Die Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen auszeichnet. Bei Frauen können Migräneattacken in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auftreten. Diese Form der Migräne wird als menstruelle Migräne bezeichnet. Die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) ist eine Heilpflanze, die traditionell zur Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt wird. Es stellt sich die Frage, ob die Traubensilberkerze auch bei menstrueller Migräne eine Wirkung zeigen kann.
Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzarten an. Die Klinik verfügt über ein Clusterkopfschmerz-Kompetenzzentrum und bietet spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche.
Für die Aufnahme in die Klinik sind folgende Schritte erforderlich:
- Eine Verordnung von Krankenhausbehandlung durch den behandelnden Arzt.
- Das Ausfüllen der Aufnahme-Checkliste durch den Arzt.
- Das Ausfüllen des Schmerzkalenders und des Schmerzfragebogens durch den Patienten.
- Das Einsenden aller Unterlagen und relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die Klinik.
Menstruelle Migräne: Definition und Klassifikation
Migräneattacken können in zeitlicher Relation zum menstruellen Fenster auftreten. Die Internationale Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) definiert die menstruelle Migräne als Attacken, die am Tag 1 ± 2 der Menstruation in mindestens 2 von 3 Menstruationszyklen auftreten. Dabei wird zwischen reiner menstrueller Migräne (Attacken treten ausschließlich im Zusammenhang mit der Menstruation auf) und menstruationsassoziierter Migräne (zusätzlich Attacken auch zu anderen Zeiten des Zyklus) unterschieden. Beide Formen können mit oder ohne Aura auftreten.
Die Mechanismen der Migräne können sich in Abhängigkeit davon unterscheiden, ob die endometriale Blutung als Folge des normalen endogenen Menstruationszyklusses oder eines Entzuges von externen Gestagenen (wie bei kombinierten oralen Kontrazeptiva und einer zyklischen Hormonersatztherapie) auftritt.
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Hormone und Migräne
Zahlreiche für die Pathophysiologie der Migräne relevante Gehirnareale, das kraniale Gefäßsystem, die Dura mater sowie das Hinterhorn des Rückenmarks exprimieren Estrogen-Rezeptoren. Dadurch können schmerzhafte Reize moduliert werden. Es gibt Hinweise, dass zumindest bei einigen Frauen menstruelle Migräneattacken durch einen Estrogenentzug ausgelöst werden können, auch wenn möglicherweise andere hormonelle oder biochemische Veränderungen zu diesem Zeitpunkt des Zyklus ebenfalls relevant sein können.
Der Effekt von Hormonen auf Kopfschmerzen wurde im Hauptteil „sekundäre Kopfschmerzen“ in der 2. Auflage 2004 (ICHD-2) der internationalen Kopfschmerzklassifikation aufgenommen.
Im Jahre 1972 beschrieb Somerville, dass die intramuskuläre Injektion kurz vor der Menstruation von Estradiolvalerat, ein pro-drug Ester von 17 β-Estradiol, das Eintreten einer menstruell assoziierten Migräneattacke verzögern kann. Es wurde eine Schwellenkonzentration von zirkulierendem 17-β-Estradiol von 45-50 pg/ml identifiziert, unterhalb der eine Migräneattacke ausgelöst werden kann.
Estrogene entwickeln ihre biologische Wirkung im zentralen Nervensystem durch genomische oder nichtgenomische zelluläre Mechanismen. Dadurch können die Neurotransmission und die Zellfunktion verändert werden. Zahlreiche Gehirnareale, die in der Pathophysiologie der Migräne involviert sind, exprimieren Estrogenrezeptoren. Dies trifft insbesondere für den Hypothalamus, das Kleinhirn, das limbische System, Brückenkerne sowie das periaquäduktale Grau (Substantia grisea periaquaeductalis) zu.
Das serotoninerge System kann durch Estrogen aktiviert werden, was sich protektiv gegenüber Migräneattacken auswirken kann. Estrogen kann auch die erregende Wirkung von Glutamat erhöhen. Dies kann die erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Entstehen einer Migräneaura in Phasen hoher Estrogen-Konzentrationen erklären, wie z.B. Estrogen kann das γ-Aminobuttersäure-System (GABA) modulieren, welches inhibitorisch im Nervensystem wirkt. Estrogene können auch das endogene Opioidsystem durch erhöhte Synthese von Enkephalin modulieren.
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Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa)
Die Traubensilberkerze (Actaea racemosa) ist vor allem als pflanzliches Arzneimittel bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden bekannt. Sie zeigt Wirkung bei Symptomen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Verstimmungszuständen. Zur Anwendung kommen der Wurzelstock und die Wurzeln. Verfügbar sind pflanzliche und homöopathische Arzneimittel, auch in Wechseljahrestees ist der Extrakt enthalten.
Früher ging man davon aus, dass die Wirkung der enthaltenen Triterpene hormon-ähnlich ist. In neuen Untersuchungen wurde jedoch gezeigt, dass der Wirkmechanismus des Extrakts ein anderer ist. Nach aktuellen Studien greift Cimicifuga nicht in den Hormonhaushalt ein. Die Wirkung kommt über das zentrale Nervensystem zustande und wird über Dopamin- und Serotonin-Rezeptoren vermittelt.
Anwendung der Traubensilberkerze
Die Wechseljahre der Frau sind das hauptsächliche Anwendungsgebiet für einen Cimicifuga-Extrakt. Typische Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen gehören in den Wirkungskreis dieses Arzneimittels. Sie ist eine ausgesprochene Heilpflanze für Frauen. Ihre Anwendungsgebiete sind, neben Hitzewallungen & Co, die schmerzhafte Regelblutung, krampfartige Regelschmerzen und prämenstruelle Beschwerden.
Die Ureinwohner Nordamerikas verwendeten sie auch zur Erleichterung von Entbindungen und als Mittel gegen Schlangenbisse. Sie nutzten das Arzneimittel ebenso gegen Gelenkschmerzen, doch diese Anwendung ist hierzulande nicht bekannt und es gibt auch keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür.
Sehr häufig empfehlen Apotheker(in) und Arzt/Ärztin Präparate mit Cimicifuga-Trockenextrakt als Filmtablette zur Behandlung moderater Beschwerden der Wechseljahre. Die Dosierung ist jeweils der Packungsbeilage zu entnehmen. Homöopathisch steht das Mittel Cimicifuga als Urtinktur oder potenziert in Form von Globuli, Tropfen und Tabletten zur Verfügung. Zusätzlich werden homöopathische Mittel als Komplexmittel angeboten, die verschiedene Mittel miteinander kombinieren.
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Homöopathische Anwendung von Cimicifuga
Die homöopathische Anwendung von Cimicifuga unterstützt bei:
- Regelbeschwerden
- Schmerzen (Kopf, Muskeln, Gelenke, Unterleib, Nerven)
- Verstimmungszuständen
- Erregung, Reizbarkeit
Nebenwirkungen
Cimicifuga racemosa ist in der Regel ein sehr gut verträgliches Arzneimittel für die Beschwerden der Wechseljahre. Sehr selten jedoch können Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt wie Magenschmerzen, Übelkeit oder Durchfall auftreten. Ebenfalls selten werden Hautreaktionen wie Juckreiz oder Ausschlag beobachtet. Die Einnahme eines derartigen pflanzlichen Arzneimittels hat in wenigen, einzelnen Fällen vermutlich zu erhöhten Leberwerten geführt, die sich nach Absetzen wieder schnell erholten. Auch wenn das Risiko sehr gering ist, sollten Frauen mit Lebererkrankungen vor der Einnahme den Arzt bzw. die Ärztin oder Apotheker/in fragen.
Durch ihre blutdrucksende und gefäßerweiternde Eigenschaft kann die Heilpflanze einen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System und damit verbundene Symptome haben. Eine Einnahme während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen.
Traubensilberkerze bei Menstrueller Migräne
Obwohl die Traubensilberkerze traditionell bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird, gibt es Hinweise darauf, dass sie auch bei menstrueller Migräne eine Wirkung zeigen kann. Die Pflanze wirkt schmerzstillend und entkrampfend, was bei Menstruationsbeschwerden und Kopfschmerzen hilfreich sein kann. Einige homöopathisch arbeitende Gynäkologen und Hebammen empfehlen Cimicifuga für Frauen mit Menstruationsbeschwerden, PMS, Gemütsveränderungen, Bauchkrämpfen, Schmerzen im Oberbauch, ausbleibender Monatsblutung, aber auch bei Kopfschmerzen und steifem Nacken während der Periode.
Weitere Therapieansätze bei Menstrueller Migräne
Neben der Traubensilberkerze gibt es weitere Therapieansätze bei menstrueller Migräne:
- Hormonelle Therapie: Bei einigen Frauen kann eine Hormontherapie mit Östrogen oder Progesteron helfen, die Migräneattacken zu reduzieren.
- Schmerzmittel: Akute Migräneattacken können mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Triptanen behandelt werden.
- Migräneprophylaxe: Bei häufigen Migräneattacken kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten wie Betablockern oder Antidepressiva sinnvoll sein.
- Homöopathie: Einige homöopathische Mittel wie Cimicifuga racemosa, Cyclamen europaeum oder Iris versicolor können bei Migräne helfen.
- Schüssler Salze: Schüssler Salz Nummer 7, Magnesium phosphoricum, kann bei Migräne und Kopfschmerzen entspannend und schmerzlindernd wirkend.
Fazit
Die Traubensilberkerze ist eine Heilpflanze, die traditionell zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird. Es gibt Hinweise darauf, dass sie auch bei menstrueller Migräne eine Wirkung zeigen kann, insbesondere aufgrund ihrer schmerzstillenden und entkrampfenden Eigenschaften. Die homöopathische Anwendung von Cimicifuga kann bei Regelbeschwerden, Schmerzen und Verstimmungszuständen hilfreich sein.
Es ist wichtig, die Anwendung der Traubensilberkerze mit einem Arzt oder Apotheker zu besprechen, insbesondere bei bestehenden Lebererkrankungen oder während der Schwangerschaft. Neben der Traubensilberkerze gibt es weitere Therapieansätze bei menstrueller Migräne, wie hormonelle Therapie, Schmerzmittel, Migräneprophylaxe, Homöopathie und Schüssler Salze.
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