteron beeinflusst wird und wenn ja, durch welchen Mechanismus. Die Hypothese, dass Corticosteron seine Wirkung durch die Blockade von OCT3 mit daraus resultierender Erhöhung der extrazellulären Katecholaminspiegel und anschließender Beta-2-Adrenozeptor-vermittelter Bronchodilatation ausübt, wurde durch die Verwendung des Beta-2-Adrenozeptor-Agonisten Propranolol getestet.
Die Bronchokonstriktion wurde durch videomorphometrische Analyse von Präzisionsschnittlungenschnitten (PCLS) von FVB-Mäusen gemessen. In diesem Modell wurde analysiert, ob Muskarin zu einer Bronchokonstriktion führt und ob diese durch die Anwendung von Corticosteron reduziert werden könnte. Um zu klären, ob Katecholamine an einem dilatatorischen Corticosteroideffekt beteiligt sind, wurde der Beta-2-Adrenozeptor-Antagonist Propranolol eingesetzt.
Die Ergebnisse zeigen, dass der inhibitorische Effekt von Corticosteron nicht auf die Serotonin-induzierte Bronchokonstriktion beschränkt ist, sondern sich auch auf die muskarinische Bronchokonstriktion erstreckt.
Lesen Sie auch: Bewältigungsstrategien gegen Angstbedingte Gehirnblockaden
Cholinesterasehemmer: Eine andere Wirkstoffklasse
Cholinesterasehemmer sind eine andere Klasse von Medikamenten, die die Wirkung von Acetylcholin verstärken, indem sie den Abbau von Acetylcholin durch das Enzym Cholinesterase hemmen. Dies führt zu einer Erhöhung der Acetylcholin-Konzentration im synaptischen Spalt und einer Verstärkung der cholinergen Wirkungen.
Therapeutische Anwendungen von Cholinesterasehemmern
Cholinesterasehemmer werden zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt, darunter:
- Alzheimer-Demenz: Donepezil wird zur Behandlung der Alzheimer-Demenz eingesetzt, um die kognitiven Funktionen zu verbessern.
- Myasthenia gravis: Neostigmin und Pyridostigminbromid werden zur Behandlung von Myasthenia gravis eingesetzt, einer Autoimmunerkrankung, die zu Muskelschwäche führt.
- Blasenentleerungsstörungen: Distigminbromid wird bei neurologisch bedingten Blasenentleerungsstörungen eingesetzt.
Toxizität von Cholinesterasehemmern
Cholinesterasehemmer können toxisch sein, insbesondere bei Überdosierung oder Exposition gegenüber Organophosphaten, die als Insektizide und Nervengase eingesetzt werden. Eine Vergiftung mit Cholinesterasehemmern kann zu einer Cholinergen Krise führen, die durch Symptome wie erhöhten Speichelfluss, verengte Pupillen, Muskelschwäche, Bradykardie und Atemnot gekennzeichnet ist. Die Behandlung einer Cholinergen Krise umfasst die Gabe von Atropin, einem Anticholinergikum, um die Wirkung von Acetylcholin zu blockieren, und Obidoxim, um die Cholinesterase zu reaktivieren.
tags: #muscarin #blockiert #acetylcholin