Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden, die den Alltag vieler Menschen beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte von Kopfschmerzen, insbesondere Migräne-Trigger, und bietet einen Überblick über Diagnose- und Behandlungsansätze.
Kopfschmerzen: Eine Definition
Kopf- und Gesichtsschmerzen umfassen alle Schmerzwahrnehmungen im Kopfbereich, unabhängig von ihrer Ursache. Es gibt über 200 verschiedene Krankheitsbilder, die unter dem Begriff Kopfschmerz zusammengefasst werden. Diese können durch Reizungen sensibler Nerven der Hirnhäute, des Knochens, der Gefäße, der Haut und Muskeln oder der Hirnnerven verursacht werden.
Epidemiologie von Kopfschmerzen
Es ist schwierig, genaue Zahlen zur weltweiten oder nationalen Prävalenz von Kopfschmerzen zu nennen, da die Kategorisierung und Einteilung oft heterogen sind. Die Geschlechtsverteilung variiert stark und hängt von der Art des Kopfschmerzes ab. Migräne tritt beispielsweise bei Frauen etwa doppelt so häufig auf wie bei Männern. Schätzungen zufolge leiden etwa 30 % aller Frauen und 20 % aller Männer mindestens einmal im Leben unter Migräne. Etwa 14,5 - 31,7 % aller Frauen und 12,0 - 26,9 % aller Männer leiden unter rezidivierenden Spannungskopfschmerzen. Bei Kindern und Jugendlichen liegt die Migräne-Prävalenz bei etwa 10 - 20 %, wobei bei weiteren 15 % eine Migräne wahrscheinlich ist. Spannungskopfschmerzen haben gemäß den ICHD-3-Kriterien eine Prävalenz von etwa 50 %. Rund 90 % der Patient*innen mit Kopfschmerzen in Notaufnahmen haben primäre Kopfschmerzen wie Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerz. Bei akuten, nicht-traumatischen Kopfschmerzen in der Notaufnahme liegt in 1 - 3 % eine Subarachnoidalblutung vor (Inzidenz: 1 : 10 000).
Klassifikation von Kopfschmerzen
Die International Classification of Headache Disorders (ICHD) der International Headache Society klassifiziert über 200 Kopfschmerz-Erkrankungen. Im Folgenden werden die relevantesten Erkrankungen bzw. Erkrankungsgruppen näher betrachtet:
Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen sind rezidivierende, leichte bis mittelschwere Kopfschmerzepisoden, die zwischen 30 Minuten und 7 Tagen andauern können. Sie sind beidseitig lokalisiert und haben einen drückenden bzw. beengenden Charakter, aber sind nicht pulsierender Natur. Spannungskopfschmerzen lassen sich nicht durch körperliche Aktivität auslösen bzw. verstärken und haben in der Regel keine Begleitsymptome wie Übelkeit/Erbrechen oder Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit. Spannungskopfschmerzen können in sporadische (< 12 Episoden/ Jahr), häufige episodische (< 14 Tage/Monate) sowie die chronische Form (> 15 Tage/Monat) unterteilt werden. Die Ursachen für das Entstehen von Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind nicht vollständig geklärt, aber genetische Faktoren sind von geringerer Rolle.
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Migräne
Bei der Migräne handelt es sich um rezidivierende Kopfschmerzattacken, die etwa 4 - 72 Stunden andauern können. Die Attacken sind unilateral lokalisiert (Wechsel der Seite innerhalb von Attacken ist möglich) und von pulsierend-pochendem Charakter mit mittlerer bis hoher Schmerzintensität. Überempfindlichkeit gegenüber Zeichen der Parasympathikus-Aktivierung (82 %), z.B. Zusätzlich kann die Migräne von sogenannten Aura-Symptomen, also „Vorboten“ vor der eigentlichen Attacke begleitet sein. Diese beginnen in der Regel allmählich über mehr als 5 Minuten, bestehen ca. 5 bis 60 Minuten und treten oft nacheinander auf. Aura-Symptome finden sich aber nur in 10 - 20 % der Fälle.
Cluster-Kopfschmerzen
Cluster-Kopfschmerzen sind in der Regel kurz andauernde, schwere Schmerzattacken, die quasi obligat von autonomen Symptomen begleitet sind, z.B. Tränenfluss, Bindehautinjektion, Nasenlaufen, nasale Kongestion, pathologisches Schwitzen im Stirn-/Gesichtsbereich, Hautrötung, Völlegefühl im Ohr und Lidschwellung. Die Begleitsymptome treten streng ipsilateral zum Schmerz auf. Lokalisiert sind Cluster-Kopfschmerzen in der Regel streng einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal. Der Charakter der Kopfschmerzen ist stechend, mit einer hohen bis sehr hohen Intensität. Die Dauer der Kopfschmerzen liegt bei ca. 15 - 180 Minuten, wobei es aber bis zu 8 Attacken pro Tag mit einem charakteristischen nächtlichen Maximum kommen kann. Zusätzlich kommt es oftmals zu motorischer Unruhe (Umherlaufen). Migräneartige Symptome wie Aura, Übelkeit, Phonound Photophobie können vorkommen. Die Attacken treten meist in Serien über Wochen oder Monate, gefolgt von Zeiten der Remission auf (Clusterepisoden).
Andere primäre Kopfschmerzen
Zu den weiteren primären Kopfschmerzformen zählen unter anderem:
- Schlafgebundener Kopfschmerz (Attacken ausschließlich im Schlaf mit Erwachen; Dauer von 15 min - 4 h; ggf. Übelkeit, sonst keine Begleitsymptome; min.
- Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung bzw. Anstrengungskopfschmerzen (pochend, pulsierend; beidseitiges Auftreten; Beginn innerhalb von 30 min nach Start der körperlichen Betätigung; Dauer: max.
- Kopfschmerz bei sexueller Aktivität bzw.
Sekundäre Kopfschmerzen
Sekundäre Kopfschmerzen sind Kopfschmerzen, die durch eine andere Erkrankung bzw. Ursache ausgelöst werden, darunter z.B. HWS-/Kopftrauma, Gefäßstörungen im Kopf-/Halsbereich, nichtvaskuläre intrakranielle Störungen, Substanzkonsumstörung oder Entzug, Infektion, Homöostasestörung oder psychiatrische Störungen. Die spezifischen Ursachen bzw.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MOH)
Durch die regelmäßige oder auch tägliche Einnahme von Medikamenten bei Kopfschmerzen kann es zu einer Zunahme der Kopfschmerzhäufigkeit kommen, die schlussendlich zu einem chronischen Kopfschmerz führen können. Per definitionem handelt es um Medication Overuse Headache (MOH), wenn die Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten und über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten bestehen.
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Gesichtsschmerzen
Zusätzlich zu den „typischen“ Kopfschmerzursachen gibt es noch weitere Ursachen für Gesichtsschmerzen, welche ggf. mit Kopfschmerzen verwechselt werden können. Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um einen blitzartig einschießenden, extrem heftigen, elektrisierenden und stechenden Schmerz, welcher sich im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Trigeminusäste lokalisieren lässt. In der Regel dauern die Schmerzen Sekunden, selten auch länger (< 2 Minuten) an. Ausgelöst werden sie spontan oder durch Reize wie Berührung, Kauen, Sprechen, Schlucken oder Zähneputzen. Der Verlauf ist in der Regel progredient, wobei 29 % aller Patientinnen nur eine Episode im Leben haben. Bei 28 % der Patientinnen sind es aber drei oder mehr Episoden. Bei der klassischen Trigeminusneuralgie kommt es zwischen den Attacken zur Beschwerdefreiheit. Bei längeren bzw.
Anamnese und Diagnostik
Die Schmerzanamnese sollte in der Regel Auslösung durch oder in Verbindung mit Medikamenteneinnahme (z.B. bisherige Schmerz- und sonstige Medikation (v.a. Begleitsymptome wie Nackensteife, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit, Flimmerskotom, Tränenfluss, Nasenlaufen, Augenrötung, Übelkeit/Erbrechen, Fieber, Ruhebedürfnis bzw. ggf. N - Neurologische Symptome: Bewusstseinsstörung, epileptische bzw. P - Vorgeschichte (Previous headache history): Erstmanifestation? Diagnostisch ist neben der Erfassung der Vitalparameter (v.a. RR, Temperatur) die neurologische Untersuchung von herausragender Wichtigkeit. Hierbei liegt das Augenmerk vor allem auf der Überprüfung der Bewusstseinslage (quantitativ & qualitativ), das Vorhandensein eines Meningismus, die Überprüfung von Pupillo- und Okulomotorik, das Vorhandensein eines Nystagmus sowie Sprache, Kraft, Muskeleigenreflexen, Pyramidenbahnzeichen und Stand-/Gangprobe. Des Weiteren sollten auch die Augen (Blutung, Rötung, Hornhautödem, Horner-Syndrom, Exophthalmus) sowie Ohren (Ausfluss, Zeichen der Otitis) inspiziert werden. Aufgrund der Vielzahl an Kopfschmerzerkrankungen bzw. Auslösern für Kopfschmerzen ist die Anamnese und Diagnostik ggf. erheblich erschwert. plötzliches Auftreten von Kopfschmerzen („Donnerschlag-“ bzw. starker unbekannter bzw.
Differentialdiagnosen
Die Differentialdiagnosen bei Kopfschmerzen sind vielfältig. Einige Beispiele sind:
- Meningitis - Trias aus Meningismus (Nackensteifigkeit), Fieber und Kopfschmerz- neurolog.
- Hypophyseninfarkt- Symptomkombination aus Fieber und plötzliche, starke Kopfschmerzen- Vernichtungskopfschmerz in 2 % der Fälle- ggf.
- Riesenzellarteriitis (früher Arteriitis temporalis)- Symptomkombination aus Fieber und Kopfschmerzen- Kopfschmerzen bei 2/3 der Patient*innen- Kopfschnmerzen meist temporal, okzipital oder frontal, aber auch diffus- Alter i.d.R.
- Dissektion von z.B. A. carotis interna/A. vertebralis- temporal lokalisierte Kopfschmerzen- zusätzlich oftmals Horner-Syndrom mit Miosis und Ptosis- pulssynchroner Tinnitus- Hirnnervenläsionen, v.a. kaudale Hirnnerven- ggf. Visusverlust- ggf. apoplektiformer Beginn mit starken Halsschmerzen- Vernichtungskopfschmerz in 1 % der Fälle- zusätzlich ggf. familiäre hemiplegische Migräne- Symptomkombination aus einseitigem Kopfschmerz und halbseitiger Lähmung- Sensibilitäts-, Seh- und Sprachstörungen- ggf.
- posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom (PRES)- arterielle Hypertonie bzw. schwere Blutdruckentgleisungen als häufigster auslösender Faktor - oft auch in Verbindung mit bestehender Schwangerschaft- Kopfschmerzen (i.d.R. dumpf und diffus); ggf. Vernichtungskopfschmerz- generalisierte tonisch-klonische oder fokale Krampfanfälle- ggf.
- Sinusvenenthrombose- bei 1/3 der Betroffen asymptomatischer Verlauf, sonst eher unspezifisch- in 90 % der Fälle Kopfschmerzen, aber nur in 25 % Kopfschmerzen aus einziges Symptom- apoplektiformer Beginn- meist langsam zunehmende Kopfschmerzen (meist täglich, wobei episodische Verläufe möglich sind) mit sehr variabler Intensität und Lokalisation- Vernichtungskopfschmerz in 1 % der Fälle- evtl. Hirndruckzeichen- ggf. epileptischer Anfall in 40 % der Fälle- Paresen und/oder Sensibilitätsstörungen- quantitative und qualitative Bewusstseinsstörungen- Psychosen- Aphasie- Stauungspapille, Sehstörungen, Doppelbilder- Übelkeit und/oder Erbrechen- Nackensteifigkeit- ggf.
- cerebrale Ischämie/intrakranielle Blutung- Vernichtungskopfschmerz in 3 % der Fälle- Hemiparese und/oder Facialisparese- motorische und/oder sensorische Aphasie- ggf. epileptischer Anfall- ggf. Sehstörungen (Gesichtsfeldausfall, Visusverlust, Doppelbilder etc.)- plötzlich auftretende Eintrübung des Bewusstseins, bis Bewusstlosigkeit- Verwirrtheit und Desorientiertheit- Übelkeit und/oder Erbrechen- ggf.
- reversibles Vasokonstriktionssyndrom (RCVS)- apoplektiformer Beginn- Vernichtungskopfschmerz, i.d.R. idiopathische intrakranielle Hypertension- über Stunden mit starker Intensität anhaltender Kopfschmerz, meist pulsatil und ggf.
- Subarachnoidalblutung (SAB)- Symptomkombination aus Fieber und Kopfschmerzen, wobei Fieber eher im Verlauf weniger Tage nach Ereignis auftritt- retrospektives Kopfschmerzereignis in den Tagen/Wochen in der Anamnese (in 11 - 43 % der Fälle)- apoplektiformer Beginn- ggf. Vernichtungskopfschmerz bzw. „donnerschlagartiger“ Kopfschmerz als plötzlicher Beginn- Dauer ≥ 1 h, oftmals mit symptomfreiem Intervall (Latenzzeit)- progredienter Kopfschmerz- zunehmende Vigilanzminderung/Bewusstseinsstörung- ggf. Ottawa-Kriterien (min. ein Kriterium muss vorliegen für V.a. SAB)- Alter ≥ 40 Jahre- Maximum in Sekunden- beobachteter Bewusstseinsverlust- Beginn bei körperlicher Aktivität- Nackenschmerz bzw.
Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen
Vor allem bei der Migräne gibt es bei Kindern und Jugendlichen ein paar Besonderheiten. Darunter ist zum Beispiel die kürzere Dauer der einzelnen Attacken, welche bei 2 - 72 Stunden liegt. Darüber hinaus sind die Schmerzen häufiger bilateral als unilateral, i.d.R. frontal lokalisiert. Zusätzlich zu den typischen vegetativen Symptomen wie Übelkeit und/oder Erbrechen kommt es häufig auch „nur“ zu abdominellen Schmerzen. Das Auftreten der kindlichen Migräne ist oftmals in den frühen Morgenstunden zu beobachten und geht mit einem starken Schlafdrang einher.
Kopfschmerzen in der Schwangerschaft
Wichtige, zu berücksichtigende, weil bedrohliche Kopfschmerzursachen in der Schwangerschaft bzw.
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Therapie von Kopfschmerzen
Grundsätzlich lässt sich primär konstatieren, dass sekundäre Kopfschmerzen ursächlich behandelt werden sollen bzw. müssen. Da initial nicht immer sofort die Ursache der sekundären Kopfschmerzen klar ersichtlich ist, sollte hier mit einer symptomatischen Therapie, auch präklinisch, begonnen werden. Als Orientierung bzgl. der Analgesie ist das WHO-Stufenschema zur Schmerztherapie zu nutzen. Sollte eine intrakranielle Blutung als Ursache der Kopfschmerzen nicht ausgeschlossen werden können, so sind NSAR ohne gerinnungsbeeinflussende Wirkung zu nutzen, z.B. 1000 mg Paracetamol oder 1000 mg Metamizol i. v. Bei einer Subarachnoidalblutung hat zusätzlich eine strenge und zielgerichtete Blutdruckeinstellung mit Zielwerten von 60 - 90 mmHg beim arteriellen Mitteldruck bzw. 140 mmHg als systolischer Druck. Für die jeweiligen primären Kopfschmerzerkrankungen sind die nachfolgenden Empfehlungen zu nutzen, wobei primär zu erwähnen ist, dass Ketamin i.n. sowie Opioide und Magnesium i. v. keinen festen Stellenwert in der Notfallbehandlung von primären Kopfschmerzen haben. Dopaminantagonisten wie Metoclopramid haben eine schmerzlindernde Wirkung und können bei akuten Kopfschmerzen als Off-Label-Use eingesetzt werden. Die Gabe von Flüssigkeit i. v.
Therapie von Migräne
Patient*innen mit einer (bekannten) Migräne haben in den meisten Fällen schon eine Akut-/Bedarfsmedikation, welche oftmals auch schon eingenommen worden ist. Hier ist es wichtig, diese vorher zu erfragen, um eine Überdosierung zu vermeiden. Initiale Allgemeinmaßnahmen wie Reizabschirmung, körperliche Entspannung, Ruhe von entscheidender Bedeutung. Als Therapieschema für leichte Migräneattacke eignen sich 250 - 265 mg ASS + 200 - 265 mg Paracetamol + 50 - 65 mg Koffein als Mittel der 1. Wahl sowie 1000 mg Paracetamol p.o./i.v. oder 1000 mg Metamizol p.o./i.v.. Bei schwerem Migränekopfschmerz eignen sich Triptane oder 1000 mg ASS als Mittel der 1. Wahl in Verbindung mit 10 mg Metoclopramid i.v, alternativ auch Prochlorperazin. (CAVE: Gabe von ASS nur bei bekanntem Migränekopfschmerz). Mittel der 2. Wahl bei schwerer Migräne ist die Kombination aus Triptan und NSAR, z.B. Naproxen. Weitere Therapieoptionen in abhängig der Schmerzintensität sind 200 - 600 mg Ibuprofen oder 50 - 100 mg Diclofenac. Die Dosierungen der o.g. 6 mg Sumatriptan s. c. Bei ausbleibender Wirkung bzw. einem Status migraenosus ist die Gabe von 50 - 500 mg Prednisolon i.v. täglich über 3 Tage oder die Gabe von 4 - 8 mg Dexamethason empfohlen. Die einmalige Gabe von z.B. Die präventive Gabe von Steroiden, z.B. Bei Kindern und Jugendlichen können kurze Migräneattacken (< 3 h) initial versucht werden…
Migräne-Trigger
Die Ursache von Kopfschmerzen ist sehr vielfältig. Die klassischen Auslöser von Migräneattacken sind Änderungen im Lebensrhythmus, etwa im Schlaf-Wach-Rhythmus (Schlafstörungen, langes Ausschlafen) oder in der Nahrungsaufnahme (Diäten oder zu wenig trinken). Auch Stress- oder Poststress-Situationen können als Trigger wirken wie auch der Konsum von Alkohol, Zitrusfrüchten, Fisch, Glutamat oder Käse. In manchen Fällen können Attacken auch durch körperliche Anstrengung ausgelöst werden. Auch Arzneimittel können Migräneattacken auslösen. Gerade bei älteren Personen, die als Jugendliche Migräne hatten und nach Jahren der Ruhe wieder Attacken entwickeln, sollte man an diese Möglichkeit denken. Wirkstoffe wie Nitrate, Amlodipin, Ramipril, andere Gefäßdilatatoren und auch Protonenpumpeninhibitoren sind häufig Auslöser von Attacken. Auch andere Substanzen wie die α-Blocker Tamsulosin und Alfuzosin erweitern die Gefäße und können so eine Attacke hervorrufen. Bei Sexualhormonen etwa in oralen Kontrazeptiva sei zu beachten, dass sowohl die Gabe als auch das Absetzen - also eine Veränderung des Hormonstatus - eine Attacke triggern können.
Stress als Migräne-Trigger
Unter den unzähligen Auslösern - von sensorischen Reizen bis hin zu veränderten Schlafgewohnheiten - steht Stress an erster Stelle und gilt als einer der Hauptverursacher von Migräneanfällen. Stressbedingte Migräne ist eine durch Stress ausgelöste Kopfschmerzepisode, die durch starke pochende oder pulsierende Schmerzen gekennzeichnet ist, typischerweise auf einer Seite des Kopfes, und manchmal von anderen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und extremer Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet wird. Der Zusammenhang zwischen Stress und Migräne hängt mit den physiologischen Reaktionen des Körpers auf Stressoren zusammen - Bedingungen oder Ereignisse, die den normalen physiologischen, psychologischen oder umweltbedingten Zustand einer Person stören. Wenn eine Person mit Stress konfrontiert wird, reagiert der Körper mit einem Zustand erhöhter Erregung, um sich auf die „Kampf- oder Flucht“-Reaktion vorzubereiten. Dabei werden verschiedene Hormone und Neurotransmitter wie Cortisol, Adrenalin (Epinephrin) und Noradrenalin ausgeschüttet, die zu verschiedenen physiologischen Reaktionen wie erhöhter Herzfrequenz, geschärften Sinnen, beschleunigten Reflexen und der Umleitung des Blutflusses zu wichtigen Bereichen wie den Muskeln führen. Im Zusammenhang mit Migräne oder Kopfschmerzen durch Stress können diese physiologischen Reaktionen die zerebralen Aktivitäten so beeinflussen, dass sie Migräne auslösen. Bei Personen, die für Migräne prädisponiert sind, kann Stress die Freisetzung von Neuropeptiden oder Vasodilatatoren im Gehirn stimulieren, die das umliegende Gewebe und die Blutgefäße entzünden und so Migräneschmerzen verursachen können. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt, und wahrscheinlich sind mehrere Systeme im Gehirn beteiligt, die auf komplexe Weise zusammenwirken.
Burnout und Migräne
Burnout kann tatsächlich Migräne durch Stress verursachen. Burnout ist oft das Ergebnis eines langanhaltenden, ungesunden Umgangs mit Stress. Es äußert sich in körperlicher und emotionaler Erschöpfung, die das Nervensystem beeinflussen und zu einer Vielzahl von Symptomen führen können, einschließlich Migräne. Der ständige Zustand der Anspannung und Überlastung bei Burnout kann das Auftreten oder die Verschlimmerung von Migräneattacken begünstigen, da der Körper in einem ständigen Zustand von „Kampf oder Flucht“ bleibt, was die physiologischen Trigger für Migräneaktivität erhöhen kann.
Medikamente und Migräne
Ein Bericht aus der Praxis zeigt, wie wichtig es ist, die Medikamentenanamnese sorgfältig zu prüfen, um mögliche Auslöser zu identifizieren. Ein Patient, der über viele Jahre unter starken Kopfschmerzen litt, fand erst Linderung, nachdem er seine Schmerzmittel abgesetzt hatte. Die Ursache seiner Beschwerden war eine Schmerzmittelabhängigkeit, die zu chronischen Kopfschmerzen geführt hatte.
Hemiplegische Migräne
Die hemiplegische Migräne (HM) ist eine seltene Migräneart mit Aura und einseitiger Lähmung, die bei fehlenden intrakraniellen Auffälligkeiten und vollständig reversibler motorischer Schwäche in Betracht gezogen werden sollte. Eine prophylaktische Behandlung mit Propanolol kann weitere Episoden reduzieren. Die HM kann familiär (Ionenkanalerkrankungen, bei Verwandten 1. oder 2. Grades) oder sporadisch auftreten. Die Prävalenz beträgt etwa 0.01%. Es treten eine Aura, vollständig reversible motorische Schwäche, visuelle, sensorische und/oder sprachliche Symptome auf. Die Lähmung kann abwechselnd, selten gleichzeitig beidseitig auftreten und hält üblicherweise weniger als 72 Stunden an. "Teilweise sind zusätzliche Symptome wie bei Migräne mit Hirnstammaura, Liquorpleozytose, Verwirrtheit, sowie eine Triggerung durch leichte Schädel-Hirn-Traumen möglich" (Gaul C. Migräne). "Sehr selten können durch solche Bagatelltraumata, Katheterinterventionen oder Kontrastmittelgaben temporäre Hirnödeme getriggert werden" (Totzeck A, Diener H). Während einer Migräneattacke können verstärkte Sehnenreflexe und sensomotorische Defizite der oberen Extremitäten auftreten, die die klinische Differenzierung zum Schlaganfall oder der transienten ischämischen Attacke (TIA) erschweren.
Migräne mit Hirnstammaura
Vor 40 Jahren wurde die Migräne mit Hirnstammaura das erste Mal beschrieben. Damals war noch von Basilarismigräne die Rede. Bis zu diesem Zeitpunkt standen Mediziner vor einer großen diagnostischen Herausforderung. Auch heute werden die Symptome oft nicht sofort einer Migräne mit Hirnstammaura zugeschrieben. Hörminderung, Doppeltsehen oder Taubheitsgefühle sind nur Beispiele für typische Anzeichen der besonderen Migräne-Form. Die Migräne mit Hirnstammaura ist eine sehr seltene Form der Migräne mit Aura. Sobald Patienten an einer Aura leiden, kommt es generell zu neurologischen Ausfällen oder Reizungen, die von den kortikalen (die Großhirnrinde betreffenden) Arealen im Gehirn ausgehen. Im Gegensatz dazu treten die Durchblutungsstörungen bei dieser Unterform im Hirnstamm auf. Daher betreffen die Beschwerden auch die Bereiche, die im Hirnstamm gesteuert werden, zum Beispiel die Motorik.
Mikronährstoffe bei Kopfschmerzen
- Vitamin D - Vitamin-D-Mangel ist bei chronischen Schmerzpatienten verbreitet. Ein 25(OH)D-Spiegel unter 30 ng/ml wird mit erhöhter Schmerzintensität und zentraler Sensibilisierung assoziiert. Ziel ist eine suffiziente Versorgung mit mindestens 30-50 ng/ml, was ggf.
- Vitamin B2 (Riboflavin) - Ein Mangel an Riboflavin kann die zelluläre Energieproduktion beeinträchtigen.
- Magnesium - Ein funktioneller Magnesiummangel ist bei Kopfschmerzen häufig und fördert die neuronale Übererregbarkeit. Eine tägliche Magnesium-Supplementation mit 200-250 mg (z. B.
- Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA)/Docosahexaensäure (DHA)) - Eine hohe Zufuhr (> 1 g/Tag) wirkt entzündungsmodulierend und kann neurovaskuläre Prozesse beeinflussen. Studien zeigen bei chronischem Schmerzpotenzial eine Reduktion proinflammatorischer Mediatoren (z. B.
- Coenzym Q10 - Coenzym Q10 ist ein essenzieller Cofaktor mitochondrialer Energieprozesse. Studien zeigen, dass eine tägliche Supplementation mit 100-300 mg die mitochondriale Dysfunktion verbessern und die Häufigkeit chronischer Kopfschmerzen reduzieren kann.
- Probiotika - Bei chronischer Schmerzproblematik und häufiger Analgetikaeinnahme sind Veränderungen der Darmmikrobiota zu erwarten. Bestimmte probiotische Stämme (z. B.
- Vitamin B-Komplex - Eine Kombination aus B1, B6, B12 kann die Neuroregeneration und Stressresilienz fördern - bei begleitender Polyneuropathie oder psychiatrischer Komorbidität (z. B.
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