Transportfähigkeit nach Schlaganfall: Kriterien und Vorgehensweise

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das oft eine schnelle und adäquate medizinische Versorgung erfordert. Wenn ein Schlaganfall im Ausland auftritt, stellt sich die Frage nach einem sicheren und zeitnahen Rücktransport in die Heimat zur Rehabilitation und Weiterbehandlung. Dieser Artikel beleuchtet die Kriterien für die Transportfähigkeit nach einem Schlaganfall, die Organisation eines Krankenrücktransports und die Rolle verschiedener Akteure wie des ADAC.

Was ist ein Krankenrücktransport?

Ein Krankenrücktransport ist der medizinisch notwendige und sinnvolle Transport eines Patienten an seinen Heimatort, wenn aufgrund seines Krankheitsbildes oder mangelnder medizinischer Versorgung vor Ort keine ausreichende Behandlung gewährleistet werden kann. Jede Heimreise, bei der eine medizinische Begleitung oder spezielle Ausrüstung wie eine Trage, ein zusätzlicher Sitz im Flugzeug oder Sauerstoff erforderlich ist, gilt als Krankenrücktransport.

Voraussetzungen für einen Krankenrücktransport

Die wichtigste Voraussetzung für jeden Transport ist die Feststellung der Transportfähigkeit des Patienten aus medizinischer Sicht. Die Ärzte des ADAC sprechen hierzu mit den behandelnden Ärzten vor Ort. Eine vorherige Aufnahme in ein Krankenhaus oder die Konsultation eines Arztes vor Ort ist daher notwendig. Der ADAC Ambulanz-Service organisiert zwar weltweit Krankenrücktransporte, ist jedoch kein Erstrettungsunternehmen.

Wer entscheidet über den Transport?

Letztendlich entscheiden die ADAC Ärzte über Transportmittel und -zeitpunkt, da sie zusätzlich zu ihrer jeweiligen Fachrichtung speziell in Reisemedizin geschult sind. Grundlage für diese Entscheidung sind ausführliche Gespräche mit den behandelnden Ärzten vor Ort und gegebenenfalls mit dem Hausarzt in Deutschland. Die Art des Transports hängt vom Krankheitsbild des Patienten und der Länge der Transportstrecke ab.

Kann man auf einen Krankenrücktransport bestehen?

Nein, die Entscheidung, ob und wie ein Transport durchgeführt wird, liegt ausschließlich bei den ADAC Ärzten, die diesen Transport auch verantworten.

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Kriterien für die Transportfähigkeit nach Schlaganfall

Die Transportfähigkeit eines Patienten nach einem Schlaganfall hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:

  • Allgemeiner Gesundheitszustand: Der Patient sollte stabil genug sein, um den Transport zu überstehen.
  • Neurologischer Zustand: Der Schweregrad der neurologischen Ausfälle und das Vorhandensein von Komplikationen wie Hirnödem oder Krampfanfällen spielen eine wichtige Rolle.
  • Atmungsfunktion: Eine ausreichende Sauerstoffversorgung muss gewährleistet sein. Gegebenenfalls ist eine Beatmung während des Transports erforderlich.
  • Kreislaufstabilität: Der Blutdruck und die Herzfrequenz sollten stabil sein.
  • Vorhandensein von Begleiterkrankungen: Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Diabetes können die Transportfähigkeit beeinträchtigen.
  • Medizinische Versorgung während des Transports: Es muss sichergestellt sein, dass der Patient während des Transports adäquat medizinisch versorgt werden kann. Dies umfasst die Überwachung der Vitalfunktionen, die Gabe von Medikamenten und die Möglichkeit, bei Komplikationen sofort einzugreifen.

Fit-to-Fly-Bescheinigung

Für den Transport von Patienten auf Linienflügen ist eine ärztliche Bescheinigung, das sogenannte "Fit-to-fly" (F2F), erforderlich. Diese Bescheinigung bestätigt, dass der Patient aus medizinischer Sicht flugtauglich ist. Sie enthält Informationen zur Lagerung des Patienten (sitzend, liegend etc.) sowie zur notwendigen medizinischen Begleitung und Ausstattung (z.B. Sauerstoff). Idealerweise wird das Fit-to-Fly (F2F) vom behandelnden Arzt vor Ort ausgestellt, es kann aber auch von einem ADAC Arzt nach gründlicher medizinischer Abklärung erstellt werden, wenn der behandelnde Arzt nicht über die nötige flugmedizinische Erfahrung verfügt.

Transportmittel

Je nach Gesundheitszustand des Patienten und der Entfernung zum Heimatort stehen verschiedene Transportmittel zur Verfügung:

  • Ambulanzflugzeug: Ein Ambulanzflugzeug ist mit intensivmedizinischer Ausrüstung ausgestattet und ermöglicht den Transport von Patienten, die eine kontinuierliche medizinische Überwachung und Behandlung benötigen. Es bietet zudem die Möglichkeit der Druckanpassung, was insbesondere bei Schlaganfallpatienten von Vorteil sein kann.
  • Linienflugzeug mit medizinischer Begleitung (Medical Escort): Diese Option eignet sich für stabile Patienten, die keine intensivmedizinische Versorgung benötigen. Ein Arzt oder Sanitäter begleitet den Patienten während des Fluges und kann bei Bedarf medizinische Hilfe leisten.
  • Krankenwagen: Ein Krankenwagen kann für kürzere Strecken oder für den Transport vom Krankenhaus zum Flughafen eingesetzt werden.

Ambulanzflugzeug vs. Linienflugzeug

Ein Ambulanzflug ist immer dann angezeigt, wenn sich der Patient in kritischem Zustand befindet oder intensivmedizinische Versorgung erforderlich ist. Die Vorteile sind neben der vollumfänglichen medizinischen Versorgung, inklusive Beatmungsgeräten, Perfusoren und Monitoring vor allem die maximale Flexibilität bei Start, Landung und Transfer.

Medical Escort

Ein medizinisch begleiteter Linienflug (Medical Escort) ist eine kosteneffiziente und sichere Möglichkeit, Patientinnen und Patienten nach Deutschland oder in andere Länger zurückzuführen. Dabei erfolgt der Transport im Rahmen eines regulären Linienflugs, jedoch unter medizinischer Aufsicht durch qualifiziertes Fachpersonal.

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Organisation eines Krankenrücktransports durch den ADAC

Der ADAC Ambulanz-Service übernimmt die komplette medizinische und logistische Organisation des Krankenrücktransports, den sogenannten Bett-zu-Bett-Service. Dies umfasst die Suche nach einem freien Bett in einem heimatnahen Krankenhaus sowie den lückenlosen Transport des Patienten vom Krankenhaus im Urlaubsort zum Krankenhaus in der Heimat auf dem Boden oder auf dem Luftweg.

Ablauf eines Krankenrücktransports für ADAC Mitglieder

  1. Kontaktaufnahme: Der Patient, sein Ehepartner, Kind, sonstiger Verwandter, Freund oder die Reisebegleiter nehmen Kontakt mit dem ADAC auf.
  2. Organisation: Das Team des ADAC Ambulanz-Services beginnt mit der Koordination und meldet sich so schnell wie möglich telefonisch beim Anrufer.
  3. Transport: Wenn der Patient transportfähig ist und alle medizinischen Aspekte geklärt sind, geht der Fall in die Flugdisposition. Hier wird der Krankenrücktransport gemanagt.

Medizinische Dokumentation

Medizinische Unterlagen sind vor, während und nach einem Ambulanzflug von zentraler Bedeutung. Sie geben dem begleitenden medizinischen Personal einen umfassenden Überblick zum Gesundheitszustand des Patienten. Dies wiederum ermöglicht die konkrete Planung von Flugzeugtyp, notwendigem Equipment und Medikamenten. Und schließlich sind sie relevant für die anschließende Behandlung am Zielort. Nur, wenn alle Etappen präzise geplant werden, kann die optimale Versorgung während des Transports sichergestellt werden.

Kosten eines Krankenrücktransports

Ein Krankenrücktransport kann sehr teuer werden. Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Entfernung, das Transportmittel und die Notwendigkeit einer medizinischen Begleitung. Ein Ambulanzflug von beispielsweise Ägypten oder den Kanarischen Inseln nach Deutschland kann bis zu 45.000 Euro kosten. Ein Intensivtransport von Mexiko kann bis zu 70.000 Euro und von Asien oder Australien bis zu 130.000 Euro kosten.

Gesetzliche Krankenversicherung und Auslandskrankenversicherung

Grundsätzlich sind Rücktransporte aus dem Ausland nicht von gesetzlichen Krankenversicherungen abgedeckt. Es bedarf einer speziellen Zusatzversicherung bzw. Auslandskrankenversicherung. Diese werden Sie sicher haben. Die Leistungen sind vom Umfang her im abgeschlossenen Vertrag genauer definiert. Manche Versicherungen übernehmen nur, was medizinisch notwendig ist und andere auch, was medizinisch sinnvoll ist.

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